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Wird Putin aus Selenskyj einen Bandera-Mann machen?

3 Kommentare
Wladimir Putin im jüdischen MuseumQuelle: kremlin.ru

Diese Geschichtspolitik hat der Ukraine geschadet, sie schwach und angreifbar auf der internationalen Arena gemacht und mehr noch die ukrainische Gesellschaft im Inneren polarisiert. Die Sache ist die, dass derartige Helden die Ukrainer nicht einen. Sie riefen unvereinbare Antagonismen hervor und haben das Land buchstäblich auseinandergerissen. Der Gerechtigkeit halber muss ebenfalls gesagt werden, dass das ebenso nicht ohne massive Attacken der russischen Propaganda stattfand, in denen die Ukraine als Intrige der westlichen Feinde gegen Russland dastand, als Erbin des Nationalsozialismus und Faschismus. Darüber, dass in der Ukraine nicht die Revolution der Würde ausbrach, sondern ein faschistischer Putsch stattfand, in dessen Folge eine faschistische Junta an die Macht gelangte. Man kann dazu wie zu einem kranken Wahn stehen (was in Wirklichkeit den Tatsachen entspricht), doch die häufige Neigung der russischen Propaganda zu Tölpelei und die einseitige Geschichtspolitik dienten als anschauliche Bestätigung für den „Naziputsch“ für wenig informierte und wenig gebildete Leute. Doch die Schädlichkeit einer derartigen Gedenkpolitik ist unzweifelhaft.

Erneut taucht die gesetzmäßige Frage auf, wenn denn die Politik des Ukrainischen Instituts für nationales Gedächtnis so schädlich war, warum hat sich niemand dagegen ausgesprochen und das gestoppt? Hoffen wir, dass ihre Schöpfer keine schlechten Absichten hatten. Sie hofften aufrichtig, aber äußerst naiv, dass sie mit Hilfe von Beispielen historischer Kämpfer für die Ukraine die Ukraine am Besten zur Verteidigung des Vaterlands mobilisieren können. Gehen wir davon aus, dass sie einen sehr einfachen mechanistischen Weg gegangen sind, aus der Geschichte der Ukraine alle Taten aussondernd, bei denen Ukrainer mit der Waffe in der Hand gegen Russland kämpften, damit die „historische“ Feindschaft dieser beiden Völker zu beweisen versuchend.

Es kam sicherlich auch nicht ohne materielle „Düngung“ vonseiten der ukrainischen nationalistischen Diaspora aus. Die Diaspora hat die Glorifizierung der „Bandera“-Heldenlinie großzügig bezahlt, sogar nicht darüber nachdenkend, dass die Legalisierung und „Aufhellung“ sehr in die Hände von Moskau spielt. Damit die russische antiukrainische Propaganda sich nicht besonders anstrengen musste, reichte es aus, den Oberkommandierenden der UPA, Roman Schuchewytsch, in der Wehrmachtsuniform zu zeigen und die Information mit seinem Dienst im 201. Polizeibataillon in Belarus zu vervollständigen. Wenn wir aufrichtig sind, dann drängte sich mitunter der Eindruck auf, dass die ukrainischen Schöpfer des Gedenkens Hand in Hand mit der russischen Propagandamaschine zusammenarbeiteten. Dass die Kremlpropaganda die Agenda für die Geschichtspolitik in der Ukraine schreibt.

Es geschahen wundersame Sachen. Als Petro Poroschenko bei den Wahlen 2014 siegte, da spielten historische Fragen in seinem Programm keine merkliche Rolle. Doch danach, mit dem Verlust der Wählerunterstützung, trat Petro Olexijowytsch [Poroschenko] immer mehr auf das historische Feld. Seine Rhetorik radikalisierte sich und begann in der Hauptsache an ein spiegelbildliches Abbild der russischen zu erinnern. Mit dem Unterschied, dass dort die „dedy wojewali / Großväter kämpften“ und hier die „didy wojuwaly / Großväter kämpften“, dort „kein Vergessen, kein Vergeben“, hier „wir erinnern uns, wir verzeihen nicht“. Wenn wir das über die Zeit verfolgen, dann hat diese Rhetorik beständig das Fiasko von Petro Poroschenko näher gebracht und mit ihm des von ihm gelenkten Staates. Wie der Auftritt von Sofija Fedyna beim Kongress der „Europäischen Solidarität“ [Poroschenkos Wahlverein, A.d.Ü.] zeigte, wird Poroschenko auch weiter reaktiv innerhalb der dick durch die Russen aufgestellten Falle agieren. Tatsächlich wird jetzt ein vollwertiges Spiel im Schlagdame mit Putin nicht gelingen, da der Einfluss Poroschenkos auf die ukrainische Politik minimal zu versprechen scheint.

Es schien so, dass Russland die vergangenen fünf Jahre die Ukraine ständig über ein historisches Minenfeld führte. Und wie sich herausstellte, musste der Kreml dafür keine besonderen Anstrengungen unternehmen. Es reichte das ukrainische Meta-Narrativ auf Stepan Bandera, OUN und UPA zu verengen und das Team von Petro Poroschenko begann hartnäckig für den Schutz der eigenen historischen Heiligen zu arbeiten, dabei den Status des eigenen Landes auf internationaler Ebene herabsetzend. Die „Verdienste“ der polnischen Seite in der katastrophalen Verschlechterung der ukrainisch-polnischen Beziehungen nicht herabwürdigend, muss betont werden, dass dennoch zur Hauptursache dieses Scheiterns die Glorifizierung von OUN und UPA durch die Ukraine wurde. Mit dieser Politik hat die Ukraine sich in eine Pattsituation getrieben. Und jetzt muss die neue Regierungsmannschaft irgendwie aus ihr herauskommen, damit die Geschichte die Ukraine nicht endgültig mattsetzt.

Doch die Versuche Präsident Selenskyj in die alten „russischen“ Kreise zu schicken sind mehr als offensichtlich. Beispielsweise hat der Präsident Russlands, Wladimir Putin, bei seinem Auftritt in Moskau bei der Eröffnung des Denkmals für die Helden des Widerstands in den faschistischen Konzentrationslagern und jüdischen Ghettos, alle für den Holocaust Verantwortlichen zornig verurteilt. Er trat flammend für die Unzulässigkeit einer Wiederholung von Genoziden ein und verwies gleitend auf die, aus der Sicht Russlands, größten Verbrecher. Hier ist es wichtig die direkte Rede zu zitieren: „Die massenhafte, ans laufende Band platzierte Vernichtung von Menschen – ist ein bestialisches Verbrechen des Nazismus, für das es keine Vergebung gibt. Wie auch diejenigen nicht gerechtfertigt werden können, die freiwillig zu Gehilfen dieser Verbrechen wurden: Bandera-Leute, Mitglieder der SS-Legionen, nationalistischen Banden, die den Tod im Baltikum, der Ukraine und den Ländern Europas verbreiteten“.

Diese Worte wurden im Jüdischen Museum unter Anwesenheit des Oberrabbiners von Russland, Berl Lasar, des Präsidenten der Föderation der jüdischen Gemeinden Russlands, Alexander Borody und des Haupts des Aufsichtsrats des Museums, Wiktor Wekselberg, gesagt. Uns interessiert mehr Herr Wekselberg, der aus dem westukrainischen Drohobytsch kommt, 16 Mitglieder der Familie seines Vaters starben im zehntausendköpfigen Stadtghetto. Der Kontext, den Putin schafft, ist ein äußerst gefährlicher, da er zu den Holocaust-Helfern diejenigen rechnet, welche die vorherige ukrainische Geschichtspolitik zu den Helden zählt. Er zeigt die zeitgenössische Ukraine als Land, in dem Nationalisten siegten und eben, seiner Meinung nach, Nachkommen der Komplizen des riesigen Verbrechens.

Jetzt bleibt uns zu hoffen, dass die neue ukrainische Regierung sich nicht darauf stürzt ihre Helden vor Putin zu schützen. Nicht den zukünftigen Staat auf den Altar des Schutzes der „historischen Wahrheit“ legt. Nicht im Sumpf des historischen Zanks mit Russland versinkt. Denn das würde zum nächsten ergebnislosen Gang. Eine vergebliche Kräfteverschwendung. Denn Interessenten Putin zuzuspielen, bewusst oder unbewusst, gibt es.

Beispielsweise den Infrastrukturminister der Ukraine, Wolodymyr Omeljan, ein leidenschaftlicher Bandera-Mann, der erklärte, dass bald die aggressive Rhetorik des russischen Aggressors aus Selenskyj einen Bandera oder Petljura [Symon Petljura] machen wird. „Das geht alles vorbei. Putin wird schnell alles an seinen Platz stellen und wir erhalten einen Selenskyj-Bandera oder einen Selenskyj-Petljura innerhalb einer sehr kurzen Zeit“, erklärte er. Und uns bleibt zu hoffen, dass Selenskyj Selenskyj bleibt und dieses Mal der Plan Putins nicht funktioniert.

7. Juni 2019 // Wassyl Rassewytsch

Quelle: Zaxid.net

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Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 1067

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Rating: 5.4/7 (bei 7 abgegebenen Bewertungen)

Kommentare

#3 von mbert
Aber eine "Differenzierung der historischen Person" ist ja auch überhaupt nicht Thema des Artikels. Es geht da eher um Ursachen und Auswirkungen des Kults. Um die Bewertung der realen Person sollten sich Profis - Historiker - kümmern.

#2 von dieter
Es ist verständlich, dass die Rolle eines Banderas unterschiedlich gesehen werden kann und wird. Diese Widersprüchlichkeit wurde auch vom Europäischen Parlament 2010 bewertet, nachdem Banderas postum zum Helden erklärt worden war. Die im Artikel durchgezogene Fixierung auf Putin hilf überhaupt nicht bei der vernünftigen Differenzierung der historischen Person. Im Gegenteil!

#1 von mbert
Super-Artikel, danke!

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„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“

„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?


„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“

„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?


„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“

„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.


„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“

Der Link zum Anbieter ist ja da.
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.
War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht" :-([smilie=dntknw.gif]

„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“

„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“

„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“