FacebookTwitterVKontakteTelegramWhatsAppViber

Nullsumme

0 Kommentare
Nullsumme

Irgendwo in der Mitte treffen. Einen annehmbaren Kompromiss aufspüren. Zu einer friedlichen Regelung kommen, die keine erniedrigende Kapitulation bedeutet. Äußerungen und Handlungen von Präsident Se[lenskyj] spiegeln sehr gut die Nachfrage wider, die in den breiten Massen existiert.

Der bodenständige Durchschnittsbürger dürstet nach Frieden und ist nicht bereit Jahrzehnte auf den Zusammenbruch Russlands zu warten. Doch entgegen dem seit kurzem populären patriotischen Stereotyp wünscht der Durchschnittsbürger keine Niederlage der Ukraine.

In der Sprache der Mathematik ausgedrückt, würde der Durchschnittsbürger gern den ukrainisch-russischen Krieg in ein Nichtnullsummenspiel verwandeln. Wenn ein „du hast gewonnen“ nicht „ich hab verloren“ bedeutet. Wenn nicht nur verschiedene Win-Lose-Varianten möglich sind, sondern auch Win-Win-Situationen, die beide Seiten zufriedenstellen.

Das Problem liegt darin, dass nach 2014 alternative Szenarien der ukrainisch-russischen Wechselbeziehungen eben in ein Win-Lose münden.

Die Rückkehr der Ukraine in den russischen Einflussbereich? Eine offensichtliche Niederlage Kiews.

Die Billigung des Austritts der Ukraine aus der russischen Einflusssphäre? Fraglos eine Niederlage Moskaus.

Die Anerkennung der Krim als russisch? Fraglos ein Fiasko der Ukrainer.

Die Rückkehr der Halbinsel in den Bestand der Ukraine? Unstreitig ein Fiasko der Russen.

Die Reintegration des Donbass zu den Bedingungen des Kremls mit Sonderstatus, Amnestie, „Volksmiliz“ und faktisch nicht unter Kontrolle Kiews? Eine offensichtliche Niederlage des ukrainischen Staates.

Die Rückführung des Donbass ohne die Andeutung von Sonderrechten? Eine offene Niederlage des russischen Staates.

Leider Gottes stellt unser gesamtes Leben zu oft ein antagonistisches Spiel dar. Es ist ein Nullsummenspiel. Ein Spiel, in dem der Gewinn des einen Teilnehmers den Verlust des anderen nach sich zieht.

Unseren Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

Wir konkurrieren miteinander um Geld, Macht und Ruhm, kämpfen um Posten, um Kunden, für Vorzüge, wetteifern aufgrund fremder Anerkennung, Aufmerksamkeit und Liebe. Und noch leben wir in einer Welt, wo alles relativ ist und wo als Maßstab jeglicher menschlichen Würden die Gegenüberstellung mit den Umgebenden auftritt.

Wie bedauerlich es auch ist, doch stark, klug, schön und reich kann man nur unter einer Bedingung sein, wenn im Vergleich mit dir jemand anderes schwach, dumm, hässlich und arm ist.

Die Nullsumme gebiert die verschiedensten Kollisionen, nicht selten zuwider der allgemeinmenschlichen Moral laufend.

Der Vizepräsident der USA gewinnt objektiv, wenn der amtierende Präsident vorzeitig aus dem Leben scheidet.

Der Medikamentenhändler gewinnt objektiv, wenn eine Epidemie ausbricht und die Zahl der potenziellen Konsumenten um ein Mehrfaches steigt.

Der als Krüppel geborene gewinnt objektiv, wenn im Krieg Millionen gesunder, starker, attraktiver Männer sterben und in der Gesellschaft ein kolossales Genderungleichgewicht entsteht.

Das bedeutet nicht, dass wir bewusst zu fremdem Unglück streben. Und das bedeutet auch nicht, dass wir uns an Siegen über Nahe im Konkurrenzkampf berauschen. Im Gegenteil sind gewöhnlich glückliche und erfolgreiche Leute nicht geneigt daran zu denken, dass die Kehrseite ihres Glücks und Erfolgs irgendjemandes Lebensniederlage bedeutet. Unbequeme Ursache-Folge-Beziehungen werden wenn möglich aus dem Bewusstsein verdrängt.

Die Menschheit bemüht sich, von der Wahrnehmung von seinesgleichen als Konkurrenten und Gegner wegzukommen. Das sogenannte Nullsummendenken ist das Objekt schonungsloser Kritik von Seiten von Psychologen, Soziologen und Ökonomen.

Ihm steht eine beeindruckende Schicht von Zivilisationsleistungen gegenüber: von christlichen Werten bis zum so populär im 21. Jahrhundert seienden positiven Denken.

Alle Menschen sind Brüder. Solidarität ist der Schlüssel zum Erfolg. Neid und Missgunst sind der Weg zur Selbstzerstörung. Jemandem die eigenen Probleme und Misserfolge zur Last legen, ist schändlich. Sich aufgrund fremder Schuld benachteiligt fühlen, ist absurd.

Unseren Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

In unserer riesigen Welt findet sich ein Platz für jeden. Erfolg, Reichtum, Liebe und Glück reichen für alle. Wenn dir die nächste Chance nicht zufällt, dann wirst du jede Menge anderer Chancen haben. Der Klügere gibt zuerst nach. Kränkungen und Konfliktsituationen gilt es loszulassen, um vorwärtszukommen. Und so weiter und so fort …

Mit einem Wort, nicht wenige intellektuelle Bemühungen des Homo sapiens sind darauf gerichtet, um die Auffassung unseres Lebens als Nullsummenspiel abzustumpfen. Und all diese Bemühungen werden hinfällig, wenn der Krieg beginnt.

Während des Krieges ist die Wechselwirkung von Gewinn und Verlust zu augenfällig.

Die Begrenztheit der Ressourcen, die ins Spiel einbezogen sind, ist zu offensichtlich. Und die gewohnten Argumente, die gegen ein Nullsummendenken gerichtet sind, legen ihre Haltlosigkeit zu sehr bloß.

Auf den ukrainisch-russischen Konflikt angewandt, wirkt das sprichwörtliche positive Denken wie eine Verhöhnung.

„Die nationale Souveränität ist groß. Sie reicht für alle! Wenn ein Teil der ukrainischen Souveränität an den Kreml abgetreten wird, soll das nicht zu eurem Schaden sein.“

„Die Russen haben die Krim weggenommen? Versteift Euch nicht darauf! Das bedeutet, dass sie diese Krim mehr als anderes brauchten. Doch Euch bleiben noch so viele andere Krim!“

„Ukrainische Leben und Schicksale gingen während des Hybridkrieges mit Russland verloren und wurden zerstört? Es lohnt sich nicht, sich daran festzuhalten. Lasst die Situation frei und geht weiter!“

Krieg ist wie ein Lackmustest, legt Widersprüche frei, die unter gewöhnlichen Bedingungen nicht so bemerkbar sind.

Krieg erlaubt es nicht sich vor der unbarmherzigen Abhängigkeit zwischen fremden Gewinn und dem eigenen Verlust zu verstecken. Doch, was noch wichtiger ist, akkumuliert der Krieg Gedanken und Gefühle der Vielzahl der Verlierer, diesen eine komplett neue Qualität gebend.

Im Alltagsleben verwandelt sich Nullsummendenken sehr oft in soziale Isolation. Ein im Konkurrenzkampf verlierender ist ein kraftloser und verächtlicher Loser.

Ein pikierter und in aller Öffentlichkeit davon redender ist ein Verlierer, den kaum einer hören will.

Einer, der jemandem die eigenen Probleme anlastet, ist ein verbitterter Querulant und Misanthrop, der wohlhabendere Individuen von sich abstößt.

Doch hunderttausende Verlierer im Laufe eines Krieges sind eine mächtige Kraft.

Hunderttausende Beleidigte, die darüber öffentlich reden sind eine entrüstete Gesellschaft.

Hunderttausende, die dem Feind die eigene Not anlasten, sind der Keim einer politischen Nation.

Und eine sich formende Nation kann kaum davon überzeugt werden, dass der ukrainisch-russische Konflikt plötzlich aufhört, ein Nullsummenspiel zu sein. Und dass ein Frieden zu Bedingungen, die Moskau zufriedenstellen, keine Niederlage für Kiew ist.

2. November 2019 // Michail Dubinjanskij

Quelle: Ukrainskaja Prawda

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 959

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Facebook, Google News, Telegram, Twitter, VK, RSS und per Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 5.0/7 (bei 1 abgegebenen Bewertung)

Kommentare

Neueste Beiträge

Aktuelle Umfrage

Wie endet der russische Angriffskrieg in der Ukraine?
Interview

zum Ergebnis
Frühere Umfragen
Kiewer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)19 °C  Ushhorod16 °C  
Lwiw (Lemberg)16 °C  Iwano-Frankiwsk15 °C  
Rachiw15 °C  Jassinja14 °C  
Ternopil14 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)14 °C  
Luzk16 °C  Riwne15 °C  
Chmelnyzkyj15 °C  Winnyzja17 °C  
Schytomyr15 °C  Tschernihiw (Tschernigow)16 °C  
Tscherkassy22 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)22 °C  
Poltawa22 °C  Sumy21 °C  
Odessa27 °C  Mykolajiw (Nikolajew)26 °C  
Cherson25 °C  Charkiw (Charkow)23 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)24 °C  Saporischschja (Saporoschje)25 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)23 °C  Donezk27 °C  
Luhansk (Lugansk)24 °C  Simferopol20 °C  
Sewastopol25 °C  Jalta25 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Verstehe den Sinn nicht das FZ in UA anzumelden. Das drumherum kann doch kaum die daraus entsehenden Unkosten aufwiegen welche möglicherweise über Beiträge spart. Davon abgesehen ob das überhaupt möglich...“

„Ich frage mich am Ende nur, kennt Deine Frau nicht irgendjemand in Ghana, der bereits mit EU Autos handelt und die Sachlage kennt, denn am Ende willst Du ja mit Deinem Fahrzeug in Ghana ankommen. Oder...“

„Kurz und knapp, schau Dir mal nochmals meine Fragen an... unter anderem, willst Du das KFZ in die Ukraine einführen, dafür Zoll bezahlen, hier sprechen wir nicht von Centbeträgen! Anschließend kannst...“

„Eigentlich will ich mich auf diese Diskussion nicht einlassen, ob man auch andere Themata eröffnen soll/darf, außer Putin's Krieg! Dieser Krieg hat, wie bereits angemerkt auch verheerende Folgen in Afrika...“

„Und falls Du meine vorherige Aussage nicht einordnen kannst, in der Ukraine ist Krieg, da wartet ganz bestimmt keiner auf Dich mit Deinem Autoproblem.“

„ADAC BINDET SICH AN DIE PERSON NICHT AN DAS FAHRZEUG, einfach mal beim ADAC fragen.“

„Lieber OCB, dies ist ein Forum über die Ukraine und nicht über Ghana. Kurz gefasst auch kein Versicherungsvermittlungsbüro. Schon daran gedacht, dass das Fahrzeug ukrainische Fahrzeugpapiere braucht?...“

„Hallo, ich habe hier einen Mercedes Vaneo, mit dem ich von D nach Ghana fahren möchte ... Hintergrund ist, dass wir, meine Frau (Fahranfängerin) und ich in Accra einen Damensalon eröffnen und meine...“

„Bei aller Emotionalität: Man darf jetzt nicht den Fehler machen Putins Rußland mit der späten Sowjetunion gleichsetzen zu wollen. Putin hat gerade im militärischen Bereich die Gunst des Technologietransfers...“

„Flugzeugträger sind militärisch weitgehend überholt, aber ich habe das Thema ja auch nicht aufgebracht. Und ja, ich selbst war in beiden genannten Orten schon zu Sowjetzeiten und weiß daß die Russen...“

„Dieses Thema hat Putin aufgebracht, aber ohne Zeitplan und vor allem nach dem Sieg Russlands! Die Flugzeugträger waren schon vor dem Krieg in der Ukraine in Planung, aber durch die eigene wirtschaftliche...“

„Flugzeugträger sind militärisch weitgehend überholt, aber ich habe das Thema ja auch nicht aufgebracht. Und ja, ich selbst war in beiden genannten Orten schon zu Sowjetzeiten und weiß daß die Russen...“

„Was sollte ein Flugzeugträger dort auch bringen? Die Russen haben genug Landebahnen in Reichweite der Ukraine bzw. auch in der Ukraine, grundsätzlich gibt es ja auch keinen Mangel an Fluggeräten, macht...“

„...womit wir wieder beim Thema wären: Was ist so unwahrscheinlich an dem Gedanken daß Rußland so einen Träger direkt auf der Krim baut ? Werftkapazitäten dürfte es in Sewastopol oder Kertsch genug...“

„...womit wir wieder beim Thema wären: Was ist so unwahrscheinlich an dem Gedanken daß Rußland so einen Träger direkt auf der Krim baut ? Werftkapazitäten dürfte es in Sewastopol oder Kertsch genug...“

„Flugzeugträger müssten den Bosporus passieren oder in einer Werft im Schwsrzen Meer, wenn es so was gibt. Ich sage mal 0% Wahrscheinlichkeit, Propaganda.“

„Die Krim soll nach Putin noch mehr militarisiert werden. Man plant Flugzeugträger dorthin zu bringen, aber so weit wird es wahrscheinlich nicht kommen! Die Krim ist Russland wichtiger als der Donbass....“

„Das wird ein schlimmer Krieg dort sein, denn Russland will die Krim noch mehr als Marinestützpunkt ausbauen, deshalb zeihen sich dort schon russische Truppen zusammen.Selinky fangt das schon klug an,...“

„Na ja, Poroschenko hatte wohl mehr Zeit das zu richten, eine komplette Amtszeit. Die grösste Armee in Europa, gemessen an der Zahl der Soldaten. Waffen wären dringend notwendig gewesen, wenn das Geld...“

„Brothers in Arms sind sozusagen Poroschenkos Leute - "alte Militärs" welche seit 2014 in der Ostukraine gekämpft haben. Die werfen auch Selenskyj vor das es viel zu wenig Vorbereitung auf den sich abzeichnenden...“

„Warum wird das nun gerade von einem Ex-Präsidenten verkündet ?“

„Da gäbe es andere Möglichkeiten. Minensucher in einem Minengebiet oder Kanonenfutter beim Versuch seine Freunde zu treffen!“

„Wo sollen sie sich zurückziehen, wenn es keine Brücken mehr gibt? Wenn sie klug sind, ergeben sie sich, aber wahrscheinlich hören sie nur, dass sich russische Truppen aus dem Osten sich nähern und...“