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Politische Krise hat Folgen für die Kreditwürdigkeit der Ukraine

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Die Erklärung des Präsidenten der Ukraine über eine mögliche Auflösung des Parlamentes erhöhte die politischen Risiken für Investitionen im ukrainischen Finanzsektor: der Aktienmarkt fiel um 3,77% und die Eurobondrendite erhöhte sich um 1%. Eine relative Ruhe ließ sich nur auf dem Währungsmarkt beobachten. Experten befürchten eine langes Hinziehen der politischen Krise; sie kann den PFTS um weitere 10% einbrechen lassen und den Gang des Finanzministeriums auf den ausländischen Kreditmarkt verhindern.

Der Aktienmarkt reagierte blitzschnell auf die Erklärung des Präsidenten Wiktor Juschtschenko darüber, dass er das Recht zur Auflösung der Werchowna Rada und die Ausrufung von außerordentlichen Neuwahlen nutzen wird, falls keine neue parlamentarische Koalition innerhalb der von der Verfassung definierten Frist von 30 Tagen gebildet wird. Der Börsenindex PFTS fiel um 3,77%, bei der Marke von 522,76% stehenbleibend. Noch am Morgen begann der Handel mit dem Kauf von Wertpapieren und einem Anstieg des Marktes im Ganzen, teilte dem “Kommersant-Ukraine“ Anastasija Nasarenko, Brokerin der Investmentfirma Concorde Capital, mit. “Die Erklärung des Präsidenten erhöhte das Risiko der Instabilität des Landes und provozierte aktive Aktienverkäufe.”, sagte sie. Am Meisten verloren die Aktien des Metallkombinates Jenakiewo (-13,16%), des Mariupoler Metallkombinates namens Iljitsch (-11,05%), “Asowstal” (-8,42%), der “Raiffeisen Bank Aval” (-6,94%) und des Altschijewsker Metallkombinates (-5,51%).

Der Fall des PFTS Index hätte noch größer ausfallen können, betonen Händler, doch Marktteilnehmer glauben bislang einfach nicht daran, dass Wiktor Juschtschenko die Rada auflöst. “Wir prognostizieren dieses Szenario nicht.”, sagte dem “Kommersant-Ukraine“ der stellvertretende Direktor der Handelsabteilung der Investmentfirma Dragon Capitol, Dennis Mazujew. Die Entscheidung Wiktor Juschtschenkos die Werchowna Rada aufzulösen, welche am 2. April 2007 getroffen wurde, kostete den PFTS-Index damals 6,94%.

Doch die politische Instabilität wurde von den westlichen Investoren bewertet, welche mit Euroobligationen der Ukraine handeln. Die Rendite der in Dollar nominierten Staatsanleihen der Ukraine stiegen auf den höchsten Wert seit dem Mai 2004, berechnete die Agentur Bloomberg. Die Rendite der ukrainischen Eurobonds mit Tilgung bis 2011 und einem Kupon von 6,875% erhöhte sich um 19 Basispunkte, was einem Rekordanstieg innerhalb von drei Wochen gleichkommt und erreichte 8,2%. Die Wertpapiersätze mit einer Tilgung bis 2013 und einem Kupon von 7,65% stiegen um zwei Basispunkte auf 8,56%. Den Worten des Direktors für internationalen Handel bei der Investmentfirma Galt & Taggart Securities, Jathan Tucker, nach, haben die Inhaber von Obligationen ihre Positionen geschlossen, da sie keine Geschäfte mit ukrainischen Staatsrisiken haben möchten, welche von der politischen Instabilität im Land und den Anspannungen, welche durch den russisch-georgischen Konflikt hervorgerufen wurden, verstärkt wurden.

Wladimir Gabrieljan, Analyst der Investmentfirma Foyil Securities, betont den Fall der Euroobligationen mit einer Tilgungsfrist bis 2016; deren Wert fiel um 1,02% und beträgt 84,73% des Nominalwertes. Weniger verbilligten sich die kurzfristigen Papiere mit einer Tilgungsfrist bis 2013 – um 0,5%, auf 96,08% des Nennwertes. “Dies spricht davon, dass die ausländischen Investoren die Risiken einer langfristigen Anlage in der Ukraine überbewerten. Darauf hat die instabile Situation im Lande Einfluss gehabt.”, sagte Gabrielan.

Jetzt ist es für das Finanzministerium faktisch unmöglich auf dem Auslandsmarkt billige Mittel für die Deckung des Budgetdefizits zu bekommen. “Um alle Risiken abzudecken, muss das Ministerium die Zinsen auf 8,5-9% erhöhen.”, denkt Wladimir Gabrielan. Ändern kann sich auch die Summe der Kreditaufnahme. Im Sommer verkündete das Finanzministerium den Wunsch im September 1 Mrd. $ aufzunehmen. Wenn es trotzdem Neuwahlen gibt, dann muss das Finanzministerium dieses Vorhaben verschieben, ist sich Jathan Tucker sicher. “Die Risiken werden hinreichend hoch sein und das Interesse der Investoren niedrig.”, betonte er. Bereits gestern erhöhte das Finanzministerium die Rendite der Staatsobligation im Inland um 0,5% auf 11,9-12,5%.

Einzig die Händler auf dem Inbankenwährungsmarkt reagierten ruhig auf die politische Krise. Den Angaben des Informationshandelssystems Info.UkrDealing.com nach, wurde der Handel mit US-Dollar bei er Marke von 4,73/4,775 Hrywnja/$ eröffnet, bis 11 Uhr morgens erreichten die Notierungen 4,74/4,76 Hrywnja/$, bis Mittag sanken sie auf 4,73/4,765 Hrywnja/$, bei der Marke von 4,73/4,75 Hrywnja/$ schließend. Es verbilligte sich auch der Euro – von 6,784/6,83 Hrywnja/€ auf 6,811/6,862 Hrywnja/€.

Finanzmarktteilnehmer sagen, dass ihr weiteres Verhalten von der Entwicklung der politischen Situation abhängen wird. Jurij Uschkow, Direktor bei der Aktivaverwaltung von Tiger Asset Management, geht davon aus, dass, ungeachtet der sehr niedrigen Bewertung der Aktiva von ukrainischen Unternehmen, im Fall der Verkündung von außerordentlichen Neuwahlen der Markt seinen Fall fortsetzt. “Wenn eine Unvermeidlichkeit der Auflösung des Parlaments offensichtlich wird, kann der PFTS-Index wenigstens weitere 10% verlieren.”, denkt Dennis Mazujew. Ein Verzicht auf die Parlamentsauflösung würde von den Händlern positiv bewertet werden.

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 797

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