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Der gestohlene Feiertag: Weshalb Russland nicht das Recht hat, den Sieg im Zweiten Weltkrieg zu „privatisieren“

Pawlo Klimkin zum 9. Mai

Wir betrachten die europäische Integration selten durch das Prisma des historischen Gedächtnisses. Dennoch wurde Anfang Mai offensichtlicher denn je, dass es keine weiteren noch so andersartigen Zugänge zur Geschichte geben kann als den europäischen und den russischen.

Im heutigen Russland wurde der wahre Zweite Weltkrieg ausgemerzt und durch einen Splitter ersetzt, in dem alles die staatliche Mythologie bestimmt. Ihre Bedeutung: Die stalinistische UdSSR hat die Welt vor dem Nationalsozialismus gerettet und Russland ist ihr direkter Nachfolger. Daher liegt seine Einzigartigkeit nicht in der Sorge um den Menschen, sondern in der Notwendigkeit von Massenverlusten, wann immer seine Führung dies sagt.

Russland eignete sich den Sieg an und machte ihn zu seiner Waffe im In- und Ausland.

Es hat sich das Recht zu eigen gemacht, das Enddatum des Zweiten Weltkriegs eigenmächtig vom 2. auf den 3. September zu ändern. Dort verfallen sie in Hysterie, wenn im benachbarten Belarus Präsident Lukaschenko versucht, am 9. Mai eine Militärparade abzuhalten und einen Teil dieser Mythologie einzunehmen.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass sich die Russische Föderation das exklusive Recht einverleibt, zu entscheiden, was andere im Bereich des historischen Gedächtnisses zu tun haben, ist die Geschichte der Demontage des Denkmals von Marschall Konew in Prag. Eine Geschichte, deren Fortsetzung die Angst um das Leben des Bürgermeisters dieser Stadt beinhaltete.

Doch welche Ebene des Zynismus muss man erreicht haben, um 1939 in Finnland einzufallen und es 2020 des Völkermords zu beschuldigen?

In der Europäischen Union wird der Krieg so wahrgenommen, wie er war, und dort erinnert man sich gut an seine Tragödien, Kriegsverbrechen und die Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Natürlich gibt es überall einzelne Idioten, die ähnlich wie Nazis sein wollen, aber insgesamt hat ganz Europa eine einfache Schlussfolgerung gezogen – nie wieder.

Nachdem wir uns für die europäischen Werte entschieden haben, haben wir eine ehrliche Sicht der Geschichte gewählt. Wir lieben unsere Geschichte, weil sie mit all ihren Siegen und Fehlern uns gehört. Genau für diese Geschichte müssen wir kämpfen, doch Russland möchte, dass sie ihm gehört – von den Petschenegen und Polowetzen bis zum Zweiten Weltkrieg.

Russland will auch, dass wir über unsere Vergangenheit streiten, aber das werden wir nicht tun. Alle Ukrainer starben in Kriegen, einschließlich denjenigen zwischen den Imperien, für die Ukraine, die wir jetzt haben. Und dazu ist es notwendig, die in Moskau so willkommenen Diskussionen ein für alle Mal zu beenden.

Der Zweite Weltkrieg begann als Ergebnis einer Verschwörung zweier totalitärer Regime, die im Molotow-Ribbentrop-Pakt verankert wurde. Nazideutschland und die stalinistische UdSSR teilten und zerstörten Zentraleuropa, welches unsere gemeinsame Heimat war, für immer. Zudem verhielt sich Stalin nicht besser als Hitler – es genügt, Katyn zu erwähnen.

Übrigens habe ich noch nie verstanden, warum wir nicht mit Polen in der Frage möglicher Entschädigungen für die Invasion 1939 zusammenarbeiten. Natürlich ist das politisch und rechtlich eine komplizierte Angelegenheit, aber hier gibt es einen Grund für eine ernsthafte Zusammenarbeit und er vereint uns mit Polen.

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Der Sieg über den Nationalsozialismus ist unser Feiertag, wie auch der anderer Länder – unabhängig davon, auf welcher Seite sie waren.

Für Deutschland und Italien ist er genauso ein Feiertag – und darin liegt die Bedeutung des europäischen historischen Gedächtnisses und Bewusstseins. Doch Russland hat kein Recht darauf, weil es keine Lehren aus diesem Krieg gezogen hat. Ein Zeugnis dessen ist die russische Aggression gegen die Ukraine und andere. Für Millionen von Ukrainern – und nicht nur sie – ist ihr Sankt-Georgs-Band [A. d. Ü. – Ursprünglich war das sog. Georgsband eine militärische Auszeichnung im Russischen Zarenreich, heute wird sie u. a. in der Ukraine von Unterstützern der Politik Putins getragen.] zu einem Symbol des Bösen geworden, die Personifizierung des aggressiven Russlands und der „russischen Welt“.

Darüber hinaus nutzt Russland den Sieg im Zweiten Weltkrieg als Element der Mobilisierung für seine anderen Kriege. Was soll die Ukraine in einer solchen Situation tun? Zuallererst müssen wir unsere Teilnahme am Zweiten Weltkrieg als Teil unserer eigenen Geschichte mit all den Ereignissen sehen, die dem Krieg vorausgingen.

Der Holodomor [große Hungersnot mit mehreren Millionen Toten in der heutigen Ukraine und anderen Teilen der Sowjetunion in den Jahren 1932-33, A.d.R.] war nicht nur eine Tragödie der ukrainischen Nation, er verringerte maßgeblich unsere Fähigkeit zur Verteidigung im Konflikt des nationalsozialistischen mit dem stalinistischen Regime und er wirkte sich auch stark auf unser Weltbild aus. Das gilt auch vollumfänglich für das Verbrechen der stalinistischen Säuberungen der 1930er-Jahre.

Nach Tragödien dieser Größenordnung waren beide Regime für viele Ukrainer gleichermaßen verbrecherisch. Und dies erklärt die vielen schwierigen Momente, die mit den Ereignissen dieser Zeit verbunden sind.

Nachdem wir uns für die europäische Sicht auf die Geschichte des Zweiten Weltkriegs entschieden haben, sollten wir auch darüber nachdenken, endlich damit zu beginnen, gemeinsam mit unseren EU-Partnern am 9. Mai den Europatag zu feiern. Momentan wird dieser Feiertag in der Ukraine am dritten Samstag im Mai gefeiert. Es war damals, als wir den 8. Mai offiziell zum Tag der Erinnerung und Versöhnung ernannten, notwendig, diese für viele schwierige Entscheidung zu treffen. Doch damals wie heute wagte man es nicht.

Letzten Endes mangelt es uns an jenen, die den Kampf um eine eigene Geschichte führen werden.

Wir haben fast keine coolen historischen Serien und Filme. Die Politiker bei uns verwenden selten Verweise auf historische Ereignisse oder zitieren die eigenen Helden, sie kennen sie einfach nicht. Vor diesem Hintergrund hat Russland einen extrem weiten Handlungsspielraum.

Es muss klar erkannt werden, dass der Krieg um unsere Geschichte im Moment immer noch andauert und nicht minder aggressiv geführt werden muss als der echte. Hier ist ein Sieg außerordentlich wichtig.

08. Mai 2020 // Pawlo Klimkin, Außenminister der Ukraine (2014-2019)

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Quelle: Jewropejska prawda

Übersetzerin:   Agnes Poitschek — Wörter: 930

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„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“

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„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“

„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


“

„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“