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„Importierter“ ukrainischer Borschtsch

importierter ukrainischer Borschtsch

Das Jahr des importierten Gemüses ist in der Ukraine vorbei. Wird 2021 besser?

In Europa gibt es nur ein Land, in dem Supermärkte schmutzige Kartoffeln mit Erde dran verkaufen. Ja, das ist die Ukraine. Und dazu ist das Verkaufsvolumen bei Kartoffeln in den Supermärkten der Ukraine kleiner als das Verkaufsvolumen bei Apfelsinen. Diese Fakten sind wichtig für das Begreifen dessen, warum die „Kornkammer Europas“ im Jahr 2020 es nicht vermochte sich mit dem „zweiten Brot“ selbst zu versorgen und dieses nicht irgendwo kaufte, sondern in Russland!

Und es wäre ok, wenn dieser Import klein wäre, jedoch im Verlaufe lediglich einer Saison 2019/2020 (von Juli 2019 bis einschließlich Juni 2020) wurde fast eine halbe Million Tonnen frischer Kartoffeln für den Konsumverbrauch eingeführt, ohne Saatkartoffeln zu berücksichtigen! Das macht die Ukraine zu einem der größten Importeure von Kartoffeln für den Frischemarkt, denn die übrigen führenden Importeure (Belgien, Niederlande, Spanien und Deutschland) importieren Kartoffeln vorzugsweise zur Verarbeitung oder für den Re-Export.

Warum werden wir plötzlich zum Land mit dem größten Kartoffeldefizit? Vielleicht führten dazu die katastrophalen klimatischen Bedingungen des Jahres 2019, als es eine Missernte bei Kartoffeln gab, und weiter wird alles besser?

Nein, wird es nicht und ich versuche sehr verständlich zu erklären, warum dieses Problem lange bleiben wird und warum die Ukrainer allgemein immer mehr importiertes Gemüse konsumieren und nicht nur Kartoffeln. Und wir kehren wieder zur dreckigen Kartoffel zurück.

Der Kartoffelanbau ist eine gesonderte Branche, doch sie hat viel gemeinsam mit dem Anbau traditioneller Gemüse, die wir auch «Borschtsch-Set» (Zwiebel, Möhre, Rote Beete, Kohl) nennen. Daher werde ich über die Kartoffel sprechen, doch all diese Gemüse meinen.

Will der Verbraucher, der ins Geschäft kommt, mit den Händen in einem Haufen Dreck wühlen, um sich Kartoffeln auszuwählen? Die Mehrheit sagt nein. Doch wenn Sie Wirtschaften besuchen, die Kartoffeln anbauen, sogar professionelle, dann wird die absolute Mehrzahl von ihnen keine Ausrüstung für das Bringen der Kartoffel in Warenform haben: für die Säuberung, Waschung, Sortierung, Verpackung und so weiter.

Unser Produzent wird eher weitere 100 Hektar mit Kartoffeln bestellen, als in Mittel zu ihrer Verarbeitung zu investieren. Denn wenn du beginnst die Kartoffeln zu bearbeiten und zu sortieren, dann zeigt es sich, dass sie sauber noch schlechter aussehen. Also müsste man in teurere Technik investieren, die Sorte wechseln, Bewässerung installieren. Das bedeutet, das gesamte Produktionssystem wechseln und das ist sehr unbequem und teuer.

Kehren wir kurz in die Geschichte zurück: der ukrainische Kartoffelanbau war in der Sowjetzeit auf Masse und Volumen ausgelegt, ohne Berücksichtigung der Qualität, denn der sowjetische Verbraucher genügsam – er wird auch so etwas essen. Es sind fast 30 Jahre seit der Erlangung der Unabhängigkeit vergangen und fast nichts hat sich in der Mentalität des ukrainischen Produzenten geändert. Es änderte sich lediglich das, dass ein bedeutender Teil der Produktion jetzt nicht in professionellen Unternehmen untergebracht ist, sondern in Hauswirtschaften und dort ist es um die Qualität (da braucht sich niemand zu wundern) noch schlechter bestellt. Warum ist das so? Denn für den Erhalt von Qualitätskartoffeln unter den Bedingungen der Ukraine braucht es ideale Technologie, qualitatives Saatgut, teure Technik und Bewässerung.

Und wir haben bis 2019 aus Trägheit auf „Masse“ gearbeitet und die Produzenten schimpften (und schimpfen weiter) auf die Supermärkte, die von ihnen Qualität verlangen. Denn sie sind es gewohnt, dass alles verkauft werden muss, sogar fauliges, denn „wohin denn damit“?

Während eines Treffens fragte ich, ob sie auf dem Verkauf von allem, was wuchs, auch dann bestehen werden, wenn auf jeder Kartoffel ihr Foto oder zumindest ihr Name stehen wird?

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Doch man kann nicht nur die Hersteller beschuldigen. Die Qualifikation der Supermarktmanager in der Ukraine, die für die Abteilung Obst und Gemüse verantwortlich sind, entspricht ebenso nicht dem Anforderungsniveau. Außerdem verschleißen sie oft die Augen davor, dass sie für den Absatz offensichtlichen Müll nehmen – natürlich nicht einfach nur so. Sie versuchen Kartoffeln billig zu verkaufen, doch die Leute gehen auf den Markt und zahlen mehr für ausgewählte Kartoffeln [diese sind ebenso nicht von Erde gesäubert, A.d.Ü.], ohne fauliges. Und eben aufgrund der niedrigen Qualität verkaufen die Supermärkte weniger Kartoffeln als Apfelsinen.

Das ist kein Witz – ich habe mehrfach an ein und demselben Tag die Preise und die Qualität der Kartoffeln in den Supermärkten und auf den Märkten Kiews verglichen. Die teuersten abgewogenen Kartoffeln gab es immer auf den Märkten. Sie kostete dort mehr, als in den Premiumketten der Supermärkte und diese Strategie der billigen Kartoffel funktioniert, wie wir sehen, nicht. Denn weder die Vertreter der Supermarktketten, noch die Hersteller in der Ukraine können den prinzipiellen Unterschied zwischen Rohstoff und fertiger Produktion nicht begreifen. Die Kartoffel wird zum fertigen Produkt erst dann, wenn sie in die Supermarktregale in der Form kommt, in welcher der Verbraucher sie kaufen möchte. Und 99 Prozent dessen, was in den Supermärkten der Ukraine verkauft wurde, war Rohstoff und es sollte ihn dort nicht geben.

Von 2008 bis einschließlich 2014 haben ich ebenfalls aktiv die Situation in Russland verfolgt. Dort konnte man seit 2010 nicht in einer Supermarktkette dreckige Kartoffeln, Mohrrüben oder Rote Beete finden. Und wir versuchen jetzt, am Ende des Jahres 2020, das heißt zehn Jahr später, immer noch eine solche Produktion dem Verbraucher zu verkaufen, ihn eigenhändig auf den Markt jagend.

Was geschah in den Jahren 2019/20, warum stieg der Import von Kartoffeln so stark an und ließ die Preise dafür emporschnellen? Und warum stieg eine Saison vor der Zwiebelimport so rasant an?

Hier ging es nicht ohne Einfluss des Wetters vonstatten. Doch spielten uns zugleich mehrere Faktoren übel mit.

  • Der Verbraucherwechsel: die erste Geige auf dem Markt begannen die Verbraucher zu spielen, die nicht in der UdSSR lebten – sie haben einen weiteren Horizont und sie sind nicht bereit dreckige Kartoffeln aus Geldersparnis zu kaufen.
  • Verstädterung: in der Krisenzeit ist der ökonomisch aktive Teil der Bevölkerung massenhaft aus den Dörfern in die Städte gezogen. Sie hörten auf Kartoffeln anzubauen und wurden damit zu deren Konsumenten, was ein doppelter Schlag für den Markt war.
  • Emigration: sehr viele Menschen sind auf der Suche nach einem besseren Schicksal in andere Länder arbeiten gefahren und das war vorzugsweise die Bevölkerung kleinerer Städte und Dörfer. Das heißt erneut weniger Produktion.
  • Alterung der Dorfbevölkerung: die Leute, die in den Dörfern blieben, sind hauptsächlich älter und können keine großen Flächen mit Kartoffeln bestellen.
  • Die Besetzung der Krim und eines Teils des Donbass durch Russland: eben in diesen zwei Regionen gab es das größte Defizit an Kartoffeln und dem traditionellen Gemüse-Set für Borschtsch und eben am Absatz in diesen Regionen verdienten die professionellen Hersteller unterschiedlicher Größe. Nachdem die Möglichkeit dorthin Lebensmittel zu verkaufen in den Jahren 2015-2016 verloren ging und die Produktion sich fast nicht ändert, hielten sich die Preise für Kartoffeln und Gemüse einige Jahre auf sehr niedrigem Niveau. Diese Preise deckten nicht einmal die Produktionskosten, ganz zu schweigen von Gewinnen für die Reinvestition in die Fertigung. Daher fand der massenhafte Ausstieg der Profis aus dem Kartoffelanbau eben am Übergang zur Saison 2018-2019 statt.
  • Die niedrigen Preise demotivierten die Dorfbevölkerung und sie weigerte sich, Kartoffeln für den Verkauf anzubauen.

Warum die Kartoffeln nicht exportieren, wenn sie billig und bei uns auf dem Markt im Überfluss vorhanden sind, fragen Sie? Doch ich antworte mit einer Frage auf die Frage: „Wer braucht unsere dreckigen und minderwertigen Kartoffeln?“ Übrigens, wenn ich von „schmutziger Kartoffel“ spreche, dann meine ich nicht nur den Dreck, sondern auch die ungleiche Form, Beschädigungen – mechanische und infolge der Verbreitung von Schädlingen und Krankheiten und so weiter.

Also brauchte und braucht diese Kartoffel in Wirklichkeit niemand. Zumal hat die Kartoffel, die in der EU für die Verarbeitung produziert wird, gewöhnlich höhere Qualitätsparameter als die Kartoffel, die in der Ukraine für den Frischebedarf angebaut wird.

Jetzt möchte ich daran erinnern, dass es in der Russischen Föderation bereits zehn Jahre in den Geschäftsregalen keine schmutzigen Kartoffeln mehr gibt, denn die Hersteller haben sich auf höhere Qualitätsstandards orientiert. Zumal die Produzenten in diesem Land seit dem Jahr 2015 verrückte Zuschüsse vom Staat bekommen haben, ja und einen kompletten Schutz vor dem Import aus der EU, der Ukraine, den USA und anderen Ländern hatten. Das heißt in solchen Treibhausbedingungen kauften sie qualitative Technik, bauten moderne Lager, komplette Fabriken zur Verarbeitung der Produktion und Verpackungslinien.

Und hier fanden die Hersteller in der Russischen Föderation 2019 heraus, dass sie in die Ukraine sogar ungewaschene Kartoffeln verkaufen können, keine Mittel für die Bearbeitung ausgebend und natürlich haben sie das ausgenutzt. Es kam dazu, dass die Kartoffelernte 2019 in der Russischen Föderation eine Rekordernte war und die Preise dementsprechend niedrig. Daher hat der ukrainische Verbraucher faktisch den russischen Hersteller vor Verlusten gerettet, indem von September 2019 bis Mai 2020 große Mengen russischer Kartoffeln importiert wurden.

Im Frühling 2020 kam noch ein weiterer ärgerlicher Faktor hinzu: in die EU, wo Kartoffeln vornehmlich als Pommes Frites verbraucht werden, wurde ein harter Lockdown verhängt und die Restaurants, Hotels und andere Vertreter der HoReCa-Branche hatten geschlossen. Die Kartoffelverarbeitungsfabriken stoppten ihre Produktion, denn der Lockdown war überall, sogar in dne Ländern, in welche die EU gefrostete Pommes Frites exportiert (darunter übrigens auch in die Ukraine).Das heißt in Belgien, den Niederlanden, Deutschland und anderen Ländern erwiesen sich Millionen Tonnen sehr qualitativer Kartoffeln als überflüssig. Um diese nicht auf den Müll zu bringen, wurden sie fast umsonst (es wurden drei bis fünf Cent pro Kilogramm genannt!) verkauft und natürlich begann man sie im April in die Ukraine einzuführen. Denn in der Ukraine waren die Preise zu der Zeit die höchsten in Europa!

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Gerade werden übrigens aus den gleichen Gründen auch Kartoffeln aus der EU in die Ukraine gebracht.

Warum wurde 2020 die Produktion nicht insoweit wieder hergestellt, um sich selbst mit Kartoffeln zu versorgen und keinen Importbedarf zu haben?

Die Sache ist die, dass mit dem Kartoffelanbau zu beginnen nicht so einfach ist – die Technik für den Anbau von Kartoffeln ist teuer, Bewässerungssysteme sind noch teurer, doch das sind Kopeken im Vergleich damit, wie viel Lager und die Bearbeitung kosten. Wozu das alles, wenn man einfach Mais und Sonnenblumen säen kann? Daher eilt man sich auch nicht und unsere Produzenten werden auch nicht in dieses Segment eilen. Und wir werden auch weiter importiertes Gemüse und Kartoffeln kaufen.

Und jetzt eine sehr einfache Formel für die Ukraine: wenn du Gemüse mit unzureichender Qualität für die Lieferung in die Supermarktketten der EU-Länder anbaust, dann braucht man diese Sache auch nicht weiterzuverfolgen. Denn wenn bei uns plötzlich die Ernte um mindestens fünf Prozent höher ausfällt, als für den Binnenmarkt notwendig, dann fallen die Preise unter die Selbstkosten, denn es gibt keinen Export und die Produktion kann man einfach wegwerfen.

26. Dezember 2020 // Andrej Jarmak

Quelle: Serkalo Nedeli

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 1761

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Kommentare

#3 von Frank

Komischer Artikel. Nicht nur das er vom 26. Dezember 2021 ist (???) Sondern das die Ukraine pro Kopf doppelt so viel kg Kartoffeln als z.B Russland produziert ... Oder sind das alte Zahlen? Keine Ahnung was Kartoffeln dort kosten. Bei Freunden dort gab es meist Körner säckeweise. Und Gemüse. Fleisch gab es auch kaum, wohl alles eine Kostenfrage und was man selber hat. Die Kartoffeln welche an der Straße verkauft wurden sahen gar nicht so schlecht aus.


#2 von Bernd D-UA

Hallo, meines Erachtens liegt es in Wahrheit wohl nicht am Fleiß. Warum werden so wenige Kartoffeln im Supermarkt verkauft, viele Ukrainer-/innen bauen Ihre Kartoffeln selbst an, decken Ihren Eigenbedarf sogar komplett und dies gilt für viele andere Gemüsesorten ebenso z.B. Kohl, Bohnen, etc.. . Nun ist es natürlich irgendwo lustig, Kartoffeln mit Apfelsinen zu vergleichen, Kartoffeln können wohl in unbegrenzter Menge angebaut werden in der Ukraine, Fläche und das Klima sind vorhanden, für Apfelsinen gilt das nicht und Apfelsinen werden nicht in dem Maße für den Eigenbedarf angebaut wie Kartoffeln, weil es das Klima nicht zulässt. Also ist es doch schlüssig, dass der durchschnittliche Ukrainer-/in Apfelsinen im Supermarkt kauft und das eben mehr als Kartoffeln. Dann stellt sich noch die Frage in welchem Umfang Kartoffeln z.B. in die EU exportiert werden und am Ende dann ggf. der Bedarf aus Russland aufgefüllt wird. Kenne die Quoten nicht, ich wäre aber nicht überrascht, wenn...


#1 von martin meschenmoser

Wenn in der Ukraine kein sauberes, den Kunden ansprechendes "Gemüse" wächst, liegt das Problem in der Ukraine. Hervorragende Böden, ausreichend Wasser, gutes Wetter und gute "Samen", sind vorhanden. Erfahrene "Pflanzer/innen" auch. Eine Gruppe von Frauen und Männern aus der Ukraine, wollte bei uns in Deutschland, ihr eigenes Gemüse anbauen. Glücklicherweise fanden wir bei Karlsruhe, eine Anbaufläche in der Rheinebene. Pacht nahezu 0,00 €. Nachdem wir Strom und Wasser, einige Kleinmaschinen und eine kleine "Lager-Hütte" hatten, machten sich die Ukrainer/innen ans Werk. Nun, nach 3 Jahren, bestaunt die deutsche Nachbarschaft, Landwirte und Gärtner, die Gemüseprodukte der Ukrainer. Sämtliche Produkte, Kartoffel, Tomaten, Erdbeeren, Kürbisse usw. sind in der Regel schöner, größer und gehaltvoller, als die deutsche Produktion. Alles schmeckt auch besser. Natürlich liegt es auch an den ukrainischen Samen, die mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht wurden. Entscheidend ist...


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