Wahrscheinlich sollte eben jener Tag als Beginn des ukrainischen Europessimismus gelten. Das ist bereits hinreichend lange her, in den grauen Zeiten der Präsidentschaft Leonid Kutschmas. In der erneuerten Struktur unseres Parlaments wurde ein besonderer Ausschuss für europäische Integration gegründet. Jetzt begreife ich: eben damals war der Tag der Geburt unserer europäischen Hoffnungslosigkeit. Und wir haben das nicht besonders bemerkt. Urteilen Sie selbst: lediglich ein Ausschuss widmete sich dem langersehnten europäischen Ziel und die anderen äußerst zahlreichen blieben die alten, die in keinerlei Europa strebten. Es ist heute, wo wir die raue ukrainische Wahrheit wissen und damals hofften wir …
Revolution ist das schlechteste Mittel um zu Demokratie und Freiheit zu gelangen. Wie eine weise Charkower Dame in ihrem Buch bemerkte, erscheint am Ende eines jeden richtigen revolutionären Prozesses irgendein Napoleon Bonaparte. Denn die Revolution erleuchtet die Idee einer gewaltsamen Hinführung des Seins zum geistigen Absoluten. Merken Sie, unsere, einheimischen Bonaparts neigen absolut nicht zum stillen, einsamen Dahinsiechen auf irgendeiner Insel St. Helena. Übrigens, können wir überhaupt ernsthaft unsere ehemaligen Präsidenten als Bonapartes ansehen, die vorzugsweise in eigenen Interessen denken … Die weiche, alles verzeihende, leicht masochistische Ukraine (übrigens, die Heimat eben jenes Masochs) verjagt ihre ehemaligen Herrscher nicht in fremdes Land, im Gegenteil gestattet sie ihnen zu „beraten“ und wichtige internationale Verhandlungen zu führen. Ich bin überzeugt, dass das Schicksal Janukowitschs anders gekommen wäre, wenn er nicht den unklugen und brutalen Ratschlägen seiner „Familie“ gefolgt wäre.
Und dennoch finden Revolutionen statt. Verschiedene, teils mit unvorhersehbaren Folgen. Über die Sieger sagte Franz Kafka vor langem: „Sie beherrschen die Straße und meinen darum, dass sie die Welt beherrschen.“ So geschah es auch mit uns. Die Ereignisse und die Tode in ihr, der von uns aufrichtig so genannten Revolution der Würde, haben das gleiche Ergebnis: die siegreichen Revolutionäre wurden von der herkömmlichen Welt der schmutzigen ukrainischen Politik in Besitz genommen. In der das Streben nach Europa mit der Schaffung eines Parlamentsausschuss der Eurointegration endet.
Die zivilisierte Welt, die begeistert den Straßenaktionen unserer beiden Revolutionen folgte, dabei von uns die Stärkung demokratischer Institutionen erwartend, wendet sich schrittweise von uns ab. Von unserer Imitation der Korruptionsbekämpfung, unserem Unwillen nach den Prinzipien der Oberhoheit des Rechts zu leben. Nicht in der Lüge zu leben.
Staaten als politische Organismen sterben schnell. So stirbt das durch die zerstörerischen Neuerungen Wladimir Putins ausgezehrte einige Russland in den nächsten Jahrzehnten. So hat den Tod unserer ukrainischen Staatlichkeit eben jener Wladimir Putin vorgezeichnet. Mit uns ist es nicht geschehen. Kraft verschiedener Gründe, innerer und äußerer.
Wir bleiben dennoch ein Staat. Doch viele von uns spüren den Auflösungsgeruch bereits deutlicher. Den gräulichen, erstickenden Geruch des Vergänglichen. Wir zerfallen. Ohne die Beteiligung Wladimir Putins daran. Wir haben ausreichend an zerstörerischen Lügen und Tatenlosigkeit unserer führenden Politiker.
Wir bleiben lebendig. Auf der gleichen Erde, in denselben Häusern. Die gesellschaftlichen Institute und Traditionen sterben langsam. Diese gesegnete Erde wird nicht zur Wüste werden. Mit uns oder ohne uns. Und unsere Nachfahren, entweder mit einer dunkleren Hautfärbung oder mit schmaleren Augen, können über uns, dem ins Vergessen gegangenen Volk, eine Gedenktafel mit den mitfühlenden Zeilen der amerikanischen Dichterin Sara Teasdale aufstellen:
Ein sanfter Regen kommt und der Erde Geruch,
Zwitschern der flinken Segler die ganze Nacht hindurch.
Und der Frühling, der Frühling trifft das neue Tageslicht,
Nicht bemerkend, dass wir nicht mehr sind.
Erinnern wird man sich an uns und sich wundern.
16. November 2015 // Semjon Glusman
Quelle: Lewyj Bereg


Forumsdiskussionen
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht"
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Re: Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“
Anuleb in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“
Frank in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Kein Zoll. Du musst an sich nur sagen dass das privat ist und du nicht damit handeln willst. So lange das nicht Originalverpackt ist und ersichlich das nicht neu sollte es keine Probleme geben“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Hallo Leute, ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin mit meiner Anfrage. Ich möchte 4 Umzugskartons mit gebrauchter Straßen Kleidung bei der Einreise in die Ukraine mitnehmen. Es ist gebrauchte Kleidung...“
lev in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Wir sind mit unserem Wohnmobil, wie geplant am Montag 15.6. in Krakovets rüber. Sehr zeitig los gegen 5 Uhr in der Früh. Mit sehr sehr wenig Verkehr, super bis zur Grenze. Nur 8 PKW vor der Schranke....“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Gestern 6 Stunden warten vor der Grenze Richtung Polen in Krakowez mit dem Kleinbus. Abfertigung ging dann schnell da auch Passagiere mit EU-Pass dabei waren“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bin am Montag 15.6.26 um 8 Uhr in Urgyniw ausgereist, das erste Mal an einem Montagmorgen ca. 15 Fahrzeuge vor mir, bin sonst der Erste oder Zweite, egal, nach ca 20 Minuten wurde dann die nächste Welle...“
lev in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Derzeit, ist es überall sehr voll an den Grenzen Ukraine/ Polen. Zb. Krakovets 100 PKW ca. 10 h Wartezeit. Wollen Montag rüber, versuchen es sehr früh.“