
Die Reihenfolge der Rezensionen ist willkürlich, ergo kein Ranking. Verkaufszahlen oder Bestsellerlisten für Sachbücher sind kein Anhaltspunkt für die eigentliche „Qualität“ eines Buches. Die hier vorgestellte Auswahl ist für Leser gedacht, die tiefer in eine Materie einsteigen wollen, die von höchster Brisanz ist: Die drohende Gefahr für die Welt-Friedensordnung und für die Demokratie als solche.
Boris Reitschuster: Putins Demokratur
Falls noch nicht, so dann doch in absehbarer Zeit, wird dieses Buch wohl als Standardwerk in die deutschsprachige Sachbuch-Liste über Russland eingehen.
Reitschuster gibt einen detaillierten Einblick in die russische Politwelt, deren Verbindung zu kriminellen Wirtschaftssubjekten, etlicher Querverbindungen innerhalb der Polit- und Wirtschaftselite Russlands, der Scheindemokratie.
In Wikipedia ist zu lesen: „Reitschuster setzt sich in seinen Büchern und Artikeln kritisch mit dem politischen System Russlands auseinander, insbesondere ist er ein Kritiker des Ex-KGB-Oberstleutnants und heutigen Präsidenten Wladimir Putin.” Eine fundierte Kritik an Russlands Politik und seines Präsidenten Putin ist denn auch, was den Leser in diesem Buch mit dem vollständigen Titel “Putins Demokratur – Ein Machtmensch und sein System” erwartet. Die Erwartung wird übertroffen.
Untermauert wird all dies durch eine schier unglaubliche Anzahl an Querverweisen, die nicht nur ein Beleg für die ausgiebigen Recherchen zu diesem Buch sind, sondern auch keinen Zweifel lassen an Reitschusters Fachkompetenz in Sachen Russland und Putin. Nun, er war von 1999 bis zum August 2015 Leiter des Moskauer Büros von Focus. Von nichts kommt nichts.
3. aktualisierte und erweiterte Auflage: Putins Demokratur. Ein Machtmensch und sein System. Econ, Berlin 2014, ISBN 978-3-430-20183-4
Hinweis: „Putins Demokratur“ ist auch auf Ukrainisch erhältlich.
Garri Kasparow: Warum wir Putin stoppen müssen
… „Die Zerstörung der Demokratie in Russland und die Folgen für den Westen“ ist der verlängerte Titel dieses Buches.
Wer könnte besser eine Kurzformel über dieses Buch schreiben als Kasparow selber? Also lassen wir ihn zu Wort kommen: „Über Aufstieg und Untergang der russischen Demokratie ließe sich ein kurzes Buch schreiben. Nur acht Jahre, nachdem begeisterte Menschenmengen 1992 begeistert den Zusammenbruch der Sowjetunion gefeiert hatten, wurde der frühere KGB-Agent Wladimir Putin zum Präsidenten gewählt. Er brauchte wiederum lediglich acht weitere Jahre, um praktisch sämtliche demokratische Einrichtungen Russlands zu zersetzen oder zu zerschlagen: die Gewaltenteilung, freie Wahlen, ein unabhängiges Justizsystem, freie Medien und eine Zivilgesellschaft. Die Presse lernte rasch, was sie sagen durfte und was nicht, und Putin sicherte sich auch die zentrale Kontrolle über die russische Wirtschaft, machte marktwirtschaftliche Reformen rückgängig und baute nationale Vorzeigeunternehmen im Energie- und Finanzsektor auf.“
Dann schreibt Kasparow über die Folgen putinscher Politik: „Die russische Armee marschierte 2008 in Georgien ein; 2014 gab Putin den Befehl zur Invasion der Ukraine und zur Annexion der Krim.“
In seinem Buch führt Kasparow aus, wie Putins Russland das Zentrum eines weltweiten Angriffs auf die politische Freiheit bildet. Putins Russland stellt sich wie der IS oder wie al-Qaida gegen die demokratischen Länder dieser Welt. Es ist noch immer dem Kalten Krieg verhaftet und hat seine Lektionen daraus nicht gelernt.
Kasparows Buch ist keine „Geschichtslektüre“. Es ist ein Aufruf zu handeln und die Bedrohung durch Putins Russland nicht länger zu ignorieren.
Die Pulitzer-Preisträgerin Anne Applebaum sagt über Kasparow: „Es ist wichtig, dass wir Garri Kasparow lesen. Er hat uns vor den Gefahren des Systems Putin lange vor allen anderen gewarnt. Er ist eine Ausnahmeerscheinung: Ein russischer Demokrat, der sein Land realistisch betrachtet und dennoch Hoffnung für dessen Zukunft hat.“
DVA, München 2015, ISBN 978-3-421-04727-4
Boris Reitschuster: Putins verdeckter Krieg
Nein, das ist beileibe kein reißerischer Titel, denn Reitschuster zeigt auf, welche engste Kontakte in rechts- und linksextreme Szene europaweit Moskau bereits geknüpft hat. Der vollständige Titel dieses Buches lautet dann auch konsequenterweise: „Putins verdeckter Krieg – Wie Moskau den Westen destabilisiert“.
Wladimir Putins Bestreben, Russland wieder zu einem Weltreich zu machen, wird seziert. Unter anderem wird gezeigt, wie Russland an einer neuen „Internationalen“ der Anti-Demokraten arbeitet. Moskaus Einfluss im Westen ist groß, die Absichten sind nicht friedensfördernd. Putin bedient sich manipulativer Methoden. Mit Parteispenden, Propaganda und Geheimdiensteinsätzen werden Entscheidungsträger unter Druck gesetzt und erpresst. Das Ziel? Die Unterwanderung Europas! Einen treffenderen Titel für sein Buch als „Putins verdeckter Krieg“ hätte Reitschuster wahrlich nicht finden können.
Das Hamburger Abendblatt schlussfolgert zweifelsohne zu recht: „Besser als Boris Reitschuster hat noch keiner das russische Machtsystem beschrieben.“
Dieses Werk von Reitschuster ist in den Medien ansonsten sträflich „underrated“, ja, wird gar zum großen Teil gemieden. Warum dem so ist, darüber darf spekuliert werden. Vielleicht aber ist es gerade ein Indiz dafür, dass dieses Buch besorgniserregend explosive Informationen enthält, die man einer größeren Leserschaft vorenthalten möchte.
Econ Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-430-20207-7
Karl Schlögel: Entscheidung in Kiew – Ukrainische Lektionen
Über Karl Schlögel sagte Richard Herzinger, Korrespondent für Politik und Gesellschaft bei der „Welt“: „Der Osteuropa-Experte Karl Schlögel ist den Weg vieler Russlandexperten gegangen. Lange hatten sie die Ukraine gar nicht auf dem Schirm. Jetzt kritisiert er die Ignoranz des Westens.”
Die Wichtigkeit von Schlögels „Aufklärung“ über die Ukraine geht aus dem einleitenden Satz des Bucheinbands hervor: „Mit der Aggression gegen die Ukraine steht das friedliche Zusammenleben der europäischen Staaten in Frage.“
Schlögels Buch verfolgt denn auch einen ganz anderen Ansatz als die weiteren hier vorgestellten Bücher. Das Buch ist zweigeteilt: Der erste, kürzere Teil des Buches ist eine Selbstreflexion und geht ans politisch Eingemachte. Im zweiten Teil des Buches erschließt der Autor Schicht für Schicht die architektonische Anatomie von Kiew, Charkiw, Dnipropetrowsk, Odessa, wobei auch bereits veröffentlichte Texte aufgenommen werden, und drängt sein Publikum, diese Städte in ein Reiseprogramm aufzunehmen.
Dieses Ukraine-Buch von Karl Schlögel verdankt sich einem Trauma, das nicht nur die Gesellschaften Russlands und der Ukraine erschüttert, sondern auch die deutsche Expertenzunft. Russlands Annexion der Krim und die Installation rebellischer Volksrepubliken in der Ostukraine haben zwischen Russland und dem Westen einen Graben aufgerissen, der Familien spaltet, Russen sich als Ukrainer umdefinieren und hiesige Russland-Forscher an ihrem Objekt verzweifeln lässt.
„Es geht längst nicht mehr um Propaganda und Gegenpropaganda“, so Schlögel, „sondern um die Auseinandersetzung darum, ob es überhaupt noch eine Unterscheidung von facts und fiction gibt. Fakten werden zu einer Frage der Interpretation, nach der Devise: Alles ist gelogen, alles ist gleich wahr.“ Es ist ein Informationskrieg, der „sich virtuos der postmodernen Rhetorik von der Multiperspektivität bedient und alles relativ sieht“, kann man in Herzingers WELT-Beitrag zu Schlögels Buch lesen.
Hanser Verlag, München 2015, ISBN 978-3-446-24942-4
Markus Wehner: Putins Kalter Krieg – Wie Russland den Westen vor sich hertreibt
Viele im Westen wollen es nicht wahrhaben – Russland hat einen neuen Kalten Krieg vom Zaun gebrochen. Den führt es auf allen Ebenen: propagandistisch, durch Angriffe auf westliche Webseiten und Computernetze, etwa die des deutschen Bundestages, und ganz real als kaum getarnten Schießkrieg an der östlichen Außengrenze der NATO in der Ukraine. Markus Wehner nimmt den Russland-Verstehern die rosarote Brille ab: Denn die Lage ist ernst, und der Westen muss handeln.
Im Westen malt man sich die Situation schön. Läßt sich wegen der Sanktionen gegen Rußland gar ein schlechtes Gewissen einreden. Derweil ist es das Rußland des Vladimir Putin, das seit Jahren konsequent einen neuen Kalten Krieg erst klammheimlich vorbereitete und diesen nun exekutiert: Propagandistisch, mit Angriffen auf Webseiten westlicher Einrichtungen, Computernetze, Flutung sozialer Netzwerke durch ein Heer von Trollen, die im Akkord vorgegebene Texte ausspucken und mit einem, seit „Krim“, kaum noch getarnten Schießkrieg.
Rupert Neudeck bemerkte zu diesem Buch: “Das ist das Buch eines Journalisten, der nicht zu einer der Kategorien, rechts oder links gehört, sondern der einen erschreckenden Prozess beobachtet und berichtet. Wir hatten noch unter Gorbatschow und Jelzin ein Gefühl, die schaffen das schon, die werden, wie es im gloriosen Programm von Gorbatschow angedeutet war, den Weg zur Demokratie ebnen, zu einer demokratischen Verfassung. Jetzt haben wir einen Präsidenten, der vor Habgier und imperialer Ungeduld auch mal einen Fehler machen kann.“
Markus Wehner hat schlicht Sorge um den Westen, weil er nur langsam dazu gebracht wurde, die Gefährlichkeit von Putin wahrzunehmen, der auf dem Wege ist, Kriege (oder Ähnliches in ihren Ländern) anzufangen. Deshalb heißt das zweite Kapitel: Krieg dem Westen. Russland und die Farbigen Revolutionen. Der Autor beschreibt die unglaublichen Verwicklungen um die Annexion der Krim, um das dauernde selbstbewusste Lügen von Putin. Wahrscheinlich wird das die schlimmste Entwicklung werden im Konzert der Mächte: Man wird sich auf ein Wort Putins in gar keiner Weise mehr verlassen können.
Knaur Taschenbuch, ISBN 978-3-426-78814-1



Forumsdiskussionen
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bin am Montag 15.6.26 um 8 Uhr in Urgyniw ausgereist, das erste Mal an einem Montagmorgen ca. 15 Fahrzeuge vor mir, bin sonst der Erste oder Zweite, egal, nach ca 20 Minuten wurde dann die nächste Welle...“
lev in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Derzeit, ist es überall sehr voll an den Grenzen Ukraine/ Polen. Zb. Krakovets 100 PKW ca. 10 h Wartezeit. Wollen Montag rüber, versuchen es sehr früh.“
lev in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Haben noch vor der Grenze im Wohnmobil geschlafen. 600 km am Stück mit 90 km/h, da wollten wir nicht noch stundenlang an der Grenze stehen. War am Abend voll 55 PKW, laut Info. Am Montag früh gegen 10...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Der Blockposten zwischen Ustyluh und Urgyniw an der Oblastgrenze hat mich, das war jetzt aber nur einmal, auch nach 23 Uhr passieren lassen, lässt für mich den Schluss zu, auch hier ist 24/7 passierbar.“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Kann nur zum Blockposten vor USTYLUH sagen, der ist geöffnet 24/7 und der Blockposten vor URGYNIW schließt von 23.00 Uhr bis 04:00 Uhr. (Fahrtrichtung Grenze/Ausreise); Wer in Richtung Landesmitte fährt,...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ja, der Grenzübergang in Ustyluh ist echt toll geworden, ich habe letztens den Spaß gemacht und angedeutet, dass wohl jetzt die Polen eifersüchtig sind auf diese Arbeitsplätze. Die Zöllnerin hat zustimmend...“
lev in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Fahre am Sonntag nach Lwiw und will noch am späten Abend einreisen. Hat da jemand Erfahrung wegen der Wartezeiten und ist dann die Weiterfahrt wegen der Sperrstunde nicht möglich ?“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Montag letzte Woche 11 Uhr, komplett, von Schranke zu Schranke in 21 Minuten, optimal. Ansonsten für diesen Zeitpunkt 30 bis max 40 Minuten einplanen“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich schau immer bei ... ... , finde es nicht schlecht, liegt meiner Meinung nach nie KRASS daneben, DIE gemeldeten Zahlen kann man zumindest für eine seriöse Entscheidungsfindung heranziehen.“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Hallo Handrij, Bin letzten Freitag am Abend um 22 Uhr ausgereist. In 40 Minuten total, am Freitag! Ich schildere nochmals den Ablauf, damit der optimale Ablauf nachvollziehbar wird. Ankunft vor dem Grenzübergang,...“