FacebookTwitterVKontakteTelegramWhatsAppViber

Firtasch gewinnt Gasstreit gegen "Naftogas" in Stockholm

0 Kommentare

Das Stockholmer Schiedsgericht hat die NAK (Nationale Aktiengesellschaft) „Naftogas Ukrainy“ dazu verpflichtet 12,1 Mrd. Kubikmeter Erdgas an den Händler RosUkrEnergo (RUE) – ein Joint Venture des Geschäftsmannes Dmitrij Firtasch und von „Gasprom“ – zurückzugeben. Falls „Naftogas“ den Händler mit Gas aus den Untertagespeichern bezahlt, könnte es das Unternehmen nicht schaffen die Vorräte vor der Heizsaison wiederherzustellen. Bei der Bewertung unterscheiden sich die Auffassungen beider Seiten stark. RUE legt nahe, dass „Naftogas“ 5,4 Mrd. Dollar zahlen soll und die ukrainische Seite hat dieses im Moment der Beschlagnahmung mit 1,6 Mrd. Dollar bewertet und dem aktuellen Preis für die Ukraine nach kostet es 2,78 Mrd. Dollar.

Das Unternehmen Centragas (besitzt 50% von RUE) teilte gestern mit, dass das Stockholmer Wirtschaftsschiedsgericht die NAK „Naftogas Ukrainy“ verpflichtete RUE 11 Mrd. Kubikmeter Gas zurückzugeben und dem Handler weitere 1,1 Mrd. Kubikmeter Gas als Kompensation für den entgangenen Gewinn zu erstatten. „Die Entscheidung bestätigt, dass das strittige Volumen durch ‘Naftogas’ beschlagnahmt wurde, wobei die Bedingungen des Vertrags über die Speicher des Gases von RUE verletzt wurden und das die NAK verpflichtet ist RUE 11 Mrd. Kubikmeter Gas zurückzugeben, die sich in den Untertagespeichern befinden, wie es vor der Beschlagnahme war“, heißt es in der Erklärung von Centragas. Jetzt tritt der Gerichtsentscheid vom 30. März in Kraft, der „Naftogas“ verpflichtete RUE 192 Mio. Dollar für „verschiedene Verletzungen der Vertragsbedingungen bei der Lieferung, dem Transit und der Speicherung des Gases“ zu zahlen. Im August 2009 hatte das Gericht diese zwei Sachen zu einer zusammengefasst.

RUE wurde im Sommer 2004 von „Gasprom“ und Centragas zu gleichen Teilen gegründet. Centragas gehört Dmitrij Firtasch (90%) und Iwan Fursin (10%). RUE trat 2006-2008 als Monopollieferant von Erdgas in die Ukraine auf, dieses dabei von „Gasprom“ kaufend.

Im Januar 2009 unterzeichnete „Naftogas“ mit „Gasprom“ einen Vertrag, dass 11 Mrd. Kubikmeter Gas, die sich in den unterirdischen Gasspeichern befanden, von dem ukrainischen Unternehmen als Bezahlung für den Transit russischen Erdgases über die Ukraine erhalten werden. Doch dieses Gas war von RUE erworben worden und befand sich in dessen Bilanz. „Gasprom“ unterzeichnete mit „Naftogas“ einen Vertrag über die Abtretung der Schulden RUEs gegenüber dem Monopolisten in Höhe von 1,6 Mrd. Dollar, für deren Bezahlung das Gas genommen wurde. Doch der Händler selbst hat seine Zustimmung zu diesem Geschäft nicht gegeben. Dann wurde RUE aus den Gaslieferungen in die Ukraine ausgeschlossen und hörte auf „Gasprom“ Gas, darunter in Europa, zu verkaufen.

„Das Stockholmer Schiedsgericht hat uns Erdgas zugesprochen, obgleich wir eine Kompensation in Höhe von 5,4 Mrd. Dollar forderten“, betonte ein Informant des „*Kommersant-Ukraine*“ bei RUE. „Jetzt bleibt zu entscheiden, wie das Rückgabeschema zu organisieren ist, damit alle Seiten zufrieden sind“. Der Gesprächspartner des „*Kommersant-Ukraine*“ erläuterte, dass die Summe von 5,4 Mrd. Dollar ausgehend von dem Erdgaspreis von 450 Dollar pro tausend Kubikmeter zustande kam, welcher die Basis im Abkommen zwischen „Gasprom“ und „Naftogas“ von 2009 darstellt, plus einer Strafe von 10%. Zur gleichen Zeit kostet Erdgas für die Ukraine unter Berücksichtigung des neuen Vertrages zwischen Moskau und Kiew 230 Dollar pro tausend Kubikmeter, das heißt ausgehend davon kostet die von „Naftogas“ verlangte Menge 2,78 Mrd. Dollar, einschließlich der Strafe 3,06 Mrd. Dollar.

„Naftogas“ verfügt derzeit über mehr als 13 Mrd. Kubikmeter Gas, die in die Untertagespeicher gepumpt wurden, kann also theoretisch die Rechnung bei RUE begleichen. Jedoch wurde das Gas vom Unternehmen für die anstehende Heizsaison gekauft. Ein Informant des „*Kommersant-Ukraine*“ beim Energieministerium bestätigt, dass falls das Gas an RUE übergeben wird, dann schafft „Naftogas“ es bereits nicht mehr, die zusätzliche notwendige Menge hineinzupumpen. Ein Informant des „*Kommersant-Ukraine*“, der mit dem Gang der Verhandlungen vertraut ist, präzisiert, dass sie die Beziehungen über ein reines „Papier“-Geschäft regeln können, doch Einzelheiten gab er nicht preis. Der offizielle „Gasprom“-Vertreter, Sergej Kuprijanow, sagt, dass die Abrechnungsvariante der beiden Seiten bislang nicht gewählt wurde.

Bei „Naftogas“ hat man das Urteil des Stockholmer Schiedgerichts bislang nicht erhalten und verspricht dieses nach einem „detaillierten Studium“ zu kommentieren. Ende Mai hatte der Leiter des Unternehmens, Jewgenij Bakulin, bekräftigt, dass es nicht bereit ist auf ein Friedensangebot des Traders einzugehen. Andrej Astapow, geschäftsführender Partner des Unternehmens Astapov Lawyers, konkretisiert, dass die Entscheidung des Stockholmer Schiedsgerichts noch in der Ukraine bestätigt werden muss: „Ohne Bestätigung durch ein Gericht der lokalen Jurisprudenz ist das Urteil ungültig“. Seiner Erfahrung nach, wird die Mehrzahl dieser Urteile vor lokalen Gerichten der zweiten Reihe angefochten und weniger als die Hälfte umgesetzt. Alexander Gudymw, Mitglied des Energieausschusses der Werchowna Rada, meint, dass „die Tatsache der schnellen Urteilsfindung für sich hinreichend verwunderlich ist“. Der Meinung des Abgeordneten nach, „ist es möglich, dass es seitens ‘Naftogas’ keinen ernsthaften Widerstand gegenüber RUE gab“. Der Leiter der East European Gas Analysis, Michail Kortschemkin, vermutet, dass den Forderungen von RUE „maximal“ nachgekommen wird.

Natalja Grib, Oleg Gawrisch

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 805

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Facebook, Google News, Telegram, Twitter, VK, RSS und per Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 5.0/7 (bei 1 abgegebenen Bewertung)

Neueste Beiträge

Aktuelle Umfrage

Wie wird das Jahr 2022 für die Ukraine?
Interview

zum Ergebnis
Frühere Umfragen
Kiewer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)-6 °C  Ushhorod-6 °C  
Lwiw (Lemberg)-1 °C  Iwano-Frankiwsk1 °C  
Rachiw-10 °C  Jassinja-4 °C  
Ternopil-2 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)0 °C  
Luzk-1 °C  Riwne-3 °C  
Chmelnyzkyj-4 °C  Winnyzja-5 °C  
Schytomyr-5 °C  Tschernihiw (Tschernigow)-6 °C  
Tscherkassy-6 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)-5 °C  
Poltawa-7 °C  Sumy-9 °C  
Odessa-5 °C  Mykolajiw (Nikolajew)-4 °C  
Cherson-5 °C  Charkiw (Charkow)-7 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)-5 °C  Saporischschja (Saporoschje)-6 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)-6 °C  Donezk-2 °C  
Luhansk (Lugansk)-2 °C  Simferopol-1 °C  
Sewastopol0 °C  Jalta0 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Die Ausweisung von russischen Staatsbürgern mag "Charme" haben, aber es würde wohl die Falschen treffen, der "kleine Mann" will doch den ganzen Scheiß ebenso wenig wie wir. Vermutlich wäre es auch...“

„Na ja, ein Konzentrationslager ist eine ablehnenswerte und menschenverachtende Eintichtung. Niemand auf diesem Planeten hat dieses zu organisieren und erst Recht sollte dort niemals jemand eingesperrt...“

„...Putin muss klar werden, dass er einen hohen Preis zahlen muss. Der erste Schritt wäre die Ausweisung aller russischer Staatsbürger in allen Nato & EU-Ländern und das Verlassne hat bis zum Ende...“

„Ukrainer- und Russen verhandelt und findet einen für beide Seiten akzeptablen Weg. Ihr habt keine andere Wahl. Gott sei Dank, spricht man auf beiden Seiten russisch, teilweise auch ukrainisch. Sprachliche...“

„Man muss es realistisch betrachten. Die Ukraine ist eine Demokratie, einer der wenigen der Ex-Sowjetunion, neben den baltischen Staaten. Die Ukraine ist nicht Teil der Nato. Sie hat KEINE Bündnispartner....“

„Vielleicht kann mir zwick mal erklären warum er immer so "aggressiv" seine Argumente mit Beleidigungen versucht zu bestärken. Ich bin ein Kasper und mbert ein Propagandist, das hilft nicht weiter, wirklich...“

„Ich glaub zum Thema Waffen sind wir sehr nah beisammen. Ich meinte auch nicht damit, dass Europa am Boden liegt, sondern, dass Europa nicht mit einer Stimme spricht.Sondern jede Nation eigen interessen...“

„Vielleicht kann mir zwick mal erklären warum er immer so "aggressiv" seine Argumente mit Beleidigungen versucht zu bestärken. Ich bin ein Kasper und mbert ein Propagandist, das hilft nicht weiter, wirklich...“

„Lieber Martin, rein geschichtlich betrachtet, kommt Russland bei Deiner Betrachtung zu schlecht weg. Im 2. WK war Russland bei Weitem nicht annähernd am Boden. Die Deutschen sehr wohl, der Wehrmacht ging...“

„Ist es da nicht natürlich wenn Russland irgendwann reagiert und eine imaginäre Grenze setzt? Verträge müssen von Beiden Seiten eingehalten werdeny sonst sind sie das Papier nicht wert. D Aus meiner...“

„War es nicht der Westen der vertraglich zugesichert hat die Nato nicht zu erweitern? Letztendlch ist die Nato größer und Russland hat geschwiegen. Nein Das ist ja totaler Unfug. Deswegen hast dich hier...“

„Vorkuta, Du hast Probleme mit Mainstream-medien, warum? Öffentlich rechtliche Fernseh- und Rundfunkanstalten verlogen? Warum hast Du mit diesen Medien ein Problem? Weil Du Dich in der Minderheit befindest?...“

„Russland wurde nach dem Zerfall der SU vom Westen in vielen Bereichen verarscht, Russlands Schwäche ausgenutzt. Die russische Elite hatte beschlossen sich zu wehren und nach Jelzin hat man Putin installiert....“

„Wenn Russland und die Ukraine nicht fähig sind, durch Verhandlungen eine vernünftige, machbare Lösung zu finden, müssen sie mit den Konsequenzen leben. In der allgemeinen Form ist das nun wirklich...“

„Wenn Russland und die Ukraine nicht fähig sind, durch Verhandlungen eine vernünftige, machbare Lösung zu finden, müssen sie mit den Konsequenzen leben.“

„War es nicht der Westen der vertraglich zugesichert hat die Nato nicht zu erweitern? Und erneut: nein. iframe“

„War es nicht der Westen der vertraglich zugesichert hat die Nato nicht zu erweitern? Letztendlch ist die Nato größer und Russland hat geschwiegen. Ist es da nicht natürlich wenn Russland irgendwann...“

„Ansichtssache!? Besser ist es, sich seine eigene Sicht auf die Dinge zu binden, indem man soviel wie möglich in die Breite (auch ins Ausland) geht. Dann erfährt man unterschiedliche Sichtweisen und kann...“

„Das ist Ansichtssache. Habe den CICERO seit Jahren im Abonnement und bin zufrieden. Auf alle Fälle interessanter und objektiver als die "Mainstream-Medien" und die verlogenen öffentlichen Rundfunk- &...“

„Habe eben erst diese Diskussion hier entdeckt. Als Organisator des Deutschen Mittwochs-Stammtisches Kyjiw weise ich darauf hin, dass die Treffen wieder stattfinden werden, sobald die Corona-Situation übersichtlicher...“

„Lieber mbert, überall auf der Welt ist doch entscheidend, ob sich die jeweiligen Führung vor den anderen Militärmächten fürchten. Ob Demokratie- oder Diktatur ist völlig nebensächlich. Momentan...“

„1. Russland (die Sowjetunion) wurde ohne jeglichen Grund, von uns Deutschen, trotz Friedensvertrag, angegriffen und nahezu vernichtet. (Unternehmen Barbarossa). Zwei itzeklitzekleine Details, die Dir vielleicht...“

„Der Westen baut wieder im Mittelmeerraum mit marinen Übungen eine Drohkulisse auf, seit Jahren geplante Übungen heißt es. Die kann man aber auch absagen/ verschieben (wie einen Arzttermin) wenn etwas...“