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Die „ukrainischen Psychosen“ der Galizier

Die „ukrainische Psychosen“ haben bei den Galiziern eine lange Tradition. Man kann sie sogar in drei Kategorien aufteilen: die Psychose durch die ukrainische Geschichte, diejenige, die sich mit der Zeit der Unabhängigkeit und die sich mit der eventuellen Annäherung an die Europäischen Union verbindet.

Eine Psychose ist eine Störung der psychischen Funktion, bei der die psychischen Reaktionen der realen Situation gründlich widersprechen. Das zeigt sich im Verlust der Wahrnehmung der Wirklichkeit und in desorganisiertem Verhalten. Zum Beispiel, wenn man „Heil!“ unter den Porträts von Bandera oder Schuchewytsch schreit und dann aus der Haut fährt, um zu beweisen, dass diejenigen, die auf den Porträts sind, keine Faschisten waren. Die Galizier stehen in der Schlange für ein Arbeitsvisum bei den europäischen Konsulaten und gleichzeitig grämen sie sich über die „Homos“ und die „geistige Verarmung“ in der EU. Sie sagen, dass es östlich des Sbrutsch nur Moskowiter gibt, um dann mit einem Lied auf den Lippen zu beweisen, dass die Ukraine einheitlich und untrennbar ist.

Historische Psychosen

Mit einer gewissen Übertreibung kann man sagen, dass sich alle Geschichte der sogenannten ukrainischen nationalen Unabhängigkeitsbewegung (in der modernen Auslegung) auf individuelle und Gruppenpsychosen stützt.

Wenn man die historischen „ukrainischen Psychosen“ der Galizier in eine chronologische Ordnung bringt, dann wird die erste zweifellos der Chmelnyzkyj-Aufstand sein, dann folgt der Hajdamakenaufstand und überhaupt die Zeit der Kosaken. Die Galizier, die den Polen wegen „der polnischen Unterdrückung“ gram sind, malten ein Bild der „Ritter des Ostens“, der Befreier von nationaler Unfreiheit, obwohl sie selbst weder Kosaken noch Hajdamaken waren. Die Psychose besteht darin, dass die Galizier im 19. Jahrhundert Pumphosen zu tragen begannen, um den Polen mit den Erinnerungen an die antipolnischen Revolten der Dnipro/Dnjepr-Anwohner „Unannehmlichkeiten zu verursachen“. Abgesehen davon raubten die Kosaken während dieser Revolten die griechisch-katholischen Dörfer aus und metzelten deren Bewohner nieder.

In dieser Situation war es vergebens, ihnen zu beweisen, dass das Vorgehen Chmelnyzkyjs durch eine Psychose bedingt wurde, die nach der Beleidigung durch einen polnischen Adeligen entstand. Der „Befreier der Ukraine“ verhielt sich wie eine Frau, die ihren versoffenen Mann verlässt. Da ihr klar ist, dass sie alleine nicht überleben kann, beginnt sie mit einem Sadisten zusammenzuleben. Die Angst vor Bestrafung durch den polnischen König wegen der Rebellion und der Unfähigkeit der Leitung des kosakisch-tatarischen Elementes riefen bei Bohdan Chmelnyzkyj und seinen Atamanen eine ungesunde Fantasie hervor, die die Ukraine zum Vertrag von Perejaslaw brachte. Einer Psychose, unter der die Ukrainer über 300 Jahre litten.

Ähnliches zur Heroisierung der Hajdamaken: „Wir sind Hajdamaken, wir sind gleich…“ singen die Galizier bis heute. Ob diese Bewegung wohl was Gutes enthält? Es ist nur die Konstante „der russischen Meuterei“, wie ein russischer Klassiker schrieb, „sinn- und rücksichtslos“, ein Vorbild der Aggression und der Gewalt im Namen der Gewalt ohne Pläne für die Zukunft.

Man sollte hinzufügen, dass der russische Wissenschaftler Professor Mychajlo Hruschewskyj, der schlecht auf das russische Reich zu sprechen war, entscheidend zur Verbreitung der „ukrainischen Psychosen“ der Galizier beigetragen hat. Die Rolle, die diese Persönlichkeit – einer „unserer großen Historiker und sehr kurzsichtigen Politiker“, – bei einer Reihe von falschen historischen Entscheidungen, die die galizischen Eliten getroffen haben, spielte, sind noch nicht von den Vertretern der gegenwärtigen galizischen Eliten kritisch überprüft worden. Semen Schewtschuk schrieb in seinem Buch: „Es ist Zeit, die Wahrheit über unsere Befreiungsversuche für die galizische Erde zu reden“.

Man darf nicht die habsburgischen Persönlichkeiten vergessen, die an der Schaffung des „ukrainischen Projekts“ in Galizien als einer antipolnischen Unternehmung teilnahmen und auch nicht – die polnischen Politiker, die ihr einen antirussischen Charakter verleihen wollten.

Bekanntlich verschärfen sich Psychosen an Wendepunkten. Eine derartige Zeit begann nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ausbruch der Revolutionen in Russland. Hier sollte man die „ukrainische Hauptpsychose“ der Galizier hauptsächlich mit den Tätigkeiten von Jewhen Konowalez verbinden. Gerade dieser Stabsfeldwebel des österreichischen Heers, der von Petljura zum Oberst ernannt wurde, entschied, sein Leben (leider nicht nur seines) dem Kampf der Galizier für den ukrainischen Staat zu widmen. Indem er den „Kampf“ aus Berlin leitete, hauptsächlich auf Kosten der Deutschen und Sowjets, merkte Oberst Konowalez nicht, dass der Krieg mit Polen endgültig verloren war, und die Bolschewiki am Dnipro regierten. Die vernünftigen Führer der ukrainischen Gemeinde suchten eine Lösung. Insbesondere versuchten sie, einen autonomen Status erreichen, aber die terroristischen Tätigkeiten der Nationalisten machten alle Anstrengungen in diese Richtung zunichte.

Die Psychose von Konowalez und seinen Mitstreitern lag in der Unfähigkeit, die Niederlage zu erkennen und nach neuen, der Situation entsprechenden Methoden des Kampfes zur Verbesserung der Situation der galizischen Ukrainer zu suchen. Im Gegenteil richtete sich der Terror der OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten) sowohl gegen die ukrainische als auch gegen die polnische Bevölkerung.

Heute, mit einem Jahrhundert Abstand zu jenen Ereignissen, ist es schwierig, die Motivation und die Stimmung jener Menschen zu beurteilen. Nichtsdestotrotz kann man feststellen, dass der nationalistische Terror den polnischen Ukrainern nur schadete und keine Vorteile brachte. Es gibt keine „Rechtfertigung“ für die Ermordung von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die die Bevölkerung und die nationale Elite von der Zusammenarbeit mit der polnischen Regierung abschrecken sollte, als das Problem des östlichen Galizien im diplomatischen Bereich schon abgeschlossen war und ein Ukrainer sich in Polen zwar schlecht, aber besser fühlte als im stalinistischen „Land der Räte“. Das ist nur mit einer Psychose erklärbar.

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Zudem übte man diesen Terror ohne jedes Hauptziel aus, ohne Einsicht in das „nationale Interesse“. Wenn wir nicht „unter nationalem Interesse“ verstehen, dass man der verrückten Fantasie anhängt, dass Hitler das Leben deutscher Soldaten für die Schaffung eines unabhängigen ukrainischen Staates geopfert hätte. Ziemlich viel Kritik wurde an der Minderheitenpolitik im Polen der Zwischenkriegszeit geübt. Aber man muss ehrlich sagen: Persönlichkeiten wie Konowalez ließen der polnischen Regierung keine Chance zu einer zivilisierten Lösung des Problems.

Der polnische Aristokrat Graf Stanisław Łoś, der die Situation in Galizien kannte, äußerte nach seinen Beobachtungen einen begründeten Verdacht: „…die Frage ist, ob die Galizier den Imperativen der ukrainischen nationalistischen Interessen zugänglich sind, da die Wege, die sie mit Kiew verbinden, über Jahrhunderte durch Krakow oder Warschau gingen, und wer weiß, ob ihr „Ukrainertum“ nicht nur eine Psychose ist.“

Die „ukrainische Psychose“ von Konowalez wurde seinen Nachfolgern – den „Banderowzi“ (Anhänger der OUN-B unter Stepan Bandera) – weiter gegeben. Das führte zu Bloßstellung und dramatischen Konsequenzen. Nur einer kranken Fantasie kann man eine Aktion wie die Erklärung der ukrainischen Unabhängigkeit hinter der Front der noch siegreichen Hitlerarmee zuschreiben. Die Gruppe der Nationalisten, die nicht sehr adäquat waren, hatte keine echte Chance für die Verwirklichung dieser „Erklärung“. Doch dieses Werk einer gestörten psychischen Funktion könnte man als eine eigenartige Kuriosität bewerten, wenn es nicht in einem Kontext stehen würde, nämlich dem der Teilnahme an den „Kämpfen für die Freiheit der Ukraine“, mit ethnischen Säuberungen und mit Terror gegen Angehörige des eigenen Volkes. Für die Ermordung der Bauern, die sich in den Kolchos einschrieben, um sich vor dem Hungertod oder gegen die Deportation nach Sibirien zu retten, kann man keine rationale Erklärung finden.

Die Bewertung ist eine Sache, aber Tatsache ist, dass die Galizier einen hohen Preis für diese historischen Psychosen bezahlt haben. Deswegen verwundert es, verärgert und bringt einen auf, dass diese „Psychosen“ bei den Galiziern in der Periode der Unabhängigkeit mit neuer Kraft aufblühten.

Die Psychosen in der Zeit der Unabhängigkeit

Das Zusammenleben mit den Bruder-Ukrainern aus dem Osten (alles was östlich des Sbrutsch ist) in der sowjetischen Zeit sollte uns für immer von unserer prinzipiellen Unterschiedlichkeit überzeugen. Im Jahr 1990 schien dies so zu sein. Der Sieg der Antikommunisten bei der Wahl der lokalen Regierung der drei galizischen Gebiete, die Schaffung der galizischen Nationalversammlung und der Nichtglaube, dass die „ukrainischen Sowjetmenschen“ aus der UdSSR austreten wollten – das alles regte zu einem Versuch an, ein von der UdSSR unabhängiges Galizien zu gründen. Als eine Begründung sollte der rechtswidrige Anschluss an das kommunistische Imperium aufgrund des kriminellen deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes gelten. Diese Stimmungen waren bei dem aktiven Teil der Galizier sehr ausgeprägt, besonders unter den Jugendlichen, aber die überwältigende „gemäßigte Masse“, die von einer alten Krankheit – der „ukrainischen Psychose“ – angesteckt war, hat gewonnen. Diese „Masse“ wollte nicht die offensichtlichen Tatsachen berücksichtigen. Erstens, dass das „bewusste“ ukrainische Element – außer in Galizien – nach der Vernichtung und den Repressionen durch die kommunistische Regierung in einer äußerst erbärmlichen Lage war. Zweitens, dass die Ukrainer nicht nur Opfer des sowjetischen Regimes waren, sondern auch seine Mithelfer. Drittens, dass viele Generationen von Ukrainern mit der russischen Kultur aufgewachsen sind, und die Mehrheit die russische Sprache bewusst gewählt hat. Deswegen war die Überzeugung, dass die „russifizierten Ukrainer“ unter den neuen Umständen der ukrainischen Unabhängigkeit sofort zu ihren ukrainischen „Wurzeln“ zurückkehren würden, nicht mehr als eine unverantwortliche Fantasie und eine kranke Selbsttäuschung. Und alle Aktionen der Galizier mit Losungen den Ukrainern ihr „Ukrainertum“ bewusst zu machen, Agitationsgruppen mit blau-gelben Fahnen in den Osten und Süden zu senden und zu lehren, welche Sprache man sprechen und welchen Helden man huldigen sollte, waren barbarisch. Das führte letztendlich zu gegensätzlichen Resultaten. Ergriffen von der „ukrainischen Psychose“ ist der Galizier Gegenstand des Spottes und er ist für fast alle Kinder, außer denen in Galizien, zu einer Vogelscheuche geworden.

Das Fieber der Vernunft schafft in den Köpfen vieler Galizier Gestalten von Helden, als Folge dieses „jahrhundertelangen Kampfes“ ist endlich ein einheitlicher ukrainischer Staat entstanden. Gleichzeitig hat die kalte Vernunft keinen Zweifel daran, dass die unabhängige Ukraine deswegen entstanden ist, weil die UdSSR wegen ihrer ökonomischen Erfolglosigkeit und des moralischen Verfalls der kommunistischen Elite verfaulte und 1991 zusammenbrach. Deswegen ist der gegenwärtige Staat nur ein Fragment des verfaulten sowjetischen Apparates, das mit blau-gelbem Leinen verziert und tapeziert ist. Demnach sind die Einheit und Unabhängigkeit dieses Staates sehr, sehr fragwürdig.

Für die „ukrainische Psychose“ der Galizier sollte man der ukrainischen Diaspora in Kanada und den USA besonders dankbar sein. Es gelang ihr sehr effektiv, ihre veralteten Ängste, Vorurteile und andere Pathologien der „Banderowzi“ in der Umgebung der „teuren galizischen Familie“ zu verbreiten. Anstatt ihre Staatlichkeit auf ihrem Territorium zu entwickeln, warten daher viele Galizier auf einen Ruf in die imaginäre „Bandera-Armee“, die den Sbrutsch bald überschreiten würde, um dort den Staat zu errichten.

Hier werde ich mir noch mal erlauben, ein kleines Fragment aus dem Buch von Semen Schewtschuk zu zitieren. Er wurde schon in den 60en Jahren des letzten Jahrhunderts zur Emigration gedrängt: „Die Bandera-Romantik liegt in der kranken Suggestion, dass sie unseren galizischen Nationalismus über den Sbrutsch bringen kann, dass er dort aufgehen, aufblühen und Früchte in der Form tragen wird, dass der galizische Nationalismus von der östlichen Ukraine Besitz ergreifen wird. Das ist aber eine unkluge Fantastik. Das kann nie passieren.“

Das Problem liegt nicht so sehr in den dummen Fantasien, sondern darin, dass die davon ergriffenen Menschen unfähig sind, die Situation adäquat zu beurteilen. Die Situation ist so, dass die Hauptprobleme der Ukrainer im Allgemeinen und die der Galizier im Besonderen keinen nationalen, sondern einen sozialen Charakter haben. Unser Land ist nach dem Prinzip des oligarchischen Kapitalismus organisiert, mit charakteristischer Korruption, Inkompetenz, Unverantwortlichkeit, rechtlichem Nihilismus und vielfältigen gesellschaftlichen Pathologien, wie z. B.: Trunksucht, Drogensucht, niedriges ökologisches Bewusstsein, Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und auch der Epidemie der „unzivilisierten“ Krankheiten: Trunksucht der Kinder, Gewalt zu Hause und auf den Straßen.

Während also die Galizier, die von der Psychose ergriffen wurden, die „ukrainische Ukraine“ zu retten versuchen, verliert Galizien jene Hauptvorteile, die es am Anfang der 90-er Jahre des 20. Jahrhunderts hatte. Ihre Sprache erinnert mehr und mehr an die Mischsprache der Dnipro-Anwohner, die Familienwerte verlieren sich auf dem Weg nach Italien, die Achtung des Privateigentums bezieht sich nur auf das eigene Privateigentum, die Elemente der europäischen Kultur im Alltagsleben und in den gesellschaftlichen Beziehungen sind nur in Worten lebendig, die Grundrisse der nationalen und menschlichen Würde erwiesen sich als eine feindliche Rhetorik der „Toleranten und Liberalen“. Die zeitgenössische „Ausbreitung des Nationalismus“ in Galizien ist der Hauptbeleg für den wesentlichen Rückgang des kulturellen und intellektuellen Niveaus der galizischen Gesellschaft. Ironischerweise wirkt gerade Galizien bei der wahrscheinlichen Annäherung an die EU als ein Gebiet, das am wenigsten zu den europäischen Werten passt.

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Die „ukrainischen Psychosen“ der Galizier im Licht der potenziellen Assoziation mit der EU

Der Autor dieser Zeilen nutzt im Gespräch mit europäischen Kollegen den Gedanken, dass das Problem der Wahl – EU oder Zollunion – für die Ukrainer und nicht für die Galizier besteht. Die Ukrainer, die über Jahrhunderte gewohnt sind, sich als ein „einheitliches und untrennbares“ Gebilde zu betrachten, wenn nicht mit Russland, dann zumindest mit der „russischen Welt“ oder der „slawisch-orthodoxen Einheit“, brauchen starke Argumente, um sich Europa anzuschließen. Im Gegenteil ist die Einigung mit Europa für die Galizier keine Frage der Wahl, sondern ein prinzipieller Wunsch, zur Familie der europäischen Völker zurückzukehren. Aber wenn man das Verhalten der Galizier kritisch beobachtet, festigt sich der Zweifel sogar bei mir: ob ich nicht das Erwünschte mit der Wirklichkeit verwechsele.

Hier sollte man eine schwierige Frage stellen: Ist der Galizier, der von den „ukrainischen Psychosen“ ergriffen wurde, wirklich der Mensch mit einer europäischen Mentalität, für die wir bei unseren europäischen Freunden „werben“? Sein Verhalten neigt zu einer anderen Meinung, und wahrscheinlich dient nichts der Annäherung an Europa. Zuerst geht es um die psychische Inadäquatheit, die sich in der Propaganda mit nazistischer und neofaschistischer Symbolik und in dem Verhaltensmodell zeigen. Da ist die Eingruppierung einer Reihe von europäischen Völkern unter die Okkupanten, mit denen wir während der Jahrhunderte lebten, uns formierten, zusammen entwickelten und denen wir viel zu verdanken haben. Die langjährige antipolnische Rhetorik, verbale Äußerungen des Antisemitismus, feindliche Exzesse der galizischen Nationalisten hinsichtlich des ungarischen Denkmals auf dem Werezkyj-Pass oder der Angriff auf ungarische Jugendliche in Uschhorod (dort nimmt man den ukrainischen Nationalismus eindeutig als „galizische Infektion“ wahr). Das alles macht Galizien zu dem Gebiet in der Ukraine, das am schwierigsten für Europa sein kann.

Übrig bleibt noch die wichtige Frage, ob die Galizier im Rahmen der Beschleunigung des Prozesses der europäischen Integration fähig sind, sich ihrer Psychosen zu entledigen. Während mehrerer Jahrzehnte hat sich dieses Volk als Teil der UdSSR und während der zwei Jahrzehnte der ukrainischen Unabhängigkeit entweder an bewusste Untätigkeit oder an sinnlose Tätigkeiten gewöhnt. Wie Taras Prochasko richtig bemerkte: „Hier werden Handlungen und Anstrengungen geschätzt, die sich mit der Arbeit an sich nichts zu tun haben. Der Mangel an wahren Bestrebungen macht die Strategie unmöglich, indem es die Taktik an die erste Stelle in der Hierarchie der Weisheit stellt.“

Wer weiß, vielleicht verbindet sich die Lebensfähigkeit der „ukrainischen Psychosen“ unter den Galiziern mit der Unfähigkeit und dem Nichtwollen, die Verantwortung für ihr eigenes historisches Schicksal zu übernehmen. Dem Nichtwollen, eine langdauernde und langweilige Arbeit für die Entwicklung des eigenen Wohlergehens, der Sicherheit und für eine Perspektive zu übernehmen.

Wenn es die Wahrheit ist, dann ist es nicht schwierig vorherzusagen, dass die Signierung oder Nicht-Signierung des Assoziierungsabkommens mit der EU eine Schärfung der Psychose hervorrufen wird. Beispielsweise falls die EU mit der Ukraine nicht unterschreibt. Was werden die Galizier machen? Werden sie die Nerven verlieren und sich zum Hohn Europas der „russischen Welt“ zuwenden? Und wenn wir unterzeichnen und sich nichts besonderes in der näheren Perspektive ereignet? (Weil nichts besonderes passieren kann – das Visaregime und die Grenzen werden bleiben, in der Ukraine werden Korruption und Straflosigkeit nicht verschwinden). Werden wir darüber murren, dass Europa unsere Hoffnungen nicht erfüllt hat?

Das Schlimmste wäre, wenn die Galizier mit allen anderen Ukrainern auf ein Wunder von der EU warten würden. Das würde aber unserer Tradition entsprechen: auf ein Wunder zu warten statt „organisch zu arbeiten“. Im 19. Jahrhundert warteten die galizischen Ruthenen auf ein Wunder, das aus Wien kommen sollte. 1920 wartete man auf ein Wunder vom Völkerbund. Dann vom Führer des deutschen Volkes. Die Grundlage jedes dieser Wunder sollte die unabhängige Ukraine sein. Und jetzt ist sie schon unabhängig, aber kein Wunder ist geschehen. Nun erwartet man eines von der EU?

Wir sollten endlich einsehen, dass kein Wunder geschehen wird. Europa kann uns professionell eine ehrliche Diagnose stellen und ein entsprechendes Rezept schreiben, aber gesund werden, müssen wir selbst. Zuerst sollten wir unsere Psychosen behandeln lassen.

11. November 2013 // Wolodymyr Pawliw

Quelle: Zaxid.net

Übersetzerin:   Anna Deikun — Wörter: 2657

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