FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Ukraine setzt auf den Emissionshandel

0 Kommentare

Ukrainische Unternehmen haben aktiv damit begonnen, Quoten für den Ausstoß von Treibhausgasen zu verkaufen. Zu den jetzigen eingeschränkten Bedingungen ist der Handel mit Kohlendioxid (i. O. Kohlenstoffdämpfe) fast die einzige Art zusätzliche finanzielle Unterstützung in Form realen Geldes zu erhalten.

“Es ist vollständig möglich, dass die Ukraine zum Hauptlieferanten für Kohlenstoffkredite in der Welt wird. Es kann so kommen, dass die gesamte Summe unseres Kapitales – 190 Mio. Euro – eben in dieses Land geht”, erklärte der Leiter des Multilateral Carbon Credit Fund, Jan-Willem van de Ven. Dies suggeriert die Hoffnung, dass entgegen dem, dass das Kyoto-Protokoll praktisch keine wissenschaftliche Grundlage hat und wie die Autoren selbst zugeben, “aus der Luft” geschrieben wurde, kann die ukrainische Wirtschaft nicht schlecht damit verdienen.

Wenn früher der Verkauf von Quoten von zwei-drei ukrainischen Unternehmen betrieben wurde, dann ist derzeit der Prozess ein Massenphänomen. Den Einschätzungen von Experten nach, kann die Ukraine auf Rechnung der Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen bis zu 700 Mio. Euro im Jahr anziehen. Auf den Löwenanteil dieser Gewinne zählen bereits die Donbasskaja Topliwno Energetitscheskaja Kompanija (DTEK), der Schacht namens “Sasjadko”, die Agroholding ““Astart” und ebenfalls einige kleinere Zementwerke. Die zweite Welle anführen können andere große Spieler: die Industrieunion Donbass (ISD, Industrialnyj Sojus Donbass), “ArcelorMittal Kriwoj Rog” und ebenfalls energieerzeugende Unternehmen und Chemiekombinate.

“Mir gefällt es das Kyoto-Protokoll mit einem Fallschirm zu vergleichen. Zuerst öffnet sich ein kleines Fallschirmchen, welches danach einen großen öffnet. Der kleine Fallschirm sieht unsinnig aus, mit diesem kann man nicht fliegen, doch er öffnet einen großen Fallschirm für die Lösung ernsthafterer Probleme. Was bis 2012 vor sich geht – ist bereits nicht mehr so wichtig, wichtig ist, dass der Prozess begonnen hat”, erzählt der Coautor des Kyoto-Protokolls, der Leiter des Programmes “Klima und Energiewirtschaft” des WWF in Russland, Alexej Kokorin.

Das der Prozess tatsächlich gestartet hat, verstanden ukrainische Unternehmen am Ende des letzten Jahres. Die Öffnung des großen Fallschirmes wurde begünstigt von einerseits dem scharfen Defizit ihrer eigenen finanziellen Ressourcen und andererseits der Einführung von bedeutenden Strafsanktionen für die Überschreitung der Abgaslimits in den entwickelten Ländern. Wenn bis zum Jahr 2008 die Strafe 54$ für die ausgestoßene Tonne betragen hat, dann erreicht diese derzeit 140$. Daher sind die europäischen Unternehmen selbst gezwungen Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffektivität, der Verringerung der Nutzung von Brennstoffen, Elektroenergie durchzuführen und ebenfalls Quoten für bei anderen Ländern direkt zu kaufen oder indirekt über “grüne” Investitionen.

Der Einschätzung von Spezialisten der Weltbank nach, kann die Ukraine bis 2012 dank des Kyoto-Protokolls 15-17 Mrd. $ erhalten, da sie das zweitgrößte Potential an freien Quoten (nach Russland) in der Welt besitzt. Anfang des Jahres hat die Regierung entschieden, sich aktiv in den Kampf um dieses Geld einzuschalten. Es wurde eine Anordnung verabschiedet, die es erlaubt 50 Mio. Kohlenstoffeinheiten an Japan zu verkaufen und die Verhandlungen zum Abschluss ähnlicher Geschäfte mit Italien und Spanien laufen. Und obgleich die Kosten der Quoten Geschäftsgeheimnisse sind, prognostizieren Experten, dass für die Ukraine der mittlere Preis für die Tonne an Emissionen im Jahr 2009 mit 10$ bewertet wird. Den ersten Eingang an Mitteln erwartet die Regierung bereits im April. “Die Rede geht von sehr viel Geld und dieses wird für die technische Umrüstung unserer Wärmeversorgungssysteme, der Zustellung von Warmwasser, der Minimierung von Emissionen, darunter im Gastransportsystem, verwendet werden”, bekräftigte Premierministerin Julia Timoschenko.

Mit gewichtigen Summen rechnen auch Privatfirmen. Der Manager zur Geschäftsentwicklung der Abteilung für Energieeffizienz der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Sergej Masslitschenko, erzählt, dass ukrainische Unternehmen den Verkauf ihrer Quoten über den Mechanismus einer Joint Implementation/gemeinsamen Umsetzung direkt mit ausländischen Unternehmen (wie es bereits der Schacht namens “Sassjadko” getan hat) verwirklichen können. Doch die Interessenten für Investitionen müssen zuerst ein Paket an Dokumenten vorbereiten und ein Projekt realisieren, welches es erlaubt die Emissionen an Treibhausgasen im Vergleich zum “Basisszenario” (d. h. die Höhe der Emissionen, welche im Ergebnis der normalen wirtschaftlichen Tätigkeit entstehen) zu verringern. Die Beschreibung des vorliegenden Projektes und die Berechnung der Reduktion der Emissionen wird in Form des Dokuments “Beschreibung der Projektidee” umgesetzt, welches das Unternehmen danach dem bevollmächtigten Organ übergibt. In der Ukraine ist dies die Nationale Agentur für ökologische Investitionen, welche das vorliegende Projekt untersucht und eine Entscheidung zur Ausgabe eines “Briefes der Unterstützung” trifft, was ein bedeutender Schritt für die Vorbereitung des Geschäfts zum Verkauf der Quote ist. Die Ausgaben allein für die Vorbereitung der notwendigen Dokumentation bewerten Experten mit ungefähr 100.000 Euro.

Die Notwendigkeit der Modernisierung der Produktion und die Erhöhung der ökologischen Standards wurden immer als Achillesferse der ukrainischen Industrie betrachtet. Der Verkauf von Quoten für die Verringerung von Emissionen an Treibhausgasen gewährt eine reale Chance diese Schwachstelle zu beseitigen und dazu noch zusätzliche Mittel für die Entwicklung zu erhalten. Zweifellos, hätten die Ukrainer, wenn das Kyot-Protokoll nicht existieren würde, dieses erfinden müssen. Doch es existiert und funktioniert gut. Also ist jetzt die Hauptsache – den Fallschirm zu öffnen und das Geld zu erhalten.

Igor Goschowskij

Quelle: Delo

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 848

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 5.0/7 (bei 1 abgegebenen Bewertung)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)9 °C  Ushhorod11 °C  
Lwiw (Lemberg)9 °C  Iwano-Frankiwsk8 °C  
Rachiw6 °C  Jassinja5 °C  
Ternopil6 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)7 °C  
Luzk7 °C  Riwne8 °C  
Chmelnyzkyj6 °C  Winnyzja7 °C  
Schytomyr5 °C  Tschernihiw (Tschernigow)4 °C  
Tscherkassy3 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)7 °C  
Poltawa6 °C  Sumy4 °C  
Odessa6 °C  Mykolajiw (Nikolajew)8 °C  
Cherson8 °C  Charkiw (Charkow)6 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)9 °C  Saporischschja (Saporoschje)10 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)8 °C  Donezk8 °C  
Luhansk (Lugansk)7 °C  Simferopol5 °C  
Sewastopol8 °C  Jalta7 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Einreise als Flüchtling, bedeutet......., nicht als Deine zukünftige Frau, bist dann erst einmal ihr Vermieter, mehr Hilfestellung gibt es jetzt aber nicht mehr.“

„Gehe auf das Ausländeramt Deiner Gemeinde und erkundige Dich, kann ja sein ich irre mich, derzeit können Ukrainer als Flüchtlinge einreisen und unterliegen dem Paragraphen 24, aufgtund dessen läuft...“

„Grundsätzlich könnte ich die Sachen mit in die Ukraine nehmen, bis Luzk, ABER Der Zoll und die Einfuhr muss geklärt sein und die Kosten und daran wird es wohl scheitern!“

„Jetzt lief gestern um 23:30 Uhr alles wie geschmiert in Ustyluh/Zosin, Einreise UA in ca. 50 Minuten. Dieses Mal die Polen schnell 3 PKW, bei den Ukrainern länger, 2 Busse und sonst ein paar Fahrzeuge,...“

„Hallo, die Heirat an sich ist nicht sonderlich aufwändig und Bürokratisch, wenn man in der Ukraine heiratet. Bei Anreise Montag oder Dienstag, kann die heirat am Donnerstag oder Freitag derselben Woche...“

„Guten Tag, ich habe Kontakt zu einem Unfallchirurgen aus Sumy, der zur Zeit in einem Fronthospital arbeitet. Durch meinen Beruf habe ich aus Kliniken 10 Kisten (130kg) chirurgische Instrumente und Implantate...“

„Hallo, die Heirat an sich ist nicht sonderlich aufwändig und Bürokratisch, wenn man in der Ukraine heiratet. Bei Anreise Montag oder Dienstag, kann die heirat am Donnerstag oder Freitag derselben Woche...“

„Hallo zusammen, ich (Deutscher und wohne in Süddeutschland) bin seit fast 4 Jahren mit einer Ukrainerin zusammen. Sie ist bei Kriegsbeginn aus der Ukraine in die Schweiz geflüchtet. Sie wohnt aktuell...“

„Gestern Freitagnacht auf Samstag, 2 Uhr Kiewzeit, habe ich bei Zosin/Ustyluh ins Klo gegriffen, ca. 12 bis 15 PKW und pro Einlas nur 5 PKW..., der weitere Ablauf bei den Polen, unerträglich langsam, das...“

„Meine derzeitige Ein- und Ausreisestrategie sieht wie folgt aus, Einreise am Grenzübergang in Ustyluh, zuletzt beide Grenzen in 18 Minuten passiert, Lichtgeschwindigkeit. 1 Uhr in der Nacht (Kiewzeit)...“

„..... Mir liegen von meinen Eltern unterzeichnete Generalvollmachten in deutscher Sprache vor. ..... Grundsätzlich wirst du mit Vollmachten in deutscher Sprache bei einem ukrainischen Konsulat nicht weit...“

„2016? Das Konsulat ist doch in Hamburg. Warum rufst dort nicht an?“

„Sehr geehrte Damen und Herren, meine Eltern sind ukrainische Staatsbürger und leben seit 2008 mit einer unbefristeten Aufenthaltserlaubnis in Deutschland, genauer gesagt in Hamburg. Im Juni 2016 läuft...“

„Hallo an ALLE, ich vermute meine Beteiligung hier entspricht nicht meinen Erwartungen und Hoffnungen. Mein Anliegen war in Erfahrung zu bringen,was ich beachten muss,wenn ich mit einer ukrainischen Frau...“

„Das sind Untermenschen, normale Menschen verhalten sich anders. Slava Ukraine Nachricht von Moderator Handrij volontaer45 wurde für diesen Beitrag verwarnt. Nazisprache ist hier unerwünscht! Un|ter|mensch,...“

Newsletter jeden Morgen

Sie möchten täglich über Neuigkeiten auf der Seite benachrichtigt werden? Dann ist vielleicht ein Kurzüberblick mit den wichtigsten Beiträgen der vergangenen 24 Stunden für Sie interessant. Der Versand erfolgt jeden Tag 6.00 Uhr morgens.




Nach dem Eintrag Ihrer E-Mailadresse erhalten Sie eine E-Mail zum Bestätigen Ihrer Adresse und können dann die Eintragung abschließen (so genanntes "Double Opt-In-Verfahren"). Ihre E-Mailadresse wird dabei nur auf unserem Server in Deutschland gespeichert und nicht an Dritte übermittelt.