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Ukrainische TV-Sender in Russland: Wozu braucht Medwedew sie?

In absehbarer Zeit könnte der Fall eintreten, dass ein oder zwei ukrainischsprachige TV-Sender in Russland ausgestrahlt werden.

Diese Frage wurde auf dem ersten offiziellen Treffen des neuen ukrainischen Staatsoberhauptes Wiktor Janukowitsch mit dem Präsidenten der Russischen Föderation Dmitrij Medwedew Anfang März diskutiert. Was das für TV-Sender sein werden, kann keiner der Experten vorhersagen. Aber die Tatsache selbst, dass die russische Führung bereit ist, Sendefrequenzen für ukrainische Fernsehsender zur Verfügung zu stellen, sagt nicht so viel über das Interesse unseres Nachbarn an den ukrainischen TV-Sendern aus, sondern viel mehr über die potentielle Erhöhung des Einflusses des russischen Fernsehens in unserem Land.

Russlands Versprechen

Sowohl die Ukraine als auch Russland sollen bekanntlich in naher Zukunft vom analogen auf das digitale Fernsehen umsteigen. Das liefert dem Zuschauer nicht nur viel höhere Bildqualität, sondern erhöht gleichzeitig die Anzahl der Sender, denn jetzt kann nicht nur ein Sender auf einer Frequenz sein wie bisher, sondern gleich vier bis zehn in Abhängigkeit von dem Komprimierungsstandard. Wenn man berücksichtigt, dass man das digitale Fernsehen sowohl in Russland als auch bei uns absolut kostenfrei für die Bevölkerung bereit zu stellen verspricht, dann ist seine Popularität, besonders in den Provinzen, von vornherein vorher bestimmt. Aus der Sicht des TV – Business bedeutet der Umstieg auf das digitale Fernsehen eine Neuaufstellung der Spielregeln auf dem Markt: als Gewinner könnten die Sender herauskommen, die in die kostenlose Pakete des digitalen Angebots eingehen.

Zu den „Glückspilzen“ in den beiden Ländern gehören vor allem die Sender, die bereits ausstrahlen. Aber es existiert eine bestimmte Reserve für Neulinge. Sie ist allerdings nicht unbegrenzt, deshalb ist die Sendefrequenz für jeden neuen Sender goldwert. Und so einen oder vielleicht auch zwei solcher „Goldbarren“ verspricht Medwedew der Ukraine zur Verfügung zu stellen. „Bald werde ich mich mit der Führung der Massenmedien treffen, die jetzt im Rahmen der digitalen Möglichkeiten das Projekt der Ausstrahlung von Sendern unserer engsten Freunde und Nachbarn, darunter ein oder zwei ukrainischen TV-Sendern, auf dem Territorium der gesamten Russischen Föderation umsetzen wird“, sagte der Präsident der Russischen Föderation auf der gemeinsamen Pressekonferenz nach den Gesprächen mit Wiktor Janukowitsch.

Ukrainische Kandidaten

Ukrainische TV-Sender sind, zweifellos, daran interessiert, in den russischen Markt einzutreten. Besonders dann, wenn das nicht einfach die Verfügbarkeit für die Zuschauer mit Satellitenreceiver, sondern auch das Vorhandensein im nationalen digitalen Paket bedeutet. Damit ist sowohl Bekanntheit, als auch zusätzliches Publikum verbunden, was die Möglichkeiten über Werbung Geld zu verdienen vergrößert. Apropos, die russischen TV-Sender verdienen an der Werbung auf dem Territorium der Ukraine schon sehr lange und dazu nicht wenig.

Heute haben drei nationale TV-Sender – ein staatlicher: UTR (Ukrainisches Fernsehen und Radio) – zwei private Sender: „Inter+“ und „1+1 International“ das Recht im Ausland zu senden. Dennoch darf man die internationale Version des Senders „Ukraine“ – „Ukraine International“ nicht vergessen, von der Waldemar Dsiki – der Generaldirektor des Senders – mehrmals gesprochen hat und die bald ausgestrahlt werden könnte. Laut dem Medienexperten Aleksander Gluschtschenko kann ein solches Projekt wie die Ausstrahlung in Russland, bei Gründung eines neuen auszustrahlenden Senders, einige Wochen dauern. Wir haben deshalb mindestens vier Kandidaten. „Ein Platz kann an einen staatlichen Sender und der zweite Platz an einen privaten Sender gehen. Ich denke, dies werden die Sender UTR und „Ukraine International“ sein. Diese Verteilung wäre logisch. Wenn man die Variante mit den zwei privaten Sendern näher betrachtet, dann wären dies „Inter+“ und „Ukraine International““,- meint der Experte. Allerdings müsste dann die Holding „Inter+“ eine separate Version des Senders für die Russische Föderation schaffen. Es liegt daran, dass die Rechte für die Übertragung der Spiele der Ukrainischen Fußballpremierliga, die „Inter“ für seine internationale Version erworben hatte, in der Russischen Föderation dem Sender „NTW-plus“ gehören. Dennoch, bis es zu der Realisierung des Versprechens kommt, kann sich alles noch mehrere Male ändern.

Die andere Seite der Medaille

Bei Wiktor Juschtschenko galt die kostenfreie Verbreitung der populären russischen Sender in den ukrainischen Kabelnetzen lange Zeit als Frage der nationalen Informationssicherheit. Der nationale Rat des Rundfunks hat zuerst die russischen Sender verboten, dann verlangte er, dass die Sender ihre Inhalte (besonders die Werbung) an die Normen der ukrainischen Gesetzgebung anpassen. Später wurden Ausnahmen für die Sender „RTR – Planeta“ und „Das Erste International“ (Perwij Kanal Wsemirnaja Set) gemacht. Derzeit werden solche Fragen überhaupt nicht gestellt.

Wenn die Vereinbarung zwischen den Präsidenten der Ukraine und Russlands umgesetzt wird, und nicht nur eine schöne Deklaration bleibt, dann entstehen Probleme mit der Anpassung der ukrainischen Sender an die Normen der russischen Gesetzgebung. “Unter der Bedingung, dass keine Ausnahmen für die zwei ukrainischen Sender gemacht werden, und sie wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben, sollte man das Gesetz über die Massenmedien beachten, das die Schaffung von Medien mit ausländischen Unternehmen und von Unternehmen mit mehr als 50%igem ausländischen Anteil verbietet“, erklärte Aleksandr Gluschtschenko.

Offen bleibt noch die Frage der Sprache. Werden die ukrainischen Sender auf Russisch oder auf Ukrainisch senden? Wahrscheinlich fallen sie in die Reihe der regionalen oder internationalen oder speziellen Sender, für deren Ausstrahlung sprachliche Ausnahmen besprochen werden. In Russland verspricht man bis jetzt eine Unterstützung der ukrainischen Sprache. “Was die ukrainische Sprache und den ukrainischen Informationsraum angeht, meine ich, dass es ein absolut richtiges Thema ist, weil, wenn wir über die Lage der russischen Sprache bei unseren Nachbarn (die engsten, natürlich) besorgt sind, dann muss man auch auf sich schauen – wie wir beispielsweise mit der ukrainischen Sprache auf dem Territorium der Russischen Föderation umgehen“,- sagte Medwedew. Andererseits – viele ukrainische Programme auf ukrainischen Sendern laufen auf Russisch, deshalb wird ein Mix viel wahrscheinlicher: ein wenig Ukrainisch zur Beruhigung des Gewissens und Russisch in den Programmen, die ein höheres Rating haben.

Die Tatsache, dass unsere Sender in den russischen Markt eintreten könnten, bringt, Gluschtschenko nach, auf den Gedanken, ob eventuell bei den ukrainischen Unternehmen Probleme auftreten können, die mit der Pressefreiheit verbunden sind. Denn die Themen, die in dem ukrainischen TV angesprochen und diskutiert werden, könnten die Zensur für das Territorium der Russischen Föderation nicht passieren. Wie der russischer Politologe Aleksej Iwanow meint, könnte es dazu kommen, dass „statt den interessanten Sender und den Sendern,die hohe Ratings haben, in der Praxis entweder Outsider gebracht werden oder Zensur eingeführt wird, wo man statt ‘Schuster Live’ (Journalist und Moderator) oder dem Programm von Jewgenij Kisseljow eine Talkshow ausstrahlen wird“. Seiner Meinung nach wäre es ein Wunder, wenn in Russland interessante ukrainische Programme zu sehen wären und daran ist schwer zu glauben, denn dies widerspricht den propagandistischen Doktrin der letzten zehn Jahre. “Traurig wäre es, wenn wir nur eine Stegreifrede des Präsidenten gehört haben und keine fertige Entscheidung zur Übertragung von ukrainischen Sendern“, sagt der Politologe. Es gibt allerdings auch viel prosaischere Gründe, die die Ausstrahlung der ukrainischen Sender verhindern könnten. Zum Beispiel der Grund, dass “das werbende Unternehmen sofort zu den Sendern wechseln wird, die höhere Einschaltquoten haben“, meint Aleksej Iwanow.

Gegengefälligkeit

Obwohl im Dialog zwischen den zwei Präsidenten die Rede über die Einbeziehung der ukrainischen Sender in den russischen Multiplex war, ist es sehr wahrscheinlich, dass Russland die Ukraine um eine „Gegengefälligkeit“ bitten könnte, das heißt die russischen Sender in den ukrainischen digitalen Multiplex einzuspeisen. Nach Expertenmeinung, könnten dies die für den ukrainischen TV – Markt angepasste Version des „Ersten“ und von „RTR – Planeta. Ukraine“ sein, die bereits in unseren Netzen vorhanden sind. Unter Berücksichtigung der letzten Ereignisse, nämlich, der Entscheidung des nationalen Rats, die Lizenzen von neun ukrainischen Sendern für die Ausstrahlung in den digitalen Multiplex MX – 4 zu annullieren, schließt die Möglichkeit, dass diese Lizenzen nicht an unbekannte nationale Unternehmen, sondern an russische Unternehmen vergeben werden könnten, nicht aus. Besondere Schwierigkeiten sollte es nicht geben (besonders, wenn sich die Zusammensetzung des nationalen Rats heute – morgen ändern könnte) – es reicht aus die Lizenz (2008 kostete sie 1,315 Mio Hrywnja) zu bezahlen und man kann über mehrere Jahre offiziell im ganzen Land senden.

18.03.10 // Artjom Wakaljuk

Quelle: Weekly.ua

Übersetzerin:   Ilona Stoyenko — Wörter: 1305

Ilona Stoyenko stammt aus Krementschuk (Ukraine) und hat an der Ludwig-Maximilians Universität München das Fach Wirtschaftswissenschaften mit einem Bachelor abgeschlossen. Dem folgte ein Master-Abschluss an der Fernuniversität Hagen. Sie arbeitet als Key Account Managerin bei der RYDOS UG (haftungsbeschränkt) und von Zeit zu Zeit trägt sie zu den Ukraine-Nachrichten bei.

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