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Kirchen-Revolution

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Das Herrschaftssystem Wiktor Janukowytschs monopolisierte nicht nur die gesamte Verwaltungsvertikale von unten nach oben, sie richtete auch [krumme] „[Geld-]Flussläufe“, „krümmte“ Rechtssprechungen [Anspielung auf Jesaja 40, 4, Anm. des Ü.] und erstickte jegliche freie Meinung. Es gibt aber auf ihrem Konto noch eine Sünde, für die sie sich nicht nur in dieser Welt verantworten muss.

Genauer gesagt: es strebte in der Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats eine regelrechte Revolution an: nachdem es den Allerseligsten Wolodymyr in den Ruhestand versetzt hätte, wollte es Modelle einer „politische Orthodoxie“ säen, eine „erneuerte“ Kirche [Anspielung auf die abspalterische Bewegung der „Obnowlenzy, eine staatsnahe, teilw. staatlich erfundene orthodoxe Kirche in der Zeit der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts, Anm. d. Ü.] für den Staatsdienst im Namen des [Wahl-]Jahres 2015 einsetzen. Wäre es gut geglückt, hätte man hier bereits die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kyjiwer Patriarchats an die des Moskauer Patriarchats „rangeklebt“.

Kurze Erklärungen für weltliche Leser:

  • UOK-MP – Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats
  • UOK-KP – Ukrainisch-Orthodoxe Kirche des Kyjiwer Patriarchats
  • Seine Seligkeit [Metropolit] Wolodymyr – Oberhaupt der UOK-MP
  • Metropolit Olexander Drabynko – seine rechte Hand
  • [Patriarch] Filaret – Oberhaupt der UOK-KP
  • Synod – das oberste Leitungs-Organ in der Kirche. Entspricht im weltlichen Raum etwa einem Minister-Kabinett
  • Bischof, Leiter einer Diözese oder Eparchie [Anrede-Titel Wladyka = Herrscher (griechisch hegemon oder auch despotes)] – Oberhaupt einer Kirche auf einem bestimmten Gebiet (Diözese). Im weltlichen Raum entspricht ihm der Gouverneur oder Ministerpräsident
  • Statthalter / Locum Tenens / Vikar / Prokuror – ein Bischof, der für eine Übergangszeit provisorisch die Leitungsaufgabe der ganzen Kirche wahrnimmt [Seine Seligkeit, Wladyka (Herrscher) – Ehrentitel des Metropoliten bzw. der Bischöfe. Erg. d. Ü.]
  • [Autokephalie – Selbstständigkeit einer orthodoxen Kirche mit einem eigenen Patriarchen. Verbunden ist sie aufgrund der sogenannten Symphonie von Staat und Kirche mit einem eigenständigen Staat. Hierher gehört auch die Idee einer sogenannten Landeskirche [Ecclesia sui iuris], eine Idee, die besonders in der Ukraine mit dem Miteinander von orthodoxer Kirche und griechisch-katholischer Kirche virulent ist. Erg. d. Ü.]
  • Wladyka Erzbischof Antonij – Oberhaupt der Kirchenleitung der UOK-MP. Er galt als der wahrscheinlichste Kandidat für den locum tenens der UOK-MP. Auf dem letzten Synod [24.02.2014] zu locum tenens gewählt, zog Antonij selbst seine Kandidatur zurück.
  • Metropolit Onufrij – Statthalter der UOK-MP in der Zeit der Krankheit Seiner Seligkeit
  • Metropolit Epiphanij – Statthalter der UOK-KP
  • Wadym Nowynskyj – Volksbeauftragter der majoritären Partei der Regionen. Er galt als Bank-„Kurator“ der UOK-MP
  • Andrij Kljujew – Vorsitzender der Präsidialadministration von Wiktor Janukowytsch. Bank-„Kurator“ der UOK-KP

„Dies hat ihm Gott geschickt“, vertraute seine Seligkeit Wolodymyr seiner engsten Umgebung an, und meinte damit die Flucht des blutbefleckten Diktators.

Jetzt ist Wolodymyr völlig geschwächt. Vor zwei Jahren haben sich die zahlreichen Krankheiten Seiner Seligkeit deutlich verschlechtert, nur dank rechtzeitigen Eingriffs gelang es, ihn zu retten.

Von dem Herrschaftssystem herangefütterte „Blogger“ malten auf die „Regen-Zisternen“ [Metapher, Anm. d. Ü.] den Ernst der Lage in der Kirche, riefen zur sofortigen „Abberufung des inkompetenten Wolodymyr von der Kirchenleitung“ auf. „

Ein klassisches boshaft-anschwärzendes Medien-Schema aus der Zeit Wiktor
Janukowytschs: Massenhafte Überschwemmung mit „Desinfos“.

Kommentare „unabhängiger Experten“ (bei denen jeder, der etwas von sich selbst hält, Mann und Handschlag verachtet), gießen abwechselnd Schmutz auf wen es befohlen wird, sei es auf Wolodymyr, sei es auf Jazenjuk, sei es auf das nächste Opfer Andrij Portnows und kompromittieren sie als [radikale] „Dissidenten“ (im Verlauf der Zeit kam dabei alles vor, Einbruch in E-Mail-Konten, Fälschungen von „Interviews“ mit angeblichen Interviewpartnern, bis hin zu offenen unbegründeten Anklagen im Stile „eine
Tochter haben Sie nicht, aber Sie ist gleichwohl eine Prostituierte“. All das, um eine „notwendige öffentliche Meinung“ zu schaffen.

In diesem Zusammenhang wurde im späten Winter – Frühjahr 2012 die Struktur des Heiligen Synod der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche „plötzlich“ erweitert.

Erweitert mit Methoden, die, um es milde auszudrücken, illegitim sind. Die gleichen, die seiner Zeit auch Wiktor Juschtschenko verwendete, um einen sich gefügigen Rat der nationalen Sicherheit und Verteidigung zu schaffen, indem er durch seine Dekrete in den Verfassungsrat Menschen einführte, die hier nicht hätten sein dürfen.

Wie zu erwarten, sollte der „aktualisierte Synod“ den Austausch von Seiner Seligkeit durch einen anderen, für die Zentralherrschaft angenehmeren Vorsteher legitimieren. Zum Beispiel durch den Rektor des Kyjiwer Geistlichen Seminars, Wladyka Antonij. Seine Kandidatur hätten die Geistlichen eher unterstützt als die des berühmt-berüchtigten Agafangel von Odessa oder Ilarions von Donezk.

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Die „Hauptaufgabe“ des neuen Vorstehers bestand selbstverständlich für das Jahr 2015.

Politische Orthodoxie in Aktion

Nach soziologischen Umfragen genießt unter den Bürgern der Ukraine die Institution der Kirche das größte Vertrauen. Daher gibt es bei den Herrschenden aus bestimmtem Grund die Überlegung, man könne das Vertrauen in eine politische Stimme ummünzen. Obgleich dies bei keiner der Wahlen schlüssig belegt wurde, wurde die „Kirchensäule“ von Wahl zu Wahl verstärkt.

Denken wir etwa an die Wahlschlacht von 2012. „Trend“ des letzten Parlaments wurde es, die Reliquien von Heiligen für Propagandazwecke zu nutzen. Man konnte zum Beispiel Reliquien auf dem Athos „mieten“, wohin VIP-Gläubige im Gefolge von Wiktor Janukowytsch häufig in den vergangenen Jahren pilgerten. Und obgleich die Athos-Klöster an dem Verleih nicht schlecht verdienen, wurde es ihnen in einem Augenblick, als sie die unversehrten Reliquien „verleihen“ wollten, zu viel, und da haben die griechischen Mönche heimlich beschlossen, den ukrainischen Politikern die Reliquien nicht mehr „auszuhändigen“. Auch nicht für sehr viel Geld.

Eine Woche vor dem Wahltag eröffnete Wiktor Janukowytsch im Zentrum von Kyjiw auf dem Gelände des Olexander-Krankenhauses [frühere Oktober-Klinik, Anm. d. Ü.] das sogenannte „Athos-Metochion“ [Repräsentanz, Filiale und Pilger-Unterkunft, Anm., d. Ü.] Diese Aktion fand statt nicht ohne die aktive Unterstützung des neu eingeführten Abgeordneten Wadym Nowynskyj aus Sewastopol, der – in seiner von Wirtschaft und Politik freien Zeit – bei den Gottesdiensten in der Lawra als Hypodiakon wirkte.

Tatsächlich hatte das Metochion überhaupt nichts mit dem Athos zu tun, was aber nur sehr wenige Menschen wussten. Eine Vertretung des Athos auf einem wesentlich Moskauer Territorium zu öffnen, ist momentan noch nicht möglich, und es wäre nicht ohne politische Konsequenzen geblieben, daher entschieden sie einfacher, die religiöse Veranstaltung als „Athos-Metochion“ zu registrieren. Mit dem gleichen Erfolg könnte die Gemeinde sich als „Gemeinschaft der Donezker Gerechten“ oder „Himmlische Heilige“ registrieren.

Die Veranstaltung feierte die Übergabe [Translatio, Anm. d. Ü.] der Kopf-Reliquie des Wunderheilers Pantelejmon nach Kyjiw, zu dessen Verehrung sich sofort lange Schlangen von Gläubigen anstellten.

Die Stimmen bei der Wahl am 28. Oktober für die Partei der Regionen hat das nicht nennenswert vermehrt.

Es wurde deutlich: 2015 müssen Wahlen stattfinden.

Wie Pschonka und Sachartschenko seine Seligkeit erpressten

So kam es zum Finale. Im Sommer 2013 gerieten ein Seiner Seligkeit Wolodymyr naher Mann, Metropolit Olexander (Drabynko) und sein Freund Serhij But in eine düstere Geschichte einer angeblichen Entführung der Äbtissin und der Nonnen des Pokrowskyj-Klosters. [Die „Palast“-Revolution der weiter unten genannten Bischöfe gegen die Kirchenleitung begann freilich in erster Etappe bereits 2011. Anm. d. Ü.]

Drabynko, ein Vorbild ruhiger Bescheidenheit, war es natürlich ganz und gar nicht, und ob die Entführung selbst überhaupt stattgefunden hat, ist bis jetzt noch unklar. Mehr noch: Die Opfer weigerten sich, Zeugenaussagen zu liefern, um die Situation mit Seiner Seligkeit zu diskutieren.

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Gleichwohl „nahmen“ sie But jedoch „fest“ und schlossen ihn sofort ein. Drabynko wurde rund um die Uhr bewacht: Man erlaubte ihm nicht, das Haus zu verlassen, hinderte ihn an jeglicher Form der Kommunikation, nur Essen und Trinken, Fahrten von einem Ort zum anderen, nur manchmal Gottesdienste abzuhalten erlaubte man ihm.

Ohne Anklage oder Gerichtsverfahren wurde er de facto eingeschlossen in einer bestimmten Form von „Hausarrest“ mit Bewachung rund um die Uhr.

Unmittelbar nach dem Vorfall trafen sich Witalij Sachartschenko und Wiktor Pschonka mit Seiner Seligkeit Wolodymyr. Abwechselnd. Jeder sagte das Gleiche: entweder Sie danken ab und wir lassen Sascha frei, oder Sie leiten weiterhin die Kirche, Sascha aber stecken wir für acht bis zwölf Jahre ins Gefängnis.

Bewerten Sie das Ausmaß des tiefen Zynismus dieser „gläubigen Menschen“.

Erneut das bekannte Muster „Geiselnahme“. Aber Sie werden zustimmen, eine Sache ist eine eine Geisel in politischen Kreisen, eine andere in der Kirche.

Seine Seligkeit „verriet“ Drabynko nicht. Schließlich ihn „ins Gefängnis zu sperren“ wagten die absolut dreisten Organe nicht und die Situation wurde sechs Monate lang ausgehalten. Völlig von der „Aufsicht“ in die Freiheit gelassen zu werden, gelang ihm erst jetzt.

Das Kyjiwer Patriarchat macht einen Schritt entgegen

Im Sommer 2013 kam ein weiteres sehr wichtiges Ereignis hinzu.

Ende Juni nahm der Synod der Bischöfe in Kyjiw eine Reihe von Änderungen an der Kirchenordnung (Ustaw) des Kyjiwer Patriarchats vor. Eine der Entscheidungen bestand darin, dass im Falle des Todes des vorhergehenden, also genauer Filarets, kein neuer Patriarch mehr gewählt werden soll.

Darüber hinaus wurde für den Fall von Krankheit oder Tod des Patriarchen eine neue Stelle, die eines Statthalters, eingerichtet, der zeitweilig als Oberhaupt der Kirche dienen soll, so lange im Gespräch keine Vereinigung von Moskauer und Kyjiwer Patriarchat gelingt.

Statthalter wurde der Metropolit von Perejaslaw-Chmelnyzkyj und Bila Zerkwa Epifanij.

Filaret, den viele als „Abspalter“ [eher kirchlicher Separatist als dogmatischer Häretiker, Anm. d. Ü.] ansahen, trat etwas in den Hintergrund (obwohl er immer noch der eigentliche Führer der UOK-KP ist – SK). Der Weg für Verhandlungen wuchs deutlich.

Um welche Art von Verhandlungen, welchen Dialog geht es?

Hintergrund

Die Ukrainer haben sich daran gewöhnt, dass es im Land zwei große Kirchen (außer allen anderen) gibt – die des Kyjiwer und die des Moskauer Patriarchats. Aber nur wenige Menschen können den Unterschied zwischen ihnen erklären. Dies gilt besonders für die Vertreter der jüngeren Generation.

Kurzer historischer Exkurs.

Unmittelbar nachdem die Ukraine ein unabhängiger Staat geworden war, entstand ein heftiger Kampf um die Unabhängigkeit der Kirche. Hierfür war es nötig, von Moskau die vollständige Autokephalie zu erhalten. Als Anführer des Kampfes ragte [nach einiger Zeit, Anm. d. Ü.] Filaret hervor, der zuvor allein [unter dem Moskauer Patriarchat als Exarch, Anm. d. Ü.] die Kirche geleitet hatte. Im Kampf unterstützte ihn Präsident Krawtschuk, – die Frage war politisch äußerst wichtig.

Es wäre nichts gewesen, das große Ziel war gut, wenn nur nicht die Person Filarets gewesen wäre. Viele Kirchenleute erhoben die Anklage der Willkür, übermäßiger Eigenliebe, des Wunsches nach Verwirklichung persönlicher Ambitionen durch die Trennung der Kirche von Moskau. Zwanzig Jahre später erscheinen diese Ansprüche sicherlich als unbegründet, aber alle von LB.ua befragten bedeutenden Kirchen bestätigen ihre Berechtigung. „Es war sein persönliches Image-Projekt. Daher ging er bis zum Äußersten“ sagt man.

Im November 1991 wurde in Kyjiw die Ukrainische Bischofsversammlung einberufen, welche beschließt, sich an Moskau zu wenden mit der Bitte, uns die volle Autokephalie zu verleihen. Die Bitte unterstützten nur drei Bischöfe nicht. Einer von ihnen wurde bereits am Anfang des Textes erwähnt, Wladyko Onufrij.

In der Mitte des Frühjahrs [1992] wurde der genannte Antrag in Moskau auf dem Erzbischofs-Synod diskutiert. Die Diskussion verursachte Tumulte. In ihrem Verlaufe tauchten, gewissermaßen rechtzeitig, viele Tatsachen auf, die die Aktivitäten Filarets charakterisierten und zwar nicht zu seinem Besten. Man vereinbarte sich darauf, dass es besser wäre, wenn man Filaret demissionierte und wählte in Kyjiw einen neuen Vorsteher.

Würde die endliche Trennung Kyjiws dabei helfen, die Separationsphänomene in der ukrainischen Kirche zu überwinden? Diese einfache Frage stellte [Patriarch] Alexej II. Man muss sagen, dass der Separatismus zu diesem Zeitpunkt einen riesigen Umfang angenommen hatte und sehr beunruhigend geworden war. Die Antwort war leider negativ. Es gab aber Gründe daran zu glauben (wer sich für die Details interessiert möge googlen – SK).

Die Ergebnisse von Moskau verkehrten sich für Filaret von Moskau in eine komplette Katastrophe. Alexej schlug ihm vor, sich von dem Vorsitz über die ukrainische Kirche zurückzuziehen. Dieses zu tun lehnte Filaret ab, versprach aber, nach seiner Rückkehr nach Kyjiw den Synod zusammenzurufen, auf dem die Bischöfe einen neuen Vorsteher wählen würden. Darüber hinaus bekräftigte er vor Kreuz und Evangelium das Versprechen, als Vorsteher sofort beim Zusammentreten des Synods zu demissionieren.

Doch nach der Rückkehr in Kyjiw vergaß er das schnell. Darüber hinaus verkündete er, dass die Moskauer Bischöfe formal gegen Verfahrenvorschriften verstoßen hätten und damit alle ihre Entscheidungen ungültig seien. Die Krönung war seine Aussage auf einer Pressekonferenz: „Ich werde die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche bis zum Ende meiner Tage leiten, denn ich wurde der ukrainischen Orthodoxie von Gott gegeben.“

Anschließend das Kyjiwer Patriarchat zu errichten und noch mehr noch, alles mit Unterstützung der Präsidentschaftsadministration Krawtschuks, war eine Frage der Technik.

Später nahm Moskau Filaret sämtliche kirchliche Würden und stufte ihn völlig zurück [zum bloßen Mönch]. Er hat aber die Degradierung nicht anerkannt.

Bis heute wird das Kyjiwer Patriarchats von keiner der kanonischen [orthodoxen] Kirchen anerkannt. Insbesondere wird es nicht erkannt vom Patriarchat von Konstantinopel [das kirchenrechtlich ein entscheidendes Wort zu sprechen hat, Anm. d. Ü.].

Das heißt, es ist da, aber es wird als unkanonisch angesehen. [Man könnte das kirchenrechtlich auch als Prinzip kat‘ oikonomian verstehen, A.d.Ü.] Der beste Beweis hierfür: selbst die Priester des Kyjiwer Patriarchats ziehen es vor, ihre Kinder im Moskauer taufen zu lassen.

In dieser Situation ist das Kyjiwer Patriarchat sehr stark. Nach Angaben des staatlichen Ausschusses für Nationalitäten und Religionen gab es zu Beginn des Jahres 2013 in der Ukraine fast 12.500 Gemeinden des Moskauer Patriarchats, 4500 des Kyjiwer, 3500 griechisch-katholische Pfarreien und 895 römisch-katholische.

Optionen für die Vereinigung

Die folgenden 20 Jahre hindurch gab es weiterhin schleppende Gespräche zwischen Kyjiw und Moskau über die Wiedervereinigung.

Sie zogen sich wellenförmig hin, mal auf, mal ab, aber je länger die Zeit dauerte, um so intensiver wurden sie. Die jüngere Generation des Klerus, und mehr noch der aktive Teil ihrer Gemeindeglieder, erinnern sich nur schlecht an die Abspaltung und die sie begleitenden politischen Umstände und befürworten stark die Vereinigung.

Die Kombination von drei mögliche Szenarien:

  • unter der Schirmherrschaft von Moskau. Wenn das Kyjiwer Patriarchats anerkennt, dass es sich „außerhalb des Gesetzes“ befindet, und seine Unabhängigkeit aufgibt, wird es in den Schoß der UOK-MP aufgenommen und werden alle (!) ihre Priester neu geweiht. „Russische Welt“ auf dem Vormarsch, Wolodymyr Putin und Patriarch Kyrill trinken Champagner;
  • unter der Schirmherrschaft von Konstantinopel. Das Kyjiwer Patriarchats erkennt an, dass es sich „außerhalb des Gesetzes“ befindet. Die Moskauer Pfarreien erhalten die volle Autokephalie von Moskau (Moskau würde sie, das versteht sich, Kyjiw nie geben, SK). „Null zu Null unentschieden“ sind beide Seiten im Schoß von Konstantinopel aufgenommen. Historisch völlig gesetzeskonform: bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts „gehörte“ der Thron von Kyjiw zu Konstantinopel, die Legitimität der Übertragung der Zuständigkeit nach Moskau (nach der intensiven Tätigkeit von Bohdan Chmelnyzkyj, – SK) wirft unter Historikern viele Fragen auf;
  • die Schaffung – unter Einbindung aller Kräfte – einer einzigen Landeskirche. Das Traumschiff von Wiktor Juschtschenko. Die Rechenformel der Landeskirche: Kyjiwer plus Moskauer Patriarchat. Hierfür ist es notwendig, dass eine solche Kirche anerkannt würde. Die Chancen hierfür sind außerordentlich gering.

In reiner Form ist keine dieser drei Szenarien realisierbar. Auf komplexe Fragen gibt es keine einfache Antworten, das andauernde Problem „wird noch erschwert“ durch die Besonderheiten der inneren Kirchen-„Küche“. Gar nicht zu reden von rein menschlichen und auch politischen Faktoren.

Gleichwohl wurde der innerkirchliche Dialog fortgesetzt. Auch wenn in kleinen Schritten, bewegten sich die Seiten weiter aufeinander zu.

Der Regierungswechsel in der Ukraine hat in diesen Prozess seine Korrekturen hineingeschrieben.

Weitere Fortschritte geschahen in der vergangenen Woche.

Der Synod

Das Kyjiwer Patriarchat hat bekanntlich ursprünglich zur Stärkung des Geistes des aufständischen Volkes beigetragen. Ohne die Ereignisse der letzten Monate zu erwähnen, erinnere man sich auch an die Sommerfeste anlässlich der 1025-Jahrfeier der Taufe der Rus.

Das Fest-Gebet auf dem Wolodymyr-Hügel wandelte sich in einen fanatischen Triumpfzug politischer Orthodoxie. Patriarch Kyrill hielt den Gottesdienst. Wiktor Janukowytsch und Putin bekreuzigten sich eifrig und andächtig. Hierbei hatte Kyrill zwei Mal (!) mehr Bewacher um sich als die beiden paranoiden Präsidenten zusammen.

Am darauffolgenden Tag hielt Filaret in der Wolodymyr-Kathedrale einen feierlichen Gottesdienst. Die Türen der Kathedrale sind weit offen. Alle sind willkommen. Im Anschluss an eine lärmende Menge zieht eine Kreuz-Prozession zum Wolodymyr-Hügel. Vor der Prozession Filaret. Wohlgemerkt: unbewacht.

Nun, usw.

In der Nacht der Auflösung des „Kinder-Maidans“ nahmen die Studenten Zuflucht im Hof des Michael-Klosters (Erbpacht der UOK-KP), das später in ein vollständiges Feld-Lazarett ausgeweitet wurde. Und in den Hinterhof wurden vor ihrem Transport in die Orangerie-Straße die Leichen der Umgekommenen gelegt.

Zweifelsohne hätte jedes andere Kloster – zu welcher Konfession auch immer es gehörte – das Gleiche getan. Die Geistlichen des Moskauer Patriarchats wichen die ganze Zeit nicht von der Seite. Sie lasen Aufrufe und unterstützen so weit sie konnten die Menschen. Viele von ihnen gingen sozusagen privat auf den Maidan, errichteten Barrikaden und kämpften sogar an der Front.

Nun, die Umstände von Ort und Zeit haben sich auf diese Weise entwickelt. Auf den Auflistungen guter Taten der nichtkanonischen Kirche des Kyjiwer Patriarchats für den Euromaidan wurde eine Vielzahl von Pluszeichen eingetragen.

In der Nacht vom 22 auf den 23. Februar bekamen die Bischöfe des Kyjiwer Patriarchats davon Nachricht, dass die wenig kontrollierbaren radikalisierten Kämpfer der Selbstverteidigung von Svoboda möglicherweise einen Sturm auf die Kyjiwer Lawra planten

Selbstverständlich haben sie das sofort auch den Kollegen im Moskauer Patriarchat [in der Lawra, Anm. d. Ü.] gemeldet.

Nebenbei machten sie einen Vorschlag:

Auch wenn wir fast keine Autorität in den Kreisen der Verteidiger haben, haben wir versucht, sie zu beeinflussen. Unterstützt Ihr doch bitte im Gegenzug die Initiative zur Wiederaufnahme des Dialoges unter uns zum Zwecke der Wiedervereinigung. Es wird für alle gut werden, und beschützt Euch gut.

Im Moskauer Patriarchat stimmte man freudig zu.

Früh am Morgen des 23. Februar kam es zu einem offiziellen Anlass, Gespräche aufzunehmen: Ein Brief Filarets an Seine Seligkeit Wolodymyr mit einem Aufruf, den konfessionsverbindenden Dialog zu intensivieren, dessen Ergebnis die Schaffung einer Landeskirche sein könnte (die Rede war immer nur von einer Landeskirche, aber im vorliegenden Falle waren Wesen und Form wichtig).

Man muss wissen, dass es solche Briefe vom Kyjiwer Patriarchat an das Moskauer früher viele gab. Ein Teil von ihnen wurde ignoriert, „aus einzelnen Gründen“, spezielle Kommissionen wurden eingerichtet, „um den Dialog vorzubereiten“, aber dabei kam nichts heraus.

Hier aber ergab sich nun eine einzigartige Gelegenheit, „das Angenehme mit dem Nützlichen“ zu verbinden. Hierzu war es, das ist richtig, notwendig, einen Synod einzuberufen.

Der Synod musste zwei wichtige Entscheidungen zu treffen.

Zuerst einen Prokuror des Kyjiwer Metropolitensitzes zu wählen. In einfachen Worten gesprochen: einen Mann, der alle praktischen Funktionen eines bevollmächtigten Geschäftsführers der Kirche ausüben würde. Seine Seligkeit Wolodymyr könne sie in seinem Gesundheitszustand nicht ausüben.

Seinerzeit war der wichtigste Anwärter auf für diese Funktion des Geschäftsführers der UOK-MP Wladyka Antonij. Auch wenn er ein fortschrittlich denkender Mann, hatte Antonij gleichwohl enge Kontakte mit der früheren Regierung. Die Kommunikation moderierte der Abgeordnete Wadym Nowynskyj, der als Bank“-Kurator“ der UOK-MP galt (das Kyjiwer Patriarchats beaufsichtigte Kljujew – SK). In kirchennahen Kreisen gab es niemanden, der den Wunsch Antonijs, die UOK-MP zu führen, nicht kannte. Die Tatsache, dass Seine Seligkeit Wolodymyr noch lebte, hinderte ihn nicht.

Nicht nur dass Antonij von den Seinen nicht gemocht wurde, nein auch sein demonstrativer Ehrgeiz, der darüber hinaus übrigens von den Regierungsmitgliedern unterstützt wurde, hat viele empört.

Auf dem letzten Synod am 24. Februar bekam Antonij diese Unterstützung bereits nicht mehr. Wadym Nowynskyj entschied sich, nicht auf den Synod zu kommen. Stattdessen kam die „schwere Artillerie“ von der gegnerischen Seite, Andrij Derkatsch. Und sogar Petro Poroschenkoaus welchem Grund auch immer.

Als Folge zog Antonij selber seine Kandidatur zurück.

Aber die Idee von einer Geschäftsführung gefiel bei dem Treffen dem Erzbischof von Odessa Agafengel nicht. Er bestand darauf, dass die Kirche keinen Geschäftsführer-Vikar brauche. Wenn Seine Seligkeit einmal erkranke, dann könne sie auch synodal geleitet werden. Also sozusagen kollektiv von dem Synod. Dabei rechnete er sich aus, dass die Hauptzügel entweder an ihn oder an Ilarion von Odessa übergehen würden.

Nach Meinung des Klerus sind Ilarion und Agafangel die zwei berühmt-berüchtigsten Personen der UOK-MP. Zu diesen beiden kann man lange ausholen, für einen Laien mag es genügen darauf hinzuweisen, wie Agafangel den Maidan brandmarkte, wo „alle Kräfte der Hölle sich versammelten“.

Das dritte berühmt-berüchtigte „Schwergewicht“, der Abt-Bischof Paul des Höhlenklosters fehlte auf dem Synod. Er verschwand in einem günstigen Moment unter dem Vorwand einer Krankheit aus dem Gesichtsfeld. Wenig später schaffte er es tatsächlich noch, Wiktor Janukowytsch mit Jesus Christus zu vergleichen und versprach: „Die Kirche ist mit Ihnen bis zum Ende“.

Nach eigenen Angaben gegenüber LB.ua befindet er sich die ganze Zeit über
in einem der besten Hotels Dubais und es geht ihm sehr gut.

Aber kehren wir zurück zum Synod.

Gegen Agafangels Idee einer Team-Leitung rebellierten die Bischöfe. Nach langen Debatten und Auseinandersetzungen beschlossen sie, als locum tenens Wladyka Onufrij zu wählen.

Onufrij ist ein in Kirchenkreisen sehr respektierter Mann, wirklich tief religiös, engagiert für das Wohl der Kirche, dabei ohne eine spezifische Karriere, vor allem ohne politische Ambitionen, die letzten zwanzig Jahre Metropolit von Tscherniwzi/Czernowitz und der Bukowina.

Ein „aber“ gibt es: wie wir bereits wissen, war er im Jahr 1992 gegen eine volle Autokephalie Kyjiws von Moskau. Das heißt, in Hinblick auf eine Intensivierung des Dialogs mit der UOK-KP ist seine Person umstritten.

„In zwanzig Jahren ändern sich die Menschen. Jetzt kann er sich ganz anders verhalten. Vor allem, es hat wirklich immer alles nur für die Kirche getan,“ kommentierten seine Kollegen die Wahl Onufrijs.

Darüber hinaus hat seiner Ernennung als Statthalter bereits früher Seine Seligkeit die Zustimmung erteilt, indem er zu verstehen gab, in ihm gerne seinen „Nachfolger“ zu sehen. Und die Weisheit und den Willen Seiner Seligkeit hat in der UOK-MP niemand je in Frage gestellt.

Die zweite wichtige Entscheidung des Synod war die Bildung einer Sonderkommission für die Vorbereitung und Durchführung des Dialogs selber. Sie leitet Metropolit Mitrofan von Luhansk und Altschewsk. Bestens ausgebildet, nach Westen orientiert, liegen auf ihm große Hoffnungen. Das auch trotz der Tatsache, dass die Mitglieder der Kommission insgesamt stärker sein könnten.

Aber dies sind Einzelheiten, die Mitglieder kann man auswechseln.

„Es ist wichtig, dass wir es geschafft haben, einen locum tenens zu wählen und die Kommission zu bilden. Die Chancen, dies zu erreichen waren äußerst klein. Der Synod ist sehr konservativ, außerdem der Faktor Agafangel und Ilarion … Deshalb ist das vorliegende Ergebnis ein unstrittiger Erfolg“, sagten hochwürdige Geistliche am Montagabend.

De facto haben Vertreter der beiden Patriarchate endlich verstanden: in Form eines irgendwie gearteten zwischenkirchlichen Dialogs muss man wechselseitig so weit wie möglich aufeinander zugehen. Nur so können sie der Gesellschaft und vor allem dem Frieden dienen, ausschließlich gemeinsam jeder beliebigen Regierung widerstehen, die versucht, die Kirche für schändliche Wahl-Vorteile zu nutzen.

28. Februar 2014 // Sonja Koschkina

Quelle: Lb.ua

Übersetzer:    — Wörter: 3763

Christian Weise trägt seit 2014 übersetzend und gelegentlich schreibend bei zu den Ukraine-Nachrichten. Im Oktober 2020 erschienen von ihm zwei literarische Übersetzungen: Vasyl’ Machno, Das Haus in Baiting Hollow. Leipziger Literaturverlag und Yuriy Tarnawsky, Warme arktische Nächte. Ibidem, Stuttgart. Im Januar 2020 bereits erschien seine Übersetzung des Bandes Verfolgt für die Wahrheit. Ukrainische griechisch-katholische Gläubige hinter dem Eisernen Vorhang. Ukrainische katholische Universität, Lwiw.

Mit ukrainischen Themen ist er seit 1994 vertraut, als er erstmals Kiew und Lemberg besuchte und sich zunächst mit kirchengeschichtlichen Fragen beschäftigte. Wenn nicht Pandemien hindern, bereist er etwa fünfmal im Jahr die Ukraine.

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„Hat jemand eine Idee wie ich mein Bike von köln beispielsweise nach krementschuk schicken kann? Gibt es jemanden der Transporte in die Ukraine macht? Dankeeee“

„Hatte gestern so eine Situation. Nach einer Mautstelle, stand polnische Policia und verfolgte mich anschließend mit Blaulicht. Bitte folgen, das war in Kattowitz. Sie meinten, ich hatte kein Licht an,...“

„Hallo Forengemeinde, bin heute früh 6 Uhr über Korczowa in die Ukraine eingereist. 1,5 h ohne Probleme. Straßen, sind teilweise sehr marode“

„Scheidungsurteile sind unbegrenzt gültig. Auch nach 10 oder 20 Jahren. Aus dem einfachen Grund, weil der Inhalt, also die Entscheidung, sich ja nicht mit Zeitablauf ändert. Normalerweise jedenfalls nicht....“

„Klingt irgendwie nach Wunschkonzert. Die Person erscheint mir wenig Schutz zu benötigen, reist ja immer hin und her. Paragraph 24 bedeutet, Du benötigst den Schutz, Du bleibst hier, Du lernst Deutsch,...“

„Ja das ist Blödsinn dass die Waffen nicht gegen Russland selbst eingesetzt werden sollten. Die bekloppten Russen-Faschisten fragen doch auch nicht ob sie ukrainische Zivilisten mit Iran-Drohnen beschiessen...“

„Hallo Waldi, im Grunde bin ich voll bei Dir! Da aber die Unterstützer der Ukraine ihre Rüstungsindustrie nicht hochfahren, die Produktion von Munition ist viel zu gering, wird es wohl nichts mit einem...“