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Eine Ode an Odessa

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Ich fahre viel durch die Ukraine. Rede mit den Menschen, die keine politische Rolle einnehmen wollen. Mit den ganz normalen Menschen eben, keinen Gouverneuren. Erst kürzlich war ich in Odessa. Verständlicher Weise gibt es dort ebenfalls Probleme, wahrscheinlich auch ernst zu nehmende. Aber ich habe ein herkömmliches Odessa kennengelernt, eines ohne die Herren Gurwiz (ehemaliger Bürgermeister von Odessa), Kostussew (derzeitiger Bürgermeister von Odessa) und Co. Eine nette Stadt, mit schönen Häusern und Gesichtern. Kein Kiew, das durch Neubauten und geschmacklose Ideen der ungeschliffenen Neureichen zerstört wird.

Was mir vor allem von Odessa in Erinnerung geblieben ist, ist der “Ukrainische Club” mit der “Freien Universität”. Die Vorlesungen, Seminare und Runden Tische dort. Diese bescheidene Kulisse, ohne Werbetafeln, dafür mit glanzvollen Gast-Dozenten, mit denen sich auch die besten Universitäten Europas schmücken. Historiker, Kulturologen, Journalisten, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Ljubomir Gusar – Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Natalja Jakowenko – Historikerin, Taras Wosniak – Publizist und Politologe, Witalij Portnikow – Journalist und Publizist, Miroslaw Marinowitsch – Direktor der ukrainischen katholischen Universität, Jaroslav Grizak – Historiker, Mykola Rjabtschuk – Schriftsteller und Journalist, die beiden Moskauer Andrej Okara – Politologe, und Alexei Miller – Vorstandsvorsitzender von Gasprom, Andreas Kappeler – Wiener Historiker.

Ein befremdliches Land sind wir: In den Hochschulen des Bildungsministeriums herrscht Langeweile und Simulation. Aber in der “Freien Universität” des “Ukrainischen Clubs” da gibt’s die brillanten Geister. Es leben und funktionieren zwei Ukrainen. Wie auch zwei Odessen. Sie überschneiden und interessieren sich nicht füreinander. Der einzige Trost: Im Saal der “Freien Universität” sitzen viele junge Studenten aus den offiziellen, diplomierenden Universitäten. Sie kommen hierher, um die klugen Köpfe kennen zu lernen.

Die Idee und Finanzierung der “Freien Universität” kommt nicht vom Bürgermeister, nicht von einem der regionalen Abgeordneten. Und auch nicht von den örtlichen Oligarchen. Alles ist viel einfacher. Es gibt da den einen, nicht “großen” Geschäftsmann, Witalij Aleksandrowitsch Oplatschko. All das kommt von ihm, einem, der seine Stadt Odessa einfach liebt. Die anderen, etwas reicheren helfen ihm nicht. Wahrscheinlich sind sie auch deshalb etwas reicher, kaufen sich Jachten, Hubschrauber, Häuserchen in der Schweiz. Aber Oplatschko – der unterhält die gesamte “Freie Universität”. Odessa hat Glück gehabt. Die jungen Odessiten, die nun Kontakt zu den klugen Köpfen aufbauen können, haben sehr viel Glück gehabt. Sie können nun Fragen an die Besten stellen, die nur sehr selten ins Fernsehstudio geladen werden.

Ich erinnere mich, ich weiß: In Odessa gibt’s das Meer. Und die Mythen der Banden-Traditionen, die allesamt schon lange ihren Weg in die Literatur gefunden haben. Doch das aller wichtigste an dieser Stadt sind die Menschen. Die Menschen, die ihre Stadt lieben. Das sind die modernen Odessiten, die die großartigen Museen geschaffen und den “Internationalen Club der Odessiten” eröffnet haben, die auf die Sauberkeit in ihren Straßen achten. Sie lieben ihre Stadt, ihre Geschichte, ihre besondere kulturelle Vielfalt. Und ich habe verstanden, woher diese Liebe kommt, diese für die postsowjetische Ukraine so untypische Art der Zuneigung, weil unkommerziell und respektvoll. Sie, die Odessiten, lieben und respektieren sich selbst. Sich selbst in ihrer eigenen Stadt.

Ich will wieder nach Odessa. In den “Ukrainischen Club”. Zu den aufrichtigen Menschen, zu denen, die nicht in einer x-beliebigen Minute politisch belastet werden können.

11. Mai 2012 // Semjon Glusman

Quelle: Lewyj Bereg

Übersetzerin:   Maria Ugoljew — Wörter: 550

Maria Ugoljew ist freischaffende Journalistin und Übersetzerin. Sie hat erst Slawistik, Kunstgeschichte sowie Musikwissenschaft in Greifswald und Brno studiert und dann bei einer Lokalzeitung volontiert. Heute lebt sie in Berlin.

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„Danke für den Link. Laut dem Ergebnis dort habe ich oben richtig gerechnet. Bin stolz auf mich. Für die paar Tage die ich gelegentlich in der Ukraine bin muss ich über sowas nicht nachdenken.“

„Der Nationalismus in der Ukraine ist älter als die "Geschehnisse im Osten". Viel älter. Aber ich nenne es mal als unvermeidliches Schicksal dieses Landes. Was sie draus machen werden sie selber am besten...“

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