FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

DIE EIGENEN: Ukrainische Geschichtspolitik - Fortsetzung

0 Kommentare

Screenshot der Website des "Instituts des nationalens Gedächtnis"
An meinem Beitrag Der Eigene über ukrainische Geschichtspolitik als Huldigung an den integralen Nationalismus schieden sich vor einigen Wochen die Geister. Wer schadet der Ukraine – die Kritiker dieser Politik oder ihre Anhänger? Unten hänge ich eine sachliche Übersicht an, die Andreas Umland im Frühjahr publizierte. Wer sich in die Kontroverse einlesen möchte, findet hier alle nötigen Literaturhinweise.

Und nun kommt meine unsachliche Zusammenfassung:

In Kiew gibt es eine leider unterfinanzierte seriöse Geschichtswissenschaft ohne großen öffentlichen Einfluss. Außerdem gibt es eine regierungsamtlich gehätschelte National-Geschichts-Manufaktur unter dem seriösen Namen „Institut des nationalen Gedenkens“.

Dessen Akteure, allen voran der Geschichtsbeamte Volodymyr Vjatrovyč, sind medial sehr präsent. Sie bezeichnen sich als Historiker, sind aber bestenfalls patriotische Publizisten. Ihr Projekt ist der Form nach national, in der Sache sowjetisch.

Ihr Ziel ist die Substitution der sowjetischen Idole mit Blut an den Händen durch national-ukrainische Idole mit Blut an den Händen. Sie sind der Meinung, dass Blut an den Händen zum patriotischen Geschäft gehöre und beim Hobeln eben Späne fielen. Internationale wissenschaftliche Reputation genießen sie nicht. Sie sind, wie ihre russisch-patriotischen Kollegen, auch stolz darauf. Wissenschaftlich begründeter Kritik begegnen sie, wie jene, mit einer Whataboutery-Strategie über selektive Erinnerung und blutige Geschichtshelden in anderen Ländern. Das funktioniert gut in einem Land, das sich im Krieg befindet.

Derweil wiederholt sich in der Ukraine, was wir bereits unter Juščenko erlebt haben: während die meisten Bürger Wichtigeres zu tun haben, als sich mit Geschichte zu beschäftigen – meist sind sie mit dem ökonomischen Überleben beschäftigt – entfremdet die Rehabilitierung eines seinerzeitigen Projektes der ethnischen Flurbereinigung der Ukraine – nichts anderes war das Programm der OUN der 1930er und 1940er Jahre – die heutigen Ukrainer untereinander.

Denn auch bei Leuten, die weder die teuren Produkte fremdsprachiger Forschung lesen noch die Heftchen aus der Geschichtsmanufaktur, bleibt eines zuverlässig hängen: der eigene Staat ehrt historische Gestalten, die, lebten sie noch, einen Gutteil der modernen Ukrainer wegen politischer Unzuverlässigkeit und fehlenden ethnischen Reinheitsgrades außer Landes treiben würden, und deren Wertekanon mit den Werten des Majdan von 2014 nicht vereinbar ist.

Überflüssig zu sagen, dass die russische Seite in diese Kontroverse aus den eigenen trüben Quellen regelmäßig ihre hausgemachten Geschichtslegenden einspeist. Bis dato ließ ich mich daher immer zur Diagnose verleiten, ukrainische Nationalisten betätigten sich als unfreiwillige Helfer des Kremls beim Projekt „Destabilisierung und Diskreditierung der Ukraine“.

Aber wir sollten die Ukrainer als Subjekte ihrer Geschichte wahrnehmen. Nicht die Russen machen die ukrainische Geschichte im Jahre 2017. Sondern die Ukrainer sind gerade dabei, sei es durch Handeln, sei es durch Unterlassen, ihr eigenes Land zu spalten. So wie die Einigkeit und Hoffnung in der großen Bewährungsprobe von 2014/15 nur von innen kommen konnte, so kann sie auch nur von innen heraus zerstört werden. Vielleicht schafft Vjatrovyč, was Putin versagt blieb.

7. Juli 2017 // Anna Veronika Wendland

Quelle: Facebook

Den täglichen oder wöchentlichen Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 6.1/7 (bei 9 abgegebenen Bewertungen)

Kommentare

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)22 °C  Ushhorod19 °C  
Lwiw (Lemberg)16 °C  Iwano-Frankiwsk17 °C  
Rachiw15 °C  Jassinja16 °C  
Ternopil14 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)21 °C  
Luzk18 °C  Riwne18 °C  
Chmelnyzkyj17 °C  Winnyzja21 °C  
Schytomyr18 °C  Tschernihiw (Tschernigow)19 °C  
Tscherkassy19 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)21 °C  
Poltawa19 °C  Sumy18 °C  
Odessa24 °C  Mykolajiw (Nikolajew)25 °C  
Cherson25 °C  Charkiw (Charkow)19 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)24 °C  Saporischschja (Saporoschje)22 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)21 °C  Donezk21 °C  
Luhansk (Lugansk)21 °C  Simferopol22 °C  
Sewastopol20 °C  Jalta21 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Bin am Montag 15.6.26 um 8 Uhr in Urgyniw ausgereist, das erste Mal an einem Montagmorgen ca. 15 Fahrzeuge vor mir, bin sonst der Erste oder Zweite, egal, nach ca 20 Minuten wurde dann die nächste Welle...“

„Derzeit, ist es überall sehr voll an den Grenzen Ukraine/ Polen. Zb. Krakovets 100 PKW ca. 10 h Wartezeit. Wollen Montag rüber, versuchen es sehr früh.“

„Haben noch vor der Grenze im Wohnmobil geschlafen. 600 km am Stück mit 90 km/h, da wollten wir nicht noch stundenlang an der Grenze stehen. War am Abend voll 55 PKW, laut Info. Am Montag früh gegen 10...“

„Der Blockposten zwischen Ustyluh und Urgyniw an der Oblastgrenze hat mich, das war jetzt aber nur einmal, auch nach 23 Uhr passieren lassen, lässt für mich den Schluss zu, auch hier ist 24/7 passierbar.“

„Kann nur zum Blockposten vor USTYLUH sagen, der ist geöffnet 24/7 und der Blockposten vor URGYNIW schließt von 23.00 Uhr bis 04:00 Uhr. (Fahrtrichtung Grenze/Ausreise); Wer in Richtung Landesmitte fährt,...“

„Ja, der Grenzübergang in Ustyluh ist echt toll geworden, ich habe letztens den Spaß gemacht und angedeutet, dass wohl jetzt die Polen eifersüchtig sind auf diese Arbeitsplätze. Die Zöllnerin hat zustimmend...“

„Fahre am Sonntag nach Lwiw und will noch am späten Abend einreisen. Hat da jemand Erfahrung wegen der Wartezeiten und ist dann die Weiterfahrt wegen der Sperrstunde nicht möglich ?“

„Montag letzte Woche 11 Uhr, komplett, von Schranke zu Schranke in 21 Minuten, optimal. Ansonsten für diesen Zeitpunkt 30 bis max 40 Minuten einplanen“

„Ich schau immer bei ... ... , finde es nicht schlecht, liegt meiner Meinung nach nie KRASS daneben, DIE gemeldeten Zahlen kann man zumindest für eine seriöse Entscheidungsfindung heranziehen.“

„Hallo Handrij, Bin letzten Freitag am Abend um 22 Uhr ausgereist. In 40 Minuten total, am Freitag! Ich schildere nochmals den Ablauf, damit der optimale Ablauf nachvollziehbar wird. Ankunft vor dem Grenzübergang,...“