google+FacebookVKontakteTwitterMail

Ukrainischer Einzelhandel in Geldnöten

Die Situation im Einzelhandel ist sehr kritisch – seit Oktober 2008 überstiegen die Verluste der sechs größten Einzelhändler 800 Mio. Hrywnja (ca. 80 Mio. Euro). Gestern informierten die Unternehmen über Verhandlungen mit der Regierung zur Zuweisung von Refinanzierungen in Höhe von 2,8 Mrd. Hrywnja (ca. 280 Mio. Euro). Im Austausch dafür sind sie bereit, die Einzelhandelsaufschläge bei sozial wichtigen Produkten auf zehn Prozent zu beschränken. Experten gehen übrigens davon aus, dass eine Refinanzierung der Einzelhändler wenig wahrscheinlich ist – im Staatshaushalt gibt es dafür keine Mittel und der Erhalt von Zentralbankgeld über Kreditinstitute ist durch den Vertrag mit dem IWF beschränkt worden.

Über die Verhandlungen zwischen dem Kabinett der Minister, den Einzelhändlern und den Nahrungsmittelherstellern bezüglich der Begrenzung der Handelsaufschläge für sozial wichtige Produkte informierte gestern der Generaldirektor der Hypermarktkette “O`Key Ukraina”, Armen Papasjan. “Die Ukrainische Handelsassoziation (UHA) arbeitet an einem Memorandum, mit dem wir von Seiten der Einzelhandelsketten vorschlagen den maximalen Aufschlag bei diesen Waren auf etwa 10% zu begrenzen”, sagt der Generaldirektor der UHA Igor Kischko. “Im Austausch bitten wir um Refinanzierung wenigstens der großen Unternehmen in Höhe von 2,8 Mrd. Hrywnja”. Die Rede geht von den Ketten “Fozzy”, “Furshet/Furschet”, “Welika Kischenja”, “ATB-Market”, “Eko-Market”, “Pakko”, “O`Key” und “Target”.

Die Situation im Einzelhandel ist kritisch. Unter den Bedingungen der Instabilität der Hrywnja und des Anstiegs der Kreditzinsen erleiden die Unternehmen Verluste. “Die Banken haben die Kreditzinsen im Mittleren um 8% erhöht, auf 20-25%. Und die Einzelhändler sind nicht so rentabel, um diese Zinsen zu bezahlen”, sagt Armen Papasjan. “Daher sind wir gezwungen die Zahlungen an die Lieferanten aufzuschieben, was auf deren finanziellen Zustand rückwirkt”. “Aufgrund der Hrywnjaabwertung belaufen sich die Verluste der sechs größten Unternehmen auf dem Markt seit Oktober auf 800 Mio. Hrywnja. Falls in nächster Zeit die Inhaber der Unternehmensanleihen die Angebote nutzen, betragen die Verluste weitere 700 Mio. Hrywnja (ca. 70 Mio. Euro) und die Summe bei kurzfristigen Krediten 1,2 Mrd. (ca. 120 Mio. Euro)”, sagt Kischko.

Im April des letzten Jahres haben sich die Regierung und die Einzelhandelsketten bereits auf eine Begrenzung der Preise für sozial wichtige Waren geeinigt. Die Rede geht von 22 bezeichneten, darunter Brot, Getreide, Fleisch und Zucker. “Im Austausch dafür versprach die Regierung in mündlicher Form damals die Preise für die Lizenzen für den Verkauf von Tabak und Alkohol auf 250 Hrywnja (25 Euro) im Jahr zu senken. Dieses Versprechen wurde so nicht erfüllt”, sagt Kischko. Seinen Worten nach, beträgt der Preis für eine Lizenz für einen Kassenapparat für Alkohol 8.000 Hrywnja (ca. 800 Euro) und für Tabak 2.000 Hrywnja (ca. 200 Euro) im Jahr.

Beim Kabinett sagt man, dass sich die Verhandlungen erst im Anfangsstadium befinden und die Summe, welche von den Einzelhändlern genannt wurde, ist viel zu hoch. “Von 2,8 Mrd. Grynwja reden die Einzelhandelsketten, doch welche Summe die Regierung vorschlägt, ist eine andere Frage”, sagt der Stellvertreter des Wirtschaftsministers, Andrej Blisnjuk. Doch im ganzen unterstützt das Ministerium die Initiative der Ketten. “Im Budget gibt es dafür keine Mittel. Diese kann man lediglich aus dem Stabilisierungsfonds nehmen oder über den Weg der Refinanzierung von Kreditinstituten durch die Zentralbank. Doch dafür bedarf es eine gesonderte Erlaubnis der Regierung”, sagt er.

Der unabhängige Finanzexperte Erik Najman betont, dass das wahrscheinlichste Schema für die Kreditvergabe die Refinanzierung der Banken, welche die Ketten kreditieren, durch Zentralbank ist. “Diese Banken geben ihrerseits das Geld den Ketten aus. Auf diese Weise wird das Geld nicht aus dem Budget gespült. Die Zentralbank unterliegt im Übrigen Einschränkungen seitens des IWF, sagt er. Gemäß dem Abkommen mit dem IWF kann die Zentralbank die Geldbasis (M0) in diesem Jahr um maximal 21 Mrd. Hrywnja (ca. 2,1 Mrd. Euro) erhöhen.

Weronika Gawriljuk

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 624

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Artikel bewerten:

Rating: 5.0/7 (bei 1 abgegebenen Bewertung)

Kommentare

Kommentar schreiben

Neueste Beiträge

Karikaturen

Andrij Makarenko: Senja und die Mauer

Wetterbericht

Kyjiw (Kiew)18 °C  Ushhorod20 °C  
Lwiw (Lemberg)15 °C  Iwano-Frankiwsk15 °C  
Rachiw15 °C  Ternopil15 °C  
Tscherniwzi (Czernowitz)18 °C  Luzk17 °C  
Riwne17 °C  Chmelnyzkyj15 °C  
Winnyzja16 °C  Schytomyr17 °C  
Tschernihiw (Tschernigow)17 °C  Tscherkassy19 °C  
Kropywnyzkyj (Kirowograd)18 °C  Poltawa17 °C  
Sumy16 °C  Odessa19 °C  
Mykolajiw (Nikolajew)20 °C  Cherson20 °C  
Charkiw (Charkow)16 °C  Saporischschja (Saporoschje)16 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)17 °C  Donezk17 °C  
Luhansk (Lugansk)16 °C  Simferopol16 °C  
Sewastopol22 °C  Jalta21 °C  
Daten von World Weather Online

Leserkommentare

«SEZESSION ist das Zauberwort!!!»

«Wenn die Ukraine gegen Russland Krieg führt, wieso bestehen dann noch immer diplomatische Kontakte zu Russland? Warum wird...»

«Auf Folter hinzuweisen und Bestrafungen zu fordern ist also einjämmerliches Spiel. Ich kenne bessere! Und bessere Kommentare...»

«Danke fuer die Analyse. Eindeutig Russland muss weltweit als Agressor und Kriegspartei anerkannt werden.»

«solange die verbrechen auf der anderen seite geringer ausfallen ist ja alles O.K! WUNDERAR! aber wie sagte es mal der bis...»

Torsten Lange mit 24 Kommentaren

Wolfgang Krause mit 19 Kommentaren

Jusstice For All mit 17 Kommentaren

stefan 75 mit 15 Kommentaren

pauleckstein mit 15 Kommentaren

E Siemon mit 15 Kommentaren

Anatole mit 11 Kommentaren

SorteDiaboli mit 10 Kommentaren

Dirk Neumann mit 9 Kommentaren

hanskarpf mit 8 Kommentaren

hoch