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Arbeitsmigranten bei den Besatzern: Warum die ukrainische Gastarbeit in der Russischen Föderation gefährlich ist und was damit zu tun ist

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ukrainische Arbeitsmigranten beim Zug Lwiw-Moskau
Bereits im Frühling 2015 warnte das Außenministerium der Ukraine die Landsleute vor Reisen nach Russland. Die Gründe waren mehr als gewichtig: in der Behörde verwiesen sie auf zahlreiche Fakten grundloser Inhaftierungen von Ukrainern und eine unmenschliche Behandlung gegenüber ihnen durch die Sicherheitskräfte – bis hin zur Anwendung von Folter. Und das vor dem Hintergrund des nicht-erklärten russisch-ukrainischen Krieges.

Seitdem sind bereits drei Jahre vergangen, aber trotz alldem reisen Ukrainer massenweise der Arbeit wegen nach Russland. Es gibt keine genauen Informationen über ihre Anzahl – nach verfügbaren Schätzungen, könnten auf dem Gebiet des Aggressors etwas mehr als zwei Millionen ukrainischer Gastarbeiter arbeiten. Und das sind nicht nur Leute aus den südöstlichen Regionen: Schätzungen von Vermittlungsagenturen nach wählt sogar unter den Arbeitsmigranten aus Lwiw jeder vierte Russland. Und im Allgemeinen nimmt die Bevölkerung diese Praxis ruhig hin: 74 Prozent der Ost – und fast 60 Prozent der Westukrainer, verurteilen diejenigen, die für die Besatzer arbeiten nicht.

Die wirtschaftlichen Gründe für dieses Phänomen zu verstehen, ist nicht schwierig. Der Mensch ist im Allgemeinen ein rationales Wesen, deswegen bevorzugt er es dort zu arbeiten, wo der Verdienst höher ist. Angesichts der niedrigen ukrainischen Löhne, der Arbeitslosigkeit und der hohen Schwarzarbeit erscheint das Einkommen im Ausland recht attraktiv. Der ukrainische Staat erhält einige Vorteile, da der größte Teil des Verdienstes der Gastarbeiter zu Hause ausgegeben wird. Und generell, wenn die Bevölkerung alleine überleben kann und um die Welt reist, dann ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass die Ukraine von einer sozioökonomischen Krise befallen wird.

Von der anderen Seite jedoch profitiert auch Russland davon, dessen Wirtschaft (wenn auch durch Schwarzarbeit) von der Arbeitsarmee aus der Ukraine angetrieben wird. Und wegen dieser Arbeiter und derer Familien hat Russland einen direkten wirtschaftlichen Einfluss auf einen bedeutenden Teil der ukrainischen Gesellschaft. Zudem trampelt ein Teil der Gastarbeiter seit Generationen den Weg „nach Moskau“, für sie ist die Distanzierung der Ukraine und Russlands (Einführung einer Visaregelung, Überprüfung der wirtschaftlichen Beziehungen usw.) äußerst unerwünscht.

Auch die russischen Geheimdienste nutzen die ukrainische Gastarbeiterschaft aus. Gemäß der vielen Berichte des SBU (Sicherheitsdienst der Ukraine) rekrutiert der FSB (Inlandsgeheimdienst der RF) aktiv ukrainische Gastarbeiter für die Zusammenarbeit: Übermittlung von Informationen, Durchführung von Propaganda und sogar die Beteiligung an den illegalen bewaffneten Formationen der LNR (Volksrepublik Lugansk) und der DPR (Volksrepublik Donezk). Über den Maßstab und die Wirksamkeit dieser Arbeit kann nur gemutmaßt werden, wenn man das unbegrenzte Arsenal an Mitteln der Russen bedenkt. Abnahme der Dokumente, Reisebeschränkungen, Nichtzahlung des verdienten Geldes – dies alles ist, wie man so schön sagt, Blümchen. Menschenrechtsaktivisten zufolge gerieten bereits mehrere hundert Ukrainer in russische Gefängnisse, da sie Opfer eines kriminellen Plans wurden. Zum Beispiel, als sie sich für die Arbeit eines Paketzustellers einstellen ließen, wurden Ukrainer, ohne es zu wissen, zu Drogenkurieren, und gerieten somit an den Haken der russischen Sicherheitskräfte.

Die Motive, die Ukrainer dazu bringen, das Risiko in Russland einzugehen, sind banal. Der Ort des Gelderwerbes korreliert nicht unbedingt mit den politischen Ansichten oder der nationalen Identität. Aber zugunsten von Russland gab es bis vor Kurzem noch die Möglichkeit visafreier Reisen und keine Notwendigkeit, eine Sprache zu erlernen, ganz zu schweigen von den anderen expliziten und impliziten post-kolonialen Verbindungen. Glücklicherweise ändert sich die Situation allmählich: seit 2014 hat die Attraktivität der russischen Richtung für die Arbeiter um das 3 bis 4-fache abgenommen. Nach Angaben der Nationalbank sind derzeit 39 Prozent der Arbeitsmigranten in Polen, etwa 20 Prozent in der Tschechischen Republik und Italien, in Russland jedoch nur 26 Prozent. Die entscheidende Rolle spielte dabei die Abschaffung der Visaregelung mit der Europäischen Union sowie das wachsende Engagement europäischer Regierungen für ukrainische Arbeitnehmer. Allein Polen hat in den letzten Jahren für die Ukrainer etwa zwei Millionen Arbeitsvisa vergeben. Laut der polnischen Ausgabe Dziennik Gazeta Prawna führt der kollektive ukrainische Gastarbeiter Schätzungen zufolge das Rating der „50 einflussreichsten Menschen der polnischen Wirtschaft“ an, dabei nur für den Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki Platz machend.

Ist es überhaupt möglich, das Problem der ukrainischen Gastarbeit in Russland zu lösen? In der Theorie kann dies durch die Entwicklung der eigenen Wirtschaft erreicht werden, damit die Bevölkerung nicht gezwungen ist, sich eine Arbeitsbeschäftigung auf ausländischen Arbeitsmärkten zu suchen. Wie die Geschichte zeigt, ist dies eine absolut fantastische Option, da internationale Arbeitsmigration auch in den Industrieländern der Europäischen Union existiert: Zum Beispiel arbeiten mehrere Millionen polnische Arbeiter in Deutschland, und Großbritannien akzeptiert Arbeiter aus ganz Europa. Daher würde der Kampf gegen die Gastarbeit in Russland eigentlich nur den Einsatz von ukrainischen Arbeitsmigranten in die entgegengesetzte Richtung bedeuten. Dafür stehen der Regierung nur wenige Mittel zur Verfügung. Eine davon wurde im Frühjahr 2017 angewendet, als Express- Geldüberweisungen von Russland in die Ukraine unter Verbot gestellt wurden, aber ob es zum entsprechenden Effekt führte, ist unbekannt.

Viel effektiver wäre es, die Eisenbahnverbindung mit Russland zu stornieren, worüber bereits seit 2014 diskutiert wird. Das macht Sinn, obgleich nach den Ergebnissen des Jahres 2017 die Route zwischen Kiew und Moskau die profitabelste Strecke der Ukrsalisnyzja war. Nach den verfügbaren Informationen wird die Idee der Aufhebung der Eisenbahnverbindung mit Russland vom Infrastrukturminister Wolodymyr Omeljan und dem Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine Oleksandr Turtschynow unterstützt, aber solch einen radikalen Schritt werden die ukrainischen Behörden kaum wagen. Zur Verkomplizierung der Migrationsrouten würde auch die Einführung einer bilateralen Visaregelung beitragen, allerdings scheint auch diese Option heute nicht allzu realistisch zu sein. Zumindest passt die Einführung von Visa für Ukrainer nicht zur Logik von Moskau, das bemüht ist, die postkoloniale Abhängigkeit beizubehalten und sich zu bemühen, Kiew zu zwingen, wirtschaftliche und andere Verbindungen wiederherzustellen. Deshalb ist das Einzige, wozu die Ukraine objektiv fähig ist, ihre eigenen Bürger davon zu überzeugen, das Aggressor-Land nicht zu unterstützen. Und den Rest machen die polnischen Arbeitgeber.

19. Februar 2018 // Oleksandr Fomenko

Quelle: Zaxid.net

Übersetzerin:   Yuliya Komarynets — Wörter: 952

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„Einreise als Flüchtling, bedeutet......., nicht als Deine zukünftige Frau, bist dann erst einmal ihr Vermieter, mehr Hilfestellung gibt es jetzt aber nicht mehr.“

„Gehe auf das Ausländeramt Deiner Gemeinde und erkundige Dich, kann ja sein ich irre mich, derzeit können Ukrainer als Flüchtlinge einreisen und unterliegen dem Paragraphen 24, aufgtund dessen läuft...“

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