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Witalij Sachartschenkos Labyrinth

Die Website “Naschi Hroschi“ deckte die Verbindung zwischen der Handelsmarke „Trybuschany“, die auf den Namen des Innenministers der Ukraine Witalij Sachartschenko registriert worden ist, und zwei Banken, dem Fernsehsender „112“ und Flughäfen in Odessa und Simferopol auf.

Gerade die Offenheit des ukrainischen Innenministers Sachartschenko (seit dem 28. Januar nur noch geschäftsführender Innenminister, A.d.R.) wird von ukrainischen Journalisten nicht gebührend geschätzt. In der Tat, die Machthaber verstecken ihr Eigentum gewöhnlich in Offshore-Zonen oder registrieren sie auf einen Strohmann, der Innenminister hat aber ganz transparent, ohne sich vor jemandem zu verstecken, die Handelsmarke „Trybuschany“ auf seinen eigenen Namen registrieren lassen.

Eine Handelsmarke auf seinen Namen registrieren zu lassen bedeutet zu bestätigen, dass das Ganze nur einer Person gehört – unabhängig von der Fluktuation der nominalen Besitzer vom Unternehmen.

Wir möchten daran erinnern, dass wir, wenn wir vom „Unternehmen“ sprechen, die private Aktiengesellschaft „Marmurowyj Karjer/Marmorbruch „Trybuschany“ (ПрАТ «Мармуровий кар’єр «Трибушани») meinen. Wir haben bereits darüber berichtet, dass die Ehefrau des Innenministers Ljudmyla seine erste Eigentümerin mittels der Geschlossenen Aktiengesellschaft „Bergbau- und Erztechnologien“ (ЗАТ «Гірничо-рудні технології») war. Wer dieses Sujet noch nicht gesehen hat, findet ihn unter dem folgenden Link (auf Ukrainisch).

Heute geht es allerdings weder um den Marmorbruch in Trybuschany noch um die Goldvorkommen in Mushijewo (die von der Ministerfamilie auch „betreut“ werden), sondern es geht um wichtigere Geschäfte.

Als offizielle Eigentümer der geschlossenen Aktiengesellschaft „Bergbau- und Erztechnologien“ (dementsprechend auch vom Marmorbruch „Trybuschany“) fungierten der Reihe nach Ljudmyla Sachartschenko, die Private Aktiengesellschaft „Versicherungsunternehmen „Star-polis“ und das niederländische Unternehmen „Stichting administratiekantoor LVV“, das auch jetzt als Eigentümer fungiert. Innenminister Sachartschenko hatte all die Zeit die Handelsmarke „Trybuschany“ in seinem Eigentum. Das heißt, sowohl das Versicherungsunternehmen als auch das niederländische Unternehmen sind dem Minister nicht so fremd. Man muss sie unter die Lupe nehmen.

Zunächst beschäftigen wir uns mit dem Versicherungsunternehmen „Star-polis“ (ЗАТ «Гірничо-рудні технології»). Letztes Jahr machte dieses Unternehmen infolge eines Skandals mit der Nationalen Migrationsbehörde (die vom Innenminister koordiniert wird) auf sich aufmerksam. Damals stellte es sich heraus, dass Sachbearbeiter von ukrainischen Behörden für Visa und Registrierung Menschen dazu zwangen, bei der Beantragung eines Reisepasses gesetzwidrige Versicherungen bei den Unternehmen „Star-polis“ und „WUSO“ zu kaufen.
Schema Witalij SachartschenkoSchema Witalij Sachartschenko

Aber diese Geschichte ist jetzt zweitrangig. „Star-polis“ weckt ein viel größeres Interesse durch seine korporativen Beziehungen. Im Jahre 2010, nach den für die Partei der Regionen siegreichen Wahlen, gründete dieses Unternehmen die „Bank „Markttechnologien“ (ПАТ «Банк ринкові технології»). Im Jahre 2013 besaß das Unternehmen von 100 Prozent nur mehr 40 Prozent der Bankaktien. Auf wessen Namen die restlichen Aktien umgeschrieben worden sind, ist nicht bekannt, aber in deren Verwaltungsorganen blieben zahlreiche Mitarbeiter des Unternehmens „Star-polis“.

Die private Aktiengesellschaft „Bank „Markttechnologien“ (ПАТ «Банк ринкові технології») erwies sich als äußert erfolgreich. Obwohl die Bank von einem winzigen Versicherungsunternehmen gegründet worden war und dessen Geschäfte auf ihre eigene Art und Weise betrieb, sodass sogar die Analytiker überrascht waren, waren die Ergebnisse trotzdem beeindruckend.

Ein Beispiel: Als die Bilanz für das Finanzjahr 2013 gezogen wurde, nannte der Verband ukrainischer Banken diejenigen Banken, die die meisten Aktiva aufgestockt haben. Einen Auszug aus dessen Bericht möchten wir an dieser Stelle zitieren: „Die Jurymitglieder haben diejenigen Banken festgelegt, die ihre Aktiva am stärksten aufgestockt haben. Es gab zwei Hauptkonkurrenten: die Bank „Allukrainische Bank für Entwicklung“ und die Bank „Markttechnologien“

Zum Spitzenreiter des Bankenwesens wurde die Bank „Allukrainische Bank für Entwicklung“ von Oleksandr Janukowytsch, dem älteren Sohn des Präsidenten, und die Bank „Markttechnologien“ belegte den ehrenvollen zweiten Platz.

Das bedeutet, dass reale Eigentümer der Bank „Markttechnologien“ in ihr Finanzinstitut so viel Bargeld hineinfließen ließen, dass sie in diesem heiklen Anliegen nur mit dem Sohn des Präsidenten nicht mithalten konnten.

Die Erfolge der Bank interessieren uns allerdings weniger, als deren geheimnisvoller Angestellter – der Berater des Vorstandsvorsitzenden Andrij Podschtschypkow. Die breite Öffentlichkeit kennt ihn vor allem als Besitzer des neuen Informationsfernsehsenders „112“, der die Medien-Community in den letzten Wochen durch die Größe der Investitionen in die Ausstattung nachhaltig beeindruckt hat.

Es gibt auch weitere Punkte, die diese Person so geheimnisvoll machen.

Erstens ist es absolut unklar, woher Herr Podschtschypkow so viel Geld hat, um solch einen teuren Fernsehsender aufzubauen. Seine eigenen Geschäfte geben nicht so viel her – er verfügt über einige Läden für Handyvertrieb in Poltawa, die bereits seit zehn Jahren bestehen, und über einen Job in einem analytischen Zentrum. Das wäre alles. Das Einzige, was auf seiner Homepage das Interesse weckt, ist nun sein Posten als Berater des Vorstandsvorsitzenden der Bank „Markttechnologien“ und auch sein Amt als Berater des Präsidenten des Flusshafens Kiews.

Darüber hinaus hat er das Amt des Vorsitzenden des Ukrainischen Verbands für Kampfkünste „Oriental“ im Gebiet Poltawa inne. Das gibt aber auch nicht viel Geld her. Zumindest in einem zivilisierten Land. In das Stammkapital der GmbH „Partner TV“, der der Fernsehsender „112“ gehört, zahlte Podschtschypnikow 1 Mio. $ ein, von den laufenden Kosten ganz zu schweigen.

Zweitens, welche höheren Kräfte haben dem neuen Fernsehsender geholfen, die Machenschaften zur Erteilung der Lizenz für das digitale Fernsehen abzuwickeln? Wir möchten daran erinnern, dass dieses Schema sogar für ukrainische Verhältnisse einzigartig war. Fünf Gewinner der Ausschreibung haben ihre Lizenzen auf einmal dem neu gegründeten Fernsehsender übertragen. Der Nationale Rat für Fernsehsender und Radioanstalten hat das genehmigt, obwohl diese Lizenzen für das regionale Fernsehen erteilt worden sind. Diese Lizenzen wurden dann allerdings in eine Lizenz für einen nationalen Sender umgewandelt. All das erfolgte, während alle anderen Fernsehsender nicht imstande waren, irgendeine Genehmigung für den Fortbestand nach dem 1. Januar 2015 zu erhalten.

Daher verwundert es keinen, dass Witalij Sachartschenko bereits im November letzten Jahres als wahrer Profiteur dieses Fernsehsenders genannt wurde. Während der Proteste am Maidan waren die Journalisten des Fernsehsenders „112“ in zahlreiche skandalöse Geschichten verwickelt.

Nun lassen wir den Fernsehsender beiseite und kommen wir auf systemähnliche Geschäfte zu sprechen.

Im Labyrinth, dessen Ausgangspunkt „Trybuschany“ ist, gibt es eine weitere Bank, die erst vor kurzem gegründet wurde – „Investitionstrustbank“. Um diese Bank ausfindig zu machen, muss man den jetzigen Eigentümer der „Bergbau- und Erztechnologien“, die früher der Ehefrau des Innenministers gehörte, unter die Lupe nehmen. Das ist das niederländische Unternehmen «Stichting administratiekantoor LVV», das dem niederländischen Trust «Molade Trust Management» gehört, auf den wir noch später zu sprechen kommen.

Das Unternehmen «Stichting administratiekantoor» wurde also im Jahre 2011 von Walentyna Fomenko, einer Einwohnerin der Stadt Luhansk (in der Ostukraine) gegründet.

Über diese Person könnte man richtig viel berichten. Der Versuch, den Markt der Immobilienbewertung zu monopolisieren, sticht da besonders hervor. Wir möchten daran erinnern, dass im Jahre 2012 der erste Versuch erfolgte, Finanzströme in der Milliardenhöhe in 12 Firmen, die mit dem Direktor der gesellschaftlichen Organisation „Verband zur Förderung der Rechtstätigkeit“ Walentyna Fomenko und dem Vorsitzenden der Rechtsabteilung dieser gesellschaftlichen Organisation Ihor Kuschnarjow verbunden waren, hineinfließen zu lassen. Aber lassen wird das, es ist mittlerweile eine Geschichte mit Bart.

Neulich hat Walentyna Fomenko zusammen mit zehn weiteren Partnern die „Biruang“ GmbH gegründet.

Im August 2013 hat die „Biruang“ GmbH eine Investitions- und Trustbank gegründet und trieb für sein Stammkapital 129 Mio. Hrywnja (ca. 11,2 Mio. Euro) auf. Deren Vorstandsvorsitzender ist Oleksandr Podolan, der zunächst der Berater des Vorstandsvorsitzenden der Bank „Markttechnologien“ war. Zu einem der Ko-Eigentümer wurde Oleksij Karmasin, ein Mitglied der Revisionskommission der Bank „Markttechnologien“ vom Aktionär „Star-Polis“. Diese Banken sind also einander nicht fremd. Es gibt schließlich mehr Zufälle als genug. Andere Journalisten konnten auch die Verbindung zwischen diesen Banken herstellen und betrachten die Investitions- und Trustbank als eine „Taschenbank“ (Bank, die ohne langfristige Geschäftsperspektive, für den späteren Verkauf oder zur Geldbeschaffung gegründet wird, A.d.Ü.).

Man kann viele weitere Verbindungen zwischen den Gründern der „Biruang“ GmbH und anderen Unternehmen herstellen. Firmen mit ausdrucksstarken Namen wie Private Aktiengesellschaft “Steueraudit der Ukraine“ und Private Aktiengesellschaft „Audit von Steuern und Gebühren der Ukraine“ spezialisieren sich auf die Steuerberatung. Sie wurden im September 2011 gegründet, als Witalij Sachartschenko noch an der Spitze der Nationalen Steuerbehörde war.

An dieser Stelle machen wir mit diesem Labyrinth Schluss. Es ist viel zu groß, als dass wir es in einem Text beschreiben könnten. Abschließend schauen wir nur in eine dunkle Ecke rein, die uns zu einem sehr ungewöhnlichen Geschäft führt: zur Pacht von staatlichen Flughäfen.

Letztes Jahr wurde die Verwaltung des Flughafens in Simferopol an das niederländische Unternehmen Van den Akker Holding übertragen. Der Wettbewerb verlief so undurchsichtig, dass viele schockiert waren. Das Unternehmen, das den Zuschlag bekam, war auch nicht besonders transparent. Es wurde auf den Namen eines Niederländers registriert. Es verfügte über einen Arbeitnehmer und über eine billige Homepage. Es zeichnete sich durch seine Telefonnummer aus. Es hat sich herausgestellt, dass die niederländische Nummer +31 20 6402803 in der Wirklichkeit einem anderen lokalen Unternehmen gehörte, und zwar „Molade Trust Management“. Wir möchten an dieser Stelle daran erinnern, dass dies gerade das Unternehmen ist, dem der Marmorbruch „Trybuschany“ untergeordnet ist.

Es ist klar, das Wort „Trust“ im Namen bedeutet, dass dieses Institut seine Dienstleistungen verschiedenen Kunden erteilt. Es kann seine Dienstleistungen aber auch nur einem Kunden erteilen. Eigentlich können lokale staatliche Finanzprüfer all das genau kontrollieren, zumal es sich gleich um zwei staatliche Flughäfen handelt.

Der Punkt ist, laut den Recherchen der ukrainischen Zeitung „Dserkalo tyshnja“ soll Oleksij Kotschanow einer der Antragsteller bei der Ausschreibung im Namen vom Unternehmen „Van den Akker Holding“ gewesen sein. Zugleich ist er Vorsitzender der „Odessa Aeroport Development“ GmbH, einer Organisation, die mit einem gleich großen Skandal die Verwaltung des Flughafens in Odessa übertragen wurde. Der Eigentümer dieses Unternehmens ist nicht bekannt, de jure ist es ein englisches Unternehmen mit einem zypriotischen Gründer und lokalen Arbeitskräften.

Obwohl die Geschäftsleute Hranowsky und Kaufman als Profiteure dieses Schemas in Odessa genannt werden, sind wir davon nicht wirklich überzeugt. Um in das von uns beschriebene Schema aufgenommen zu werden, muss man dem VIP-Club, in dem die Anzahl von Plätzen sehr eingeschränkt ist, angehören

Abschließend möchten wir hervorheben, dass wir nicht behaupten, die eine oder die andere Organisation würde mit 100 Prozent- Sicherheit der einen oder der anderen Person gehören. Außerdem konnten wir uns im Laufe der Recherchen davon überzeugen, dass viele Organisationen, die die ukrainische Wirtschaft beeinflussen, in Wirklichkeit korporativ verwaltet werden. Das sind eine Art von Kooperativen. Als Mitglieder werden nur wenige in solche Kooperative aufgenommen – etwa fünf bis sechs Personen, nicht mehr. Ihre Namen werden wir an dieser Stelle nicht erwähnen, da Journalisten bereits in ihrer Studienzeit beigebracht wird, keine Banalitäten aufzuschreiben.

27. Januar 2014

Quelle: Naschi Hroschi

Übersetzerin:   Jewgenija Mowtschun  — Wörter: 1790

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