FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Grüne Antworten auf die Krise in der Ukraine

0 Kommentare

Die Krise in der Ukraine stellt grüne Friedens-, Außen, und Sicherheitspolitik vor neue Herausforderungen. Für uns Grüne war die Schaffung einer Sicherheitsarchitektur, die ganz Europa umfasst, immer ein vordringliches Ziel, damit Konflikte auf friedlichem Wege im Dialog gelöst werden können. Die gegenwärtige russische Regierung hat allerdings in der Ukraine nicht nur diplomatische Maßnahmen zur Stabilisierung des Landes (wie die Initiative von Fabius, Sikorski und Steinmeier im Februar des Jahres) ins Leere laufen lassen oder konterkariert, sie hat vielmehr mit der Annexion der Krim und der Entsendung irregulärer Kämpfer in die Ostukraine das Völkerrecht gebrochen – obwohl Russland den Schutz der territorialen Integrität der Ukraine im Budapester Memorandum von 1994 selbst zugesichert hat.

Auch wurde durch die zeitweiligen Entführungen von Militärbeobachtern durch Separatisten die Arbeitsfähigkeit der OSZE – der wichtigsten Organisation für die paneuropäische Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen – massiv behindert, obwohl die russische Regierung derartige Vorfälle hätte unterbinden können. Ein solcher Bruch europäischer Spielregeln kann nicht mit dem Verweis auf die Wichtigkeit des Dialogs heruntergespielt werden, sondern muss klar benannt werden. Eine Rückkehr zu einer dialogischen Politik mit Russland bleibt weiterhin unser Ziel – allerdings kann ein Dialog erst dann sinnvolle Ergebnisse produzieren, wenn beide Seiten wieder bereit sind, grundlegende Verfahrensregeln zu akzeptieren. Deshalb ist es nun wichtigste Aufgabe, Russland wieder zur Einhaltung internationaler Standards zu bewegen.

Mit der (erstmals wirklich) demokratischen Wahl eines neuen Präsidenten, Petro Poroschenko, hat die Ukraine einen ersten wichtigen Schritt geleistet, um demokratische Strukturen dauerhaft zu etablieren und wirtschaftliche Reformen und Wachstum zu ermöglichen. Die marginalen Ergebnisse für rechte Kandidaten haben zudem unter Beweis gestellt, dass die Bevölkerung des Landes rechtsextremistische Tendenzen mit großer Mehrheit ablehnt. Die Menschen in der Ukraine haben dabei eindrucksvoll gezeigt, dass die Propaganda des Kremls fast nichts mit der Realität gemein hat.

Im Einzelnen

  • Wir begrüßen die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens zwischen der Ukraine und der EU, welches nun zügig umgesetzt werden muss. Die Ukraine muss in den nächsten Jahren auf die politische und ökonomische Hilfe der EU zählen können, damit das Land eine echte Chance auf einen Wandel bekommt.
  • Grüne Politik muss weiterhin auf eine Stärkung der Zivilgesellschaft setzen – das gilt für die Ukraine, in der Aktivisten versuchen, die Impulse der Maidan-Bewegung in eine dauerhafte demokratische Belebung der politischen Kultur zu überführen. Besonders aber die russische Zivilgesellschaft verdient angesichts der Repressalien der Regierung unsere Unterstützung. Während die Regierung NGOs mit ausländischer finanzieller Unterstützung als „Agenten“ brandmarkt, haben die friedlichen Proteste gegen Putins Amtseinführung 2012 und gegen die Aggression gegen die Ukraine 2014 gezeigt, dass längst nicht alle Menschen in Russland hinter der autoritären Politik stehen.
  • Auch wenn nicht absehbar ist, ob Russland bereit ist, auf absehbare Zeit konstruktiv die internationale Zusammenarbeit zu suchen, brauchen wir Modelle, mit denen alle Nachbarstaaten der EU in feste Kooperationsstrukturen eingebunden werden können, wenn sie sich auf Zusammenarbeit und eine rechtsstaatliche und demokratische Entwicklung verpflichten (das gilt nicht nur für Osteuropa, sondern ebenfalls für Zentralasien und den Nahen Osten). Diese Zusammenarbeit muss sich prinzipiell auf ökonomische, politische und auch sicherheitspolitische wie militärische Bereiche, erstrecken können, wenn die Rahmenbedingungen dies zulassen. Auch ein NATO-Beitritt eines demokratischen Russlands muss eine Option sein, solange man an der NATO als Institution festhält. In einem solchen Fall würde sich auch in Bezug auf die Ukraine die Frage der „Neutralität“ (eine überkommene Kategorie aus der Zeit des Kalten Krieges) erübrigen. Ein Mehr an Sicherheit und Wohlstand für die EU sollte möglichst immer auch ein Mehr an Sicherheit und Wohlstand für die Anrainerstaaten bedeuten. Als erster Schritt bietet sich hierzu die Stärkung der OSZE als paneuropäische Sicherheitsorganisation an. Ein Denken in starren ökonomischen und militärischen Einflusszonen, welches den Willen von Bevölkerungsmehrheiten ignoriert, lehnen wir klar ab. Wenn eine Mehrheit der Menschen in der Ukraine und ihre freigewählten politischen Vertreter*innen eine EU-Mitgliedschaft anstreben, darf dem Land diese Perspektive nicht aus falscher Rücksicht auf die Bedenken Moskaus dauerhaft verwehrt werden.
  • Energiepolitik wird in Zukunft immer stärker eine Politik auf europäischer Ebene sein müssen; sie ist auch Friedens- und Sicherheitspolitik. Die Energieabhängigkeit von fossilen Brennstoffen lähmt uns auch politisch. Nach der Ostpolitik in den 1970er Jahren braucht es nun ein umfassendes außenpolitisches und außenwirtschaftliches Konzept für die EU, das aber auch die Ukraine mit einbezieht, um die Energieabhängigkeit von Russland mittelfristig zu minimieren.
  • Für Grüne ist vollkommen klar: Die Energiewende ist nicht nur zum Schutz der Umwelt dringend nötig, sondern langfristig auch unabdingbar, um eine friedliche und demokratische Entwicklung zu befördern. Dafür muss ein Großteil der Energie eingespart werden und vollständig auf erneuerbare Energien zurückgegriffen werden, denn weder Kohle noch gefracktes Erdgas sind Energiequellen, mit denen umweltfreundliche Energiesicherheit gewährleistet werden kann. Für uns Grüne sollte die Schaffung einer europäischen Energieunion, die sich diesen Zielen verpflichtet fühlt, ein vordringliches Ziel sein. Solange Europa aber noch auf fossile Brennstoffe angewiesen ist, sollte die EU auf den internationalen Energiemärkten als kollektiver Akteur auftreten und die Rohstoffe dann an die Mitglieder weiterverkaufen. Nur so kann verhindert werden, dass kleinere Mitgliedsstaaten überzogene Preise bezahlen müssen und unter russischen Druck geraten. Außerdem sollte die Abhängigkeit von einzelnen Exporteuren vermieden werden.
  • In der Ukraine ist die Anwendung militärischer Gewalt durch den Westen eindeutig keine Option. Sanktionen jedoch sind ein Mittel, um auf friedlichem Wege Staaten zur Einhaltung internationaler Normen zu verpflichten. Sie können allerdings auch fatale Nebenwirkungen mit sich bringen, wenn sie vor allem die Zivilgesellschaft treffen. Angesichts der gegenwärtigen Krise ist es aber gerechtfertigt, Russland ultimativ mit Wirtschaftssanktionen (Restriktionen beim Rohstoff-Import, Restriktionen beim Zugang zu den europäischen Finanzmärkten) zu drohen, wenn nicht ein vollständiger Abzug russischer Undercover-Einheiten aus der Ukraine erfolgt und die Grenze zur Ukraine gesichert wird. Grüne sollten sich daher dafür einsetzen, dass Russland ein Datum gesetzt wird, bis zu dem konkrete Maßnahmen umzusetzen sind, um Wirtschaftssanktionen abzuwenden. Gleichzeitig aber sollten Visaerleichterungen für russische Bürger eingeführt werden, um mehr Begegnungen und Austausch zu ermöglichen. Die bisherigen Einreiseverbote für russische Spitzenpolitiker sollten bestehen bleiben.
  • Die EU muss umgehend finanzielle und logistische Hilfe leisten, um die Ukraine bei der Hilfe für die vielen Binnenflüchtlinge aus dem Osten des Landes zu unterstützen. Auch sollten die EU-Staaten ein Kontingent von Flüchtlingen selbst aufnehmen, um die Ukraine zu entlasten.
  • Als Sofortmaßnahme muss das staatliche Monopol der Grenzsicherung sowohl auf ukrainischer als auch auf russischer Seite schnellstmöglich wiederhergestellt werden. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass separatistische Splittergruppen nicht nur die lokale Bevölkerung weiter drangsalieren, sondern auch Anschläge auf Gaspipelines durchführen oder gar die Sicherheit der Atomkraftwerke gefährden (das Land verfügt noch immer über 15 AKWs, die 50 Prozent des Stroms erzeugen). Um dies zu erreichen sollte Europa (a) die Russische Föderation mit Verweis auf diese akute Gefahrenlage dazu drängen, scharfe Grenzkontrollen an der ukrainisch-russischen Grenze einzuführen, (b) der Ukraine sofort dabei helfen, mit modernster Technik eine effektive Grenzüberwachung aufzubauen und © die ukrainische Armee mit modernster nicht-letaler Verteidigungstechnik zu versorgen, so etwa mit Splitterschutzwesten und Helmen. Waffenlieferungen lehnen wir ab.
  • Auch im Hinblick auf Waffenexporte nach Russland sollten die EU-Mitgliedsstaaten kohärent auftreten und agieren. So sollte der Waffenexport und der Export von dual-use Gütern nach Russland von allen EU-Mitgliedsstaaten ausgesetzt werden. Der in Frankreich diskutierte Export von zwei Mistral-Kriegsschiffen muss umgehend gestoppt werden.

Lino Klevesath, KV Göttingen
Viola von Cramon, KV Göttingen
Simon Schütte, KV Oldenburg-Land
Daniel Lüchow, KV Hannover
Sonja Schreiner, KV Göttingen
29.6.2014

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 3.3/7 (bei 7 abgegebenen Bewertungen)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)10 °C  Ushhorod15 °C  
Lwiw (Lemberg)12 °C  Iwano-Frankiwsk11 °C  
Rachiw9 °C  Jassinja9 °C  
Ternopil10 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)11 °C  
Luzk11 °C  Riwne11 °C  
Chmelnyzkyj10 °C  Winnyzja10 °C  
Schytomyr9 °C  Tschernihiw (Tschernigow)7 °C  
Tscherkassy5 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)10 °C  
Poltawa9 °C  Sumy6 °C  
Odessa8 °C  Mykolajiw (Nikolajew)11 °C  
Cherson11 °C  Charkiw (Charkow)8 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)11 °C  Saporischschja (Saporoschje)11 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)10 °C  Donezk9 °C  
Luhansk (Lugansk)9 °C  Simferopol7 °C  
Sewastopol10 °C  Jalta10 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Einreise als Flüchtling, bedeutet......., nicht als Deine zukünftige Frau, bist dann erst einmal ihr Vermieter, mehr Hilfestellung gibt es jetzt aber nicht mehr.“

„Gehe auf das Ausländeramt Deiner Gemeinde und erkundige Dich, kann ja sein ich irre mich, derzeit können Ukrainer als Flüchtlinge einreisen und unterliegen dem Paragraphen 24, aufgtund dessen läuft...“

„Grundsätzlich könnte ich die Sachen mit in die Ukraine nehmen, bis Luzk, ABER Der Zoll und die Einfuhr muss geklärt sein und die Kosten und daran wird es wohl scheitern!“

„Jetzt lief gestern um 23:30 Uhr alles wie geschmiert in Ustyluh/Zosin, Einreise UA in ca. 50 Minuten. Dieses Mal die Polen schnell 3 PKW, bei den Ukrainern länger, 2 Busse und sonst ein paar Fahrzeuge,...“

„Hallo, die Heirat an sich ist nicht sonderlich aufwändig und Bürokratisch, wenn man in der Ukraine heiratet. Bei Anreise Montag oder Dienstag, kann die heirat am Donnerstag oder Freitag derselben Woche...“

„Guten Tag, ich habe Kontakt zu einem Unfallchirurgen aus Sumy, der zur Zeit in einem Fronthospital arbeitet. Durch meinen Beruf habe ich aus Kliniken 10 Kisten (130kg) chirurgische Instrumente und Implantate...“

„Hallo, die Heirat an sich ist nicht sonderlich aufwändig und Bürokratisch, wenn man in der Ukraine heiratet. Bei Anreise Montag oder Dienstag, kann die heirat am Donnerstag oder Freitag derselben Woche...“

„Hallo zusammen, ich (Deutscher und wohne in Süddeutschland) bin seit fast 4 Jahren mit einer Ukrainerin zusammen. Sie ist bei Kriegsbeginn aus der Ukraine in die Schweiz geflüchtet. Sie wohnt aktuell...“

„Gestern Freitagnacht auf Samstag, 2 Uhr Kiewzeit, habe ich bei Zosin/Ustyluh ins Klo gegriffen, ca. 12 bis 15 PKW und pro Einlas nur 5 PKW..., der weitere Ablauf bei den Polen, unerträglich langsam, das...“

„Meine derzeitige Ein- und Ausreisestrategie sieht wie folgt aus, Einreise am Grenzübergang in Ustyluh, zuletzt beide Grenzen in 18 Minuten passiert, Lichtgeschwindigkeit. 1 Uhr in der Nacht (Kiewzeit)...“

„..... Mir liegen von meinen Eltern unterzeichnete Generalvollmachten in deutscher Sprache vor. ..... Grundsätzlich wirst du mit Vollmachten in deutscher Sprache bei einem ukrainischen Konsulat nicht weit...“

„2016? Das Konsulat ist doch in Hamburg. Warum rufst dort nicht an?“

„Sehr geehrte Damen und Herren, meine Eltern sind ukrainische Staatsbürger und leben seit 2008 mit einer unbefristeten Aufenthaltserlaubnis in Deutschland, genauer gesagt in Hamburg. Im Juni 2016 läuft...“

„Hallo an ALLE, ich vermute meine Beteiligung hier entspricht nicht meinen Erwartungen und Hoffnungen. Mein Anliegen war in Erfahrung zu bringen,was ich beachten muss,wenn ich mit einer ukrainischen Frau...“

„Das sind Untermenschen, normale Menschen verhalten sich anders. Slava Ukraine Nachricht von Moderator Handrij volontaer45 wurde für diesen Beitrag verwarnt. Nazisprache ist hier unerwünscht! Un|ter|mensch,...“

Newsletter jeden Morgen

Sie möchten täglich über Neuigkeiten auf der Seite benachrichtigt werden? Dann ist vielleicht ein Kurzüberblick mit den wichtigsten Beiträgen der vergangenen 24 Stunden für Sie interessant. Der Versand erfolgt jeden Tag 6.00 Uhr morgens.




Nach dem Eintrag Ihrer E-Mailadresse erhalten Sie eine E-Mail zum Bestätigen Ihrer Adresse und können dann die Eintragung abschließen (so genanntes "Double Opt-In-Verfahren"). Ihre E-Mailadresse wird dabei nur auf unserem Server in Deutschland gespeichert und nicht an Dritte übermittelt.