FacebookTwitterTelegramVKontakteMail

Venezuela und die Ukraine vereinbaren gemeinsame Erdölprojekte

0 Kommentare

Die Präsidenten der Ukraine und Venezuelas, Wiktor Janukowitsch und Hugo Chávez, verkündeten gestern den Beginn einer neuen Etappe der bilateralen Zusammenarbeit. Chávez hielt sich mit Erklärungen zum Thema des Kampfes mit dem Weltimperialismus zurück und konzentrierte sich auf die Wirtschaft. Er versprach Kiew Zugang zur Förderung von Erdöl und Erdgas auf dem Territorium seines Landes. Die Ukraine verkündete den Beschluss zur Umstellung der Pipeline Odessa-Brody für die Lieferung von venezolanischem Erdöl für Belarus. Die verkündeten Pläne bleiben jedoch lediglich laute Deklarationen, warnen Experten.

Der eintägige Besuch von Hugo Chávez in der Ukraine war ein Teil seiner zwölftägigen Tournee in den Partnerländern Venezuelas. Die Reise nach Kiew erschien im Plan des venezolanischen Führers später als die anderen Reisepunkte und das Besuchsprogramm und dessen Länge blieben unklar bis zum Ende der letzten Woche. Bislang war die Zusammenarbeit zwischen Kiew und Caracas lediglich nominal – in der Ukraine gibt es keine venezolanische Botschaft und seit der Unabhängigkeit der Ukraine war der Besuch mit dem höchsten Status in Kiew, der eines Stellvertreters des Außenministers von Venezuela 1999. Daher kam der Beschluss Chávez Kiew zu besuchen absolut unerwartet.

Vor dem Hintergrund einer solch bescheidenen Geschichte wurde das Treffen der Staatsoberhäupter zu einem Durchbruch bei den bilateralen Beziehungen. Den Präsidenten gelang es eine gemeinsame Sprache zu finden; sie verbrachten zweieinhalb Stunden zusammen und strahlten auf der gemeinsamen Pressekonferenz Optimismus aus. „Wir haben eine Vielzahl von Fragen diskutiert, beginnend mit der Geografie unserer Länder“, teilte den Journalisten Wiktor Janukowitsch mit. „Wir haben auch über die Demokratie, die Meinungsfreiheit und über die Industrie gesprochen“.

Hauptthema war, den Worten des Oberhaupts des ukrainischen Staates nach, die Energiewirtschaft. „Wir haben uns darauf geeinigt, dass die Ukraine mit der Förderung von Erdöl und Erdgas auf dem Territorium Venezuelas beginnt“, erklärte er. „Und diese Frage wird Priorität in unseren bilateralen Beziehungen haben“. Später bestätigte Chávez das Erreichen von Vereinbarungen zur Förderung von südamerikanischen Kohlenwasserstoffen durch die Ukraine. Er sagte, dass die Möglichkeit der Zuweisung eines Erdöl-/Erdgasfeldes im Orinoko-Bassein geprüft wird. Andere Details oder gar Fristen für die Umsetzung des Projekts wurden nicht genannt.

Branchenexperten bewerten die Perspektiven der Präsidenteninitiativen pessimistisch. „Um solch große Projekte zu realisieren, ist Geld notwendig. Und ‘Naftogas’ hat die notwendigen finanziellen Ressourcen nicht“, sagt Michail Gontschar, Direktor der energiewirtschaftlichen Programme des „Nomos“ Zentrums. Der unabhängige Experte für Energiefragen, Alexander Narbut, betont, dass „Naftogas Ukrainy“ aufgrund des Mitteldefizits nicht einmal die existierenden Projekte in Ägypten und Libyen in vollem Umfang finanzieren kann.

Zum zweiten Schlüsselthema der Gespräche wurde die Idee der Nutzung der Erdölpipeline Odessa-Brody für die Durchleitung von venezolanischem Erdöl nach Belarus entsprechend den Vereinbarungen, die am Sonnabend in Minsk erzielt wurden. Vorher hatte die ukrainische Seite mehrfach erklärt, dass der Betrieb der Erdölpipeline in diese Richtung nur im Falle der Garantie der Lieferung von mehr als 9 Mio. t sichergestellt werden kann. Jedoch erklärte Janukowitsch gestern, dass er unabhängig von den Liefermengen Odessa-Brody „zu öffnen“ beabsichtigt. „Ich möchte nicht von den Mengen reden, soviel, wie geliefert wird, werden wir durchpumpen“, sagte er. „Gerade wird Erdöl nach Belarus in Zisternen gebracht, doch in nächster Zeit werden wir zum Transport über die Pipeline übergehen. Wir haben dazu bereits einen Beschluss gefällt.“

Der Auftritt von Hugo Chávez erwies sich als derart emotional, dass die Journalisten und Mitarbeiter der Präsidialadministration nur mit Mühe das Lachen zurückhalten konnten. „Wir wollten bereits seit langem in die Ukraine reisen. Es war für mich sehr angenehm von Ihrem Sieg bei den Präsidentschaftswahlen zu hören“, wandte sich der venezolanische Führer an seinen ukrainischen Kollegen und danach entschied er offensichtlich, dass man jetzt wesentlich informeller reden muss und ging zum Du über. „Ich rede von deiner Rückkehr auf den Posten, den dir das ukrainische Volk gesichert hat. An diesem Tag habe ich mir gesagt: weiter darf man keine Zeit verlieren, man muss in die Ukraine reisen, um Wiktor Janukowitsch die Hand zu drücken“.

Einige Male den ukrainischen Präsidenten „Freund Wiktor“ nennend, unterstrich Hugo Chávez, dass die Aktivierung der Beziehungen zwischen Kiew und Caracas dank der gegenseitigen Bestrebungen der Seiten möglich wurde. „Danke dir, Janukowitsch, dafür, dass du mich eingeladen hast“, fügte Chávez hinzu.

Die Besuche von Hugo Chávez in Moskau und Minsk und seine Treffen mit den Führern dieser Länder bleiben unter anderem in Erinnerung durch Erklärungen über Pläne „gemeinsam eine Alternative zum Weltimperialismus zu errichten“. In Kiew hielt sich der venezolanische Führer mit derartiger Rhetorik zurück, lediglich daran erinnernd, dass Caracas gegen eine „monopolare und bipolare Welt eintritt und eine multipolare Welt unterstützt“. Wiktor Janukowitsch kommentierte dessen Äußerungen nicht.

Die Nichtakzeptanz von Einflusspolen in der Welt durch Chávez tauchte noch einmal auf, als die Journalistin Darja Krasnoluzkaja ihn bat die Informationen darüber zu kommentieren, dass Moskau die Durchleitung von Erdöl aus Odessa nach Belarus behindert. Bekanntlich hatte der Energieminister Russlands, Sergej Schmatko, am vergangenen Freitag von der Ukraine verlangt dieses Lieferschema mit Russland abzustimmen, insbesondere die Nutzung des Teilstücks der „Drushba“-Pipeline für die Durchleitung des Erdöls.

Chávez wurde vor dieser Frage gewarnt und ihm wurde ein Blatt mit dem Namen der Journalistin gegeben. „Hallo Darina. Ich weiß nicht Darina, wo du diese Information ausgegraben hast“, antwortete ihr der Präsident Venezuelas emotional. „Könnte jemand wirklich denken, dass der Wunsch freier und souveräner Staaten, die ihre Energiewirtschaft diversifizieren wollen, eine Bedrohung für irgendjemanden ist?“.

Hugo Chávez versicherte der Pressevertreterin, dass während seiner Gespräche mit dem russischen Premierminister Wladimir Putin dieser nicht einmal an eine Nichtakzeptanz des Erdöltransportprojekts nach Belarus erinnerte. „Ich habe nicht einziges Mal Besorgnis bei dieser Frage verspürt, obgleich wir lange mit ihm diskutiert haben. Und danach wurde es kalt und es war bereits Mitternacht und ich sagte ihm: Wladimir, ich werde jetzt sicher fahren, Lukaschenko wartet auf mich.“, teilte Chávez Einzelheiten der Gespräche mit Putin mit.

Den Worten der Präsidenten nach ist das gestrige Treffen lediglich die erste Stufe in der Entwicklung der beiderseitigen Beziehungen. In den Verhandlungen wiesen sie die Regierungen beider Länder an eine Arbeitsgruppe zu bilden, welche die Prioritäten der Entwicklung der Zusammenarbeit wählen soll. Diese Prioritäten beabsichtigen die beiden Staatsoberhäupter im Verlaufe ihres nächsten Treffens auf oberster Ebene zu diskutieren, welches man für den Beginn von 2011 in Caracas plant.

In der Weltgemeinschaft hat Hugo Chávez, der die Ideologie des Kampfes mit dem Weltimperialismus verfolgt, eine uneindeutige Reputation. Trotzdem braucht man nicht von einer internationalen Isolation Venezuelas und dessen Führers zu reden – so, beabsichtigt Chávez im Verlaufe seiner Tournee Portugal zu besuchen, ein Mitgliedsland der EU und der NATO. Die USA vermeidet ebenfalls nicht wirtschaftliche Verbindungen zu Venezuela zu unterhalten, indem sie etwa die Hälfte des im Lande produzierten Erdöls aufkaufen. „Ich denke nicht, dass die Ukraine in den gegenseitigen Beziehungen zu Venezuela die Linie überschreiten kann, nach der man von Reputationsverlusten aus dieser Freundschaft reden kann“, teilte dem “Kommersant-Ukraine“ der ehemalige Stellvertreter des Präsidialamtsleiters bei außenpolitischen Fragen, Alexander Tschalyj, mit.

Sergej Sidorenko, Oleg Gawrisch

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 1138

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Telegram, Twitter, VK, Facebook, RSS und per Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 5.0/7 (bei 1 abgegebenen Bewertung)

Neueste Beiträge

Aktuelle Umfrage

Wie war das erste Jahr unter Präsident Wolodymyr Selenskyj für die Ukraine?
Interview

zum Ergebnis
Frühere Umfragen
Kiewer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)13 °C  Ushhorod4 °C  
Lwiw (Lemberg)7 °C  Iwano-Frankiwsk10 °C  
Rachiw9 °C  Jassinja9 °C  
Ternopil10 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)11 °C  
Luzk9 °C  Riwne9 °C  
Chmelnyzkyj10 °C  Winnyzja12 °C  
Schytomyr11 °C  Tschernihiw (Tschernigow)12 °C  
Tscherkassy16 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)16 °C  
Poltawa19 °C  Sumy19 °C  
Odessa16 °C  Mykolajiw (Nikolajew)19 °C  
Cherson21 °C  Charkiw (Charkow)21 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)19 °C  Saporischschja (Saporoschje)22 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)19 °C  Donezk24 °C  
Luhansk (Lugansk)21 °C  Simferopol22 °C  
Sewastopol24 °C  Jalta25 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Als meine Bekannten gestern so lange an der Grenze standen war meine Frage wie dies sein kann wo doch Ukrainer aus Urlaubsgründen jetzt gar nicht reisen dürfen. Sie meinten unter anderem gibt es auf...“

„Hallo zusammen, 1. Aktuell dürfen nur bestimmte Personen aus der Ukraine nach Deutschland kommen! • Deutsche Staatsangehörige sowie Staatsangehörige von anderen EU-Staaten, Schengen-assoziierten Staaten...“

„* gruslig * Das hat doch für mich nix mit Schönheit zu tun.“

„Also dass zu wenig Menschen reisen kann eigentlich nicht sein. Bekannte sind heute mit dem Bus UA-PL und standen an der Grenze über 7 Stunden. Sie meinten viele PKW und Busse. Andere Bekannte sind vor...“

„Hallo Gunar, bleibt also nur die Heirat in der Ukraine um die Sache zu beschleunigen. Eine Heirat in Deutschland steht trotzdem an, bzgl. Anerkennung für das Bleiberecht .... ich denke das weisst Du ja....“

„Danke Dir für den Hinweis, sehe ich auch so.“

„Meine Frau ist am Mittwoch in Frankfurt eingereist. Trotz Visum zur Familienzusammenführung (Beantragt mal im Februar - erhalten im Juni) wurde zusätzlich die Hochzeitsurkunde verlangt. Hatte sie nur...“

„War es nicht so, dass eine Verlobte auch als familienangehörig gilt? Zumindest gilt dies dich beim Aussageverweigerungsrecht im Strafrecht und Bußgeldrecht“

„DANKE!!!! Dachte mir schon, dass es wohl an den Passagierzahlen liegt. Mein Flug von Memmingen war zuletzt Hin - und Zurück jeweils zu ca. 50 bis 60% besetzt, vor Corona 99 bis 100% Auslastung. Mein Flug...“

„Flug am 20.07.2020 von Hamburg nach Kiew“

„Hallo, wie ich gerade von einer Bekannten erfahre, wurde der Wiizair Flug von Hamburg nach Kiew-Shul. storniert. Ist das nur eine unternehmenspolitische Entscheidung von Wizzair, ich meine ggf. zu wenig...“

„Soeben habe ich mir die 45 Minuten gegönnt und finde auch das die Reportage ziemlich alles beinhaltet hat was man über den Vorfall damals wissen muß. Den Drang moderner und fortschittlicher zu werden....“

„Da immer wieder viele Anfragen bezüglich Flüge in die Ukraine im Zusammenhang mit Corona auftauchen, hier noch eine Info die sicher ebenfalls sehr nützlich ist. Früher war es üblich das bei Ausfall...“

„Ich habe das am Flughafen Kiew Shuljani auch mehrfach so gemacht wie Bernd und andere ebenso. Vollkommen problemlos. Wer es nicht eilig hat kann auch vor dem Flughafen an der Straße mit dem Bus, Trolleybus...“

„Vielleicht noch ein Tipp, erwarte nicht, dass das UBER sehr lange auf Dich wartet, bist Du nicht pünktlich, dann sind die auch schnell weg. Also am Airport Kiew-Shul. würde ich nicht vorbestellen, sondern...“

„Der Uber Fahrer hat kein Schild.(habe ich jedenfalls noch nie gesehen) , wenn Du vorbestellt hast wartet das UBER Taxi direkt vor dem Flughafen. Du musst nur das Auto und vor allem das Kennzeichen checken,...“

„nur mal kurz zur Info an alle: ... ... habe mal mit denen kurz per whatsapp Kontakt aufgenommen: Screenshot_20200709_123350_com.whatsapp.jpg“

„Hallo Alex, in meinen Umfeld habe ich dazu positive bzw. K keine negativen Rückmeldungen. Allerdings lehrt uns die Situation, das nichts sicher ist im Moment und Handrij die Lage realistisch einschätzt....“

„Ich bin einfach als Tourist da nicht mehr und nicht weniger für 5 Tage, habe auch Hotelbuchung in Kiew und kann auch Rückflugticket vorzeigen.“

„Hallo mal eine Frage war noch nie in der Ukraine, habe deutschen Pass bin aber in Russland geboren. Gibts da Probleme bei der Einreise? Ich weiß ist dumme Frage für den ein oder anderen aber durch die...“

„Wenn ich Uber buche für kiew schuljany AIrport wartet da der Fahrer draußen oder steht er mit Schild da wenn ich nach dem Gepäck rauskomme? Oder wie regelt ihr das?“

„"Die US-Fachleute begründen ihre pessimistischere Einschätzung mit ungünstigen Witterungsbedingungen für den Winterweizen, vor allem auf der Krim und in der Region Odessa." Krim?“

„Auch ich bin zurück Hatte einen günstigen Flug. Dortmund-Kiev. Flughafen wechseln und von dort nach Zapo. Das gleiche auf dem Rückweg. Hatte bei jeder Kontrolle alle Unterlagen zur Hand. Inklusive Auslandskrankenversicherung....“

„mit dem Flugzeug von Memmingen nach Kiew Shulj. und zurück   Hallo, ich wollte mal meine aktuellen Erfahrungen durchgegeben evtl. ergibt sich ja für den Einen oder Anderen einen neuen Wissensstand....“

„mit dem Flugzeug von Memmingen nach Kiew Shulj. und zurück   Hallo, ich wollte mal meine aktuellen Erfahrungen durchgegeben evtl. ergibt sich ja für den Einen oder Anderen einen neuen Wissensstand....“

„Hallo, ich kann dem Bericht von vfranz zustimmen. War bei mir auch so. Abflug Freitag früh von FRA nach KBP. Obwohl ich nur Handgepäck gebucht hatte durfte (sollte) ich meinen Trolley einchecken. Das...“

„Hi, der Test der in Bayern kostenlos sein soll (seit 1.Juli) hilft nicht zur Vermeidung der Quarantäne. Da vergehen leicht zwei Tage bis der Test genommen wird und dann noch mehrere Tage bis zum Ergebnis....“