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Zur wissenschaftlichen Redlichkeit in der Ukraine

1 Kommentar

Es ist wahrlich eine erstaunliche Transformation. Einige Bürger der Ukraine fühlen sich kurze Zeit nach ihrer mit Geld oder sonstigen Korruptionsmitteln bezahlten Fertigstellung und Verteidigung der Dissertation ganz bewusst und selbstverständlich als Träger wissenschaftlicher Titel. Besser gesagt, sie gewöhnen sich schnell daran. Vor allem, wenn sie die tatsächlichen Ansprüche solcher wissenschaftlicher Auszeichnungen von ihren Kollegen kennen.

Wozu soll man sich denn noch anstrengen und eine Dissertation verfassen, wenn sich alle um einen herum einfach eine kaufen?

Sobald sie sich an ihren „wissenschaftlichen Werdegang“ gewöhnt haben und auch selbst daran glauben, äußert sich auch ziemlich schnell der Wunsch, die nächsthöhere wissenschaftliche Karrierestufe zu erklimmen – als korrespondierendes oder ordentliches Mitglied der fachspezifischen oder allgemeinen Akademie der Wissenschaften. Alle Pseudowissenschaftler kommen dort natürlich auch nicht unter. Vor allem nicht, weil es notwendig ist, in diesen Reihen auch seriöse, wirkliche Wissenschaftler zu beschäftigen, da andernfalls diese gesamte Geld verschlingende „wissenschaftliche Ausbildung“ einfach zusammenbrechen würde. Und da es nicht für jeden einen Platz in der Akademie der Wissenschaften gibt, treten die nach wissenschaftlichen Titeln durstenden „Pechvögel“ schnell und sehr einfach anderen Akademien bei, die sich faktisch als schlichte gemeinnützige Organisationen erweisen. Oh, wie voll die Kiewer Rus’ davon ist… Im Grunde so voll wie die große Rus’.

Es wurde noch nie berechnet (zumindest nicht in der offiziellen ukrainischen Presse), wie viel diese pseudowissenschaftliche und sich selbst als der Gesellschaft dienend bezeichnende Organisation dem ukrainischen Steuerzahler zu Lasten kommt. Insbesondere wird dies im Bereich der medizinischen Wissenschaft relevant. Die Zahl der zitierten Publikationen ukrainischer Wissenschaftler in ausländischen namhaften wissenschaftlichen Zeitschriften geht gegen Null. Doch es gibt auch noch andere Auswirkungen dieses kostspieligen pseudowissenschaftlichen Gedränges. Es geht um den moralischen und intellektuellen Verfall der Nachwuchswissenschaftler, die sich ehrlich für Wissenschaft interessieren, die sich regelmäßig auf englischsprachigen Internetseiten über die Realien und Erkenntnisse der weltweiten Forschung informieren und diese mit dem wissenschaftlichen Alltag ihrer Lehrmeister und deren so genannten wissenschaftlichen Schulen vergleichen.

Es ist ein trauriges Bild. In einem Land, in dem der Arztbesuch immer gefährlicher wird, wächst auch stetig die Zahl der Ärzte mit alles ermöglichenden wissenschaftlichen Hoheitsrechten. In einem Land, in dem die medizinischen Kenntnisse von nicht in Titeln badenden Ärzten weit größer sind als die von Professoren und anderen Universitätsdozenten, kann es keine effektive medizinische Forschung geben. Gleichzeitig schaffen es manche ukrainische Ärzte, sich finanziell im Ausland abzusichern, dort ihre hohe Professionalität zu demonstrieren und in den wichtigsten Forschungsprojekten mitzuarbeiten. Und weshalb? Das ist nicht einmal eine rhetorische Frage. Doch diese Frage wird für immer unbeantwortet bleiben. In einem Land, in dem sowohl Präsidenten, als auch Premierminister, Minister, Gouverneure und Volksdeputierte durch die „Weihe“ der ukrainischen Obersten Attestationskommission (beziehungsweise Oberster Staatlicher Prüfungsausschuss) in die Wissenschaft eintreten, möchte niemand von den Machthabern über dieses brisante Thema sprechen.

Talentierte Nachwuchswissenschaftler gibt es in der Ukraine zu genüge, ungeachtet der Umstände – es gibt sie. Doch diese jungen Menschen können in den Akademien und sonstigen „wissenschaftlichen“ Vereinigungen nicht bestehen. Diese Jugend arbeitet, diskutiert und publiziert. Sie wird gebraucht von der weltweiten Wissenschaftsgemeinde, deren Arbeit auf die Lösung komplexer medizinischer Fragestellungen und auf die Verbesserung unser aller Wohl abzielt. Dazu kann ich ein Beispiel aus meiner näheren Umgebung aufzeigen. Zwei junge Ärzte erforschen mit Erfolg die Prognosemöglichkeiten epileptischer Anfälle anhand modernster Techniken. Für ihre Erfolge und Erkenntnisse interessiert sich die weltweite Wissenschaftsgemeinde. Sie werden auf prestigeträchtigsten Konferenzen zu Vorträgen eingeladen. Sie bekommen Kooperations-Anfragen von westeuropäischen, nordamerikanischen und australischen Kollegen. Doch hier in der Ukraine möchte ich ihre Namen nicht nennen, denn ich weiß: Sie werden zermalmt. Bestenfalls müssten sie ihre renommierten Nachnamen in ein „Autorenverzeichnis“ eintragen. Als redliche Forscher erhalten sie aber keine finanziellen Mittel und sie werden sie niemals erhalten. Weder das Gesundheitsministerium, noch die Akademie der Medizinischen Wissenschaften interessieren sich für diese jungen Forscher.

In der Ukraine leiden Hunderttausende Menschen an Epilepsie. Für sie wäre eine erfolgreiche Prognose der Anfälle überlebenswichtig. Aber darauf pfeift man. In der Ukraine werden weiterhin Imitatoren und Scharlatane der Wissenschaft gezogen. Wenn ich es könnte, würde ich das Porträt des Pseudomediziners Andrej Sljusartschuk1 auf die ukrainischen Hrywnja drucken lassen. Er ist das Symbol der heutigen Ukraine, und nicht Taras Schewtschenko2 oder Mychailo Hruschewskyj3. Sljusartschuk steht den Ukrainern sozial näher. Die Ukrainer haben es bisher nicht verdient, Schewtschenko oder Hruschewskyj auf die Banknoten zu drucken.

24. September 2012 // Semjon Glusman, Arzt, Mitglied des Staatlichen Ukrainischen Kollegiums für Medizinische Versorgung von Strafgefangenen.

Quelle: Lewyj Bereg

1 Andrej Sljusartschuk (geb. 1971) gilt als selbsternannter Neurochirurg (bekannt als „Doktor Pi“), der basierend auf nachweislich gefälschten Zeugnissen teure ärztliche Dienstleistungen erbracht und Operationen durchgeführt hat, die mehrere Menschen das Leben gekostet haben. S. befindet sich seit November 2011 in Haft, ihm werden unter anderem vorsätzliche Tötung und schwerer Betrug vorgeworfen (Anmerkung der Übersetzerin).

2 Taras Schewtschenko (1814-1861) war der wichtigste ukrainische Lyriker, dessen Werk bis heute sehr verehrt wird (A.d.Ü.).

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3 Michailo Hruschewskyj (1866-1934) war ein wichtiger ukrainischer Historiker, Politiker sowie eine Schlüsselfigur der ukrainischen Nationalbewegung (A.d.Ü.)

Übersetzerin:   Katharina Jaroschak — Wörter: 818

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Kommentare

#1 von Sonnenblume
Hart, aber korrekt. der Vorschlag mit den гривні gefällt mir gut!

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„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“

„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.


„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“

Der Link zum Anbieter ist ja da.
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.
War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht" :-([smilie=dntknw.gif]

„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“

„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“

„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“

„Kein Zoll. Du musst an sich nur sagen dass das privat ist und du nicht damit handeln willst. So lange das nicht Originalverpackt ist und ersichlich das nicht neu sollte es keine Probleme geben“

„Hallo Leute, ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin mit meiner Anfrage. Ich möchte 4 Umzugskartons mit gebrauchter Straßen Kleidung bei der Einreise in die Ukraine mitnehmen. Es ist gebrauchte Kleidung...“

„Wir sind mit unserem Wohnmobil, wie geplant am Montag 15.6. in Krakovets rüber. Sehr zeitig los gegen 5 Uhr in der Früh. Mit sehr sehr wenig Verkehr, super bis zur Grenze. Nur 8 PKW vor der Schranke....“