google+FacebookVKontakteTwitterMail

Ukrainische Nationalisten stören Ausstellungseröffnung zu den Verbrechen der UPA

Gestern wurde in Kiew im Ukrainischen Haus die Fotoausstellung „Das Wolhynienmassaker: polnische und jüdische Opfer OUN-UPA“ eröffnet. Die Exponate – Fotografien von Polen, die von Kämpfern der OUN-UPA (Organisation Ukrainischer Nationalisten – Ukrainische Aufstandsarmee) umgebracht wurden – gefielen ukrainischen Nationalisten nicht. Ihre Entrüstung führte zu einer Massenschlägerei, in deren Ergebnis Milizionäre 15 Personen festnahmen.

Die Fotoausstellung „Das Wolhynienmassaker: polnische und jüdische Opfer der OUN-UPA“ organisierten die Organisationen „Russischsprachige Ukraine“, die vom Parlamentsabgeordneten Wadim Kolesnitschenko (Partei der Regionen) geleitet wird, und die polnische Gesellschaft zum Gedenken an die Verbrechen ukrainischer Nationalisten. Die Ausstellung, die im Gebäude des Ukrainischen Hauses aufgestellt wurde, bestand aus einigen Dutzend Plakaten mit Fotografien von Polen, die, wie die Organisatoren der Ausstellung behaupten, von Kämpfern der OUN-UPA umgebracht wurden, und mit Bildern von Denkmalen zu Ehren der “Opfer der OUN-UPA“.

Das Wolhynienmassaker war die massenhafte Vernichtung von ethnischer polnischer und ukrainischer Zivilbevölkerung, die 1943 auf dem Territorium des Generalbezirks Wolhynien-Podolien stattfand, welcher von der deutschen Armee okkupiert war. Die Verantwortung für diese Ereignisse lasten einige Historiker den Vertretern der OUN-UPA an. Nach unterschiedlichen Schätzungen starben im Ergebnis des Wolhynienmassakers zwischen 75.000 und 100.000 Menschen.

Am Morgen versammelten sich am Eingang des Ukrainischen Hauses etwa 150 Anhänger der Allukrainischen Vereinigung „Swoboda“ und der UNA-UNSO (Ukrainische Nationalversammlung – Ukrainische Nationale Selbstverteidigung), die kategorisch damit nicht einverstanden sind, dass die Verantwortung für die Ereignisse des Jahres 1943 bei der UPA liegt. In Verbindung damit fand die Ausstellungseröffnung unter für Ereignisse dieser Art vergleichslosen Sicherheitsmaßnahmen statt: der Eingang war von einer Milizkette abgesperrt, ein paar Dutzend Millizionäre befanden sich im Hof des Ukrainischen Hauses und nicht weit von ihnen waren einige Milizautobusse geparkt. Zur Eröffnung der Ausstellung wurden nur die Organisatoren und Journalisten zugelassen.

Ungeachtet der Vorsichtsmaßnahmen gelangten trotzdem etwa 20 Nationalisten ins Ukrainische Haus. Als Wadim Kolesnitschenko mit der Pressekonferenz begann, wurde er sofort von den Nationalisten unterbrochen, die versuchten zum Mikrofon zu gelangen. „Du bist ein Moskauer Kriecher und Provokateur! Verpiss dich! Schande! Die Armia Krajowa (bewaffnete Formation des polnischen Untergrundes, die während des Zweiten Weltkrieges gegen die deutschen Streitkräfte und ukrainische Nationalisten vorging) bestand aus Okkupanten und Mördern!“. Es setzte ein Handgemenge ein. Der Sicherheitsdienst und Milizionäre in Zivilkleidung begannen die Rechten von Kolesnitschenko wegzudrängen. Im Wirrwarr zerriss irgendjemand eines der Plakate, auf die Leute fiel ein schweres Beleuchtungsgerät und vor die Füße fiel ein Stativ einer Videokamera. Einige Personen warfen auf Wadim Kolesnitschenko zerrissene Ausstellungskataloge.

Nach einigen Minuten traf im Saal eine weitere Milizgruppe ein. Sie nahmen die Nationalisten fest und schleppten sie zum Ausgang. Im Ergebnis nahm die Miliz 14 Personen fest, darunter den Leiter der Sumyer Oblastorganisation von „Swoboda“, den Fernsehjournalisten Igor Miroschnitschenko und den Leiter der Organisation „Ljustrazija/Durchleuchtung“, Oleg Osuchowskij.

„Vor unseren Augen wird nationaler Zwist geschürt und es findet Milizwillkür statt“, sagte der Leiter der Stadtorganisation von „Swoboda“, Andrej Mochnyk, Journalisten. dem im Gedränge die Jacke zerrissen wurde. Seine Rede konnte er nicht zu Ende bringen; er wurde ebenfalls von der herbeieilenden „Berkut“-Einheit festgenommen.

„Diese Reaktion der Nationalisten beweist, dass die hier angeführten Fakten absolut wahrheitsgemäß sind“, erklärte Wadim Kolesnitschenko. Er versprach, dass die Ausstellung nicht nur in Kiew gezeigt wird, sondern auch in anderen Städten der Ukraine.

Danach begannen die Anwesenden das Ukrainische Haus zu verlassen, welches von der Miliz bereits von allen Seiten umschlossen wurde. Die Sitzung des Kreisgerichts des Schewtschenko-Rajons, auf der den festgenommenen Aktivisten ihr Strafmaß verhängt werden sollte, begann am Abend. Zum Moment der Drucklegung der Ausgabe war das Urteil noch nicht bekannt, der Richter befragte noch die Zeugen.

Artjom Skoropadskij

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 608

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Artikel bewerten:

Rating: 5.0/7 (bei 1 abgegebenen Bewertung)

Kommentare

Kommentar schreiben

Neueste Beiträge

Aktuelle Umfrage

Ist das Einreiseverbot für die russische ESC-Kandidatin Julia Samoilowa richtig?
Interview

zum Ergebnis
Frühere Umfragen

Karikaturen

Andrij Makarenko: PrivatBank

Wetterbericht

Kyjiw (Kiew)19 °C  Ushhorod19 °C  
Lwiw (Lemberg)15 °C  Iwano-Frankiwsk16 °C  
Rachiw19 °C  Ternopil9 °C  
Tscherniwzi (Czernowitz)17 °C  Luzk18 °C  
Riwne18 °C  Chmelnyzkyj17 °C  
Winnyzja15 °C  Schytomyr10 °C  
Tschernihiw (Tschernigow)17 °C  Tscherkassy14 °C  
Kropywnyzkyj (Kirowograd)12 °C  Poltawa12 °C  
Sumy14 °C  Odessa11 °C  
Mykolajiw (Nikolajew)19 °C  Cherson15 °C  
Charkiw (Charkow)13 °C  Saporischschja (Saporoschje)11 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)13 °C  Donezk10 °C  
Luhansk (Lugansk)9 °C  Simferopol9 °C  
Sewastopol13 °C  Jalta11 °C  
Daten von World Weather Online

Leserkommentare

Хулио Капительман in Die Krim: Drei Jahre unter russischer Kontrolle

«Ihre Aussage "...typisch russisch verlogen" ist rassistisches 'hate speach' und müsste umgehend an die von Herrn Maas und...»

«Eie? Esotheriker? Krin? leered? authark? Um an einer Diskussion halbwegs normal teilnehmen zu können sollten sie die Grundzüge...»

Alex Alexandrewitsch in Die Krim im Tausch gegen alles

«Eie gesagt Korruption ist ein problem dem langsam angegangen werden kann. An Ihrer komma setzung, kann man die deutsche sprache...»

«Und schon wieder schafft es Genosse Alexandrewitsch,auch nur einen korrekten deutschen Satz zu formulieren. Immer wieder...»

Alex Alexandrewitsch in Die Krim im Tausch gegen alles

«Okay, korruptesind ein problem. Aber was haben paar tausend jugendliche schon zu melden? Es ist nicht die Ukraine wo sie...»

«Das, was Sie da behaupten, ist reine Propaganda, typisch russisch verlogen. In jedem Fall ist das, was Sie da von sich geben,...»

«Und jetzt rudert VV ganz schön zurück: http://korrespondent.net/sh...»

KOLLEGGA mit 143 Kommentaren

Alex Alexandrewitsch mit 60 Kommentaren

Torsten Lange mit 24 Kommentaren

Wolfgang Krause mit 23 Kommentaren

Christos Papaioannou mit 20 Kommentaren

Anatole mit 17 Kommentaren

Jusstice For All mit 17 Kommentaren

franzmaurer mit 16 Kommentaren

E Siemon mit 16 Kommentaren

stefan 75 mit 15 Kommentaren