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Anstatt eines politischen Jahresrückblicks 2012: Zurück in die 1990er?

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Parlamentswahlen vor dem Hintergrund des beinah in Koma liegenden ukrainischen Parlamentarismus, ausgeschmückt mit den Protesten gegen das „Sprachgesetz“ und den unendlichen „Geschenken für die Wähler“, der Euro-2012, Regungslosigkeit in den Beziehungen zwischen der Ukraine und der EU in Bezug auf die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens, zuckende Beziehungen zu Russland, zu einem großen Teil durch die interne Tagesordnung der ukrainischen Politik verursacht, die andauernde Haft der führenden Oppositionellen, ein fast in aller Stille ablaufender Verfassungsprozess – das sind die Hauptmerkmale des politischen Jahres 2012.

Die letzten Wochen vor dem Abschluss 2012 boten Inhalte an, die die Zusammensetzung der neuen Regierung betreffen.

Durch den personellen Wechsel in der Fassade kommt heute nicht mehr die Breite des Einflusses dieser oder jener Oligarchengruppen zum Vorschein, sondern die Natur ihres Verhältnisses zum Präsidenten sowie eine eindeutig fortlaufende Verstärkung der Positionen des Präsidenten selbst.

2012 ist also die Konzentration der exekutiven Befugnisse bei der Familie noch beachtlicher zugewachsen. Im Grunde genommen erlebt man die Renaissance der Traditionen aus den späten 90er Jahren, als der Präsident der wahre Leiter der Regierung gewesen war, aber keine direkte Verantwortung für Ergebnisse ihrer Arbeit getragen hatte. Dabei hatte seine Administration als Hauptregierung im Schatten agiert.

Zehn Jahre später wird die Lage noch verwickelter, denn praktisch jede Woche werden durch die Präsidialadministration Erlasse, Verordnungen verabschiedet, die thematisch oft dem verfassungskonformen Umfang der Befugnisse widersprechen. Das betrifft größtenteils personelle Veränderungen, und das heißt eine personelle Kontrolle in einem sogar größeren Umfang als früher.

Unverändert bleibt die Tradition des fehlenden Dialoges zwischen der Regierung und der Opposition, zwischen der Regierung, der Opposition und der Gesellschaft. Und es bleibt so trotz des Berichts des Justizministeriums über 603 Bürgerbeiräte und 774 Veranstaltungen zur Besprechung von „gesellschaftlich relevanten“ Fragen in der offiziellen Statistik allein für das letzte Vierteljahr.

Vielleicht gibt es da auch nichts zu besprechen, zumindest inhaltlich.

Wenn Raider häufig unter dem Schutz von Beamten handeln, die Steuerlast zunimmt und die Sozialausgaben sinken und wenn die Korruption nicht einmal auf der Ebene der Gesetzgebung bekämpft wird und die meisten Empfehlungen der Antikorruptionsvereinigung GRECO gegen Korruption letztlich nicht umgesetzt wurden.

In öffentlichen Besprechungen und Erklärungen werden grundlegende Fragen, die in ihrer „gesellschaftlichen Relevanz“ wirklich alle betreffen und 2013 ihre Fortsetzung finden können, faktisch außer Acht gelassen.

Es geht zum Beispiel um das neulich verabschiedete Gesetz über das gesamtukrainische Volksbegehren, das für eine kontroverse Billigung der Verfassung außerhalb des Parlaments Tür und Tor öffnet oder uns an die Zollunion heranführt.

Verschiedene Ereignisse des politischen Jahres werden durch die schon üblicherweise fehlenden klaren Erklärungen zu den Gründen und der Logik der Beschlussfassung sowie den fortschreitenden Mangel an Demokratie vereint.

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Meist wird es nicht beschlossen, sondern durchgedrückt, Betroffene werden häufig vor vollendete Tatsachen gestellt, sei es der Fall mit den Verwaltungsänderungen oder mit dem Wahlgesetz, mit dem Verleumdungsgesetz oder mit dem Gesetz zum Staatsregister, mit dem Gesetz über die Sprachpolitik oder Volksbegehren.

Unter Bedingungen, dass es ein gehorsames und gestaltloses Parlament gibt, erweist sich diese Liste als zu lang.

Ein kontroverser Beschluss dieser Art lässt sich durch Massenproteste – obwohl bei weitem auch nicht immer – ändern.

So gaben die Fragen hinsichtlich der Sprachpolitik den Anstoß zu den meisten Bürgerprotesten. Das Gesetz über die Sprachpolitik wurde praktisch auf Umweg über die öffentliche Meinung und die Geschäftsordnung des Parlaments durchgedrückt.

Dem Monitoring der Proteste durch das Zentrum für Gesellschaftsforschung zufolge belief sich die Zahl von Protestaktionen gegen die Verabschiedung des Gesetzes über die Grundlagen der Sprachpolitik in der Ukraine innerhalb von sechs Monaten, von März bis einschließlich September, auf 340.

Unerwartet nahm ein gesellschaftliches Thema aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich im Laufe des Jahres 2012 den Spitzenplatz bei Protestgründen ein, obwohl es nach allgemeiner Auffassung soziale und wirtschaftliche Rechte sind, die in der Regel zu Protesten führen.

Wohlgemerkt übertraf diese Zahl die sozialen Protestaktionen von Tschornobyl- und Kriegsveteranen wegen der Einschränkung der Rechte dieser Bürgergruppen im Jahre 2011 und sogar auch Protestaktionen von kleinen und mittelständigen Unternehmern, die gegen das Steuergesetzbuch 2010-2011 gerichtet wurden.

Ungeachtet dessen wurde das Gesetz angenommen, unterzeichnet, und Änderungen zum Gesetz wurden zugunsten der politischen Zweckmäßigkeit und der Wahlversprechen der Regionenpartei sowie der Hoffnungen auf die Mobilmachung der ermüdeten Wählerschaft aufgehalten.

Derartige Fälle vermehren in der ukrainischen Gesellschaft Radikalität, Müdigkeit und Aggression. Im Wesentlichen lassen sich dadurch vorausgesagte, aber doch unerwartete Ergebnisse der linken Kommunisten wie der rechten Swoboda, die jetzt eine Parlamentspartei wurde, bei den letzten Wahlen teilweise erklären.

Diese Entscheidung der Wähler verursacht mehr heiße Diskussionen beispielsweise über die Eintragung der Nationalität in den Pass, aber leider nicht über die Ausgaben für krebserkrankte Kinder im Haushalt.

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Man kann mehrere Male zum Erlernen des Ukrainischen des Premierministers „beitragen“, aber es macht mehr Sinn, bei der Regierung zu erfragen, wann die „Optimierung“ ukrainischer Schulen eben im Osten der Ukraine beendet wird. Jedenfalls muss die Opposition das noch lernen. Hauptsache, der Wunsch besteht.

Vermittels der Direktkandidaten hat die Partei der Regionen wie erwartet viele Abgeordnete unter ihrem Dach versammelt. Nimmt man dazu Unabhängige und Kommunisten, so gaben 252 Abgeordnete ihre Stimmen für den neuen alten Premierminister Asarow.

Im Allgemeinen verliefen die Parlamentswahlen fast analog zu den Wahlen vor zehn Jahren – im Jahre 2002: ein gemischtes Wahlsystem mit 50 zu 50, „geschlossene Listen“, Wiederholung von allen Unzulänglichkeiten der Direktwahl, darunter der Einsatz administrativer Ressourcen (Druck der Behörden), Krieg mit diskreditierendem Material, meist unter Kontrolle stehende Lokal- und Kreiswahlkommissionen.

Der Umfang „der Korruption der Wählerschaft“, der „Verpflegungszuteilungen“ für die Wähler war aber viel größer genauso wie auch die Kosten. Dabei wurde das Modell selbst – wie alle bereits wissen –ohne jegliche Diskussionen von oben diktiert, und die Opposition hat es damals erfolgreich geschluckt.

In mehr als zehn Wahlkreisen wurden die Direktwahlen durch eine intransparente Stimmauszählung verdorben. Die Parteien sind also nicht transparenter geworden, sondern die Technologien haben sich optimiert.

Als nur einige Beispiele wären hier das soziale Office als eine versteckte Agitation für die Regierungspartei sowie Webkameras in Wahllokalen zu nennen.

Letztendlich hat der Westen die Wahlen anerkannt, obwohl man in der EU vermerkte, dass die Kampagne den OSZE-Standards nicht entsprach, da die Bedingungen für Kandidaten nicht gleich waren, die Medienberichterstattung unausgewogen verlief usw.

2012 ließ noch mehr Fragen in den Beziehungen zur EU offen, unter anderem was die Aussichten auf die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens angeht. Das Jahr ging faktisch verloren. Selektive Rechtsprechung, Ausbleiben von komplexen Reformen, führende Oppositionelle in Haft – diese Fragen bleiben bislang offen. In der EU hat man dennoch vorbehaltlich nahegelegt, dass das Assoziierungsabkommen Ende nächsten Jahres unterzeichnet werden kann, dabei ist es aber nur ein Schritt in Richtung einer tieferen Integration mit der EU.

Aber es ist durchaus denkbar, dass eine Umkehrung das Land erwarten kann – eine Vertiefung der Beziehungen mit Russland im Format der Zollunion.

Der bislang vage Wunsch der ukrainischen Seite, sich umzusehen und Verpflichtungen nur teilweise zu übernehmen, wird von der russischen Seite nicht akzeptiert – entweder alles oder nichts. Nur diese Form der Beteiligung an der Zollunion ist möglich.

Dabei verbaut eine ausdrücklichere Teilhabe an diesem Zollverfahren den ohnehin schmalen Durchgang zur europäischen Integration für die Ukraine.

Die „Charkiwer Vereinbarungen“ sind auch einst wie aus dem Nichts entstanden, und ihr Inhalt war sogar den Departements des Außenministeriums nicht bekannt.

Und was hat sich so radikal verändert, um ein Szenario wie dieses in Bezug auf weitere geopolitische Themen nicht zu wiederholen?

Das politische Jahr 2012 hat allerdings auch andere Inhalte hervorgebracht, die sagen, dass wir uns verändern, dass etwa bei Wahlen Geld und Macht nicht alles entscheiden.

In politische Projekte investierte Mittel können auch die erwarteten Rendite in Form von Abgeordnetenplätzen nicht bringen.

Eine bestimmte Menge an Buchweizen lässt sich nicht immer in das erhoffte Ergebnis verwandeln.

Eine Selbstorganisation in Gruppen geschieht oft nicht als Folge, sondern aus Trotz und langsam begreift man, dass keiner unsere Probleme für uns, ohne uns oder über uns hinweg lösen kann.

4. Januar 2013 // Julija Tyschtschenko, Leiterin der Programme für Entwicklung der Zivilgesellschaft beim Ukrainischen Unabhängigen Zentrum für politische Forschungen

Quelle: Ukraijinska Prawda

Übersetzer:   Mykhailo Iurchenko — Wörter: 1304

Mykhailo Iurchenko (Michailo Jurtschenko) ist Übersetzer. Sprachen: Ukrainisch, Deutsch, Russisch.
Themen: Politik und Gesellschaft in der Ukraine, Weltpolitik, Wirtschaft, Kultur.
Schwerpunkt: Ukraine im deutschen politischen Diskurs
Lebt in Kiew.Xing: Mischa Jurtschenko

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„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“

„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?


„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“

„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?


„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“

„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.


„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“

Der Link zum Anbieter ist ja da.
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.
War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht" :-([smilie=dntknw.gif]

„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“

„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“

„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“