FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

An der Schwelle zu einem Krieg

0 Kommentare

Ich vertraue niemandem. Weder Politikern, noch dem Internet, noch Nachbarn. Ich vertraue nur dem, was ich mit eigenen Augen sehe und mit eigenen Ohren höre. Selbst das kann täuschen. Aber es ist wenigstens ein Anhaltspunkt.

Ich fuhr mit dem Nachtzug nach Kiew, denn es war für mich wichtig, mit eigenen Augen zu sehen, was in Kiew los ist. Der Zug Sewastopol – Kiew. Aus Sewastopol fuhren überwiegend Frauen mit Kindern, alle mit großen Koffern. Man sah ihnen an, dass sie für lange verreisten. Sie stiegen in verschiedenen ukrainischen Städten aus. Die meisten sprachen Ukrainisch. Nachdem Sewastopol von „Unbekannten“ von der „Selbstverteidigung“ besetzt und die russische Fahne gehisst wurde, fühlen sich Menschen, die in Sewastopol leben und Ukrainisch sprechen, bedroht. Der Zug aus Sewastopol, voll von Frauen und Kindern, – das erinnerte an eine Evakuierung.

In Simferopol, wo ich dazu stieg, waren Schulen und Banken geschlossen. Das Stadtzentrum wurde von Menschen mit Maschinenpistolen blockiert. Auf den Dächern der Verwaltungsgebäude waren Maschinenpistolenschützen. Russland führte, wie üblich, „Militärmanöver“ in der Nähe der ukrainischen Grenze durch. Wenn das die „Selbstverteidigung“ war, so ist es mir überhaupt nicht klar, wer wen und gegen was „verteidigte“. Es gab keine Besetzer und Aggressoren, bis die „Unbekannten“ das Parlamentsgebäude der Krim besetzten und die russische Fahne dort hissten.

Einfache Leute in den Geschäften sprachen untereinander, dass die „Maidan-Menschen“ das Krim-Parlament besetzten und die russische Flagge „als Tarnung“ hissten. Interessant, glaubt immer noch jemand daran?

Jetzt bin ich in Kiew. Ich bin gekommen, um die schrecklichen Maidan-Menschen zu sehen. Hier gibt es keine Maschinenpistolenschützen. Leute laufen ruhig durch die Stadtmitte. Der Maidan ist voll von Blumen – die Menschen kommen von allen Seiten, bringen Sträuße und Totenlichter. Die Straßen sind sauber. Die Schaufenster sind unbeschädigt. Ich erkenne alle Plätze, die in den furchtbaren Maidan-Chroniken vorkamen. Jetzt ist hier eine riesige Gedenkstätte für die Getöteten. Es gibt hier keine Angst und keine Spannungen. Die Menschen weinen und umarmen sich. Und auch lächeln sie und bieten heißen Tee an. Hier verließen mich die Spannung und das Bedrohungsgefühl, mit denen ich die drei langen Monate gelebt hatte.

Als ich den Kiewer Hauptplatz verließ, riefen mich Freunde an und berichteten, dass geplant sei, russische Truppen auf die Krim zu schicken. Für mich allerdings war das keine Neuigkeit, denn sie waren ja SCHON auf der Krim. Als „Unbekannte“ getarnt hatten sie vor drei Tagen die Flughäfen und Regierungsgebäude der Krim besetzt. Dass der russische Präsident jetzt erklärte, er werde jemanden irgendwohin schicken, war eine verspätete Erklärung. Na ja, nach dem Motto: Wir haben die Truppen quasi eingeführt, und dann haben wir uns beraten, fragten einander und beschlossen, das offiziell zu tun. Die Einzigen, mit denen man sich darüber nicht beriet, waren die Einwohner der Krim. Ich zum Beispiel kenne keinen Freund und keinen Nachbar, der Russland so gerne hätte, um zu sagen „Wir wünschen, dass vor unserem Haus ein russischer Panzerwagen parkt“. Niemand hat sich Maschinenpistolenschützen auf dem Dach des Parlamentsgebäudes gewünscht. Niemand wollte ein gesperrtes und menschenleeres Stadtzentrum in Simferopol. Niemand auf der Krim will einen Krieg. Und wenn die Stadt durch Militär aus dem Nachbarland besetzt ist, das bedeutet doch Krieg, oder?

Bitte alle, die die Krim lieben und die die Russen auf der Krim lieben. Helfen Sie, diesen Gedanken allen Menschen näher zu bringen. Die Russen der Krim haben nicht darum gebeten, dass russisches Militär zu uns nach Hause kommt! Wir wurden nicht bedroht! Wir lebten ruhig und zufrieden! Wir erwarteten im Sommer Gäste aus der Ukraine und aus vielen anderen Ländern, denn die Krim ist eine Perle unseres Planeten.

Bürger Russlands, ihr zahlt Steuern und schickt eure Kinder in die Armee. Jetzt, mithilfe eurer Steuer und eurer Kinder, wird ein Krieg vorbereitet. Ein ungerechter Krieg, der niemanden hier schützen dafür die von euch geliebte Krim zerstören wird. In diesem Krieg wird niemand gewinnen. Ich weiß, dass ihr nicht imstande seid, das zu stoppen. Aber ihr müsst einfach wissen, was gerade passiert.

Im Moment stehen Russland und die Ukraine an der Schwelle eines Krieges. Der russische Präsident beriet sich mit seinem Parlament und beschloss, die Armee auf die Krim zu schicken. Völkerrechtlich heißt das „Invasionskrieg“. Ein Krieg. Ein Krieg bedeutet, dass getötet wird. Denn die Ukraine ist doch ein Land mit eigenem Heer, mit klar definierten Grenzen. Und sie ist verpflichtet, diese Grenzen zu verteidigen. In jedem bewaffneten Konflikt kommen Zivilisten ums Leben. Solange russische Truppen das Territorium der Krim offiziell nicht betreten haben, ist noch kein Krieg. Lassen wir uns alle mit aller Kraft zusammen beten, dass das nicht passiert.

01. März 2014 // Swetlana Panina

Quelle: Blogeintrag

Den täglichen oder wöchentlichen Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

Übersetzung: Olha Sydor

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 3.5/7 (bei 11 abgegebenen Bewertungen)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)13 °C  Ushhorod15 °C  
Lwiw (Lemberg)12 °C  Iwano-Frankiwsk12 °C  
Rachiw9 °C  Jassinja9 °C  
Ternopil12 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)13 °C  
Luzk13 °C  Riwne11 °C  
Chmelnyzkyj12 °C  Winnyzja13 °C  
Schytomyr11 °C  Tschernihiw (Tschernigow)12 °C  
Tscherkassy16 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)17 °C  
Poltawa17 °C  Sumy17 °C  
Odessa18 °C  Mykolajiw (Nikolajew)18 °C  
Cherson18 °C  Charkiw (Charkow)17 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)18 °C  Saporischschja (Saporoschje)19 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)18 °C  Donezk21 °C  
Luhansk (Lugansk)21 °C  Simferopol19 °C  
Sewastopol16 °C  Jalta18 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Ich habe mal sie Einreise in die UA (aus Polen), am Grenzübergang Uhryniw gemacht. Inzwischen 3 Mal am Freitagabend 21 Uhr MEZ. Nur zwei bis drei PKW, was schon gut ist. Aber der Hit ist, dort gibt es...“

„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“

„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?


„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“

„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?


„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“

„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.


„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“

Der Link zum Anbieter ist ja da.
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.
War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht" :-([smilie=dntknw.gif]

„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“