FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Tomasz Konicz: Ukrainischer Bezirk will 1943 formierte SS-Division »Galizien« offiziell rehabilitieren

0 Kommentare

Der ukrainische Geschichtsrevisionismus treibt immer abscheulichere Blüten. Der Rat des westukrainischen Bezirks Ternopil wandte sich am vergangenen Dienstag an den ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko mit offiziellen Antrag, die hauptsächlich aus ukrainischen Faschisten ab dem Juli 1943 formierte SS-Division »Galizien« zu rehabilitieren. Ab 1944 war diese faschistische Militäreinheit aktiv an deutschen Vernichtungsaktionen in Polen, der Ukraine, Belorußland, der Slowakei und Jugoslawien beteiligt, wo sie zahlreiche Massaker beging.

Die von der neofaschistischen Partei »Swoboda« getragene Initiative zielt darauf ab, die ukrainischen SS-Männer als »Kämpfer um die Freiheit der Ukraine« anzuerkennen, was gleichbedeutend mit der Anerkennung eines Veteranenstatus wäre. Die faschistischen Kräfte in der westlichen Ukraine fühlen sich gerade im Aufwind, konnte doch »Swoboda« am 15. März bei vorgezogenen Regionalwahlen in der Region Ternopil überraschend einen Erdrutschsieg verzeichnen und 35 Prozent aller Wählerstimmen auf sich vereinigen. Der Anführer dieser Gruppierung, Oleh Tjahnibok, ist ein alter Bekannter Juschtschenkos, da er bis 2004 in der Präsidentenpartei »Unsere Ukraine« tätig war und erst nach massiver antisemitischer Hetze aus dieser ausgeschlossen wurde.

Im westukrainischen Lwiw ging die nationalistische Stadtverwaltung Mitte April dazu über, die ukrainischen Kollaborateure Nazideutschlands auf Plakaten zu ehren, auf denen der SS-Division Galizien unterstellt wurde, die Ukraine „verteidigt“ zu haben. Bereits am 5. März hatten die Stadtoberen ein Denkmal für den Nazi-Kollaborateur und Führer der »Ukrainischen Aufstandsarmee« (UPA), Roman Schuchewitsch, aufstellen lassen, der im Juli 1941 an der Spitze des Kollaborateursbataillons »Nachtigall« das bestialische Pogrom an der jüdischen Bevölkerung Lwiws in Kooperation mit Wehrmachtseinheiten organisiert hatte. Im Oktober 2007 wurde Schuchewitsch auf Erlaß Juschtschenkos der Titel eines »Helden der Ukraine« zuerkannt. Die Chancen stehen somit nicht schlecht, daß auch die SS-Männer der Division »Galizien« von Juschtschenko als »Kämpfer um die Freiheit der Ukraine« anerkannt werden.

Im Antifaschismus hat der ukrainische Präsident unterdessen ein neues Feindbild gefunden. Nachdem sich am 17. April mehrere Antifaschisten in Odessa erfolgreich gegen einen Überfall zahlenmäßig weit überlegener Neonazis zu Wehr setzten konnten, in dessen Verlauf ein Angreifer ums Leben kam, wies Juschtschenko den ukrainischen Geheimdienst SBU an, verstärkt gegen antifaschistische Strukturen vorzugehen. Die ukrainische Presse ignoriert bei ihrer Berichterstattung hartnäckig die Notwehrsituation der angegriffenen Antifas und spricht von »pro-russischen Militanten«, die einen »Aktivisten einer patriotischen Zivilorganisation« ermordet hätten. Folglich soll der SBU laut Juschtschenko die »extremistischen antifaschistischen Organisationen« auf etwaige Koordinierung mit »ausländischen, antiukrainischen« Kräften beleuchten.

Viele politische Kräfte in der Ukraine stellen sich diesem geschichtsrevisionistischen und neofaschistischen Kesseltreiben entgegen. Der ukrainische Parlamentspräsident Wladimir Litwin hat sich gegen die Politik von Präsident Viktor Juschtschenko zur Rehabilitierung der Veteranen der UPA gewandt. In einem offenen Brief appellierten Vertreter etlicher zivilgesellschaftlicher Organisationen an den Generalsekretär der Vereinigten Nationen und den ukrainischen Staatschef, die Stadtverwaltung Lwiws wegen ihrer geschichtsrevisionistischen Umtriebe zu verurteilen und zu bestrafen. Die Initiatoren des Schreibens erinnern daran, daß die ukrainischen Nazikollaborateure der SS-Division »Galizien« bei ihrer Vereidigung dem »deutschen Führer Adolf Hitler« ewige Treue geschworen haben.

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 477

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 6.2/7 (bei 5 abgegebenen Bewertungen)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)17 °C  Ushhorod17 °C  
Lwiw (Lemberg)16 °C  Iwano-Frankiwsk16 °C  
Rachiw14 °C  Jassinja15 °C  
Ternopil17 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)19 °C  
Luzk17 °C  Riwne17 °C  
Chmelnyzkyj18 °C  Winnyzja19 °C  
Schytomyr18 °C  Tschernihiw (Tschernigow)17 °C  
Tscherkassy18 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)19 °C  
Poltawa18 °C  Sumy18 °C  
Odessa20 °C  Mykolajiw (Nikolajew)21 °C  
Cherson21 °C  Charkiw (Charkow)19 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)20 °C  Saporischschja (Saporoschje)21 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)20 °C  Donezk21 °C  
Luhansk (Lugansk)21 °C  Simferopol20 °C  
Sewastopol24 °C  Jalta22 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Haben noch vor der Grenze im Wohnmobil geschlafen. 600 km am Stück mit 90 km/h, da wollten wir nicht noch stundenlang an der Grenze stehen. War am Abend voll 55 PKW, laut Info. Am Montag früh gegen 10...“

„Der Blockposten zwischen Ustyluh und Urgyniw an der Oblastgrenze hat mich, das war jetzt aber nur einmal, auch nach 23 Uhr passieren lassen, lässt für mich den Schluss zu, auch hier ist 24/7 passierbar.“

„Kann nur zum Blockposten vor USTYLUH sagen, der ist geöffnet 24/7 und der Blockposten vor URGYNIW schließt von 23.00 Uhr bis 04:00 Uhr. (Fahrtrichtung Grenze/Ausreise); Wer in Richtung Landesmitte fährt,...“

„Ja, der Grenzübergang in Ustyluh ist echt toll geworden, ich habe letztens den Spaß gemacht und angedeutet, dass wohl jetzt die Polen eifersüchtig sind auf diese Arbeitsplätze. Die Zöllnerin hat zustimmend...“

„Fahre am Sonntag nach Lwiw und will noch am späten Abend einreisen. Hat da jemand Erfahrung wegen der Wartezeiten und ist dann die Weiterfahrt wegen der Sperrstunde nicht möglich ?“

„Montag letzte Woche 11 Uhr, komplett, von Schranke zu Schranke in 21 Minuten, optimal. Ansonsten für diesen Zeitpunkt 30 bis max 40 Minuten einplanen“

„Ich schau immer bei ... ... , finde es nicht schlecht, liegt meiner Meinung nach nie KRASS daneben, DIE gemeldeten Zahlen kann man zumindest für eine seriöse Entscheidungsfindung heranziehen.“

„Hallo Handrij, Bin letzten Freitag am Abend um 22 Uhr ausgereist. In 40 Minuten total, am Freitag! Ich schildere nochmals den Ablauf, damit der optimale Ablauf nachvollziehbar wird. Ankunft vor dem Grenzübergang,...“

„Falls dann da eine Erweiterung der APP kommt oder was neues, werde ich natürlich ausprobieren und dann berichten. Hab mir jetzt mal die APP geholt, derzeit funktionieren ja nur Busse und LKW, im Grunde...“

„Ich vermute Geldmacherei! Immerhin kostet die bescheuerte Karte über 1000 Hrivnas+ Krankenversicherung für 2000 Hrivnas und ungefähr 300 Euro Absicherung beim Ernstfall, die aber kein Arzt der Ukraine...“

„Bekannte (UA) ist gestern gegen 17 Uhr wieder in Korczowa eingereist - ca. 1h“