
Am 16. Januar trat eine weitere Norm des Gesetzes „Zur Gewährleistung des Funktionierens der ukrainischen Sprache als Staatssprache“ in Kraft.
Das hat eine neue Diskussion um die alten Fragen zur Folge, die in der Ukraine bereits dreißig Jahre diskutiert werden.
Können Ukrainisch, Russisch und der Surschik [Mischsprache aus Ukrainisch und Russisch] in einem Land existieren? Wie radikal sollte der Kurs auf die Ukrainisierung sein und mit welchen positiven und negativen Effekten geht er einher?
Wird die zukünftige Ukraine Züge eines klassischen Nationalstaates erlangen – eines einsprachigen und monokulturellen?
Möglicherweise muss damit begonnen werden, dass die Sprache im Verlaufe von 30 Jahren Unabhängigkeit nicht die politische Rolle gespielt hat, die ihr die engagierte Intelligenz zugesprochen hat.
Welche Leidenschaften in der Ukraine auch entfacht wurden, welche Spaltungslinien unser Land auch geteilt haben mögen, war die Sprachzugehörigkeit niemals die Hauptlinie.
Es existierte keine harte Bindung der politischen Position an die Sprache. Sprecher des Ukrainischen, Russischen und des Surschiks waren auf beiden Maidanen und bei der Antiterroroperation [Bezeichnung für den Militäreinsatz in der Ostukraine zwischen 2014 und 2018, A.d.Ü.] dabei.
Sprecher verschiedener Sprachen wählten [die Präsidenten] Krawtschuk und Kutschma, Poroschenko und Selenski.
Sprecher verschiedener Sprachen waren in der Wählerschaft der führenden Parlamentskräfte: von Nascha Ukraina [Nascha Ukrajina/Unsere Ukraine] und Batkiwschtschina [Batkiwschtschyna/Vaterland] bis Sluga Naroda [Sluha Narodu/Diener des Volkes].
Eine totale Segregation nach der Sprachzugehörigkeit war nicht einmal dann der Fall, als das Politikum danach strebte.
Ukrainischsprachige Konformisten konnten die regierende Partei der Regionen [Regierungspartei unter Präsident Wiktor Janukowytsch, A.d.Ü.] unterstützen und russischsprachige Nationalisten brachten es fertig für Swoboda [Freiheit, ukrainische Neonazipartei, A.d.Ü.] zu stimmen.
Obgleich wir uns keiner kulturell-sprachlicher Homogenität rühmen können, war und bleibt unser politischer Raum ein gemeinsamer.
Natürliche Hindernisse auf dem Weg zur Bildung einer politischen Nation gab und gibt es nicht. Und das unterscheidet die Ukraine von vielen anderen Ländern mit gemischter Bevölkerung.
Sagen wir, das offiziell zweisprachige Belgien ist ein Muster für einen Staat, der tatsächlich durch die Sprache geteilt ist. Ein Staat, dessen Binnenpolitik sehr stark an den ethnolinguistischen Faktor gebunden ist. Von der Sache her gibt es dort ein einheitliches Politikfeld einfach nicht.
Französischsprachige stimmen nicht für die Nieuw-Vlaamse Alliantie oder den Vlaams Belang. Die Flamen stimmen nicht für das Mouvement Réformateur und das Centre Démocrate Humaniste
Die Frankophonen, die von ökologischen Probleme bewegt werden, unterstützen Ecolo. Flamen mit den gleichen Sorgen unterstützen Groen. Die Frankophonen haben ihre sozialistische Partei und die Flamen ihre, die Spaltung fand bereits Ende der 1970er statt.
Und Politiker, die sowohl um die flämischen als auch um die französischsprachigen Wähler kämpfen, sind für Belgien eine seltene Ausnahme.
Es scheint so, als ob die segregierte belgische Gesellschaft als abschreckendes Beispiel für Zweisprachigkeit und als Argument für eine forcierte Ukrainisierung dienen könnte.
Doch, Ironie des Schicksals, ein ähnliches Bild bietet auch ein Land, das unsere Nationalpatrioten oft als Beispiel anbringen: Lettland.
Im Bewusstsein vieler von uns hat sich die Situation von Anfang der 1990er konserviert, als die Norm über die Nichtbürger es erlaubte faktisch die russischsprachige Bevölkerung aus dem lettischen politischen Leben auszuschließen.
Jedoch sind seitdem drei Jahrzehnte vergangen und die Mehrheit der ehemaligen Nichtbürger und ihre Nachkommen sind bereits seit langem gleichwertige Bürger Lettlands.
Sie beherrschen fließend das Lettische, nutzen die Staatssprache in den gesetzlich ausbedungenen Fällen, doch dabei – Überraschung – setzen sie damit fort sich als Russischsprachige zu identifizieren.
Und, was wichtig ist, verbinden sie ihre politische Wahl mit der sprachlichen Zugehörigkeit.
Von der Sache her ist das Land in zwei abgegrenzte ethnolinguistische Ghettos geteilt. Bereits zehn Jahre führt bei den Wahlen zum lettischen Saeima unverändert die Partei Soglassije [Harmonie], für welche die Letten nicht stimmen.
Diese politische Kraft wird als gemäßigt angesehen: radikalere Russischsprecher wählen die Russische Union Lettlands.
Die Letten haben ihrerseits ihre eigenes Parteien-Set, für das die Russischsprechenden nicht stimmen: von der radikalen Nationalen Vereinigung bis zu gemäßigteren Varianten – Neue Einigkeit, Neue konservative Partei, Union der Grünen und Bauern.
Und Politiker, die sowohl um Letten als auch Russischsprachige werben sind für Lettland eine seltene Ausnahme.
Der lettische Fall widerlegt den populären Gedanken darüber, dass eine harte humanitäre Regierungspolitik der Schlüssel zu sprachlicher und kultureller Homogenität sei. So war es in alten Zeiten, doch im 21. Jahrhundert ist alles anders: Die Informationsrevolution hat alle Spielregeln geändert.
Die Sphären, die der staatlichen Kontrolle unterliegen – der bürokratische Apparat, die Schule, Fernsehen, Printprodukte – sind bereits nicht mehr in der Lage eine vollwertige kulturell-sprachliche Assimilation zu gewährleisten.
Man kann die Lehre in die Staatssprache überführen, doch das Selbstverständnis der heranwachsenden Generation hängt wesentlich mehr vom Internet und den sozialen Netzwerken ab.
Man kann Quoten bei den Radiostationen einführen, doch dabei findet sich in den Top-10 von YouTube nicht ein Lied in der Staatssprache.
Man kann die Produktion von russischsprachigen Inhalten in der Ukraine einschränken, doch das hindert nicht daran den Inhalt zu konsumieren, der in der Russischen Föderation hergestellt wurde.
Unser Zeitgenosse ist frei sich im gewünschten Kulturraum unabhängig vom Aufenthaltsland und dessen Gesetzen zu befinden und derartiges findet zum ersten Mal in der Geschichte statt.
Die neue Informationsrealität hat faktisch die Erfahrung der Nationalstaaten der Vergangenheit entwertet.
Die Instrumente, die es in der Vergangenheit erlaubten die Mitbürger zu assimilieren, haben nicht mehr den gleichen Effekt. Das heißt jedoch nicht, dass sie keinerlei Effekt haben.
Der Staat ist wie gehabt in der Lage, die Nutzung der Sprache in bestimmten Bereichen zu reglementieren: Jedoch kann er diese Sprache nicht in jede Familie bringen.
Der Staat ist fähig die Sprache zu einem wichtigen politischen Symbol zu machen: Jedoch wird das Symbol kein allgemeines werden.
Durch hartes und radikales Handeln ist der Staat in der Lage die sprachliche Zugehörigkeit an erster Stelle zu setzen: Im Ergebnis erweist sich jedoch die Bevölkerung in verschiedenen Ecken.
Also besteht die Frage nicht darin, ob die Ukraine heterogen bleibt und ob Millionen unserer Mitbürger russisch sprechen und russischsprachige Inhalte konsumieren werden.
Es ist klar, dass sie es werden. Dabei werden sie es in jedem Fall, egal welchen Kurs der Staat in dem Bereich auch verfolgen mag.
Die Intrige besteht in etwas anderem: Wird sich die Rolle der Sprache als politischem Marker verändern? Und hier sind wirklich Varianten möglich.
Entweder bleibt in der Ukraine das bisherige Modell bestehen, bei dem Sprecher verschiedener Sprachen ein und dieselben Projekte unterstützen, die im politischen Leben des Landes dominieren.
Oder die Ukraine nähert sich den Realitäten Belgiens und Lettlands an, in denen ein gemeinsames politisches Feld fehlt und die Bürger sich in einem kulturell-sprachlichen Ghetto mit der entsprechenden Wahl von Parteien und Politikern einschließen.
Hypothetisch ist die Ukraine, die dem zweiten Pfad folgt, nicht schwer vorstellbar. Auf der einen Seite die angenommene Oppositionsplattform für das Leben [Wahlverein um den Ex-Präsidialamtschef Wiktor Medwedtschuk, A.d.Ü.], die sich die Russischsprachigen untertan macht.
Auf der anderen Seite die angenommene Europäische Solidarität [Wahlverein von Ex-Präsident Petro Poroschenko, A.d.Ü.], die den Patriotismus untrennbar an die Ukrainischsprachigkeit bindet. Auf beiden Polen tauchen auch alternative Kräfte auf, die größere Radikalität oder Mäßigung beanspruchen.
Doch zwischen den beiden Polen ist Leere und gleichzeitig mit den Sprechern verschiedener Sprachen und Kulturen zu arbeiten, versucht beinahe niemand.
Was charakteristisch ist, dass diese politische Segregation sowohl Wiktor Medwedtschuk aus auch Pjotr Poroschenko und ihre möglichen Nachfolger komplett zufriedenstellen würde. Doch werden die übrigen 40 Millionen Bürger sich auf die Teilung des Landes in zwei Ghettos einlassen?
16. Januar 2021 // Michail Dubinjanski
Quelle: Ukrainskaja Prawda


Und wenn die Staatssprache staatliche Funktionen und / oder deren Aspekte betreffend "vorgeschrieben" ist, ist sie auch noch Amtssprache. In den allermeisten Ländern völlig deckungsgleich, weshalb beide Begriffe gern synonym verwendet werden. Wie auch offenbar in der ganzen Diskussion hier.
Moment. Eine Staatssprache ist immer in Gesetz gegossen. Das liegt in der Natur der Sache. Und "vorgeschrieben" ist sie immer da, wo staatliche Funktionen oder deren Aspekte betroffen sind. Das ist in jedem Land der Welt so.
Auf die Idee sind schon andere vor Dir gekommen
Schau einfach mal in den verschiedenen Wikipedia-Artikeln zum Thema (am besten die Varianten in den verschiedenen Sprachen alle mal querlesen), da findest Du eine Menge Material dazu.
Ich entscheide das auch nicht, sondern habe Dir von Fakten berichtet, die ich ja schließlich auch irgendwo her habe.
Du wirst, solange Du nur russisch sprichst, fast überall russische Antworten bekommen. Und wenn Du in die Städte gehst, wirst Du vor allem russisch hören. Aber ob das wirklich die Muttersprache der Leute ist, wirst du so nicht erfahren (selbst wenn Du es vielleicht automatisch erst mal annimmst).
Ich werde in Kyiv auch überall erst mal auf russisch angesprochen. Ich verstehe das, bin aber in ukrainisch viel flüssiger. Wenn ich dann auf ukrainisch antworte, sehe ich an Gesichtsausdruck und Akzent, den ich dann höre, sehr schnell, ob der andere aus Höflichkeit die Sprache wechselt oder in seine Muttersprache. Gerade in der Zentralukraine, wo ja Kyiv liegt, fällt da meine persönliche Statistik ziemlich klar aus.
Was die "sprachliche Einschränkung" betrifft, existiert die in der Ukraine aber schon lange, nämlich zugunsten der russischen Sprache, die, obwohl die meisten Sprecher ukrainische Muttersprachler sind, immer noch in vielen Lebensbereichen quasi per Konvention "gesetzt" ist.
Du hast in Deinen bisherigen Beiträgen von Russischsprechern stets gesprochen, als seien die alle Muttersprachler. Und das ist nicht richtig. Der Grund dafür liegt in der Geschichte; wie Teile der Ukraine - vor allem im Rahmen der Urbanisierung - russifiziert wurden. Das Resultat ist sehr komplex.
Meine Erfahrung ist, dass gerade Menschen, die vorwiegend russisch sprechen, das gar nicht wahrnehmen. Wenn Du in Kyiv mit den Leuten russisch redest, hast Du gar keinen Grund, darüber nachzudenken, warum die alle russisch reden. Tatsächlich, das merkst Du erst, wenn Du die Sprache wechselst, ist eben ein großer Teil der menschen eigentlich ukrainischsprachig, hält sich aber an die üblichen Konventionen in der Stadt. Das habe ich weiter oben ja an Beispielen ausgeführt.
Das wäre aus meiner Sicht eine schlechte Idee. Nicht weil ich eine stärkere europäische Bindung ablehne (das Gegenteil ist der Fall), sondern weil die Sprache eben auch ein Spiegel der Mentalität und Kultur von Menschen ist, wodurch sich in ihrem Gebrauch auch unterschiedliche Schwerpunkte manifestieren. Ich habe selber einige Jahre in England gelebt und kennengelernt, wie fremd uns die englische Sprache doch eigentlich ist, wenn man sie eben nicht als Not-Kommunikationsmittel verwendet. Langer Rede kurzer Sinn: ich glaube, in einem stärker geeinten Europa sollten all die Sprachen ihren Platz behalten.
Das aber nur am Rand.
In Osteuropa erleben wir, dass die Staatlichkeit und die staatliche Unabhängigkeit viel wichtiger genommen wird als bei uns. Und auch das hat wieder seine Wurzeln in der Geschichte, vor allem in Ländern, die früher Teil eines Imperiums (in diesem Fall: des russischen Reichs und später der Sowjetunion) waren. In ferner Zukunft wird man da vielleicht auch bereit sein, davon wieder etwas aufzugeben, aber aktuell fehlt dafür schlicht das Vertrauen. Das ist schade, muss man aber hinnehmen.
Das hast Du bisher nicht überzeugend begründen können.
Die Gesellschaft ist sich einig wie schon viele Jahre nicht mehr. Alle Ukrainer sind mindestens zweisprachig (so groß sind die Unterschiede zwischen ukrainisch und russisch auch niciht), und die Mehrheit, die in der Ukraine gegen eine zweige Staatssprache ist, befürchtet aus meiner Sicht zu recht, dass das die ukrainisch sprechende Bevölkerungsmehrheit benachteiligende Folgen haben würde, wie etwa, dass "der Einfachheit halber" wieder Medien, Druckerzeugnisse etc. nur noch auf russisch produziert werden, dass diese blödsinnige Situation, dass ukrainische Muttersprachler in den Städten miteinander russisch reden "müssen" (faktisch müssen sie das wirklich, weil es "immer schon" so war), sonst nie aufhört.
Ich gebe Dir recht. Allerdings möchte ich zu meiner Verteidigung hier anführen, dass Du eigentlich erst im Verlauf der Diskussion angefangen hast, auf Argumente anderer einzugehen. Und auf das Heraushauen einfach nur irgendwelcher Überzeugungs-Phrasen (was vor allem bei Sotnja zu beobachten war) reagiere ich halt bissig.
Du hast meine Geschichtskenntnisse bemängelt und damit hast Du das im vorherigen Kontext "behauptet", so verstehe ich das.
Ich denke, Dein Vorschlag in Deutschland die Englisch als Staatssprache einzusetzen, halte ich für etwas zu innovativ! Allerdings betrachte ich das nicht nur aus oder mit einer deutschen Brille, in einem geeinten Europa werden wir wohl an der englischen Sprache nicht vorbeikommen und sie wird wohl in Zukunft noch dominanter werden. Das ist nicht schlimm und auch in diesem Fall wäre ich gegen ein "europäische" STAATSsprache.
Im Gegenteil zu Dir sehe ich derzeit Probleme mit einer ukrainischen Staatssprache und das wird sich auch nicht so schnell "auswachsen" (kommende Generationen) und ich sehe hier nicht nur rein akademisches Problem, die Diskussion war SPALTET die Staatsprache die Gesellschaft , ich meine ja! Der Artikel bezieht sich ja auf die politische und gesellschaftliche Situation und wie nun die Staatssprache Ukrainisch dazu zu bewerten muss.
Und nun nochmals, Sakrasmus ist einer sachlichen Diskussion nicht förderlich und Sarkasmus hilft Dir auch nicht argumentativ mir Deine Meinung näher zu bringen...und das sollte doch mal grundsätzlich unser Anliegen sein, wenn wir uns einem Thema zuwenden und darüber diskutieren.
Die Staatssprache ist ein rein akademisches Thema. Interessant für die Menschen ist, wie man miteinander umgeht. Und da sehe ich schon viele Jahre keine Probleme mehr. Man wechselt halt, je nachdem, wie es am bequemsten ist.
Nein. Im Gegenteil. Ich bin weiter oben ausführlich darauf eingegangen, wie die heutige Sprachsituation in der Ukraine zustande gekommen ist und wie heute in der Praxis damit umgegangen wird - worauf nur bisher keiner eingegangen ist.
Dann solltest Du mal zu dem Thema recherchieren.
Nein. Das mag noch Anfang des Jahrtausends so gewesen sein, wobei auch da die Unterscheidung zwischen Muttersprache und überwiegend gesprochener Sprache notwendig ist, die Du offenbar nicht triffst.
Wenn jemand zu hause ukrainisch spricht, aber bei der Arbeit und in der Öffentlichkeit russisch, wird er auf Anfrage wahrheitsgemäß sagen, dass er überwiegend russisch spricht. Nun die Preisfrage: welche Sprache ist dann seine Sprache?
Habe ich etwas anderes behauptet?
Kein Problem für die Schweiz. Die Ukraine hat eine andere Geschichte und eine andere gesellschaftliche Situation.
Allein die Demographie ist schon nicht vergleichbar, weil du keine geographische Abgrenzung von "Sprachgebieten" hinbekommen wirst, wie sie in der Schweiz gegeben ist: beispielsweise sind ungarische und rumänische Muttersprachler selbst in "ihren" Regionen zumeist Minderheiten, und die großen Städte mit ihrer Dominanz des Russischen befinden sich praktisch alle in Gebieten mit großer Ausdehung, in denen vorwiegend ukrainisch gesprochen wird.
Siehst Du, warum der Vegleich zur Schweiz einfach unpassend ist?
Wenn Du so argumentierst, könntest Du auch sagen, dass wir in Deutschland als Staatssprache Englisch einführen sollten, denn das können ja schließlich mehr Leute als Deutsch.
Oder vielleicht sollten die Niederländer Deutsch wählen, denn schließlich können die meisten ja auch Deutsch, und es ist doch verbreiteter als Niederländisch?
Die meisten Ukrainer stehen voll und ganz hinter der Entscheidung, nur eine Staatssprache zu haben. Und die sind es, die es am Ende entscheiden müssen.
Immerhin eine mehr als ich vermutet habe. Die Ukrainer können beide Sprachen. Der Schmerzdruck, zwischen der einen und der anderen zu wechseln ist nicht vorhanden. Es gibt keine Notwendigkeit, eine zweite Staatssprache einzuführen, weil die eine in der Praxis zu keinen Problemen führt.
Am Ende entscheidet es die Mehrheit in einer Demokratie. Ich kenne Deine Freundin nicht, aber ich kenne kaum Ukrainer, egal ob sie zu hause russisch oder ukrainisch sprechen, die sich überhaupt damit beschäftigen, ob das Land noch andere Staatssprachen haben soll.
Die Geschichte der Ukraine ist vielfältig und interessant und aus dieser kann ich nicht ableiten, dass dort die Identitätsfindung über die SPRACHE gefunden und definiert wird und wurde, da liegst Du aber mal zu 100% falsch. Studiere Du einmal die Geschichte!
Du führst eine politische Diskussion und missbrauchst die Sprache als deren Instrument, ich kann nicht erkennen, das eine Mehrheit eine ausschließliche ukrainische Staatssprache möchte, die überwiegende Mehrheit spricht ja wohl Russisch! Die ukrainische Sprache stiftet nicht alleine eine Identität, es gehört viel mehr dazu, siehe meine Ausführungen.
Die Schweiz hat bereits eine sprachliche Geschichte, ich kann nicht erkennen,...
Wo ist da der Widerspruch? Die Ukraine hat eine riesige sprachliche Vielfalt: Ukrainisch, Russisch, Ungarisch, Rumänisch, Polnisch, Armenisch, Jiddisch.
Dennoch hat das Land eine Staatssprache, was auch von einer überwältigenden Mehrheit in der Gesellschaft genau so gewünscht ist. Wo ist also das Problem?
Dann halt mal von Deinem Wolkenkuckucksheim in Deutschland aus dagegen, viel Spaß!
Entschuldige, wenn ich hier etwas sarkastisch werde, aber Du gehst überhaupt nicht auf die Frage ein, ob (a) in der Ukraine Sprachen wirklich diskriminiert werden - Du bist auf die Beiträge dazu überhaupt nicht eingegangen, dann ob (b) Deine Vorstellungen überhaupt dem Willen der Menschen dort entsprechen und (c) welchen historischen und gesellschaftlichen Kontext die ganzen Sprachen in der Ukraine haben, wovon letztlich abhängt, mit welchen Ländern der Welt die Ukraine überhaupt vergleichbar ist.
Meine Güte, es wird ja immer schlimmer. Hast Du Dich überhaupt mal mit der Geschichte der Ukraine und der der Schweiz beschäftigt?
So, jetzt kommen wir langsam zum Thema. Deine Freundin ist ein gutes Beispiel für die eine Sprachpraxis in der Ukraine. Gerade in Kyiv wird nach wie vor mehr russisch als ukrainisch gesprochen - obwohl die Mehrheit der Menschen dort ukrainische Muttersprachler sind. Genau dieses Phäomen kommt in all Deiner Theorie nicht vor.
Klingt gut, hat aber mit dem Thema nichts zu tun.
Wie viele Jahre kennst Du die Ukraine? Meine Vermutung: ein halbes, maximal ein Jahr. Nimm es mir nicht übel, aber statt Dir aus den oberflächlichen Eindrücken, die Du bisher hast sammeln können, gleich eine Meinung zu bilden und die dann auch noch lauthals verkünden zu wollen, wäre es wirklich angebracht, Land und Leute noch ein bisschen besser kennenzulernen. Sprichst Du selber eine der beiden Sprachen?
Es wird ja sicherlich genau wie in D unzähliche Dialekte geben.
Bekannte in der Westukraine sprechen auch Russisch. Aber gebürtig sind sie halt nicht von dort sondern Russland/Georgien.
Dem Sohn fiel es nicht leicht dann im Job mit Ukrainisch.
ich war letztes Jahr kurz dort da war nur seine neue Freundin aus Dnipro da.
Als sie angefangen hat su sprechen dachte ich "falle vom Glauben ab"
Die hat wirklich sozusagen glockenreines Russisch wie ich es mal in der Schule gelernt habe gesprochen.
habe ich sonst in der Ukraine nicht so oft erlebt.
Südtirol ist ein Beispiel dafür, was passiert wenn man mit "Gewalt" und Verbot agiert, die Menschen sprechen heute noch Ihre deutsche Sprache, warum? Es entspricht Ihrer Kultur und vor allem ihrem Wunsch es tun. Ich denke, den Politikern in der Ukraine wird das auch noch aufgehen, schändlich finde ich es, wenn sie das jetzt schon wissen und trotzdem diese Entwicklung vorantreiben... , aber ich glaube das wird sich noch anderweitig regeln und in einer Demokratie lässt sich das auch auflösen. Ich sage nicht, dass dies ein einfacher Weg ist und wird, aber man muss dagegen halten.
Die Schweiz finde ich als Beispiel gut gewählt, in der Schweiz gibt es 4 Amtssprachen und somit vom Staat eine akzeptierte und dadurch geförderte Sprachenvielfalt. So weit ich das beurteilen kann, ergeben sich daraus für das Staatswesen und die Identität als Schweizer keine schwerwiegende Probleme und in Genf wird französisch gesprochen, Deutsch... zero, spricht man halt Englisch als Tourist.
@sotnja, ich denke, die Diskussion sachlich führen und die Emotionen zurückhalten, ich weiß das ist schwierig, aber aus der Ferne und in Ruhe betrachtet, für mich gibt es keinen Grund die russische Sprache in der Ukraine nicht als gleichberechtigte Sprache anzuerkennen, ich sehe dadurch nur Nachteile wenn man es nicht tut. Vielmehr die Vielfalt fördern und damit eine gemeinsame Identität stiften, die nicht durch eine "Sprachbarriere" untergraben wird.
Meine heutige Lebensgefährtin wohnt in Kiew, sie ist -->Ukrainerin<-- und spricht den ganzen Tag und ausschließlich RUSSISCH, was sie nicht daran hindert mit Überzeugung und Leidenschaft Ukrainerin zu sein. Die Sprache ist nicht entscheidend, sondern die persönliche innere Überzeugung, die vielfältigen Dinge im Leben die sie prägen und zu dem machen was sie ist, eine Ukrainerin.
Mein Fazit also, man sollte die Sprache nicht verhindern, man sollte sie akzeptieren und weiter nach den Gemeinsamkeiten suchen und dadurch eine sinnstiftende Identität als Ukrainer-/Ukrainerin zu fördern. Aber ALLE müssen mitmachen, dann steht der Ukraine, den Menschen, noch eine goldene Zukunft bevor.
Am besten liest Du einfach noch mal in Ruhe die Diskussion, und statt hier Phrasen zu dreschen, versucht Du einfach mal mit Argumenten (!) auf konkrete Aussagen aus dem Thread zu antworten. Schönen Samstag noch.
Dass dieser Effekt im Süden, Osten und Zentralosten stärker ist als im Rest, ist richtig, ändert aber nichts an der Tatsache. Ich habe letztes Jahr für meine Sportseite ein Interview mit dem damaligen Trainer von Karpaty Lviv, Roman Sanzhar, gemacht, der aus dem Donetsker Gebiet stammt. Der erklärte folgendes: Quelle: Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ...
Er gab mir das Interview in russisch, weil er, seit er nicht mehr auf dem Dorf lebt, praktisch kein ukrainisch mehr gesprochen und sein Fachvokabular als Fußballtrainer eben auch in russisch gelernt hatte.
Ähnliches erzählt übrigens auch der Schriftsteller Serhij Zhadan, der auch aus dem Donbass stammt. Er hat sich als Erwachsener dann entschieden, sich wieder neu zu "ukrainisieren".
Ich selber sehe das neue Sprachgesetz auch kritisch, aber ich verstehe auch, warum viele Menschen dafür eine Notwendigkeit sehen (es ist ja nicht so, dass es im Land besonders umstritten wäre). Kritisch sehe ich es, weil Zuckerbrot immer wirksamer ist als Peitsche, also das Schaffen von Anreizen am Ende eine weit bessere Idee wäre.
Ich verstehe aber auch den Schmerzdruck, der zu solchen Regelungen führt. Ich will mich nicht wiederholen, ich habe oben ja schon geschrieben, welche Wirkung die Russifizierung hatte. Ein Problem, das die Ukraine bereits zu Anfang hatte, war, dass es praktisch keine ukrainischsprachigen Medienerzeugnisse gab, weil - kaufmännisch vernünftig - "global" gedacht wurde: wozu eine ukrainische Version einees Buchs produzieren, wenn alle das russisch lesen können und man es so auch im Ausland verkaufen kann? Hinzu kommt, dass ukrainisch systematisch als "Dorfsprache" abgewertet wurde. Es gab lange die Situation, dass man in der Ukraine an der Mehrzahl der Universitäten nicht auf ukrainisch studieren konnte.
Die russische Sprache hat im Alltag immer noch einen viel höheren Anteil, als sie in der Ukraine Muttersprachler hat. Dieses Ungleichgewicht loszuwerden, ist durchaus Aufgabe der Politik. Man muss sehen, wie das gehen soll.
Eine Gleichberechtigung der Sprachen wäre bereits demographisch reiner Unsinn. Regionale Regelungen waren in der Vergangenheit eher ein Vehikel, um im Osten und Süden den Leuten das Lernen der ukrainischen Sprache zu "ersparen" (was wieder hieß, dass die ukrainischsprachige Bevölkerung in diesen Gebieten benachteiligt war).
Wie gesagt, ich persönlich würde eine Politik, die auf Anreizen beruht, bevorzugen. Leider fehlt dafür aktuell in der Ukraine immer noch die politische Kultur. Man ist es gewöhnt, mit Zwang zu regieren, und das wird man so bald auch nicht aus den Köpfen herauskriegen.
Es gibt diese alte Konvention, dass in den Städten (bis auf Galizien und Volhynien) russisch geredet wird. Diese Konvention ist heute nicht mehr so dominant, weil der "Status" des Ukrainischen mittlerweile in der Gesellschaft höher ist, aber diese Änderung vollzieht sich sehr langsam.
Für einen Außenstehenden ist nur sehr schwer zu unterscheiden, ob sich Leute russisch unterhalten, weil das ihre Sprache ist oder weil sie es in der Stadt einfach so gewöhnt sind.
Wenn ich die letzten 20 Jahre Revue passieren lasse, muss ich sagen, dass in Kyiv mittlerweile deutlich mehr ukrainisch gesprochen wird, aber immer noch deutlich weniger als russisch. Ich erlebe aber auch gerade dort, wenn ich mit Leuten rede, dass, sobald ich ukrainisch antworte, sofort ins ukrainische gewechselt wird und mir dann meist nicht gelerntes ukrainisch, sondern das typische, zentralukrainische, das man auf dem Dorf spricht, entgegentönt. Das spricht dafür, dass nach wie vor in der Stadt längst nicht alle, die zu hause ukrainisch sprechen, das auch dort benutzen.
In Kharkiv dürfte der Anteil derer kleiner sein, ich würde ihn aber auch nicht unterschätzen. Die Russifizierung ging ja stark mit der Urbanisierung einher. Selbst im Donbass wird auf dem Land noch eher ukrainisch als russisch gesprochen. Wer vom Land in die Stadt zieht, möchte nicht unbedingt als Dörfler erkannt werden, außerdem passt man sich einfach den Gepflogenheiten an.
Um es mal in Facebook zu sagen: it's complicated.
muss ihnen leider widersprechen. In Kiew und Charkow habe ich festgestellt, dass sich ca. 90% der Gesprächspartner, in russisch unterhalten haben.
Höflicherweise sprachen sie mit mir englisch. Sie wussten, dass ich weder die russische, noch die ukrainische Sprache verstehe.
In den meisten Verwaltungen in der Ukraine, sind die Englischkenntnisse der Angestellten mangelhaft.(Altersgruppe 30-50 Jahre)
Da in meinem Bekanntenkreis die Ukrainer/innen perfekt russisch, und nur teilweise ukrainisch sprechen, lerne ich in Deutschland russisch.
Dann kann ich mich ohne Probleme, mit ca. 300-400 Millionen Menschen in Europa und Asien unterhalten.
Englisch ist auch Geschäftssprache in der Ukraine. Dazu braucht es kein Russisch.
Ca. 150 Millionen Russen, die wie auch immer, Handelspartner der Ukraine sind, sprechen russisch. Da bedeutet, ca. 200 Millionen der gewünschten Handelspartner, sprechen russisch und verstehen die ukrainische Sprache nicht. Im Gegensatz dazu haben wir Deutsche offensichtlich gelernt, in der demokratischen EU, mit anderen Partnern umzugehen. Ca. 150 Millionen EU-Bürger, sprechen deutsch. Dennoch ist die 1. EU-Amtssprache englisch, obwohl nur ca. 60 Millionen EU-Bürger englisch sprechen. Die deutsche Entwicklung und Rolle in der EU beweist, dass man, auch ohne nationale Egoismen, wirtschaftlich
erfolgreich sein kann. Das müssen verschiedene Ukraine-Nationalisten erst noch verstehen....
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