FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Kleinunternehmer-Maidan ist gespalten

0 Kommentare

Gestern fand eine endgültige Spaltung unter den Führern der Protestaktion gegen den Beschluss des Steuergesetzbuches in Kiew statt. Die erste Gruppe besteht auf einem Veto gegen das Dokument und die zweite fordert daneben noch das Kabinett zu entlassen und die Werchowna Rada aufzulösen. Die Anhänger der politischen Forderungen sind bislang nicht sehr zahlreich und genießen nicht die Unterstützung eines großen Teils der Demonstrierenden.

Auf den hauptstädtischen Platz der Unabhängigkeit kamen gestern erneut Unternehmer, die gegen den Beschluss des Steuergesetzbuches protestieren. Milizschätzungen nach nahmen an der Aktion mehr als zweitausend Menschen teil – die Demonstrierenden selbst bekräftigen, dass sie mehr als zehntausend versammelt haben. Hauptereignis des gestrigen Tages wurde übrigens die endgültige Spaltung zwischen den Organisatoren der Protestaktionen in der Hauptstadt.

Einer von ihnen, Alexander Daniljuk, der sich „Generalkoordinator des Streiks“ nennt, hielt sein dem “Kommersant-Ukraine” am Vortag gemachtes Versprechen ein und versammelte einen neuen Koordinierungsrat, in den ein kleiner Teil der Unternehmer einging (siehe gestriger “Kommersant-Ukraine”). Ihre Hauptforderung ist nicht nur ein Veto von Präsident Wiktor Janukowitsch gegen das Gesetzbuch, sondern auch die Auflösung der Werchowna Rada und sogar ein Rücktritt des Ministerkabinetts. Gestern kam Daniljuk am Tage auf den Maidan, um diese Forderungen zu verkünden, jedoch versuchten ein Teil der Demonstrierenden und ebenfalls die Wache des Zeltlagers ihn nicht auf die Tribüne zu lassen. Dabei entsponn sich ein Handgemenge, welches man recht schnell einstellen konnte.

„Ich rufe euch auf, zur Werchowna Rada zu gehen, wo gerade ein Treffen von oppositionellen Parlamentsabgeordneten mit in der Ukraine eingetroffenen Mitgliedern der Venedig-Kommission stattfindet“, sagte Alexander Daniljukm, als es ihm dennoch gelang auf die Tribüne zu klettern.

„Wir brauchen keine Politik!“, war als Antwort zu vernehmen. „Veto! Veto!“, skandierten die Unternehmer.

Interessenten, um zur Werchowna Rada zu gehen, fanden sich nicht mehr als einhundert. Unter den Übrigen auf dem Maidan genoss die Ex-Leiterin des Rates für Unternehmerfragen beim Kabinett, Oxana Prodan, große Unterstützung, die vorher des Versuchs Gespräche mit dem Ersten Vizepremier Andrej Kljujew ohne entsprechende Vollmachten beschuldigt wurde (Ausgabe des “Kommersant-Ukraine” vom 25. November). Sie verkündete von der Tribüne, dass die Demonstranten sich dafür versammelt haben, um „wirtschaftliche Rechte zu verteidigen und nicht um Politik zu machen“.

„Unsere Forderungen bleiben die alten – ein Veto gegen das Steuergesetzbuch ohne irgendwelche Kompromisse“, verkündete Prodan unter Applaus und Trötenlärm.

Im Verlaufe des gesamten Tages forderten die Unternehmer, die auf dem Platz der Unabhängigkeit auftraten, nur ein Veto gegen das Steuergesetzbuch, dabei keine politischen Fragen berührend. Die Spaltung zwischen den Führern gefiel ihnen dabei übrigens offensichtlich nicht.

„Soll man uns jemanden geben, dem man ohne Vorbehalt zuhören kann, denn sonst ist hier nur Unordnung. Wir frieren hier nicht dafür, um zuzusehen, wie sie sich beharken“, erzählte dem Reporter des “Kommersant-Ukraine” eine Frau im mittleren Alter.

Der Konflikt zwischen den Koordinatoren der Aktion setzte sich fort. Näher gegen Abend kletterte Alexander Daniljuk erneut auf die Tribüne. Er verkündete, dass das Zeltlager, welches von den Teilnehmern der Aktion auf dem Maidan errichtet wurde, „von politischen Gangstern und Abenteurern übernommen wurde“, die den Unternehmern den Sieg nehmen wollen.

„Uns wurde nicht nur die ökonomische, sondern auch die politische Freiheit genommen!“, rief Alexander Daniljuk aus. Diese Worte wurden mit „Schande!“-Ausrufen von der Menge begrüßt. Nach einigen Minuten wurde ihm das Mikrofon komplett abgeschalten und aus den Lautsprechern spielte die inoffizielle Hymne Kiews „Der Kiewer Walzer“. Daniljuk und seinen wenigen Anhängern blieb nichts anderes übrig, als ihre Thesen über ein Megafon zu wiederholen, dabei an der Stelle der gerade errichteten Eislaufbahn stehend.

Den täglichen oder wöchentlichen Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

Eine neutrale Position in Bezug auf die Spaltung nahmen Vertreter der „Koalition der Teilnehmer der orangen Revolution“ ein, dessen Leiter, Sergej Melnitschenko, Kommandant des Zeltlagers bleibt.

„Wir sind hierher nicht mit unseren Forderungen gekommen, sondern dafür, um die Unternehmer zu unterstützen. Ja, uns gefallen die derzeitige Regierung, die derzeitige Rada und das derzeitige Kabinett nicht, jedoch wenn wir deren Rücktritt fordern, dann könnte der Präsident prinzipiell werden und das Steuergesetzbuch in Kraft lassen. Lasst uns nicht vergessen, wofür wir hierher gekommen sind. Die Forderungen der Unternehmer sind uns wichtiger“, sagte Melnitschenko nervös dem “Kommersant-Ukraine”, unter dichtem Regen stehend, der kurz vor Ende der Veranstaltung einsetzte.

Aufgrund des schlechten Wetters wurde die Versammlung um 17.00 Uhr und nicht um 22. Uhr beendet, wie an den vorgehenden Tagen. Die nächste Protestaktion findet am Donnerstag statt.

Artjom Skoropadskij

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 728

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 5.0/7 (bei 1 abgegebenen Bewertung)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)15 °C  Ushhorod19 °C  
Lwiw (Lemberg)14 °C  Iwano-Frankiwsk17 °C  
Rachiw15 °C  Jassinja15 °C  
Ternopil15 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)20 °C  
Luzk13 °C  Riwne14 °C  
Chmelnyzkyj16 °C  Winnyzja18 °C  
Schytomyr17 °C  Tschernihiw (Tschernigow)14 °C  
Tscherkassy18 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)18 °C  
Poltawa16 °C  Sumy16 °C  
Odessa23 °C  Mykolajiw (Nikolajew)24 °C  
Cherson21 °C  Charkiw (Charkow)17 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)20 °C  Saporischschja (Saporoschje)21 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)20 °C  Donezk22 °C  
Luhansk (Lugansk)20 °C  Simferopol20 °C  
Sewastopol22 °C  Jalta23 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“

„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?


„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“

„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?


„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“

„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.


„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“

Der Link zum Anbieter ist ja da.
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.
War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht" :-([smilie=dntknw.gif]

„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“

„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“

„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“