Gestern wurde in Kiew im Ukrainischen Haus die Fotoausstellung „Das Wolhynienmassaker: polnische und jüdische Opfer OUN-UPA“ eröffnet. Die Exponate – Fotografien von Polen, die von Kämpfern der OUN-UPA (Organisation Ukrainischer Nationalisten – Ukrainische Aufstandsarmee) umgebracht wurden – gefielen ukrainischen Nationalisten nicht. Ihre Entrüstung führte zu einer Massenschlägerei, in deren Ergebnis Milizionäre 15 Personen festnahmen.
Die Fotoausstellung „Das Wolhynienmassaker: polnische und jüdische Opfer der OUN-UPA“ organisierten die Organisationen „Russischsprachige Ukraine“, die vom Parlamentsabgeordneten Wadim Kolesnitschenko (Partei der Regionen) geleitet wird, und die polnische Gesellschaft zum Gedenken an die Verbrechen ukrainischer Nationalisten. Die Ausstellung, die im Gebäude des Ukrainischen Hauses aufgestellt wurde, bestand aus einigen Dutzend Plakaten mit Fotografien von Polen, die, wie die Organisatoren der Ausstellung behaupten, von Kämpfern der OUN-UPA umgebracht wurden, und mit Bildern von Denkmalen zu Ehren der “Opfer der OUN-UPA“.
Das Wolhynienmassaker war die massenhafte Vernichtung von ethnischer polnischer und ukrainischer Zivilbevölkerung, die 1943 auf dem Territorium des Generalbezirks Wolhynien-Podolien stattfand, welcher von der deutschen Armee okkupiert war. Die Verantwortung für diese Ereignisse lasten einige Historiker den Vertretern der OUN-UPA an. Nach unterschiedlichen Schätzungen starben im Ergebnis des Wolhynienmassakers zwischen 75.000 und 100.000 Menschen.
Am Morgen versammelten sich am Eingang des Ukrainischen Hauses etwa 150 Anhänger der Allukrainischen Vereinigung „Swoboda“ und der UNA-UNSO (Ukrainische Nationalversammlung – Ukrainische Nationale Selbstverteidigung), die kategorisch damit nicht einverstanden sind, dass die Verantwortung für die Ereignisse des Jahres 1943 bei der UPA liegt. In Verbindung damit fand die Ausstellungseröffnung unter für Ereignisse dieser Art vergleichslosen Sicherheitsmaßnahmen statt: der Eingang war von einer Milizkette abgesperrt, ein paar Dutzend Millizionäre befanden sich im Hof des Ukrainischen Hauses und nicht weit von ihnen waren einige Milizautobusse geparkt. Zur Eröffnung der Ausstellung wurden nur die Organisatoren und Journalisten zugelassen.
Ungeachtet der Vorsichtsmaßnahmen gelangten trotzdem etwa 20 Nationalisten ins Ukrainische Haus. Als Wadim Kolesnitschenko mit der Pressekonferenz begann, wurde er sofort von den Nationalisten unterbrochen, die versuchten zum Mikrofon zu gelangen. „Du bist ein Moskauer Kriecher und Provokateur! Verpiss dich! Schande! Die Armia Krajowa (bewaffnete Formation des polnischen Untergrundes, die während des Zweiten Weltkrieges gegen die deutschen Streitkräfte und ukrainische Nationalisten vorging) bestand aus Okkupanten und Mördern!“. Es setzte ein Handgemenge ein. Der Sicherheitsdienst und Milizionäre in Zivilkleidung begannen die Rechten von Kolesnitschenko wegzudrängen. Im Wirrwarr zerriss irgendjemand eines der Plakate, auf die Leute fiel ein schweres Beleuchtungsgerät und vor die Füße fiel ein Stativ einer Videokamera. Einige Personen warfen auf Wadim Kolesnitschenko zerrissene Ausstellungskataloge.
Nach einigen Minuten traf im Saal eine weitere Milizgruppe ein. Sie nahmen die Nationalisten fest und schleppten sie zum Ausgang. Im Ergebnis nahm die Miliz 14 Personen fest, darunter den Leiter der Sumyer Oblastorganisation von „Swoboda“, den Fernsehjournalisten Igor Miroschnitschenko und den Leiter der Organisation „Ljustrazija/Durchleuchtung“, Oleg Osuchowskij.
„Vor unseren Augen wird nationaler Zwist geschürt und es findet Milizwillkür statt“, sagte der Leiter der Stadtorganisation von „Swoboda“, Andrej Mochnyk, Journalisten. dem im Gedränge die Jacke zerrissen wurde. Seine Rede konnte er nicht zu Ende bringen; er wurde ebenfalls von der herbeieilenden „Berkut“-Einheit festgenommen.
„Diese Reaktion der Nationalisten beweist, dass die hier angeführten Fakten absolut wahrheitsgemäß sind“, erklärte Wadim Kolesnitschenko. Er versprach, dass die Ausstellung nicht nur in Kiew gezeigt wird, sondern auch in anderen Städten der Ukraine.
Danach begannen die Anwesenden das Ukrainische Haus zu verlassen, welches von der Miliz bereits von allen Seiten umschlossen wurde. Die Sitzung des Kreisgerichts des Schewtschenko-Rajons, auf der den festgenommenen Aktivisten ihr Strafmaß verhängt werden sollte, begann am Abend. Zum Moment der Drucklegung der Ausgabe war das Urteil noch nicht bekannt, der Richter befragte noch die Zeugen.
Artjom Skoropadskij


Forumsdiskussionen
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Falls dann da eine Erweiterung der APP kommt oder was neues, werde ich natürlich ausprobieren und dann berichten. Hab mir jetzt mal die APP geholt, derzeit funktionieren ja nur Busse und LKW, im Grunde...“
Obm100 in Recht, Visa und Dokumente • Re: Aufenthaltsgenehmigungen müssen wieder erneuert werden
„Ich vermute Geldmacherei! Immerhin kostet die bescheuerte Karte über 1000 Hrivnas+ Krankenversicherung für 2000 Hrivnas und ungefähr 300 Euro Absicherung beim Ernstfall, die aber kein Arzt der Ukraine...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bekannte (UA) ist gestern gegen 17 Uhr wieder in Korczowa eingereist - ca. 1h“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bin gestern Nachmittag um 15.00 Uhr Kiewzeit am Grenzübergang Zosin / Ustiluh eingereist. 12 PKW in der Schlange nach ca. 20 Minuten war ich im Grenzbereich, da erstmals die EU Spur nur EU Kennzeichen,...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Gestern ist ein Bekannter (Ukrainer) über Krakowez mit dem Auto ausgereist. 1h vor der Grenze und 0,5h im Grenzbereich“
Anuleb in Hilfe und Rat • Re: Mit ukrainischer Frau unter einem Dach
„Sie kann als Untermieterin bei Dir einziehen dadurch bildet Ihr keine Bedarfsgemeinschaft. Womöglich keine gute Idee. Unser Sozialamt z. B. wollte die Nebenkosten in einer ähnlichen Situation detailliert...“
Bernd D-UA in Hilfe und Rat • Re: Mit ukrainischer Frau unter einem Dach
„Weshalb wollt ihr zusammenziehen, wenn Deine Rente nicht reicht? Du kannst diese Frau nicht ernähren? Dann ist sie doch bisher besser dran, hat ihr Bürgergeld und Wohnraum etc., Krankenversicherung hat...“
ukra in Hilfe und Rat • Re: Mit ukrainischer Frau unter einem Dach
„Sie kann als Untermieterin bei Dir einziehen dadurch bildet Ihr keine Bedarfsgemeinschaft. Nur Ihr BG wird gekürzt, wie viel weiß ich nicht. Erkundige Dich mal in diese Richtung.“