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Kapitalismus in der Ukraine: Es gibt keine Alternative

In der Ukraine ist ein Bündnis zwischen Kommunisten, Apparatschiks und Direktoren von Staatsbetrieben gebildet worden. Sie haben Sitze im Parlament gekauft, sie haben Bestechungsgelder an Beamte gezahlt, sie haben ein System geschaffen, das ihren Interessen gedient hat, sie haben die Medien gekauft, durch die sie ihre Ansichten vorangebracht haben.

Vor ein paar Tagen hatte ich die Gelegenheit, an der Debatte teilzunehmen, die von
BBC World News, von dem britischen Unternehmen Intelligence Squared und von dem Fond “Effiziente Führung“ organisiert wurden. Das Thema dieser Debatte lautete wie folgt: “Der Kapitalismus hat im post-sowjetischen Raum nicht funktioniert”

Weitere Teilnehmer waren die russische Politikerin und Ökonomin Irina Chakamada, der britische Journalist David Aaronowitsch und der (ukrainische) Abgeordnete Andrij Schewtschenko. Es war interessant zu hören, dass die ausländischen Referenten sich für die Hauptthese der Debatten ausgesprochen haben, während die ukrainischen Referenten die Aussage dieses These abstritten.

Diese Debatten werden viermal – am 3. und am 4. Juli – auf BBC World News ausgestrahlt

Die meisten Argumente sowohl „Pro“ als auch „Contra“ waren einfach. Das Publikum hat eine Reihe wichtiger Fragen und einige Fangfragen gestellt. Zu Beginn und am Ende der Diskussion haben die Organisatoren eine Abstimmung durchgeführt, und ich bin sehr glücklich darüber, dass unsere mit Andrij Witalijowitsch (Schewtschenko) gemeinsamenArgumente den erheblichen Teil der Anwesenden auf unsere Seite geschlagen haben.

Allerdings, war ich zusammen mit den ausländischen Teilnehmern der Debatte von den zahlreichen Fragen aus dem Publikum überrascht, die leider mangelnde Kenntnisse über die grundlegenden Prinzipien der Marktwirtschaft gezeigt haben.

Solche Diskussionen sind sehr wichtig, denn mit deren Hilfe wächst in der Gesellschaft die Informiertheit über die Wirtschaftspolitik und den damit zusammenhängenden Fragen. Die Wähler müssen die Komplexität der staatlichen Entscheidungen besser verstehen, die Einfluss auf ihr Leben und ihre Zukunft haben.

Leider ist unseren Bürgern nur selten bewusst, dass populistische Angebote sozialer Geschenke in der Regel “einen Wurm im Apfel” verstecken.

Die Debatte von BBC wurden dem Erfolg der freien Märkte in den Ländern des ehemaligen Ostblocks gewidmet. Die Fragen des Publikums haben gezeigt, dass es nach wie vor viele Mythen über freie Märkte und die eigenen Erfahrungen der Ukraine gibt. Deshalb möchte ich zusätzliche Argumente zu den in den Debatten aufgeworfenen Fragen bringen.

Mythos eins: der Kapitalismus ist ein in seiner Natur nach ungerechtes System

Das Wort “Kapitalismus” ist politisch gefärbt, besonders in der ehemaligen Sowjetunion, wo es 70 Jahre lang destruktiver Kritik unterzogen wurde. Daher ist es für eine angemessene Bewertung notwendig, Emotionen abzuschalten sowie Vorurteile beiseite zu legen und zuerst zu verstehen, was Kapitalismus und ein marktwirtschaftliches System wirklich ausmachen.

Entsprechend einer Definition müssen “freie Märkte” folgende Komponenten aufweisen: das Privateigentum ist gesetzlich geschützt, private Produktion basiert auf dem Gewinnanreiz und auf dem freien Wettbewerb, es funktionieren Mechanismen der Preisbildung auf dem Markt, wo die Preise durch Angebot und Nachfrage durch Interaktion zwischen Produzent und Konsument bestimmt werden.

In einem marktwirtschaftlichen System werden die Entscheidungen von den Konsumenten diktiert. Wie der österreichische Ökonom Ludwig von Mises, der, nebenbei bemerkt, in Lwiw (Lemberg) im Jahre 1881 geboren wurde, sagte: “der Konsument ist ein Kapitän, die Konsumenten bestimmen genau, was, in welcher Qualität und in welcher Menge produziert werden sollte. Die Kapitalisten können ihr Geld erst dann sparen und erhöhen, wenn sie die Wünsche der Konsumenten am besten erfüllen.“

In einem marktwirtschaftlichen System bestimmt die Interaktion zwischen dem Käufer und dem Verkäufer den realen Wert des Produkts oder der Dienstleistung. Wenn die tatsächlichen Kosten der Aufwendungen, des Faktors Arbeit und des Produkts bekannt sind, kann der Investor das Kapital am effektivsten und am effizientesten einteilen.

Trotz guter Absichten ist kein Staat in der Lage, sowohl Millionen von wirtschaftlichen Berechnungen zu machen, die für Bestimmung der realen Preise für alle Produkte und Dienstleistungen erforderlich sind, als auch eine umfassende nationale Wirtschaft zu organisieren.

Nobelpreisträger Friedrich von Hayek hat behauptet, dass in einer zentralen Planwirtschaft die sozialistische Regierung über hinreichende Kenntnisse verfügen und alle Aspekte des Lebens kontrollieren muss, und dies führt sicher zu Totalitarismus.

Also, die oberflächliche Behauptung über die Unsittlichkeit des Kapitalismus ignoriert die Tatsache, dass das Marktsystem für die größte Freiheit für eine riesige Zahl von Menschen sorgt. Wirtschaftliche Freiheit stellt eine notwendige Voraussetzung für die politische Freiheit dar.

Die Marktsysteme haben sich in der ganzen Welt bewährt, sie sorgen für das effizienteste Wirtschaftswachstum, für die höchsten Lebensstandards, für die größten Freiheiten und für das niedrigste Niveau der Korruption.

Kapitalismus bedeutet auch nicht, dass in dem Staat die sozialen Standards verschwinden. Die Bürger sollten sich einfach bewusst entscheiden, wie hoch das Einkommensniveau wäre, über das sie verfügen und das sie teilen wollen und der Staat sollte seine unnötigen paternalistischen Funktionen aufgeben.

Mythos zwei: schrittweise Reformen sind besser als eine Schocktherapie

Ich war überrascht, als ich aus dem Publikum Meinungen darüber hörte, dass es in der Ukraine eine “Schocktherapie” gegeben hat und in Aussagen schrittweise Reformen befürwortet wurden oder die Suche nach einem “dritten“, ausschließlich ??“ukrainischen“ Weg. Man denkt eigentlich, dass nach zwei Jahrzehnten ergebnisloser Suche nach dem utopischen Weg eine Immunität gegen diese Phantasien hätte entwickelt werden können.

In der Tat hat die Ukraine als eines der letzten Länder des ehemaligen sowjetischen Blocks wichtige Marktreformen durchzuführen begonnen. In den Jahren 1991-1993 waren wir beim Tempo der Umsetzung von strukturellen Wirtschaftsreformen auf dem letzten Platz unter den 21 Ländern Zentral- und Osteuropas.

Unsere Reformen sind langsam und bruchstückhaft verlaufen, sie haben den Vorrang des Gesetzes und rechtliche Infrastruktur für das Eigentum, welche den Eintritt aller Bürger in das kapitalistische System gewährleisten würden, nicht gefestigt.

Eine kleine Zahl von liberalen Reformern hat immer schwer gegen die bestehende Elite gekämpft. Ständig, wenn sie mit irgendeinen ernsthaften Transformationen beginnen wollten, wurden sie entweder gerügt oder entlassen.

Alle Länder der Region, die den Weg der schrittweisen Reformen gewählt haben, haben im Endergebnis ein hohes Inflationsniveau, umfangreiche und längere Produktionsrückgänge, Einkommensungleichheit, höhere Korruption und weniger entwickelte Demokratien.

Jede Teilreform hat einen kleinen Schock und Rückschritt verursacht, die nächste kleine Reform wurde erneut zu einem kleinen Schock und dann folgte ein Schritt zurück. Es war ein klassisches Beispiel für die Überwindung der Kluft in kleinen Schritten, anstatt in einem Sprung. Und was am meisten ärgerlich ist, dass diese Länder durch all das Leid gegangen, aber sie haben nach wie vor ihre Ziele nicht erreicht.

Am erfolgreichsten waren die Länder, die die Reformen schnell, entschlossen, mit einem großen Schritt durchgeführt haben. Die Tschechische Republik hat 24 Tage gebraucht, um radikale wirtschaftliche Veränderungen umzusetzen. Interessanterweise hat Václav Klaus – “Vater“ der tschechischen Reformen – noch im Jahr 1993 vorausgesagt, was mit den Ländern des ehemaligen sowjetischen Blocks passiert, die den sofortigen und radikalen Wandel nicht in die Wege leiten.

Er nannte es eine “Reformfalle”“einen falschen Kreis der partiellen und fehlerhaften Reformschritte, Steigerung der Inflation und Arbeitslosigkeit, steigende Haushaltsdefizite und Auslandsschulden, die Erhöhung der Zahl der politischen Fehler, kurzsichtige Politiker, die zu noch schlechteren Ergebnissen, Chaos und Anarchie führen”

Von allen Ländern der ehemaligen Sowjetunion war es Estland, das zum führenden Land in dem Prozess der Förderung der frühen radikalen Finanzstabilität und Regierungsreform wurde. Im Ergebnis gehört es heute zu den Ländern mit hohem Einkommensniveau. Dies ist eines der zehn liberalsten Länder der Welt, welches das niedrigste Korruptionsniveau hat.

In Polen im Jahr 1989 hat Leszek Balcerowicz ein Programm vorgeschlagen, welches eine makroökonomische Stabilisierung zum Ziel hatte, die Hyperinflation eindämpfte und Mechanismen der Fiskalaufsicht, Deregulierung der Preise und des Handels, Privatisierung von kleinen, mittleren und großen Unternehmen, die Stärkung des sozialen Schutzes, insbesondere für neue Gruppen, eingerichtet hat, die am stärksten von den Reformen betroffen waren.

Die polnische Wirtschaft begann sofort damit, aus dem Schatten herauszukommen. Die Statistiken zeigen, dass im Jahr 1990 Polen ärmer als die Ukraine gewesen ist. Doch nach den Reformen ist die polnische Wirtschaft in den 90iger Jahren um 22% gewachsen, während das ukrainische BIP um 61% fiel. Im Jahr 2000 ist die polnische Wirtschaft sieben Mal größer als die ukrainische Wirtschaft gewesen.

Die Ukraine braucht keinen “dritten Weg” zu suchen oder ihr eigenes Rad erfinden – wir müssen aus den positiven und negativen Erfahrungen anderer Länder lernen, die eine Transformation in den letzten zwei Jahrzehnten erlebt haben.

Mythos drei: alle unsere Probleme sind durch das marktwirtschaftliche System verursacht worden

Wie bereits gesagt wurde, hat sich die Ukraine nicht sehr eilig zum Kapitalismus hin bewegt.

Von den ersten Jahren der Unabhängigkeit an hat die hohe und allgegenwärtige Nomenklatur irreführende populistische Argument verbreitet, dass die Ukraine keinen „Kapitalismus“ braucht, sondern man einen “starken Staat” mit “regulierbaren Übergang zur sozialen Marktwirtschaft“ bauen sollte. Und erst danach sollen die schrittweisen politischen und wirtschaftlichen Reformen eingeführt werden.

Dies hat zu einem Bündnis zwischen den Kommunisten, dem korrupten Apparat, den Direktoren von staatlichen Unternehmen, den in der Schattenwirtschaft agierenden Händlern und den “neuen Ukrainern” geführt – zwischen allen, die an der Schaffung von pseudomarktwirtschaftlichen Beziehungen, einem derartigen Stückkapitalismus interessiert waren.

Das geschaffene System hat einem kleinen Teil der Menschen erlaubt, sich reicher zu machen und gleichzeitig hat es die Entstehung von neuen Gesetzen und Regeln verhindert, auf deren Basis der Kapitalismus am effektivsten funktioniert und die jeden beliebigen bereichern können.

Dieses Bündnis hat aktiv für die Erhaltung des Systems gekämpft, das den Zugang zu zinsgünstigen Darlehen, zu den Kontrollmechanismen der Preise, der Handelsquoten und Lizenzen ermöglicht hat – all dessen, was in einem marktwirtschaftlichen System inakzeptabel ist.

Sie haben Sitze im Parlament und in Ministerien gekauft, sie haben Bestechungsgelder an die Beamten gezahlt, sie haben ein politisches Rechtsystem geschaffen, das ihren Interessen gedient hat, sie haben die Medien gekauft, durch die sie ihre Ansichten vorgebracht haben.

Man kann zigtausende Beispiele von Gesetzeslücken angeben, die von Vertretern derartiger nicht- marktwirtschaftlicher Gruppen geschaffen wurden.

Zu Beginn des Jahres 1990 haben die Warenhändler dank spezieller Lizenzen staatliche Ressourcen zu extrem niedrigen von der Regierung festgesetzten Preisen eingekauft, und dann diese zu Weltmarktpreisen verkauft. Mit diesem Preisunterschied wurden Milliarden verdient.

In den 90iger Jahren haben die reichsten Menschen der Ukraine ihr Geld durch den Gashandel verdient, indem sie bedeutende Erlöse durch die Preisunterschiede erwirtschaftet haben. Sie haben Gas aus Russland zu subventionierten Preisen gekauft und haben es ins Ausland zu Preisen höherer Ordnung verkauft, wobei sie die Gewinne mit ihren russischen Partnern geteilt haben.

Sie haben oft vergünstigte staatliche Bürgschaften und Kredite erhalten, und da ihre Firmen in Offshore-Zonen registriert wurden, haben sie keine Steuern in der Ukraine bezahlt.

Korrupte Politiker und die Apparatschiks haben für sich und ihre Freunde spottbillig große Staatsunternehmen verkauft.

Dort, wo der Staat die Funktion des Schiedsrichters übernehmen sollte, der die transparenten Privatisierungsverfahren festsetzt und gleiche Spielbedingungen schafft, hat er sich tatsächlich in dieses Spiel eingemischt. Stellen Sie sich ein Fußballspiel vor, in dem der Schiedsrichter mit dem Ball läuft und dann anschließend sich zum Sieger erklärt.

Die Machtiaber haben Staatsmonopole im Energiebereich, im Verkehrssektor, im öffentlichen Dienst und anderen Bereichen geschaffen, wodurch deren Ineffizienz und mangelnde Finanzierung sichergestellt wurde.

Die Politiker haben populistische soziale Programme entwickelt, entsprechend denen die größten Privilegien hauptsächlich die Reichen erhalten, während die Ärmsten einen unverhältnismäßig geringen Anteil des Reichtums erhalten haben, der verteilt wurde.

Sie haben die Kontrolle über die Preise für soziale Dienstleistungen erhalten, wobei sie das Anreizsystem veränderten und sich von vielen Zahlungen befreiten.

Sie haben das ineffizienteste Rentensystem weltweit geschaffen, mit dem niedrigsten Renteneintrittsalter und mit höheren Renten für viele der privilegierten Kategorien – Abgeordnete, Militär, Miliz (Polizei), Sicherheitskräfte, Beamte. Die Mindest- und die Durchschnittsrente sind erschreckend niedrig gewesen, aber die Zuschläge waren zu hoch.

Um die Möglichkeit zu haben, solche Renten zu zahlen, hat die Regierung hohe Steuern auf die Löhne erhoben, was zur Lohnsenkung und was die Produktion und die Beschäftigung verringerte. Während der Wahlkampagne 2004 hat die populistische Politik der Regierung die Rentenhöhe verdoppelt. Dies hat dazu geführt, dass der Anteil der Rentenzahlungen am BIP unerreichbare 16% erreicht hat – der höchste weltweit.

Ukrainische Politiker haben einen riesigen bürokratischen Apparat geschaffen, während sie die Wirtschaft bürokratisiert und korrumpiert haben. Dies hat fast jeden Aspekt des Lebens komplizierter gemacht, aber das Schlimmste war, dass es die Entwicklung der Wirtschaft verlangsamt hat.

So in der Mitte der 90er Jahre hat beispielsweise ein Manager der mittleren Führungsebene ein Drittel seiner Zeit für die Vertreter verschiedener staatlicher Ämter geopfert. Auf das Unternehmen, das Steuern gezahlt hat, wurden sieben Steuerprüfer angesetzt.

Die Parlamentsabgeordneten haben die Privatisierung von Land aufgeschoben und halten dessen Verkauf nach wie vor für illegal, wobei sie den Bauern ihr Grundrecht auf Eigentum verweigern. Anstatt den Millionen von ukrainischen Bauern zu erlauben, das Land wie aktives Kapital und als Sicherheiten zu verwenden, pachten die einflussreichen Abgeordneten der Werchowna Rada dieses Land für 49 Jahre und nutzen es kostengünstig.

In den 90er Jahren haben die korrupten Interessengruppen alle schwachen Versuche zurückgeworfen, eine Marktreform durchzuführen. Dasselbe haben sie auch 2001 gemacht, als sie die Regierung, die am meisten Reformen durchgeführt hat, entlassen haben. Und dann wieder im Jahr 2004, als sie, während der Orangen Revolution, die Verfassung geändert haben, um den Präsidenten der wirtschaftlichen Macht zu berauben und um ihm etwas mehr als ein Vetorecht zu lassen, womit sie einen Konflikt zwischen den Regierungszweigen haben entstehen lassen.

Der amerikanische Professor Peter Betke hat einmal gesagt: “Wenn Sie einem Olympiasieger im Schwimmen seine Hände und Füße fesseln, seinen Körper mit Ketten umbinden und ihn anschließend ins Schwimmbecken werfen, werden Sie, wenn er untergegangen ist, nicht sagen, dass er nicht schwimmen kann?“

Das heißt, wenn die Märkte mit ineffizienter Überregulierung belastet sind, warum soll man es dann als “Versagen des Kapitalismus“ bezeichnen? Ein korruptes System mit einigen Elementen privaten Eigentums ist kein Kapitalismus, sondern etwas völlig anderes.

Mythos vier: Der Kapitalismus hat in den Ländern des ehemaligen sowjetischen Blocks nicht funktioniert

In den Ländern des ehemaligen sowjetischen Blocks, wo schnelle und umfassende Marktreformen durchgeführt wurden, zeigten sich die Ergebnisse sofort. Die Ukraine lag hinter ihren Nachbarn bezüglich des Umfangs und der Geschwindigkeit der Reformdurchführung zurück, aber diese Reformen, die uns gelungen umzusetzen gelungen ist, haben zu beeindruckenden Ergebnissen geführt.

So hat die Nationalbank der Ukraine zum Beispiel im Jahr 1993 eine starke Geldpolitik eingeführt, die zu einer Eindämpfung der Inflation, die zuvor mehr als 10.000 Prozent betragen hat, führte. Bis 1997 ist die Inflation auf 10 Prozent gefallen, sodass die Nationalbank eine neue, stabile Währung – die Hrywnja – einführen konnte.

Im Jahr 1994 hat die Ukraine einige Handelsarten und Preise liberalisiert, und hat außerdem eine Massenprivatisierung durchgeführt. Obwohl diese Reform kurz gewesen ist, hat sie zu einer Verringerung des Haushaltsdefizits und Erhöhung des Anteils des privaten Sektors am ukrainischen BIP von 15 Prozent 1993 auf 55 Prozent im Jahr 1997 geführt.

Die ukrainische Wirtschaft ist im Jahr 2000, als die Regierung von Wiktor Juschtschenko ein intensives Programm “100 Tage der Reformen“ eingeleitet hat, real gewachsen. Dieses Programm hat den Haushalt konsolidiert, die Schulden beglichen, Subventionen und Steuerlücken abgeschafft, die Wirtschaft monetarisiert und Bartergeschäfte abgeschafft.

Die Regierung hat die Kolchose und Sowchose aufgelöst und das Land privatisiert, hat kleine und mittlere Unternehmen umstrukturiert, hat harte Maßnahmen gegenüber der Korruption gegriffen, hat einen effizienteren Bürokratieapparat eingerichtet und hat einige große Privatisierungen durchgeführt.

Diese radikalen Wirtschaftsreformen haben zum ersten Wirtschaftswachstum in der Ukraine geführt – 6 Prozent im ersten Jahr und zu einem hohen und nachhaltigen Wirtschaftswachstum, durchschnittlich um 7,5 Prozent jährlich sogar bis 2008, als die Welt eine Wirtschaftskrise erlebt hat.

Trotz oppositionellen Widerstands im Parlament und einem extrem populistischen politischen Umfeld, hat die Ukraine ihr BIP verdoppelt, der Durchschnittslohn, die Haushaltseinnahmen und die Ausfuhren sind gestiegen. Die ausländischen Investitionen haben sich vervierfacht, von 8,4 auf 36,5 Milliarden Dollar. Die Ukraine ist zum Mitglied in der WTO geworden, und die Europäische Union und die Vereinigten Staaten haben die Ukraine als Land mit einer Marktwirtschaft anerkannt.

Wenn die Ukraine diese zielgerichtete Bewegung auf dem Weg, der im Jahr 2000 eingeschlagen wurde, weiterhin fortgesetzt hätte, würden das Tempo unseres Wachstums und andere Kennzahlen heute viel höher ausfallen.

Mythos fünf: eine Antwort kann in einer starken Regierung, im Staatskapitalismus oder im “schwedischen Modell” gefunden werden

Diejenigen, die an den Debatten teilgenommen haben, waren über die Bemerkungen der Zuschauer erstaunt, dass die Ukraine den Weg einiger unserer diktatorischen Nachbarn gehen sollte. Leider, ignorieren diese Menschen die Tatsache, dass je mehr privates Eigentum im Staat besteht, desto besser sind wirtschaftlichen Kennzahlen und das Niveau der Freiheit und umso niedriger ist das Ausmaß der Korruption.

In den Ländern, die den Weg des “Staatskapitalismus“ gewählt haben, nutzt die autoritäre Regierung den Markt, um den Reichtum zu erhöhen, den sie dann nach ihren Wünschen verteilt. In diesen Ländern finanzieren die großen staatlichen Unternehmen die herrschende Elite mit. Ohne Wettbewerb sind diese Unternehmen generell ineffizient und korrupt.

Die Befürworter des “schwedischen Modells” sollten Geschichtslehrbücher sorgfältig lesen. Das Wirtschaftswachstum in Schweden hat im neunzehnten Jahrhundert dank dem Unternehmertum, den Innovationen, dem Kult und den Traditionen der harten Arbeit und der Marktwirtschaft eingesetzt.

Seitdem hat Schweden relativ geblüht, weil es dem Land gelungen ist, vernichtende Verluste im Zusammenhang mit den beiden Weltkriegen und den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit zu vermeiden. Im Jahr 1970 stand Schweden an dritter Stelle in der Welt beim Reichtumsniveau in Bezug auf das BIP pro Kopf. Die sozialistische Politik hat Schweden jedoch zu der Wirtschaftskrise in den frühen 90er Jahren geführt.

Um die Rezession zu überwinden, hat die liberale Regierung die Staatsausgaben gekürzt, die Steuern gesenkt und hat sonstigen Reformen für Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit umgesetzt. Obwohl diese Politik erfolgreich war, ist das BIP pro Kopf in Schweden heute 24% niedriger als in den USA und das verfügbare Einkommen nach Abzug der Steuern fällt viel niedriger aus.

Heute bevorzugen die Schweden sehr hohe Steuern zu zahlen. Sie können es tun, weil sie ein hohes Einkommen beziehen, wo ein bedeutender Teil an den Staat zurückfließt. Auf diese Art und Weise profitieren sie von den effektiven sozialen Programmen und den würdigen Renten.

Schlussfolgerungen

Leider gibt es in unserem Land und im Ausland Menschen, die glauben, dass die Ukraine für echten freien Markt oder sogar für das demokratische System nicht bereit ist. Diese Behauptungen scheinen mir oberflächlich und beleidigend.

Unsere Bürger streben nach Freiheit und nach wirtschaftlichem Wohlstand, sie haben ein Händchen für Unternehmertum und sind in der Lage produktiv zu arbeiten.

Aber es gibt noch einen gravierenden Unterschied zwischen der Ukraine und unseren erfolgreichen Nachbarn. Im Gegensatz zu Polen Ende der 80er, zur Tschechischen Republik und zu Estland der frühen 90er Jahren und sogar zu den kürzlichen positiven Erfahrungen von Georgien, hat es in der Ukraine noch nie eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem Präsidenten, dem Premierminister und dem Parlament gegeben, die gleichermaßen wirklichen marktwirtschaftlichen und demokratischen Reformen sowie einem europäischen Kurs ergeben sind.

Wir haben starke liberale Reformer wie Balcerowicz und Klaus gehabt, aber sie hatten nie die Unterstützung aller Zweige der Regierung, der Medien und der Öffentlichkeit.

Wofür spricht das? Dies ist ein Zeichen dafür, dass, wenn die Ukrainer danach streben, wie die Menschen in den reichen Ländern Europas und Nordamerikas zu leben, sie aktiv die Reformer unterstützen sollten, die den Mechanismus der Umsetzung und die Folgen der erfolgreichen Aktivitäten der anderen Staaten verstehen, und welche die Reformen in der Ukraine auf die gleiche Weise durchführen werden.

Unsere Bürger müssen ihnen ihre Unterstützung zeigen, um diese Ziele zu erreichen, einschließlich einer Verfassungsreform und einer Reform der Machtstrukturen, welche die Durchführung von marktwirtschaftlichen Reformen, Freiheit, Eigentum, Rechtsstaatlichkeit fördert.

Die Bürger der Ukraine und die Medien sollten informiert sein, sich gut auskennen und ernsthaften Reformen ergeben sein. Sie sollten nicht so leicht durch populistische Rhetorik, falsche Anschuldigungen und durch unmöglich einhaltbare Versprechen beeinflussbar sein.

Wenn die Ukrainer danach streben, gut zu leben, gibt es zu einer Marktwirtschaft, einer Demokratie und Freiheit keine Alternative.

02.07.2010 // Katerina Juschtschenko
Frau des dritten ukrainischen Präsidenten, Wiktor Juschtschenko, Aufsichtsratvorsitzende des Internationalen Wohltätigkeitsfonds “Ukraine 3000”.

Quelle: Ukrajinska Prawda

Übersetzerin:   Ilona Stoyenko  — Wörter: 3447

Ilona Stoyenko stammt aus Krementschuk (Ukraine) und hat an der Ludwig-Maximilians Universität München das Fach Wirtschaftswissenschaften mit einem Bachelor abgeschlossen. Dem folgte ein Master-Abschluss an der Fernuniversität Hagen. Sie arbeitet als Key Account Managerin bei der RYDOS UG (haftungsbeschränkt) und von Zeit zu Zeit trägt sie zu den Ukraine-Nachrichten bei.

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