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Moskauisches Kyjiw: Die ukrainische Hauptstadt ist kein Haus, sondern ein verwahrlostes Wohnheim

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Der ehemalige Moskauer Bürgermeister Luschkow starb und beinahe sofort wurde in Kyjiw eine bevorstehende „Renovierung“ angekündigt – der Abriss von fünfstöckigen Gebäuden sowie die Bebauung des erhaltenen Territoriums mit Hochhäusern. Ich möchte daran erinnern, dass das eine ganz und gar moskauische Idee ist, welche vor einigen Jahren eine Welle von Protesten in der Hauptstadt „unseres geliebten“ Aggressorstaates auslöste. Ein unheimlicher Zufall? Wer weiß. Eines ist klar: Kyjiw folgt Moskau nicht einfach, es bleibt ein gutes Stück hinter ihm zurück. Man kann sogar noch genauer sagen: Kyjiw ist ein zweitklassiges, kleineres Moskau.

Aber der Reihe nach: Was ist die Hauptstadt eines Staates? Natürlich hängt das vom Staat ab. In Ungarn ist Budapest die größte Stadt und der Rest des Landes sieht aus wie seine Vororte. In Polen gibt es Warschau und wiederum die historische Hauptstadt Krakau (und Gniezno ist sogar noch historischer), doch die großen Städte wie Wrocław oder Poznan ziehen ein beträchtliches Maß an kultureller wie auch wirtschaftlicher Aktivität an. Eine andere Geschichte sind die föderalistischen USA oder auch das bundesstaatliche einst geteilte Deutschland. Ich werde mich nicht irren, wenn ich sage, dass es heute in der Ukraine keine Alternative zu Kyjiw als Hauptstadt gibt und auch lange nicht gab. Aus wirtschaftlicher, kultureller, historischer und sogar aus verkehrstechnischer Sicht ist Kyjiw die wichtigste Stadt des Staates, was ihr viel zusätzliche Verantwortung auferlegt – sofern wir überhaupt von einer solchen Verantwortung eines Siedlungsgebiets sprechen können. Eine ähnliche Situation gibt es in Russland mit Moskau.

Jetzt ist es in bestimmten Kreisen modisch, die ukrainische Kultiviertheit und das Europäischsein der russischen Wildheit und dem Asiatentum gegenüberzustellen. Aber die Hauptstadt der Ukraine sieht leider nicht bloß wie eine Kopie von Moskau aus, sondern wie eine schlechtere Version Moskaus, wo alle Moskauer Makel ins Absurde geführt werden. Das von Luschkow erschaffene Moskau ist eine Stadt des chaotischen „punktuellen“ Wohnbaus, wo jeder freie Geländestreifen mit Hochhäusern bebaut wurde. Und wenn es kein freies Stück gab, dann kamen Grünflächen und historische Gebäude unter die Planierraupe. Das bedeutet eine sinnlose Verkehrspolitik, eine Schädigung des städtischen Transports und Verkehrsstaus. Dies ist der totale schlechte Geschmack in der Architektur. Das ist schreckliche Korruption auf allen Ebenen. Es ist praktisch dasselbe wie das, was wir jetzt in Kyjiw haben. Und wenn in Moskau nach Luschkow bei einigen dieser Probleme (ich betone: bei einigen!) die richtigen Schlüsse gezogen wurden, dann entwickelte sich Kyjiw weiter in eine völlig desaströse Richtung.

Heute ist die Hauptstadt der Ukraine eine Stadt, in der die Bau-Mafia die lokale Regierung kontrollierte und immer noch kontrolliert und sich selbst absolut ungestraft fühlt, wenn es darum geht, irgendwelche Normen zu brechen und Denkmäler zu zerstören. Wo Anwohner, denen der Bau von ihnen unter den Fenstern nicht gefiel, leicht die „Tituschky“ [ukrainischer Begriff für bezahlte Schlägertypen, A.d.R.] einschüchtern können. Wo infolge des vollständig kontrollierten Aufbaus des zentralen Teils und der chaotisch ausgerichteten Verkehrsströme ständige Verkehrsstaus auftreten, da der Nahverkehr Passagiere im Prinzip nicht organisiert befördern kann (mit Ausnahme der U-Bahn, die seit der Sowjetzeit im Rhythmus eines Sonderobjekts fährt). Die sogenannten „Schlaf“-Stadtteile Kyjiws sind nicht von Moskauer Stadtteilen zu unterscheiden (mit Ausnahme der Qualität der Straßen: in Moskau ist sie besser). Riesige, hässliche „Tscheloweiniki“ [Aus dem Russischen, ungefähr mit Menschenhaufen übersetzbar. Vergleichbar mit dem DDR-Begriff der Arbeiterschließfächer, A.d.R.], die man sich in Warschau, Prag und Budapest nicht vorstellen kann, sind die Visitenkarte von Moskau und Kyjiw.

„Also gut, wir haben es verstanden. Aber worauf willst du hinaus?“?, mag vielleicht irgendeiner der Leser fragen. Ich spiele darauf an, dass Kyjiw ein Konzentrat all unserer staatlichen Schwachstellen ist. Und dass es wie eine schlechtere Version von Moskau aussieht. Vieles zeugt davon. Ja, die politischen Systeme Russlands und der Ukraine sind sehr verschieden: In Russland gibt es ein autoritäres Regime ehemaliger KGB-Mitglieder und ihrer Freunde, in der Ukraine gibt es eine korrupte oligarchische Demokratie. Aber auf seltsame Weise erhalten wir dasselbe Ergebnis: Die Provinzregionen beider Länder sterben aus und die Bürger besiedeln in Massen die Hauptstadt, welche sich in ein schreckliches, für das Leben ungeeignetes urbanes Monster verwandelt.

Die Lösung des Problems scheint ganz einfach zu sein. Eine Beschränkung der Gebäudehöhe, die Schaffung eines wirksamen Systems zum Schutz von Denkmälern und Grünflächen, der Aufbau einer völlig neuen Struktur des öffentlichen Verkehrs… Man muss nicht einmal etwas erfinden. Wie auch im Fall der Verbrauchssteuer auf Gebrauchtwagen aus dem Ausland könnte man sich einfach die Erfahrungen unserer westlichen Nachbarn zunutze machen, aber nein: Die Regierung (sowohl die staatliche als auch die kommunale) gibt vor, dass alles sehr, sehr schwierig ist, dass es keine einfachen Lösungen gibt, „dass das bei uns so nicht geht, das Volk ist nicht jenes, das Land ist nicht so, wir gehen unseren eigenen Weg, kommt uns nicht in die Quere.“ In Wahrheit steckt hinter diesen Ausreden nur eines: unmittelbares finanzielles Interesse.

Im ukrainischen patriotischen Diskurs hat die Frage nach einer Wiedergewinnung der Stadt Kyjiw für die Ukraine eine sehr unbedeutende Stellung. Der Zurückgewinnung eben als Stadt nach europäischem Verständnis, weil es im Moment keine miteinander verbundene Gesamtheit von Gebäuden mit ihren atomisierten Bewohnern ist. Kyjiw ist kein Haus, sondern ein verwahrlostes Wohnheim. Und solange das Gesicht unseres Staates diese Verwaltungseinheit ist, solange man auf ihren Straßen wie gewöhnliche Touristen geht oder fährt, wie auch Diplomaten oder politische Delegationen, solange wird es schwierig sein, jemanden davon zu überzeugen, dass die Ukraine im zivilisatorischen Sinne nicht Russland ist. Wirkliche Veränderungen im Land werden sich vor allem in Kyjiw zeigen. Und derzeit gibt es offensichtlich keine.

26. Dezember 2019 // Autor: Pawlo Subjuk

Quelle: Zaxid.net

Übersetzerin:   Agnes Poitschek — Wörter: 919

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„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


“

„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“