FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Der bequeme Nachbar

0 Kommentare

Zwanzig Jahre lang massive, ununterbrochene Gaunerei. Sie bildet das Hintergrundgeräusch zu den faszinierenden Wörtern über die ukrainische Geschichte, den Patriotismus und die Rechtsstaatlichkeit. Abgeordnete, Präsidenten, Minister – sie alle haben gestohlen.

Das Ergebnis: ein System, in dem man sich an den Rechten ungezügelt bedienen darf, in dem eine gewaltige Schattenwirtschaft herrscht und ein absolut korrupter Staat. Ein bedürftiger Staat mit leerer Staatskasse, der noch rechtzeitig ein Dutzend Dollar-Milliardäre hervorgebracht hat und eine Drogenmafia, die davon überzeugt ist, dass eine stabile Zukunft vor ihr liegt. Zwanzig Jahre lang Diebstahl, Geschwätz, weder Sozial- noch Steuerreform führen ins unausweichliche – in einen todkranken jungen Staat. Ein Staat, der vermehrt seine inneren Truppen stärkt und faktisch keine kampfbereite Armee besitzt.

Und dann – die Besetzung der Krim. Die Schwelle zum Krieg. Einem echten, mit einem starken, aggressiven und knallharten Nachbarn. Der sich an der Schwelle zum Staatsbankrott befindet, ein passender Moment also, um den Schwächeren anzugreifen. Wir sind die schwächeren – ob ökonomisch, politisch oder hinsichtlich des Intellekts. Letzteres ist anhand der Wahlergebnisse – aller Wahlergebnisse – gut zu erkennen. Und wir sind willenlos, “syndromum apathicoabulicum” – so lautet unsere Diagnose.

Bald werden unsere parlamentarischen “Mitmenschen” – die heute etwas geknickt sind, aus Angst um sich selbst –, ihre Köpfe heben und eine eigene Stimme finden. Sie werden ihre Schultern zurecht rücken, und mit Blumen und Applaus den russischen Befreier-Soldaten empfangen. Einige werden es ehrlich meinen, andere, weil sie gewohnheitsmäßig Angst vor dem Stärkeren haben. Zu verraten, an fremder Milch zu nuckeln – das ist ihr Handwerk. Ihnen folgen werden die Herren Oligarchen, denen es recht gleichgültig ist, welche Flaggen-Farbe auf der Straße weht. Auch der bevorstehende Staatsbankrott kann ihnen nichts anhaben, weil sie ihr Geld wohlbedacht in den leisen und ruhigen schweizerischen und österreichischen Banken geparkt haben – dort, wo es keine Revolution gibt, keine Okkupation, keinen Staatsbankrott. Dort, wo die Politiker überhaupt kein Interesse daran haben, sich mit dem Herrn Putin über ein Land zu streiten, das es nicht gelernt hat, ein selbstständiger Staat zu werden.

Traurige Zeiten erwarten uns. Sogar ängstlich-beklommene Zeiten. Voller Tränen, Reue und dem nach wie vor ungefährlichen Studium der sumerisch proto-ukrainischen Kultur.

Herr Putin braucht den Krieg unbedingt. Ist doch der Krieg der Verbündete aller Tyrannen. Wenn es keinen äußeren Krieg gibt, dann übernehmen innere Aggressoren unterschiedlicher Ausprägung seine Funktion. Ihr Ziel ist es, ununterbrochen den Zustand der Gefahr zu simulieren – ob mit Hilfe von künstlich geschaffenen Mitteln oder imaginären Feinden. Wir sind für solch einen Krieg ein optimales Objekt – ein schwaches, ungefährliches und mit dem Gedanken der “fünften Kolonne” infiltriert. Es ist sehr einfach, uns zu besiegen. Sklaven stellen sich nur selten äußeren Feinden zur Wehr. Sie glauben immer daran, dass der neue Herr besser, gutmütiger ist. Sie, die Sklaven, wollen immer die öffentliche Hinrichtung des vorigen Tyrannen sehen, an ihr teilnehmen.

Aber was werde ich in dieser Situation machen? Ich, der es nicht gelernt hat und es sich auch nicht wünscht, schießen zu können, Waffen mit irgendwelchem brennbaren Gemisch zu werfen, und der es immer noch nicht erlernt hat, zu hassen. Ich werde meine eigenen “Briefe an den russischen Freund” schreiben, analog zu den “Briefen…” von Albert Camus, die er während der Okkupation Frankreichs durch die Nationalsozialisten verfasst hatte. Die Geschichte – sie wiederholt sich.

17. März 2014 // Semjon Glusman

Quelle: LB.ua

Übersetzerin:   Maria Ugoljew — Wörter: 554

Maria Ugoljew ist freischaffende Journalistin und Übersetzerin. Sie hat erst Slawistik, Kunstgeschichte sowie Musikwissenschaft in Greifswald und Brno studiert und dann bei einer Lokalzeitung volontiert. Heute lebt sie in Berlin.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 3.3/7 (bei 4 abgegebenen Bewertungen)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)-11 °C  Ushhorod0 °C  
Lwiw (Lemberg)-6 °C  Iwano-Frankiwsk-7 °C  
Rachiw-1 °C  Jassinja0 °C  
Ternopil-8 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)-4 °C  
Luzk-8 °C  Riwne-8 °C  
Chmelnyzkyj-9 °C  Winnyzja-9 °C  
Schytomyr-11 °C  Tschernihiw (Tschernigow)-15 °C  
Tscherkassy-11 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)-10 °C  
Poltawa-13 °C  Sumy-15 °C  
Odessa-4 °C  Mykolajiw (Nikolajew)-5 °C  
Cherson-5 °C  Charkiw (Charkow)-14 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)-7 °C  Saporischschja (Saporoschje)-7 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)-10 °C  Donezk-9 °C  
Luhansk (Lugansk)-9 °C  Simferopol-3 °C  
Sewastopol-1 °C  Jalta1 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Das sind Untermenschen, normale Menschen verhalten sich anders. Slava Ukraine Nachricht von Moderator Handrij volontaer45 wurde für diesen Beitrag verwarnt. Nazisprache ist hier unerwünscht! Un|ter|mensch,...“

„Hallo Lev, habe das im Internet gefunden, Probleme ist wohl die Grenzkontrolle ohne EU Pass, dann wird es eine Warterei von 2h..., Mein Browser hat mir das automatisch auf Deutsch übersetzt.“

„Hat eventuell jemand hier im Forum, Erfahrung mit der neuen Zugverbindung und dem Umstieg in Przemyel ?“

„Zuletzt war ich zweimal kurz hintereinander in Ustyluh/Zosin im Röntgenapparat (Polen), kostet halt jedes Mal auch noch ca. 15 - 20 Minuten..., das nervt. Nach Kiew würde ich ebenfalls die "nördliche"...“

„Kowel-Sarnyj-Korosten-Kiew, weil wesentlich weniger Verkehr als die A4-Route im Süden. Ach die Strecke kann man normal fahren? Da ist nur der Grenzübergang Dorohusk nicht möglich.“

„Das hat sich spätestens erledigt seitdem "die Russen" ein Teil der Russen von damals hinterhältig überfallen hat. Und ein Teil der Russen von damals über "den Russen" von heute genauso denkt. Heisst...“

„In diesem Zusammenhang würde mich ja Mal interessieren welche Rolle E-Autos in UA unter den derzeit herrschenden Bedingungen spielen ?“

„Gerade wir als Deutsche sollten uns jetzt hüten wieder in alte verhängnisvolle Denkmuster gegenüber "den Russen" zu verfallen !“

„Ja das könnte passen. Der stand da mitten im Wald auf der Strasse mit der Kalaschnikow um den Hals. Da waren es noch paar km bis zur Grenze. Hatte da nur den EU-Pass gezeigt, hat er mich durch gewunken....“

„Bin erst 2025 das erste Mal bei Uhryniv über die Grenze, der Blockposten ist Schätzungsweise 7 Kilometer von der Grenze weg. Ansonsten lässt sich noch vermuten ggf. Gibt da was in der Nähe, dass gerne...“

„Interessant, Blockposten gibt es an den anderen Grenzorten schon lange nicht mehr. Zumindest nicht in Budomierz oder Korczova, Astey, Kosun, Richtung Ungarn. Uhryniv .... Ist das nicht der wo Armeeposten...“

„"RESPEKT " ist vermutlich das "Fremdwort" schlechthin für einen Russen. Meine Erwartungshaltung wurde " leider " nicht enttäuscht, faschistisches Russenpack, ist bleibt was es ist, ein Haufen voller...“

„Wieso Respekt? Werden die Russenfaschisten mit Absicht gemacht haben - wie kann man auch die Feiertage wie im Westen nutzen ....“

„Ja, das ist interessant, eigentlich sollen ja mit unter, Männer vor der Annäherung zur Grenze abgehalten werden und natürlich dann die Flucht außer Landes. Du hast recht, im Sommer hatte ich in Astey...“

„War über die Feiertage in der Ukraine in Luzk bei der Familie, die Russen sind schon blöde Arschlöcher, Luzk als Stadt zählt meiner Ansicht nach auch eher noch zu den ruhigeren Plätzen im Kriegsgebiet,...“

„Interessant, Blockposten gibt es an den anderen Grenzorten schon lange nicht mehr. Zumindest nicht in Budomierz oder Korczova, Astey, Kosun, Richtung Ungarn.“

„Grenzübergang Urgyniw - Dolgobytschuw Wollte in der Nacht von Samstag 3.1.26 auf Sonntag 4.1.26 am Grenzübergang Urgyniw um ca 2 Uhr ausreisen, daraus wurde aber nichts, da wir am "Blockposten" - Kontrollpunkt...“

„Was wohl die Russen davon halten, dass die Ukrainer beinahe schon nach belieben jede Raffinerie erfolgreich angreifen können, Putins Residenz aber so derartig gut gesichert ist, sodass sie angeblich 91...“

„Was wohl die Ausgebombten aus Dnipro oder die Bauern im Kursker Gebiet denken wenn sie erfahren würden daß sich ihre Kriegsherren selbst gegenseitig nur mit Samthandschuhen anfassen ?“

„Also bisher habe ich nichts davon gelesen dass es entsprechende Angriffe gab. Letztes Jahr gab es mal ein Ziel in der Nähe vom Präsidentenpalast. ... denke mal das läuft auf Gegenseitigkeit hinaus...“

„Mal ganz abgesehen davon daß dieses behauptete Ereignis vermutlich nur als Vorwand konstruiert wurde um sich vor ernsthaften Friedensverhandlungen drücken zu können: Putin scheint wohl ein schlechter...“

„Bin am 24.12.25 in Zosin/Ustyluh in die Ukraine eingereist, war das erste und einzige Auto, in ca. 45 Minuten durch gewesen. Ausreise nach Polen, ca. 10 PKW zu der Zeit.“

„Typisch Russenkasper welche vom korrupten Putin und der Machtelite um ihn herum verarscht werden. Zu mehr als zivile Ziele in Städten zu zerstören reicht es nicht.“

„Warum sollten die sich auch trollen?? Für mich ist es immer wieder eine Offenbarung, wenn man mal wieder feststellen kann, mit welch limitierten Fähigkeiten und Qualitäten jene Russlandfans unterwegs...“

„Hallo Hendrij, habe mal ne Frage zu der neuen Zugverbindung Leipzig - Krakau - Przemyel. Wir fahren ja seit vielen Jahren immer mit dem Wohnmobil und im Winter mit dem Bus nach Lwiw. Da wir unweit von...“

„Meine Ehefrau ist eine Ukrainerin, und ich kenne sie schon seit dem 4. Oktober 2016. Das ist der Grund, weshalb ich mich als deutscher Zivilist in der Ukraine aufhalte. Als Gerhard Schröder noch Deutschlands...“

„Irgendwas stimmt mit dieser Meldung wohl nicht. Katar ist schon seit mehreren Jahren in der Tat aus der OPEC ausgetreten. Warum wird diese offenbar längst überholte Nachricht jetzt wieder aufgewärmt...“

„Danke. Ergänzend dazu habe ich heute gelesen daß es wohl auch noch eine Truppe "Achmat Ost" im Gebiet Saporischschija geben soll.“

„Achja, das Großmaul Kadyrow.ist auch noch da. Das Blatt scheint sich zu wenden. Von den angeblichen Heldentaten seiner Kadyrowzy in der Ukraine ist ja schon länger nichts mehr zu hören. Weiß jemand...“

„@kobmicha Besonders helle scheinst Du nicht zu sein. Falsches Forum für Dich, geh Dich bei den Russen anbiedern, Troll.“

Newsletter jeden Morgen

Sie möchten täglich über Neuigkeiten auf der Seite benachrichtigt werden? Dann ist vielleicht ein Kurzüberblick mit den wichtigsten Beiträgen der vergangenen 24 Stunden für Sie interessant. Der Versand erfolgt jeden Tag 6.00 Uhr morgens.




Nach dem Eintrag Ihrer E-Mailadresse erhalten Sie eine E-Mail zum Bestätigen Ihrer Adresse und können dann die Eintragung abschließen (so genanntes "Double Opt-In-Verfahren"). Ihre E-Mailadresse wird dabei nur auf unserem Server in Deutschland gespeichert und nicht an Dritte übermittelt.