EU-Bürger dürfen in die Ukraine seit Jahren ohne Visum einreisen. Für die Ukrainer – mit Ausnahme von Diplomaten – ist eine solche Freizügigkeit hingegen nach wie vor ein Traum und das Visumverfahren nicht selten ein Trauma. Vom übrigen Europa trennt sie ein eiserner Visavorhang.
Europa ohne Grenzen ist für 99 Prozent der Ukrainer ein Mythos. Ob Student, Tourist, Geschäftsmann, Künstler oder Journalist – man muss Schlange vor der jeweiligen Botschaft stehen, Fragebögen ausfüllen, an die zwanzig Nachweise und Bescheinigungen vorlegen, Gebühren zahlen und dann Wochen und mitunter sogar Monate auf Entscheidung warten, ob man einer EU-Reise würdig ist oder nicht. Und wohnt man nicht in Kiew, gehören auch kilometerweite und teure Reisen in die Hauptstadt dazu. Und in jedem Fall das miese Gefühl, als potentieller Schwarzarbeiter und Mensch zweiter Klasse behandelt zu werden. Die EU-Bürger brauchen dagegen schon seit 2005 kein Visum, um für 90 Tage in die Ukraine einzureisen. Auch Ukrainer haben mehr Freizügigkeit verdient, sagt Walerij Tschalyj, Politikwissenschaftler und ehemaliger stellvertretender Außenminister: „Laut soziologischen Studien ist die Visaliberalisierung eine der Fragen in den Beziehungen zwischen der Ukraine und der EU, die unsere Bürger am meisten beschäftigen. Rechnet man aus, wie viele Menschen davon betroffen sind und was sie an Gebühren zahlen müssen, sieht man sofort, wie akut dieses Problem ist. Und ich will gar nicht davon sprechen, wie unsere Bürger dabei behandelt werden“.
Gewisse Schritte in Richtung Liberalisierung der Visumspflicht für Ukrainer wurden bereits gemacht. So hat die EU mit der Ukraine ein Visaerleichterungsabkommen geschlossen. Dadurch wurde das Visumverfahren für einige Antragsteller-Kategorien ein wenig erleichtert, vor allem was die Nachweise über Reisezweck betrifft. Eine richtige Visafreiheit wird es allerdings erst dann geben, wenn die Ukraine den sogenannten Aktionsplan zur Visaliberalisierung erfüllt hat. Dieses zehnseitige Dokument, das die Ukraine im November 2010 von der EU bekommen hat, beinhaltet die Anpassung ukrainischer Gesetze an europäische Standards, insbesondere in den Bereichen Migrations- und Asylrecht, Bekämpfung von Kriminalität, Korruption und Terrorismus, Datenschutz, Infrastruktur der Grenzen usw. Der Aktionsplan zur Visaliberalisierung sieht zwei Phasen vor: Zunächst sollen Gesetze angenommen werden und in der zweiten Stufe wird ihre Implementierung von der EU kontrolliert. Was die Erarbeitung von Gesetzen betrifft, kann die Ukraine inzwischen gewisse Erfolge vorweisen, sagt Olexandr Suschko, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für euro-atlantische Zusammenarbeit: „Besonders im Sommer und Herbst 2011 wurden wichtige Gesetzentwürfe gebilligt, die das ukrainische Migrationsrecht wesentlich modernisiert haben. Die Ukraine hat eine Rechtsgrundlage für eine wirksame Migrationspolitik bekommen, und zwar, was den Rechtsschutz von Flüchtlingen, Asylgewährung usw. betrifft. Das heißt, es gibt bestimmte Fortschritte. Wenn es auch noch zu früh ist, von erfolgreicher Implementierung dieser Gesetze zu sprechen, aber im Großen und Ganzen entsprechen sie europäischen Standards“.
Im Sommer 2011 hat der ukrainische Präsident Wiktor Janukowytsch erklärt, die Ukraine werde den Aktionsplan zur Visaliberalisierung bis zur EURO 2012 erfüllen. Schon einige Monate später sprach das Staatsoberhaupt vom Abschluss der Verhandlungen bis Ende 2014. Die Experten sind allerdings zurückhaltender. Nach den Worten von Olexandr Suschko habe die Ukraine den ersten Teil des Plans, also die Erarbeitung von Gesetzen, erst zu siebzig Prozent erfüllt. Bis zur Implementierungsphase werde es noch mindestens ein halbes Jahr dauern und auf die Visafreiheit werden die Ukrainer bis 2015 warten müssen. Bestimmte Erleichterungen könne man jedoch schon jetzt erreichen, ist der Politikwissenschaftler Walerij Tschalyj überzeugt. Zum Beispiel, wenn man das bestehende Visaerleichterungsabkommen mit der EU auf weitere Bürgerkategorien erweitern würde: „Wenn man die bereits existierenden Dokumente in vollem Maße nutzen würde, wäre das Problem der Visaliberalisierung in vieler Hinsicht schon heute gelöst, und zwar, bevor wir den Aktionsplan erfüllt haben. Die Erfüllung des Plans ist meiner Meinung nach nicht so leicht und wird mehr Zeit in Anspruch nehmen, als von der Staatsführung deklariert wird“.
Man kann dem Experten nur Recht geben: Es ist extrem wichtig, dass Menschen Visaerleichterungen so schnell wie möglich genießen können. Und zwar nicht nur deswegen, weil das aufwendige und oft erniedrigende Visumverfahren persönliche Unbequemlichkeiten und Aufwand für sie bedeutet. Die derzeitige Bürokratie ist das größte Hindernis für zwischenmenschliche Kontakte, die einer jeder Annäherung zugrunde liegen. Auch die europäische Integration der Ukraine, die sowohl von der ukrainischen Seite als auch von der EU als wichtiges Ziel deklariert wird, ist keine Ausnahme. Schließlich dürfen – und sollen – die Menschen auch mal mit den eigenen Augen sehen, wohin sich ihr Land integriert.


Forumsdiskussionen
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht"
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Re: Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“
Anuleb in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“
Frank in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Kein Zoll. Du musst an sich nur sagen dass das privat ist und du nicht damit handeln willst. So lange das nicht Originalverpackt ist und ersichlich das nicht neu sollte es keine Probleme geben“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Hallo Leute, ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin mit meiner Anfrage. Ich möchte 4 Umzugskartons mit gebrauchter Straßen Kleidung bei der Einreise in die Ukraine mitnehmen. Es ist gebrauchte Kleidung...“
lev in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Wir sind mit unserem Wohnmobil, wie geplant am Montag 15.6. in Krakovets rüber. Sehr zeitig los gegen 5 Uhr in der Früh. Mit sehr sehr wenig Verkehr, super bis zur Grenze. Nur 8 PKW vor der Schranke....“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Gestern 6 Stunden warten vor der Grenze Richtung Polen in Krakowez mit dem Kleinbus. Abfertigung ging dann schnell da auch Passagiere mit EU-Pass dabei waren“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bin am Montag 15.6.26 um 8 Uhr in Urgyniw ausgereist, das erste Mal an einem Montagmorgen ca. 15 Fahrzeuge vor mir, bin sonst der Erste oder Zweite, egal, nach ca 20 Minuten wurde dann die nächste Welle...“
lev in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Derzeit, ist es überall sehr voll an den Grenzen Ukraine/ Polen. Zb. Krakovets 100 PKW ca. 10 h Wartezeit. Wollen Montag rüber, versuchen es sehr früh.“