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Der verspätete Aufstieg des ukrainophonen Rechtsradikalismus in der postsowjetischen Ukraine - Teil II

Zur Transformation des parteiförmigen ukrainischen Ultranationalismus in den Jahren 2002-20121

Von Anton Schechowzow und Andreas Umland

In der Nachkriegssowjetunion nahm radikaler Nationalismus eine marginale Position in der ukrainischen Gesellschaft ein.2 Die meisten Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) waren 1944-1945 emigriert. In der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik wurden ukrainische nationalistische Tendenzen jedweder Art selbst auf Ebene der Subkultur, intellektueller Zirkel oder kleiner Gruppen vom sowjetischen KGB und Innenministerium unnachgiebig bekämpft.3 Dies unterschied sich merklich von der Lage des russischen Nationalismus seit den 1930ern. Obwohl antisowjetischer Russozentrismus ebensolcher Verfolgung unterlag, wurden andere mehr oder minder offen russophile – etwa nationalbolschewistische – Ideen geduldet, ja teils in das politische System und kulturelle Leben der UdSSR integriert.

Die Suche nach neuen politischen Strategien nach der Jahrhundertwende

Im Unterschied zur politischen Entwicklung einiger anderer postkommunistischer Staaten jener Periode, gelang es in den 1990er Jahren keiner rechtsradikalen Partei der Ukraine genügend Wählerunterstützung zur Bildung einer eigenen Fraktion im nationalen Parlament zu gewinnen.4 Die verschiedenen ukrainischen Grüppchen und Gruppierungen blieben bis in die Anfangsjahre des neuen Jahrhunderts hinein derart marginal, dass sie kaum die Aufmerksamkeit von Journalisten und Wissenschaftlern auf sich zogen. Vor den Rechtsradikalen stand die Frage nach ihrer künftigen politischen Existenz und Relevanz. Die meisten von ihnen initiierten daher eine Suche nach neuen ideologischen und organisatorischen Ansätzen.

In Reaktion auf die Misserfolge der rechtsradikalen Wahlblöcke und Parteien entschied sich der aus der Bandera-Fraktion der Organisation Ukrainischer Nationalisten hervorgegangene Kongress Ukrainischer Nationalisten (KUN) 2002 für einen Anschluss an den gemäßigt nationalistischen Block “Unsere Ukraine”. Diese Wahlvereinigung wurde von dem früheren Premierminister und späteren Präsidenten Wiktor Juschtschenko angeführt, dessen Popularität seit der Kampagne “Ukraine ohne Kutschma” 2001 zu wachsen begonnen hatte. Die Zusammenarbeit mit “Unsere Ukraine” ermöglichte es dem KUN 2002 und 2006 jeweils drei Abgeordnete in die Werchowna Rada zu entsenden. Am Vorabend der darauf folgenden, vorgezogenen Parlamentswahlen von 2007 wurde der inzwischen als “Naftohas”-Chef unpopulär gewordene KUN-Führer Oleksi Iwtschenko allerdings von der Wahlliste von “Unsere Ukraine” entfernt. Der KUN verweigerte daraufhin seine weitere Teilnahme am Block und an der Wahlkampagne von “Unsere Ukraine”.

Nach der Niederlage der Ukrainischen Nationalen Versammlung (ukrainische Abkürzung: UNA) bei den Wahlen von 2002, als sie 0,04% landesweit sowie nur ein Direktmandat erringen konnte, versuchte auch diese Partei, ein Wahlbündnis zu schaffen.5 Zum potenziellen Partner wurde die Ukrainische Konservative Partei (UKP). Diese politische Organisation wurde 2005 von Mitarbeitern der Interregionalen Akademie für Personalführung Kiew (ukrainische Abkürzung: MAUP) gegründet, die – zumindest damals – eine offen antisemitisch auftretende Leitung hatte. Die MAUP ist die größte private Hochschule der Ukraine mit Zweigstellen in mehreren ukrainischen Städten. Sie erhielt damals offenbar sowie bekommt womöglich weiterhin finanzielle Unterstützung aus der arabischen Welt und publiziert ein antisemitisches Periodikum namens “Personal pljus”, sowie eine Buchreihe unter ähnlichem Titel. Im September 2005 wurde dem amerikanischen Rassisten und ehemaligen Ku-Klux-Klan-Führer David Duke von der MAUP der Grad eines Kandidaten der Wissenschaften (äquivalent dem deutschen Dr. phil.) in Geschichte verliehen. MAUP-Leitungsmitglieder, die damals zur UKP gehörten, waren etwa Heorhi Schtschjokin, Wassyl Jaremenko und Juri Schilow.6 Sie sind Autoren verschwörungstheoretischer Pamphlete, die in Regalen vieler Buchhandlungen in der Ukraine neben den Werken anderer ukrainischer Pseudo-Historiker und Konspirologen, wie Eduard Chodos, Ihor Kahanez und Juri Kanyhin, sowie älterer antisemitischer ukrainischer und russischer rassistischer Literatur vertrieben werden.7

Trotz der manifesten ideologischen Nähe der MAUP zum parteiförmigen ukrainischen Rechtsextremismus, scheiterten die Verhandlungen über die Errichtung des Wahlblocks der UNA und der UKP. Daraufhin nahmen beide Parteien im Jahr 2006 getrennt an den Wahlen teil. Sie erhielten jedoch jeweils nur 0,06% bzw. 0,09% der Stimmen. An den Wahlen 2007 nahm keine der beiden Parteien teil.

Wie sich später herausstellte, wählte eine andere rechtsextreme Minigruppierung der 1990er, die hauptsächlich in der Westukraine verankerte Sozial-Nationale Partei der Ukraine (SNPU), im etwa gleichen Zeitraum eine effektivere Strategie. Die SNPU, die an den wichtigen Parlamentswahlen von 2002 nicht teilgenommen hatte, hielt 2004 einen Neugründungskongress ab, auf dem eine Umwandlung der Organisation, d.h. vor allem eine Erneuerung ihres öffentlichen Images, vollzogen wurde. So legte die Sozial-Nationale Partei ihren zweideutigen Namen ab und nannte sich nun All-Ukrainische Union „Freiheit“ (VO „Swoboda“). Darüber hinaus änderte die Partei ihres offizielles Symbol. Die zuvor verwendete neofaschistisch anmutende gespiegelte Wolfsangel wurde durch einen stilisierten Dreizack (das ukrainische Staatssymbol), der aus drei Fingern der rechten Hand besteht, ersetzt. Schließlich wurde Oleh Tjahnybok zum alleinigen Führer der neubenannten Organisation gewählt – offenbar weil er durch seine zwei Legislaturperioden als direkt gewählter Abgeordneter der Werchowna Rada 1998-2002 und 2002-2006 an politischem Gewicht in der Partei sowie eine gewisse Bekanntheit in der ukrainischen Gesellschaft erworben hatte.

Die Umformungen des äußeren Bildes der Partei geschah unter Beibehaltung der grundlegenden ideologischen SNPU-Prinzipien, wie Russophobie, Revolutionarismus und Ultranationalismus. Dies ermöglichte es „Swoboda“, sich einerseits in den Augen der Öffentlichkeit von ihrer offen neofaschistischen Vergangenheit zu distanzieren und andererseits ihre Unterstützung seitens nationalistisch eingestellter Aktivisten und Wähler zu halten bzw. auszuweiten.

2005 versuchten sowohl Tjahnyboks neue Freiheitspartei als auch die UNA, ein Wahlbündnis mit Schtschjokins UKP herzustellen. Zur Teilnahme an dem anvisierten nationalistischen Block Rechts-Konservativer Parteien wurden solche Parteien wie die Volksbewegung der Ukraine (Borys Tarasjuk), die Ukrainische Volkspartei (Juri Kostenko), die All-Ukrainische Union “Vaterland” (Julia Tymoschenko) oder der KUN eingeladen. Trotz hartnäckiger Bemühungen um die Schaffung des Blocks während des Jahres 2005, blieb das Projekt letztlich ergebnislos, was dazu führte, dass die Freiheitspartei sich an den darauf folgenden Parlamentswahlen als unabhängige Kraft beteiligte.

Tabelle 1. Stimmenanteile ukrainophoner rechtsextremer Parteien und Blöcke bei den Wahlen zur Werchowna Rada (Oberster Rat) 1998 bis 2007 (in %)

Partei bzw. BlockBlock „Nationale Front“ (KUN, UKRP & URP)Block „Weniger Worte“ (SUU & SNPU)UNA AUU „Freiheit“ (ehemalige SNPU)
Parlamentswahljahr
19982,710,160,39
20020,04
20060,060,36
20070,76

Abkürzungen: KUN – Kongress Ukrainischer Nationalisten, UKRP – Ukrainische Konservative Republikanische Partei, URP – Ukrainische Republikanische Partei, SUU – Allukrainischen Politischen Vereinigung „Staatliche Unabhängigkeit der Ukraine“, SNPU – Sozial-Nationale Partei der Ukraine, UNA – Ukrainische Nationale Versammlung, AUU – Allukrainische Union.

Das Ergebnis von Tjahnyboks neuformierter Partei bei den Wahlen zur Werchowna Rada 2006 und 2007 – 0,36% bzw. 0,76% – erinnerte jedoch zunächst an das Niveau der Unterstützung, das die SNPU und andere ultranationalistische Organisationen in früheren Parlamentswahlen erreichten, etwa an das 1998er Ergebnis des SNPU-geleiteten Blocks „Weniger Worte“ von 0,16%. Dennoch zeigte die Dynamik der 1998er-2007er Ergebnisse – 0,16%→0,36%→0,76% – bereits, dass die SNPU bzw. Freiheitspartei die einzige ukrainische rechtsextreme Organisation ist, die ein wenn auch geringes, so doch stetiges Wachstum an Popularität über einen längeren Zeitraum verzeichnen konnte.

„Swoboda“ im Aufwind: Vom politischen Rand in die große Politik

Der politische Durchbruch gelang der Partei Tjahnyboks mit ihrem überraschenden Sieg bei den Regionalwahlen zum Gebietsparlament der Ternopiler Oblast in Galizien am 15. März 2009. Bei diesen Wahlen erhielt die Freiheitspartei 34,69% der abgegebenen Stimmen, wobei der Stimmanteil ihres nächsten Rivalen, des propräsidialen Blocks “Jedinnyj zentr” (Vereintes Zentrum) nur 14,2% betrug. Infolgedessen erhielten die extremen Rechten im Gebietsparlament von Ternopil 50 der insgesamt 120 Sitze. Der Vorsitz des Parlamentes ging an das Mitglied der Partei “Freiheit” Oleksi Kajda. Damit hatte „Swoboda“ eine Position in der postsowjetischen Ukraine erreicht, die sie deutlich von allen anderen ultranationalistische Organisationen unterschied.

Freilich muss ergänzt werden, dass die Wahlbeteiligung bei diesem regionalen Votum gering war. Auch nahmen eine Reihe wichtiger ukrainischer Politiker aus dem nichtpräsidialen Orange-Lager, zum Beispiel Julia Tymoschenko, Arseni Jazenjuk und Anatoli Hrizenko, nicht aktiv am Wahlkampf im Gebiet Ternopil teil. Jedoch rückt der überraschende Sieg der Ultranationalisten die SNPU-Nachfolgepartei und ihren Führer Tjahnybok erstmals in das Licht der breiten Öffentlichkeit. Seit Frühjahr 2009 sind die Freiheitspartei, Tjahnybok und weitere Mitglieder ihrer Führung kontinuierlich in einflussreichen nationalen Massenmedien der Ukraine präsent.

Die Partei konnte ihre größere Medienpräsenz bei der darauffolgenden nationalen Abstimmung, der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen vom Januar 2010, zwar zunächst nur bedingt in Stimmengewinne umsetzen. Der Präsidentschaftskandidat der Freiheitspartei Tjahnybok erhielt damals 1,43% der abgegebenen Stimmen und nahm damit den achten Platz unter den 18 Kandidaten ein. Zum einen setzte die Partei damit Anfang 2010 jedoch ihre vorherige Tendenz einer ungefähren Verdoppelung ihres nationalen Wahlergebnisses im Vergleich zu vorherigen Wahl von 1998 und 2006, 2006 und 2007 sowie 2007 zu den Präsidentschaftswahlen von 2010, fort: Tjahnyboks Ergebnis war knapp zwei Mal so hoch wie der Stimmenanteil von „Swoboda“ bei den Parlamentswahlen 2007. Zum anderen änderte sich unmittelbar im Anschluss mit dem Amtsantritt Wiktor Janukowytschs als neuer Präsident der Ukraine die politische Gesamtwetterlage. Dies war insofern von Bedeutung, als die Freiheitspartei inzwischen bedeutsam genug geworden war, um von Janukowytschs „Polittechnologen“ in deren Manipulationsstrategien einbezogen zu werden. Insbesondere die Präsenz von “Swoboda” in Diskussionssendungen der regierungsnahen Parteisender stieg rasant an.

Letzteres war ein Grund dafür, dass die Freiheitspartei bei den darauffolgenden Lokal- und Regionalwahlen im Oktober 2010 ein zweiter und womöglich nachhaltiger Durchbruch gelang. Die Partei wiederholte in den beiden anderen galizischen Regionen, d.h. der Lemberger sowie Iwano-Frankiwsker Oblast, ungefähr ihren Erfolg bei den Ternopiler Regionalwahlen von 2009. „Swoboda“ hatte zudem beeindruckende Erfolge bei einigen gleichzeitig stattfindenden Kommunalwahlen vorzuweisen – wiederum allen voran in Galizien sowie, in etwas geringerem Ausmaß, in weiteren westukrainischen Städten und Gemeinden.

Vor allem jedoch errang die Freiheitspartei landesweit über 5% der insgesamt abgegebenen Stimmen. Bemerkenswert war hierbei, dass dieses Resultat vom Oktober 2010 noch den Erfolg übertraf, den man aufgrund der bisherigen Entwicklungsdynamik, d.h. infolge einer Verdoppelung des Stimmenanteils bei jeder weiteren Wahl, erwarten konnte. Die Partei erhielt nicht das Doppelte von Tjahnyboks Ergebnis von 1,43% vom Januar 2010, sondern einen um das nahezu Vierfache gestiegenen Stimmenanteil knapp zehn Monate später. Obwohl „Swoboda“ auch weiterhin ohne Repräsentanten in den zentralen Legislativ- und Exekutivorganen des ukrainischen Staates blieb, stellte der parteiförmig organisierte Rechtsradikalismus in der postsowjetischen Ukraine seit Oktober 2010 damit erstmals einen relativ signifikanten politischen Faktor auf nationaler Ebene dar.

Die Hintergründe für diesen Erfolg waren vielfältig. Zum einen folgte der Aufstieg von „Swoboda“ mit einiger Verspätung einem postkommunistischen, ja gesamteuropäischen Trend zunehmender Wahlerfolge rechtsradikaler und -populistischer Parteien seit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Zum anderen waren hierfür Spezifika der neuen politischen Situation in der Ukraine unter Janukowytsch verantwortlich. So war der Popularitätsgewinn für „Swoboda“ Ausdruck der gestiegenen Polarisierung der ukrainischen Politik seit Frühjahr 2010. Er stellte etwa eine Reaktion auf die Ernennung Dmytro Tabatschnyks, eines dubiosen galizierfeindlichen und russophilen früheren Kutschma-Assistenten, zum neuen Bildungsminister der Ukraine dar.

Zudem schien die bereits erwähnte „Polittechnologie“ der neuen politischen Führung der Ukraine eine Rolle beim Aufstieg der Freiheitspartei unter Janukowytsch gespielt zu haben. Wie sich im Laufe des Jahres 2010 herausstellte, wurde „Swoboda“ einerseits als bequemer, da lediglich in Galizien relevanter politischer Sparringpartner für Janukowytschs Partei der Regionen identifiziert und andererseits als nützlicher Konkurrent für die orangen, meist nationaldemokratisch orientierten Parteien betrachtet. Daher wurden die Wahlchancen der Freiheitspartei im Vorfeld der Regionalwahlen vom Oktober 2010 von Janukowytschs Polittechnologen offensichtlich gezielt verbessert. So erhielten „Swoboda“-Vertreter unverhältnismäßig häufig Gelegenheit, in den von der regierenden Regionenpartei mittelbar kontrollierten elektronischen Massenmedien aufzutreten, z.B. in den beliebten allwöchentlichen Fernsehdiskussionen „Große Politik“ moderiert von Jewgeni Kisseljow und „Schuster Live“ moderiert von Sawik Schuster. Auch hatte „Swoboda“ – im Gegensatz etwa zu Julia Tymoschenkos Vaterlandspartei – kaum Probleme bei ihrer Registrierung für eine Teilnahme an den Kommunal- und Regionalwahlen im Oktober 2010. Bei einigen dieser Wahlen musste „Swoboda“ daher nicht mit Tymoschenkos Partei, die nicht registriert worden war, konkurrieren. „Swoboda“ war in diesen Fällen vielmehr die prominenteste national orientierte politische Kraft, für die sich die Wähler entscheiden konnten, was offenbar erheblich zu ihrem Wahlerfolg in den betreffenden Regionen bzw. Kommunen beitrug.

Es ist wahrscheinlich, dass es „Swoboda“ in den Parlamentswahlen am 28. Oktober 2012 schafft, zu einer signifikanten Kraft in der Werchowna Rada zu werden. Die Partei wird nicht nur mit einiger Sicherheit etliche galizische Direktmandate in der Abstimmung nach Mehrheitswahlrecht erringen. Sie wird auch bei dem Votum nach Verhältniswahlrecht erfolgreich sein, was ein Novum für die Ukraine wäre. Solch einen Erfolg zu erzielen, war an und für sich mit Anhebung der Eingangsbarriere für die Werchowna Rada von drei auf fünf Prozent bei diesen Parlamentswahlen schwerer geworden. Eine ganze Reihe von Faktoren – nicht zuletzt die wahltaktischen sowie gesamtpolitischen Kalkulationen und entsprechenden Aktionen der Polittechnologen der Regionenpartei – werden jedoch dazu beitragen, dass dem ukrainischen Rechtsradikalismus diesmal der Sprung ins Parlament gelingt.

Aus dem Russischen übersetzt von Michael Fiedler.

Der Beitrag wurde erstmals publiziert in der Zeitschrift “Ost-West: Europäische Perspektiven” (Nr. 3, 2012). Der Stiftung Renovabis sei herzlich gedankt für die großzügige Unterstützung dieses Übersetzungs- und Publikationsprojektes. Ausführlichere, frühere Versionen des Textes erschienen zuvor in Russisch in der Kasaner Fachzeitschrift „Ab Imperio“ (Nr. 2, 2010) sowie in Ukrainisch in dem Kiewer Periodikum „Polityčna krytyka“ (Nr. 2, 2011).

1 Der Überblick ist eine direkte Fortsetzung unseres Kurzbeitrages: Anton Schechowzow und Andreas Umland: Die Entstehung des ukrainophonen parteiförmigen Rechtsextremismus in der Ukraine der 1990er, in: Ukraine-Analysen, Nr. 107, 2012. Siehe auch: Andreas Umland. Das ukrainische Parteienspektrum vor dem Wandel? Zum Aufstieg der rechtsradikalen Freiheits-Partei, in: Ukraine-Analysen, Nr. 81, 2010, S. 8-12; Anton Schechowzow. The Creeping Resurgence of the Ukrainian Radical Right? The Case of the Freedom Party, in: Europe-Asia Studies, Bd. 63, Nr. 2, 2011, S. 203-228; Andreas Umland. Ukraine’s Party System in Transition? The Rise of the Radically Right-Wing All-Ukrainian Association “Swoboda”, in: Geopolitika, 5.1.2011, http://www.geopolitika.lt/?artc=4429 Anton Schechowzow: Ukraine. Extreme right-right party makes major election gains, in: Searchlight, Dezember 2010, S. 25. Wir sprechen hier von „ukrainophonem“ Rechtsradikalismus, da es daneben auch noch einen russophonen bzw. panslawistischen Rechtsradikalismus in der Ukraine gibt. Die Quellen, Entwicklungsdynamik und Ideologie des ukrainischen prorussischen Ultranationalismus unterscheiden sich prinzipiell von den hier untersuchten Organisationen, weshalb wir ihn in diesem Beitrag ignorieren.

2 Julian Birch. The Ukrainian Nationalist Movement in the U.S.S.R. since 1956. London, 1971.

3 Siehe zur OUN und ihrer heutigen Interpretation z.B.: Per Anders Rudling. Theory and Practice: Historical Representation of the War Time Activities of OUN-UPA (the Organization of Ukrainian Nationalists – the Ukrainian Insurgent Army), in: East European Jewish Affairs, Bd. 36, Nr. 2, 2006, S. 163-189; Franziska Bruder. “Den ukrainischen Staat erkämpfen oder sterben!“ Die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) 1929-1948. Berlin, 2007.

4 Die in der Mitte der 1990er Jahre in der Werchowna Rada bestehende nationalistische Abgeordnetengruppe “Deržavnist” (Staatlichkeit) erfüllt aus verschiedenen Gründen nicht die Kriterien, um hier als vollwertig rechtsradikale parlamentarische Fraktion betrachtet zu werden.

5 Hier und im Folgenden werden die Wahlergebnisse der Parteien und Blöcke entsprechend der offiziellen Datenbank der Zentralen Wahlkommission der Ukraine angeführt, s. http://www.cvk.gov.ua. Letzter Besuch am 24. Mai 2009.

6 Ausführlicher zur MAUP und zum Antisemitismus in der Ukraine siehe: Per Anders Rudling. Organized Anti-Semitism in Contemporary Ukraine: Structure, Influence and Ideology, in: Canadian-Slavonic Papers, Bd. 48, Nr. 1-2, 2006, S. 81-119; Vjačeslav Lichačev. Antisemitizm v Ukraine (2002-2004). http://www.vaadua.org/Antisemit/AntisLyh.htm. Letzter Besuch am 21. Dezember 2009; ders. Antisemitizm v Ukraine (2004–2005). http://www.vaadua.org/News/05-05/AntismUALikh.htm. Letzter Besuch am 21. Dezember 2009; Vladimir Mindlin. Obzor antisemitskich publikacij i projavlenij v Ukraine (2004). http://www.vaadua.org/News/05-05/Mindlin.htm Josif Zisel’s. “Antisemitskie” zametki, ili Novye pesni o starom. http://www.vaadua.org/Antisemit/AntisJosef.htm Semen Averbuch. Novyj antisemitizm v Ukraine. Kiev, 2005; Vjačeslav Lichačev. Antisemitizm v Ukraine, 2005–2006. http://www.vaadua.org/News/04-06/02-04-06.htm. Letzter Besuch am 21. Dezember 2009.; ders. Projavlenija antisemitizma v Ukraine: itogi 2007 g. http://www.vaadua.org/News/01-2008/Ukr-2007.html. Letzter Besuch am 21. Dezember 2009.; Nadine Epstein. The Mysterious Tale of a Ukrainian University’s Anti-Semitic Crusade, in: Moment: Jewish Politics – Culture – Religion, November-Dezember 2009. http://www.momentmag.com/Exclusive/2009/2009-12/200912-MAUP.html. Letzter Besuch am 21. Dezember 2009.

7 Adrian Ivakhiv. In Search of Deeper Identities: Neo-Paganism and “Native Faith” in Contemporary Ukraine, in: Nova Religio: The Journal of Alternative and Emergent Religions. 2005. Bd. 8. Nr. 3. S. 7-38; Kyrylo Haluško. Bytij šljach archeolohii do nacizmu, abo jaki “teorii” my obhovoruemo, in: Nivitni mify ta fal’šyvky pro prochoždennja ukrainciv. Hrsg. von Julija Olijnik. Кyiv, 2008. S. 11-28.

ist Gastforscher am Institut für die Wissenschaften vom Menschen, Wien, Mitglied der Radicalism and the New Media-Forschungsgruppe der Universität Northampton, England, und Herausgeber der ibidem-Verlag-Buchreihe “Explorations of the Far Right”, Stuttgart/Hannover.

ist DAAD-Fachlektor für Politikwissenschaft an der Kiewer Mohyla-Akademie, Mitglied des Valdai International Discussion Club sowie des Zentralinstituts für Mittel- und Osteuropastudien Eichstätt und Herausgeber der ibidem-Verlag-Buchreihe “Soviet and Post-Soviet Politics and Society”, Stuttgart/Hannover.

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