Ukrajina ze Jewropa/Die Ukraine ist Europa - Foto: Maks Lewin, lb.ua
Wir trafen uns in all den Jahren nicht oft. Ab und zu, aber sehr selten, schrieben wir uns kurze Briefe. Wenn er sich dienstlich in Kiew aufhielt, hatte er nicht die Möglichkeit, sich mal eine Stunde abzuzwacken, mal loszureißen vom offiziellen Ablaufplan. Er – ein Spitzenarzt, der in seinem Land eine unabsehbare politische Karriere gemacht hatte: als Mitglied des Parlaments, als Minister und dann als Mitglied des Europäischen Parlaments. Es gab eine Periode, in der er in seinem Parlament für uns “verantwortlich” war, für uns, die gerade damit anfingen, in einer selbstständigen Ukraine zu leben.
Wir haben uns zufällig in Washington kennengelernt. Ich wurde damals auf einen Kongress in die USA eingeladen, wo man von mir einen Bericht über die Menschenrechtssituation in der Ukraine erwartete. Er war dort als europäischer Experte anwesend. Eine amerikanische, öffentliche Organisation, die mir meinen Besuch in Washington bezahlt hatte, war sehr daran interessiert, mich eine spezifische These vortragen zu lassen: dass es in der Ukraine nach wie vor einen blühenden, staatlichen Antisemitismus gäbe. Ich habe es natürlich abgelehnt, zu lügen, woraufhin man mich sofort bestrafte, in dem man mich nicht mehr übersetzte und ich gezwungen war, in meinem ärmlichen Englisch aufzutreten.
Danach kam er zu mir, stellte sich vor. Und lotste mich in ein naheliegendes Restaurant, in dem wir etwa drei Stunden verbrachten. Wir sprachen größtenteils über die Ukraine. Er war über unser Leben dort gut informiert. Seine genauen Beobachtungen beeindruckten mich damals sehr bei unserem ersten Treffen. Er sagte Folgendes: “Faktisch waren es die Ukrainer, die die größte ethnische Gruppe in den sowjetischen Politlagern ausmachten. Viele von ihnen wurden Berufspolitiker. Das Einhalten der individuellen Rechte des Menschen kam für sie damals erst an zweiter Stelle. Vergleichen Sie das mal mit Russland, dort herrscht ein etwas anderes Bild. Dort wollen die ehemaligen sowjetischen Dissidenten ihr Engagement unter den Bedingungen der Freiheit weiter fortsetzen.” Das war die Wahrheit. Jene Wahrheit, die ich damals nicht von selbst erkannt hatte.
Einige Jahre später trafen wir uns in London, wo ich dienstlich im Rahmen meiner Psychiatertätigkeit zu tun hatte. Mein guter Freund (damals war er schon mein Freund) riss sich für mich zweimal von seinen wichtigen Regierungsangelegenheiten los. Natürlich sprachen wir wieder über die Ukraine. Er zeigte erneut ein tiefes Wissen und vollstes Verständnis für uns und unser tölpelhaftes inneres wie äußeres Leben. Sehr deutlich sprach er – und ich unterstützte ihn darin aufrichtig – von dem Unvermögen und rücksichtslosen Politisieren der Institution des ukrainischen Bürgerbeauftragten. Er, mein Freund, kannte sogar beschämende Details, die mir bis dato fremd waren.
Kürzlich sprachen wir in Kiew erneut über die Ukraine. Er äußerte sich dabei klar und deutlich. Er, der bekannte westliche Experte und Politologe, der in einem gewissen Maße die Beziehung seiner Regierung zu unserer Lage mitbestimmt, sagte: “Ihr habt euch eure europäische Zukunft selbst gestohlen. Ihr habt einen total korrupten Staat. Und ich verstehe nicht, was für Forderungen an eure aktuelle Bürgerbeauftragte überhaupt gestellt werden können, wenn diese doch im Grunde keine ernstzunehmenden Befugnisse hat, und wenn euer gesamtes System aus Richtern und Staatsanwälten von Korruption befallen ist. Vor dem Hintergrund eures Verfassungsgerichts sehen Frau Lutkowskaja und ihre Mannschaft alle aus wie Engel des Rechtsschutzes. Ja, ich weiß, dass sich über ihr dunkle Wolken zusammenbrauen. Denn einige eurer Politiker wollen an ihrer Stelle einen für sie bequemeren Menschen sehen. Im Endefekt ist das auch ihr Recht – ein Bürgerbeauftragter ist ein Repräsentant des Parlaments und nicht des ukrainischen Volkes. Wir in Brüssel und auch andere Staaten behalten die Anzeichen der Degradierung eures Staates jedoch im Auge, und die Anzeichen machen uns Angst.” Außerdem sagte er noch: “Du bist doch nun wirklich nicht mehr der Jüngste. Warum willst du denn auch jetzt nicht die Ukraine verlassen? Verstehst du es denn nicht: Dein Land hat keine europäische Zukunft!”
Noch am selben Tag, gen Abend, sollte er sich im Rahmen einer Delegation mit dem Präsidenten Poroschenko treffen.
22. Juni 2015 // Semjon Glusman
Quelle: Lewyj Bereg



Forumsdiskussionen
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich habe mal sie Einreise in die UA (aus Polen), am Grenzübergang Uhryniw gemacht. Inzwischen 3 Mal am Freitagabend 21 Uhr MEZ. Nur zwei bis drei PKW, was schon gut ist. Aber der Hit ist, dort gibt es...“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?
“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“
Awarija in Ukrinform • Re: Russland attackiert erneut Grenzübergang zu Moldau in Region Odessa, Verkehr gesperrt
„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Hallo julib77,
Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.
Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)
Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.
Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“