FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Drei Signale Wladimir Putins

0 Kommentare

Wladimir Putin auf seiner Pressekonferenz 2017Wladimir Putin auf seiner Pressekonferenz 2017, Quelle: Kremlin.ru
Auf dem ersten Blick brachte die finale Pressekonferenz Wladimir Putins keine neuen Akzente für die Ukraine-Politik des russischen Staatsführers. Putin sprach wie gewohnt von „einem Volk“, beschuldigte die „Kiewer Regierung“ aller möglichen Sünden, warnte vor der Gefahr eines Blutbades auf dem Territorium des Donbass, wenn die durch Russland okkupierten Gebiete wieder unter die Kontrolle der Ukraine gebracht werden.

Dies wäre der Fall, wenn wir den politischen Stil Putins nicht berücksichtigen würden. Sein Bestreben, mit Signalen zu sprechen. Und darin, dass er für die Aussendung solcher Signale seine eigene Tagesshow auswählte, die unverständlicherweise „Pressekonferenz“ genannt wird, ist auch so ein eigentümliches Signal. Es besteht darin, dass Putin beginnt, die öffentliche Meinung Russlands für eine neue Wende vorzubereiten. Wenn der russische Präsident nämlich sein Signal an den Westen oder Kiew richten wöllte, hätte er ein anderes Format gewählt.

Das erste und wichtigste Signal Putins auf dieser Pressekonferenz ist seine Einwilligung für eine volle internationale Kontrolle über das Territorium des Donbass. Ja, diese Einwilligung ist bedingt durch die gewöhnliche Forderung der Implementierung der Minsker Abkommen und der Gewährung eines besonderen Status für die okkupierten Gebiete. Ja, die Rede ist auch von der Abwesenheit russischer Truppen auf dem Donbass – das gewöhnliche „es gibt sie da nicht“. Doch alleine der Fakt der Möglichkeit der Kontrolle, einschließlich der an der Grenze, sagt aus, welche Variante einer Regulierung der Kreml im nächsten Jahr wählen könnte. Es ist nicht die Variante der Absorption. Es ist die Variante des Abzugs mit der Nichtzulassung der Wiederherstellung ukrainischer Kontrolle mittels Ersatz der Besatzer durch UNO-Friedensschützer. Und das ist das, was Putin in den Kontakten mit den Amerikanern versuchen wird zu erreichen.

Übrigens, zu den Amerikanern. Das zweite Signal, welches Wladimir Putin aussandte, ist die Anerkennung der amerikanischen Rolle in der ukrainischen Regelung. Eine vollwertige Rolle, wie es der russische Staatsführer selbst sagte. Putin versichert, dass er niemals gegen eine solche Teilnahme protestiert habe, aber wir können uns noch gut daran erinnern, dass es nicht so war. Das Normandie-Format (Russland, Frankreich, Deutschland, Ukraine A.d.R.) selbst wurde genau deshalb geschaffen, da der Kreml sich verzweifelt gegen eine amerikanischen Beteiligung an der Lösung der Krise widersetzte. Die Worte Putins zeugen davon, dass er über den Donbass mit den Amerikanern verhandeln will, und nicht mit den Europäern oder mit uns. Das Normandie-Format war für Putin ein politischer Einflusshebel auf die Situation. Konsultationen mit den Amerikanern sind der Weg für den Erhalt von Garantien, darunter auch persönlichen. Aber zumindest wird klar, welchen Weg genau Putin einschlagen will.

Das dritte wichtige Signal, das Putin aussandte, hat mit der faktischen Anerkennung des Rechtes der Ukraine auf Unabhängigkeit und eine selbstständige Entscheidung zu tun. Ja, dieses Signal war in die vertrauten Sprüche über „ein Volk“ eingewickelt worden. Abgesehen davon, dass es nicht schwer war zu merken, dass das Auditorium genau diesen Worten des Staatsführers applaudierte. Jenes darf man ebenfalls nicht ignorieren: Chauvinismus ist keine persönliche Krankheit Putins. Chauvinismus ist wie ein Krebsgeschwür, mit dem der ganze russische nationale und der russische öffentliche Organismus infiziert sind. Nichtsdestotrotz muss der Chauvinist Putin dem Politiker Putin Platz machen. Putin sprach von ukrainischen Besonderheiten, den „westlichen Grenzen Russlands“ und vom Recht auf die eigene Wahl mit sichtbarem Ekel und es war klar, dass diese wandelnde Leiche ganz anders denkt. Aber es sagte es! Und das wird ebenfalls ein Teil seines politischen Programms nach den Wahlen sein. Die zweite Frage: wie sieht Putin eine selbstständige Ukraine, wie sieht er ihre Wahl. Denn die Ukraine Medwedtschuks oder Bojkos (Wiktor Medwedtschuk und Jurij Bojko sind ukrainische Politiker mit russlandfreundlichen Ansichten, A.d.R.) ist für Putin auch Ukraine, wie das Land es auch unter Janukowitsch und Asarow war. Aber hier ist vieles von uns selbst abhängig, und nicht von ihm.

Auf diese Weise haben wir auf der finalen Pressekonferenz Putins seine eigentümliche Skizze seiner möglichen politischen Wendung in der Ukraine-Frage gesehen. Ja, vieles wird von ihm abhängig sein, zu welchen Bedingungen Putin sich mit dem Westen, genauer mit Washington, einigt. Nicht ausgeschlossen sind eine Abkehr vom gewählten Kurs und der Versuch der Eskalation dafür, um die Gegner gesprächsbereiter zu machen und die Schwäche des ukrainischen Staates zu demonstrieren.

„Natürlich ist ein wichtiger Teil des Putin’schen Ansatzes die Destabilisierung der Ukraine mithilfe von internen Agenten und Provokationen. Das hat Putin freilich nicht erwähnt.“

Und dennoch können wir sagen, dass die Entscheidung darüber, wie in ukrainischer Richtung vorgegangen werden soll, von Putin getroffen wurde und er auch bereit ist, diese in die Tat umzusetzen.

14. Dezember 2017 // Witalij Portnikow

Quelle: Lewyj Bereg

Übersetzerin:   Yuliya Komarynets — Wörter: 755

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 6.3/7 (bei 3 abgegebenen Bewertungen)

Kommentare

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)23 °C  Ushhorod27 °C  
Lwiw (Lemberg)24 °C  Iwano-Frankiwsk24 °C  
Rachiw22 °C  Jassinja22 °C  
Ternopil23 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)23 °C  
Luzk25 °C  Riwne24 °C  
Chmelnyzkyj23 °C  Winnyzja24 °C  
Schytomyr23 °C  Tschernihiw (Tschernigow)23 °C  
Tscherkassy24 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)19 °C  
Poltawa23 °C  Sumy22 °C  
Odessa22 °C  Mykolajiw (Nikolajew)18 °C  
Cherson19 °C  Charkiw (Charkow)23 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)18 °C  Saporischschja (Saporoschje)22 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)21 °C  Donezk19 °C  
Luhansk (Lugansk)23 °C  Simferopol19 °C  
Sewastopol23 °C  Jalta22 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“

„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?


„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“

„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?


„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“

„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.


„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“

Der Link zum Anbieter ist ja da.
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.
War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht" :-([smilie=dntknw.gif]

„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“

„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“