Dies ist eine triviale Frage, die aber in diesen Tagen so oft gestellt wird, obwohl niemand eine richtige Antwort dafür hat, weil niemand ein Hellseher ist. Interessant sind die Prognosen, die man verifizieren, überprüfen kann, wie sehr die Autoren recht hatten oder wie sehr sie sich dabei getäuscht haben. So eine Prognose macht seit einigen Jahren der European Council on Foreign Relations (ECFR).
Vor einem Jahr sagte dieser Rat einen europäischen Krieg der Zivilisationen, Großbritanniens Austritt aus der Europapolitik, eine mögliche Krise der Finanzreserven von China, eine bedeutende Rolle von Russland bei der Bekämpfung der globalen oder zumindest europäischen Wirtschaftskrise, die Remilitarisierung von Europa, die wachsende Rolle von durch radikalen Islam geprägten politischen Parteien, eine mögliche Militärintervention gegen Iran sowie eine gewaltige Herausforderung, die den westlichen Demokratien immer wieder Jugendprotestbewegungen machen – von der Piratenpartei bis zur Protestbewegung gegen das Acta-Abkommen – vorher. Jetzt können wir sehen, dass diese eigentlich vernünftigen Prognosen nur zum Teil real wurden. Ungeachtet der Krise stürzte weder der europäische noch der Weltmarkt ab, der Euro hat nicht an Wert verloren, Jugendprotestbewegungen haben die Prinzipien der westlichen Demokratie nicht gefährdet. Es kam zu keiner Intervention im Iran und Russland konnte auch nicht die Wirtschaftskrise in Europa vorbeugen, weil es selbst erhebliche Probleme hat.
In diesem Jahr prognostiziert der ECFR eine neue politische Geographie in der Europäischen Union, die die EU in Länder teilen wird, die den Euro haben und die ihn nicht haben. Die zweite Prognose betrifft die Erhöhung der Rolle der mittleren EU-Staaten – solche wie Schweden oder Polen, die bei der Gestaltung der Außenpolitik in Brüssel mitspielen werden. Dies ist eine der Folgen der Krise: Größere Staaten haben sich auf ihre eigenen Interessen konzentriert und nicht auf die „Team-Arbeit“, deswegen können die kleineren Staaten größeren als zuvor Einfluss auf einige Prozesse nehmen. Russland unter Putin wird anstatt zusammenzuwachsen immer weniger kontrollierbar sein, dies sehen sogar prorussischsten Analysten im Westen. Und in arabischen Ländern wird die Abwesenheit von Sicherheit nach einer Reihe demokratischer Revolutionen zu einer immer größeren Herausforderung. Für die Europa-Politik ist die wichtigste Frage, wie man Wachstum generieren kann, wenn die Vereinigten Staaten ihre Hauptziele von der euroatlantischen Welt auf die Region der Pazifik überlagern. Gerade erscheinen alle Prognosen für 2013 glaubhaft und begründet. Man wird aber sehen, was mit diesen in einem Jahr passieren wird.
Bei keiner der globalen und auch nicht europäischen Prognosen ist die Ukraine dabei. Nicht, weil die Ukraine verloren ist und sich weiterhin mit eigenen Sachen beschäftigt, und nicht mit den Ideen, Problemen, Ängsten oder Chancen, die für Europa wichtig sind. Die grundlegende Frage für die Ukraine ist, ob sie weiterhin in der „grauen Zone“ zwischen Osten und Westen balancieren wird, Nutzen mal von einer, mal von der anderen Seite bekommt oder sich für eine konkrete Entscheidung entschließt. So eine Entscheidung kann die Unterzeichnung des Assoziationsabkommens mit der Europäischen Union sein oder der Beitritt zur Zollunion mit Russland, Weißrussland und Kasachstan perspektivisch zur Eurasischen Union sein. Die Wahl zwischen diesen zwei Varianten wird zu der wichtigsten strategischen Herausforderung für die Ukraine in diesem Jahr. Kiew kann den Assoziationsvertrag mit der EU im Herbst auf dem Gipfel der Östlichen Partnerschaft in Vilnius unter bestimmten Voraussetzungen, die Anfang Dezember in Brüssel verkündet wurden, unterzeichnen. Wird die Ukraine diese Möglichkeit nutzen? Es ist noch nicht klar, es würde aber für die Zukunft des Staates gut sein. Die Europäische Union ist nicht perfekt, dort funktioniert aber eine effektive Partnerschaft zwischen den Mitgliedern und herrscht keine Diktatur eines Hegemonialstaates. Von der anderen Seite her können die Wirtschaftskrise und eine neue Welle der Rezession Kiew zur Annäherung an Russland zwingen, weil man den Nutzen von der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Russland im Unterschied zur Kooperation mit Brüssel schneller spüren kann. Welche Entscheidung wird die ukrainische Elite treffen? Egal wie es ausgeht, wäre es besser, wenn die Entscheidung endlich getroffen würde. Wie das polnische Sprichwort sagt, eine Entscheidung ist besser als keine.
Driften ohne Ziel hat keinen Sinn. So einen „Luxus“ können sich nur Staaten erlauben, die nichts zu verlieren haben. Die Ukraine hat einiges zu verlieren und davon viel.
8. Januar 2013 // Marcin Wojciechowski
Quelle: Lb.ua


Forumsdiskussionen
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?
“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“
Awarija in Ukrinform • Re: Russland attackiert erneut Grenzübergang zu Moldau in Region Odessa, Verkehr gesperrt
„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Hallo julib77,
Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.
Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)
Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.
Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht"
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Re: Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“
Anuleb in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“