Nicht selten ist die Rede davon, dass Journalisten dazu verpflichtet sind, Optimisten zu sein, dass die Wahrheit gut sei, aber ein Lächeln besser, dass man den Leuten nicht die ganze Zeit berichten sollte, dass alles schief läuft, sonst werden sie misstrauisch und verstehen noch, was tatsächlich vor sich geht. Und dann kann man nicht ungeschoren Schwarz als Weiß bezeichnen, die Quadratlatschen des Hausherrn des Landes mit Aschenbrödels Füßen vergleichen, ungestraft durch fremde Taschen stöbern.
Diesen nicht enden wollenden Aufrufen werde ich jetzt folgen, indem ich die positive Veränderung der letzten zwei Jahre erwähne: die Politiker haben begonnen, die Gesellschaft wahrzunehmen. Vorerst, das ist richtig, geht es ausschließlich um Oppositionspolitiker. Die Partei der Regionen und ihre Dienerschaft stellen noch immer eine Ausnahme dar, im festen Glauben, dass man den Pöbel nicht einbezieht, aber es besteht die leise Hoffnung, dass früher oder später auch die „Regionalen“ – sogar in Donezk – sich für einen Dialog mit den Bürgern entscheiden müssen. Andernfalls erwartet sie zwangsläufig das Verschwinden von der politischen Bühne des Landes.
Die Notwendigkeit eines Dialogs – das ist keine Forderung seitens der Politiker. Das ist eine Forderung der Gesellschaft. Die ukrainische Gesellschaft wird erwachsen – das ist das Wichtigste. Noch 2004 herrschte bei der Mehrzahl der Wähler der „Orangenen“ die naive Überzeugung, das Wichtigste sei, zu wählen, alles weitere erledigen danach die guten Onkel und Tanten von sich aus. Es fehlte nicht nur der Gedanke an eine Kontrolle der Tätigkeit derjenigen, für die Du Deine Stimme abgegeben hast. Es fehlte das Bedürfnis zu verstehen, für wen Du überhaupt wählst.
Es störte niemanden, dass das unmittelbare Umfeld der Hoffnung der ukrainischen Demokratie, des ehemaligen Premierministers unter Kutschma Wiktor Juschtschenko, durch die Säulen eines korrumpierten, verlogenen Regimes getragen wurde.
Es störte niemanden, dass Julija Timoschenko versprach, die Oligarchen „umzuerziehen“. Niemandem kam in den Sinn, dass im Parlament des Landes mehr Geschäftsleute als Abgeordnete sitzen – und diese Volksvertreter bei den derzeitigen wirtschaftlichen Strukturen an ihre eigenen Werke und Fabriken denken werden, und nicht an die Interessen des Landes und des Wählers. Alle nahmen an, dass das sogar gut sei – es herrscht die naive Vorstellung, dass diejenigen, die über viel Geld verfügen, nicht mehr stehlen würden, als wäre nicht klar gewesen, dass derjenige, der gut gelernt hat zu stehlen, jede sich bietende Möglichkeit nutzen würde, um noch besser und noch mehr zu stehlen.
Jetzt ist alles ein wenig anders. Die Politiker müssen mit uns reden und nicht nur auf Kundgebungen dozieren – und das ist gut so. Die Kundgebung voller Versprechungen ist beendet, es ist an der Zeit, um sich nach neuen Leuten umzuschauen und die Reihen zu lichten – und wenn diese mühevolle Arbeit nicht heute angestoßen werden sollte, wird sie in ein paar Jahren buchstäbliche unvermeidbar werden, bei neuen außerordentlichen Wahlen. Und bereits jetzt versprechen die oppositionellen Führungsspitzen, die Listen derjenigen, die sie ins neue ukrainische Parlament führen und derjenigen, die sie in den Direktwahlkreisen unterstützen werden, zu veröffentlichen.
Die Hoffnung ist aufgekeimt, dass nicht nur die Bürger, sondern auch die Politiker ihre Schlussfolgerung aus der Reihe der systematischen Perfiditäten des Jahres 2010 gezogen haben und dass es keinen Sinn macht, potenzielle Überläufer in die Listen aufzunehmen – auch nicht für viel Geld – um danach erneut vor zerschlagenen Hoffnungen zu stehen. Sagen wir doch endlich die Wahrheit, wir leben nicht in einem derartigen Land, weil die Mehrheit unserer Wähler für Wiktor Janukowitsch gestimmt hat, sondern weil viele Abgeordnete sich nicht als Abgeordnete erwiesen haben, und viele Richter nicht als Richter. Hätten die Abgeordneten der Werchowna Rada, die ihre Wähler verraten haben, und die Richter des Verfassungsgerichts, die den Vorrang des Gesetzes gegenüber den Wünschen aus Meschigorje vergessen hatten, einfach ihre Pflicht erfüllt, würden wir jetzt in einem Land leben, das uns nicht peinlich wäre – auch nicht mit diesem Präsidenten. Die Rücknahme der Verfassungsreform hätte einfach nicht stattgefunden und die „Regionalen“ wären gezwungen gewesen, eine Einigung mit ihren politischen Gegnern und der Gesellschaft zu suchen.
Nach den Wahlen 2012 wird sich erneut die Gelegenheit für die Suche nach einer solchen Einigung eröffnen, für die Rückkehr des Landes auf ein gesetzmäßiges Terrain, auf die Aufhebung der konstitutionellen Wende – aber nur, wenn wir erneut nicht für eine Gruppe von Verrätern abstimmen, die vorgeben Volksvertreter zu sein. Deshalb ist ein ehrlicher Dialog zwischen oppositionellen Kräften und der Gesellschaft so wichtig. Und dass Politiker ein Interesse an einem solchen ehrlichen Dialog haben, und nicht nur an der nächsten Inszenierung. Schließlich ist ihnen auch wichtig, was sowohl Ihnen als auch mir wichtig ist: wir sind alle Bürger der Ukraine und wollen nur ihr Bestes.
22. Juni 2012 // Witalij Portnikow
Quelle: Lewyj Bereg



Forumsdiskussionen
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?
“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“
Awarija in Ukrinform • Re: Russland attackiert erneut Grenzübergang zu Moldau in Region Odessa, Verkehr gesperrt
„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Hallo julib77,
Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.
Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)
Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.
Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht"
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Re: Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“
Anuleb in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“