FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Europa sollte hier sein

0 Kommentare

Jetzt ist es für das offizielle Kiew nicht mehr ganz so einfach, seine europäischen Partner zu beschuldigen, dass sie die ukrainischen Wünsche nicht berücksichtigen und alles dafür tun, dass unser Land noch nicht einmal in die Nähe der EU rückt.

Die Resolution des Europäischen Parlaments in der ukrainischen Frage ist ja wohl die Mildeste der letzten Jahre: Die Parlamentarierer sind sogar damit einverstanden, über eine europäische Perspektive unseres Landes zu sprechen. Die europäische Kommission ruft dazu auf, den Dialog mit dem Präsidenten, Viktor Janukovitsch, weiterzuführen und einen Vertragsabschluss über das Einverständnis der Assoziation mit der EU im Dezember hinzuzufügen. Auf Initiative der Leitung der Europäischen Kommission findet ein Treffen statt. Diese Gunstbezeugung mussten sogar die Abgeordneten von der Regierungspartei bemerken, dich sich darüber einig sind, dass Europa für die Ukraine nicht verschlossen ist.

Doch es gibt hier einen hausgemachten ukrainischen Schandfleck – die politische Verfolgung im Land. In der Resolution des Europäischen Parlaments steht völlig klar und verständlich geschrieben, dass ohne eine Verringerung dieser Repressionen überhaupt gar keine Integration möglich ist.

Der Ball ist nun auf Seite der Ukraine, das ist klar. Die Europäer haben keine „zwei Meinungen“, die bis zur Verurteilung Julia Timoschenkos zu beobachten waren und es der ukrainischen Führung erlaubten, zu hoffen, dass das einfach vergeht. Sie haben Timoschenko eingebuchtet und sich mit der EU geeinigt. Janukovitsch ist nicht Kravtschuk und schon lange bis auf den letzten Faden durchnässt. Und die Frage besteht nicht darin, wie zwischen diesen Tröpfchen hindurchrutscht, sondern wie er trocken wird.

Die Europäische Kommission kann natürlich ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten durchführen, ihm einen einheitlichen Text des Einverständnisses über die Freihandelszone mit der EU vorlegen und praktisch schon zur Vertragsunterzeichnung gelangen. Aber jetzt haben die EU-Kommissare auch noch die Resolution des Europäischen Parlaments zerstört, denn der weitere Integrationsprozess ist nur möglich, wenn auch die politische Verfolgung beendet wird. Einfacher gesagt: Julia Timoschenko und Jurij Luzenko sollen in die Freiheit entlassen werden, und es soll keine neuen Festnahmen aus politischen Motiven geben. Das ist heute vielleicht nicht das Wichtigste, aber das einzige Hindernis, das dem europäischen Integrationsprozess im Wege steht.

Zu dieser Erkenntnis muss die Regierung nun gelangen – und letztlich auch die ukrainische Bevölkerung. Ich bemerke mehr und mehr aktive Menschen, die darauf bedacht sind, ihre europäischen Interessen kundzutun – diese Menschen kommen aus dem virtuellen Raum heraus, gründen informelle Organisationen und treffen sich auf Versammlungen. Unklar ist allerdings, was genau sie von der Regierung wollen? Die ukrainischen Behörden erfüllen ihren Teil der europäischen Arbeit – die Vereinbarung mit der EU ist getroffen und praktisch fertig zur Unterschrift – sie wird unser Land nicht nur geographisch, sondern auch „faktisch“ zu einem Nachbarn der EU machen, so wie Norwegen oder die Schweiz. Doch in einem autoritären Staat machen solche Vereinbarungen gerade mal gar keinen Sinn. Erstens unterschreibt sie keiner, zweitens ratifiziert sie keiner, drittens ist mit dem Gedanke „europäisch“ Freiheit gemeint, die zu einem wichtigen Fundament für die Entwicklung des Landes wird. Und wenn die politische Freiheit beschränkt wird, wenn sich das Land in einen Platz für Zertrennen und Verteilen verwandelt – was ist das dann für ein Europa?

Deswegen muss man von der Regierung auch nicht fordern, dass sie uns nach Europa führt, sondern dass Europa hier entsteht. Und dafür müssen die politischen Gerichtsfarcen eingestellt und Timoschenko freigelassen werden. Und das ist nur der Anfang. Das ist es auch, was das Europäische Parlament von der ukrainischen Regierung fordert.

28.10.2011 // Witalij Portnikow – Chefredakteur des Fernsehsenders TVi

Quelle: Lewyj Bereg

Übersetzerin:   Corinna König — Wörter: 575

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 5.0/7 (bei 1 abgegebenen Bewertung)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)37 °C  Ushhorod38 °C  
Lwiw (Lemberg)37 °C  Iwano-Frankiwsk37 °C  
Rachiw31 °C  Jassinja31 °C  
Ternopil37 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)35 °C  
Luzk39 °C  Riwne38 °C  
Chmelnyzkyj34 °C  Winnyzja35 °C  
Schytomyr37 °C  Tschernihiw (Tschernigow)38 °C  
Tscherkassy32 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)36 °C  
Poltawa35 °C  Sumy34 °C  
Odessa32 °C  Mykolajiw (Nikolajew)38 °C  
Cherson37 °C  Charkiw (Charkow)35 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)36 °C  Saporischschja (Saporoschje)38 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)36 °C  Donezk35 °C  
Luhansk (Lugansk)34 °C  Simferopol30 °C  
Sewastopol27 °C  Jalta28 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.


„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“

Der Link zum Anbieter ist ja da.
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.
War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht" :-([smilie=dntknw.gif]

„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“

„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“

„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“

„Kein Zoll. Du musst an sich nur sagen dass das privat ist und du nicht damit handeln willst. So lange das nicht Originalverpackt ist und ersichlich das nicht neu sollte es keine Probleme geben“

„Hallo Leute, ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin mit meiner Anfrage. Ich möchte 4 Umzugskartons mit gebrauchter Straßen Kleidung bei der Einreise in die Ukraine mitnehmen. Es ist gebrauchte Kleidung...“

„Wir sind mit unserem Wohnmobil, wie geplant am Montag 15.6. in Krakovets rüber. Sehr zeitig los gegen 5 Uhr in der Früh. Mit sehr sehr wenig Verkehr, super bis zur Grenze. Nur 8 PKW vor der Schranke....“

„Gestern 6 Stunden warten vor der Grenze Richtung Polen in Krakowez mit dem Kleinbus. Abfertigung ging dann schnell da auch Passagiere mit EU-Pass dabei waren“

„Bin am Montag 15.6.26 um 8 Uhr in Urgyniw ausgereist, das erste Mal an einem Montagmorgen ca. 15 Fahrzeuge vor mir, bin sonst der Erste oder Zweite, egal, nach ca 20 Minuten wurde dann die nächste Welle...“

„Derzeit, ist es überall sehr voll an den Grenzen Ukraine/ Polen. Zb. Krakovets 100 PKW ca. 10 h Wartezeit. Wollen Montag rüber, versuchen es sehr früh.“