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Was hindert die ukrainischen Universitäten daran, international zu werden? - Über die Anwerbepolitik von ausländischen Studierenden

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Internationalisierung ukrainischer Universitäten

Im Jahr 2020 tappte das ukrainische Bildungssystem immer wieder in eine Falle, die sie sich lange Jahre selbst gestellt hat. Die Zeit der Pandemie deckte viele Probleme der ukrainischen Bildung auf, darunter das veraltete und offen korrupte System zur Begleitung der Ausbildung internationaler Studierender. Inzwischen stellen ausländische Studierende für jedes Land eine Möglichkeit dar, um die Ausbildung zu internationalisieren, an Austauschprogrammen teilzunehmen und die Hochschulen zu finanzieren. In den Zeiten der Pandemie, in denen die Studenten, die in dem einen oder anderen Land studieren wollen, immer weniger werden, wird sich zwischen den Ländern und Universitäten ein echter Kampf um ausländische Studierende entwickeln.

Wie funktioniert für sie der Immatrikulationsmechanismus an unseren Hochschulen, der sich über die Jahre herausgebildet hat? Faktisch kann ein ausländischer Abiturient nicht hereinkommen und sich ohne Vermittler einschreiben, selbst wenn er aus einem wohlhabenden Land kommt. Zum Vergleich: In der Mehrheit der Länder Europas ist es möglich, zum Magisterstudium auf Basis eines ukrainischen Bachelordiploms ohne Vermittler und mit minimaler Bürokratie zugelassen zu werden. Bei uns begleitet die internationalen Studenten eine Vermittlerfirma, die über eine entsprechende Lizenz verfügt. Der Abiturient muss eine Einladung und ein Visum erhalten, persönlich in die Ukraine kommen, persönlich die Dokumente einreichen, nach Hause zurückkehren und auf eine Einladung warten. Viele dieser Prozesse haben korrupte Komponenten.

Die Anreise in die Ukraine kostet den Abiturienten viele Nerven und viel Geld. Die Vorbereitung der Dokumente, der Flug, die Bezahlung für die Dienste der Vermittler – das ist nur der sichtbare Teil der Kosten. Sobald sie aber in unser Land gekommen sind, werden die zukünftigen Studenten absolut entrechtet.

Selbst wenn ausländische Studenten schon Russisch oder Ukrainisch sprechen, können sie jedes Dokument nur über einen Vermittler ausstellen. Jegliche Handlung (ein außerplanmäßiger Besuch im Dekanat, eine Beschwerde über die unangemessene Qualität der Ausbildung oder die Anforderung eines alltäglichen Dokuments) muss ebenfalls mit dem Vermittler vereinbart werden. In den meisten Fällen wirkt sich das negativ auf den Studenten aus. Er wird mit der Exmatrikulation eingeschüchtert, was den Verlust von allem bedeutet. Den Firmenvertragspartner zu wechseln, wenn irgendetwas schiefgeht, ist auch nicht möglich. Darüber wurde nicht erst einmal gesprochen, aber nichts hat sich geändert. Was man auch sagt, aber Bildung ist ein Business und zu diesem Prozess muss man einen Businessansatz haben. Daher wird sich niemand mit der Qualität der Ausbildungsdienste und der Arbeit der Vermittler herumärgern; die Hauptsache ist, dass das Geschäft sowohl für die Hochschulen als auch für die Briefkastenfirmen opportun ist.

Und hier kam auf einmal das Jahr 2020. Noch vor der Zulassungskampagne, die zum ersten Mal im Lockdown stattfand, schlugen die Rektoren der großen Universitäten Alarm: Die Schließung der Grenzen, der Lockdown und die erschwerte physische Zugänglichkeit für ausländische Staatsbürger in die Ukraine erschwerten die Immatrikulation von Abiturienten aus anderen Ländern. Der Zustrom ausländischer Studenten und des Geldflusses in die Budgets der Universitäten stoppte.

Doch mittlerweile haben progressive Universitäten gelernt, auf Distanz zu arbeiten, und das betrifft alle Universitäten der Welt, was bedeutet, dass neue Ausbildungsmöglichkeiten für internationale Abiturienten auftauchen. Es kam zu Veränderungen auf dem Markt für Bildungsdienstleistungen und demnach änderte sich auch das Marketing zur Anwerbung von Abiturienten. Sie können jetzt wählen, bei wem sie von zu Hause aus studieren: bei den Wissenschaftlern der Universitäten der Ukraine, Russlands, Polens, Kasachstans oder beispielsweise Deutschlands. Und – wie völlig vorhersehbar war – hat die Zahl der Abiturienten, die ein Fernstudium betreiben möchten, stark zugenommen. Abiturienten aus den USA, der Türkei, den Ländern Europas verstehen plötzlich, dass es Länder gibt, in denen man eine günstigere Ausbildung erhalten kann, ohne das eigene Zimmer zu verlassen.

Die Rektoren der ukrainischen Hochschulen verstehen dies und haben bereits beim Bildungs- und Wissenschaftsministerium eine Reihe von Ansuchen mit der Bitte, die erwarteten Änderungen der Gesetzgebung vollständig durchzuführen, eingereicht. Diese Änderungen orientieren sich an jenen Studenten, die sich dazu entschließen, in die Ukraine zu kommen und an unseren Hochschulen „persönlich“ zu studieren. Zu den Vorschlägen zählen eine Vereinfachung des Zulassungsverfahrens, eine Erlaubnis für ausländische Studenten, in der Freizeit arbeiten zu dürfen, damit sie mit dem verdienten Geld einen Teil ihrer Ausgaben abdecken können, das Erteilen der Möglichkeit, Semester zu wiederholen, anstatt exmatrikuliert zu werden, und zur Motivation Stipendien für die besten Studenten.

Doch selbst wenn die Gesetzesänderungen verabschiedet werden, ist das nur die halbe Miete. Die Aufgabe der Universitäten ist es, das beste Produkt zu entwickeln und dem Kunden zu bieten und zu erzählen, dass ihr Programm das beste ist und der Preis der Qualität entspricht.

Trotz des besten Managements hat jedoch niemand die weltweiten Trends für nichtig erklärt; daher ist es vollkommen offensichtlich, dass Studierende, die weggehen, um in einem anderen Land zu studieren, auf der gesamten Welt weniger werden. Doch hier gibt es ein mögliches hybrides Format: Universitäten können das theoretische Studium aus der Ferne in virtuellen Klassen in Echtzeit organisieren und die Studenten für ein oder zwei Praxisjahre in Universitätslabors mit der für die Praxis erforderlichen Ausstattung einladen. Schließlich ist der Lockdown nicht für immer und die Welt wird zu den einstigen Mobilitätsraten zurückkehren.

Aber die Universitäten allein werden die neuen Herausforderungen nicht bewältigen, wenn die Immatrikulationsprozesse für ausländische Studenten so wie die vorherigen bleiben. Hier ist eine Änderung der Gesetzgebung vonnöten. Mit den derzeitigen Prozeduren wird sich niemand bei uns für das Fernstudium anmelden und das ukrainische Hochschulwesen wird sich von der globalen akademischen Gemeinschaft entfremden. Doch wer, wenn nicht die ausländischen Absolventen, werden dann in den Heimatländern zu Botschaftern der ukrainischen Alma Mater? Also überlegen wir uns, wie wir die lange eingerosteten Immatrikulationsmechanismen an den ukrainischen Hochschulen erneuern werden.

Weshalb muss man persönlich anreisen, um Dokumente einzureichen, wenn es eine Vielzahl an Online-Kommunikationsmethoden für Vorstellungsgespräche und Aufnahmetests gibt? Eine andere Sache ist, dass sich in einem derartigen Fall die korrupte Komponente des Immatrikulationsprozesses in Luft auflöst, aber das wird für irgendjemanden sehr unrentabel. Und auch wird es an den Hochschulen nicht mehr möglich sein, zu tricksen und ausländische Studenten so „qualitativ“ zu unterrichten, dass sie sich im vierten Studienjahr des englischsprachigen Programms kaum an den Namen des eigenen Fachgebiets erinnern.

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Welche der ukrainischen Hochschulen wird als erste verstehen, dass jetzt alles anders ist und dass nur flexible und moderne Lösungen der ukrainischen Hochschulbildung im Allgemeinen und jeder Universität im Besonderen dabei helfen, sich über Wasser zu halten und nicht zu Provinzhochschulen am Rande der Zivilisation zu werden? Welche der ukrainischen Universitäten wird es verstehen und anfangen, zu handeln?

20. Januar 2021 // Eduard Rubin

Quelle: ZN.UA

Übersetzerin:   Agnes Poitschek — Wörter: 1055

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