Die Verhandlungen der Metallunternehmen mit der Regierung über die Verringerung der Gaspreise und der Preise für Eisenbahntransporte sind in eine Sackgasse geraten. Am Freitag forderte Premierministerin Julia Timoschenko im Laufe einer gemeinsamen Konferenz die Einführung einer staatlichen Regulierung der Preise für Eisenerz, was, der Meinung der Metallurgen nach, nur ihre finanzielle Lage verschlechtert. Experten merken an, dass die Maßnahmen der Premierin den Unternehmen nutzen, die kein eigenes Eisenerz haben. Falls das Ministerialkabinett eine staatliche Preisregulierung beim Eisenerz einführt, dann versprechen Marktteilnehmer die Initiative vor Gericht anzufechten.
Die Unterredungen der Metallurgen und der Regierung begannen am Mittwoch. Die Vertreter der Metallkombinate erklärte, dass in Verbindung mit dem Fall der Metallpreise auf dem Weltmarkt sich die Rentabilität ihrer Tätigkeit von 25-30% auf 7-10% verringert hat und in nächster Zeit die Produktion der Mehrheit der Produktarten in die Verlustzone geraten kann. Marktteilnehmer schlugen einige Maßnahmen bei der Einschränkung des Tarifanstieges für Gas und Eisenbahntransporte vor. Damals stimmte die Premierin den Forderungen der Metallurgen zu (”Kommersant-Ukraine“ vom 28. August).
Doch am Freitag auf dem anschließenden Treffen beim Kabinett der Minister konnten sich die Seiten nicht einigen. Den Worten Sergej Matwijenkow, stellvertretender Generaldirektor des Mariupoler Metallkombinats namens Iljitsch, nach, wurden alle Anweisungen in Form von Empfehlungen gegeben, “darunter auch die Anweisung an das Transportministerium den Anstieg der Tarife zu begrenzen”. Seit Anfang des Jahres stiegen die Tarife für Gütertransporte um 37% und bis Ende des Jahres sollen sie um weitere 3% steigen.
Anstelle eines Zugeständnisses berührte Julia Timoschenko völlig unerwartet die Frage der Preisbildung für Eisenerz, erzählte dem “Kommersant-Ukraine“ ein hochgestellter Informant aus dem Apparat der Premierministerin: “Sie versicherte, dass wenn die Metallurgen eine Verringerung der Preise für die Eisenbahntarife und für Gas erreichen wollen, dann müssen sie zuerst die Erzanreicherungskombinate verpflichten ihre Preise für Eisenerz zu senken. Falls die Erzanreicherungskombinate dies nicht selbst tun, dann könnte der Staat eine Preisregulierung einführen.” Die Metallurgen entgegneten darauf, dass sie langfristige Verträge mit den Lieferanten von Eisenerz über die Preise haben und diese liegen, ihren Angaben nach, um 20-25% unter den Weltmarktpreisen. Den Ergebnissen der Konferenz nach sagten die Vertreter des Kabinetts, dass sie sich 2008 nicht in die Fragen der Preise und Mengen für die Lieferung von Eisenerz einmischen werden (eine Kopie des Protokolles liegt dem “Kommersant-Ukraine“ vor). Doch bereits im dritten Punkt des Protokolles versprachen die Erzanreicherungskombinate und die Metallbetriebe, die Möglichkeit der Senkung der Preise für Eisenerz mit der Regierung erneut zu diskutieren.
Der Meinung des unabhängigen Experten Kirill Tschujko nach, hat Julia Timoschenko die Diskussion der Probleme der Metallurgen absichtlich in den Bereich des Eisenerznachschubs geführt. “Das ist ein taktisches Vorgehen – zu versuchen die Hersteller von Eisenerz und Metallprodukten anzugehen, um die Diskussion der Marktsituation zu beenden. Bleibt anzumerken, dass es gelungen ist.”, stimmt ihm der Leiter der Hochöffner-Union, Wladislaw Tereschtschenko, zu.
Jekaterina Malofejewa, Analystin der Investmentfirma “Renaissance Capital”, ist sich sicher, dass die Initiative von Timoschenko den Unternehmen nutzt, die keine eigenen Erzanreicherungkombinate besitzen, insbesondere der Korporation “Industrieunion Donbass/Industrialnyj Sojus Donbass” (ISD) von Sergej Taruta und Witalij Gajduk. Experten erinnern daran, dass sich früher die ISD mehrfach an das Kabinett mit der Forderung der Einführung einer staatlichen Regulierung der Preise für Erz gewandt hatte (Ausgabe des “Kommersant-Ukraine“ vom 3. April) Und Witalij Gajduk ist momentan die Leiter der Beratergruppe der Premierministerin. Alexander Pilipenko, Vizepräsident der “Industrialnaja Gruppa” (verwaltet die Aktiva der ISD) bestätigte gestern dem “Kommersant-Ukraine“, dass sein Unternehmen für eine Verringerung der Preise für Eisenerz eintritt und die Initiative Timoschenkos unterstützt.
Den Worten eines Informanten des “Kommersant-Ukraine“ bei der Evraz Group (verwaltet die Offene Aktiengesellschaft “Suchaja Balka”) nach, wird das Unternehmen, falls die Regierung eine Preisregulierung auf dem Eisenerzmarkt einführt, diese Maßnahme vor Gericht anfechten. “Die Einführung einer staatlichen Regulierung führt uns in die Zeiten der UdSSR zurück.”, unterstützen man ihn beim Pressedienst der “Metinvest Holding” (verwaltet das Nördliche, Zentrale und Ingulezker Erzanreicherungskombinat).
Die Weigerung Julia Timoschenkos die Tarife für den Eisenbahngütertransport, Hafenumschläge und Gas zu senken, kann zu einer weiteren Stagnation der Branche führen, denkt Tereschtschenko. “Die Rentabilität wird sich noch weitere Monate verringern, solange bei einzelnen Produkten die Nullmarke nicht erreicht wird. Bald nachdem die Produktionsmenge zu fallen beginnt, müssen die Metallurgen auf den Ausstoß von unrentablen Produkten verzichten.”, prognostiziert Tschujko. Und Jelena Jewdotschenko, Analystin des Unternehmens “Prospect Investments”, geht davon aus, dass eine Verschlechterung der finanziellen Lage der Metallverarbeiter auf den gesamten Wertpapiermarkt Auswirkungen haben wird. Bereits am Donnerstag fiel der der ukrainische Aktienindex, der PFTS, um 5,48%, aufgrund der Meldung der Metallurgen über eine Verringerung der Rentabilität der Kombinate, doch am Freitag stieg er wieder um 3,86%.
Quelle: Kommersant-Ukraine


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