Die Ukraine steht heute am Scheideweg: der Zollunion zwischen Russland, Kasachstan und Belarus beizutreten oder das Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterzeichnen. Dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche Vor- und Nachteile, sondern um die künftige Zugehörigkeit der Ukraine zu den unterschiedlichen Wertesystemen. Der Beitritt der Ukraine zu der Zollunion würde eine politische, wirtschaftliche und kulturelle „Russifizierung“ bedeuten. In diesem Fall würde die Ukraine ein Anhängsel Russlands und nicht ein gleichberechtigter Partner sein. Gleichzeitig ist fraglich, ob es gelingen würde, einen friedlichen Verlauf der Ereignisse in der Ukraine aufrechtzuerhalten. Das Assoziierungsabkommen zwischen der Ukraine und der EU, dessen eventuelle Unterzeichnung für den Herbst 2013 geplant ist, stellt für die Ukraine dagegen eine Chance dar, Bestandteil des europäischen Integrationsprozesses zu werden, von dem die beiden Vertragsseiten im wirtschaftlichen, gesellschaftspolitischen und kulturellen Sinne profitieren würden.
Die Europäische Union steht heute genauso vor einer Entscheidung: Abwarten und zuschauen, wofür sich Janukowytsch und Co. entscheiden würden oder doch intensiver an einer weiteren „Europäisierung“ der benachbarten Ukraine mitzuwirken und die Zukunft der Ukraine mitzubestimmen? Jetzt hat die EU eine Chance, ukrainische Bürger mit demokratischen Instrumenten zu unterstützen, sich schneller vom fragilen Regime zu befreien, statt später die Folgen ihres Zögerns zu beseitigen. Ohne Unterstützung der EU wird die Rückkehr der Ukraine nach Europa schwerlich gelingen. Die heutige Ukraine leidet nicht darunter, dass sie Teil der Sowjetunion war, sondern darunter, dass sie weiter von Europa ignoriert wird.
In diesem Zusammenhang spielt Deutschland, das als Motor der europäischen Integration und Garant des Friedens in Europa gilt, eine tragende Rolle. Nicht nur deutsche Politiker, sondern auch die Verantwortlichen in den Medien sollten ihren Ukraine-Kurs überdenken. Nicht Janukowytsch sollte im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, sondern die Zivilgesellschaft, die sich aktiv in die Entwicklungen in der Ukraine einmischt und ihre Zukunft in Europa sieht. Trotz Einschüchterungen, Überwachung, Einschränkung der Medienfreiheit und der nachhaltigen allgegenwärtigen prorussischen Propaganda und trotz der Tatsache, dass 75 Prozent der Ukrainer noch nie im Ausland waren, spricht sich eine Mehrheit der Ukrainer für die Europäische Integration aus. Gerade von den europäischen Bestrebungen der ukrainischen Bürger, die unter relativ bescheidenen wirtschaftlichen Umständen und unter Repressalien leben aber trotzdem den Wunsch und Mut haben, für ihre Zukunft in Europa zu kämpfen, sollten sich Deutschland und auch die EU in ihrer Ukraine-Politik leiten lassen.
Deutschland als führende Kraft in der EU muss die Möglichkeit wahrnehmen, um eine strategische, nachhaltige und allumfassende Ukraine-Politik zu erarbeiten. Während der Einfluss von prorussischen Sendungen und Filmen, die proeurasische Werte vermitteln und massenhaft in der Ukraine gezeigt werden, steigt, findet die EU in der Ukraine nur im Rahmen von Konferenzen oder einzelnen Aktionen statt. Freilich werden auch viele NGOs in Großstädten gefördert, damit wird leider die breite Öffentlichkeit nicht erreicht. Auch in Europa ist die Ukraine außer in Schlagzeilen kaum präsent. Daher ist es an der Zeit, eine mediale Kampagne auf den Weg zu bringen, um die EU-Bürger und Ukrainer füreinander zu sensibilisieren.
Eine erfolgreiche Integration der Ukraine in die europäische Familie kann nur dann erfolgen, wenn auch die Mitglieder der Familie mehr über ihren Nachbarn und eventuell ihr künftiges Mitglied wissen. Durch eine mediale Kampagne würde es gelingen, den EU-Bürgern einen Ansporn zu geben, die Ukraine zu besuchen und somit menschliche Kontakte zu stärken, statt nur kluge Köpfe durch verschiedene Programme aus der Ukraine herauszulocken und ihnen nachher keine Garantie dafür zu geben, dass sie erneut ins Ausland fahren können. Kein Programm, kein Stipendium kann ihnen garantieren, dass sie nicht wieder hinter der Grenze in der Janukowytsch-Ukraine eingemauert werden. Austauschprogramme sind gut, wenn sie allerdings nicht als eine einmalige Chance erscheinen, aus dem Lande zu fliehen.
In dieser Hinsicht ist Reisefreiheit von entscheidender Bedeutung. Heute kocht die Ukraine, statt mehr von Europa zu erleben und neue Erfahrungen zu sammeln, weiter in der postsowjetischen Suppe, die regelmäßig mit neuen Putin‘schen Gewürzen abgeschmeckt wird. Dies erschwert die Situation für zivilgesellschaftliche Aktivisten, NGOs, die sich in der Ukraine für Freiheit und Demokratie einsetzen. Die Bürger des Landes, das tiefe Wurzeln in der europäischen Geschichte hat, kämpfen für ihre Freiheit und Demokratie und brauchen die Unterstützung der EU-Bürger, die auf der anderen Seite der Grenze demokratische Werte genießen, die sie im Laufe von vielen Jahren gemeinsam errungen haben.
Kein Regime ist ewig und Demokratie ist keine angeborene Eigenschaft, sondern eine errungene und gereifte. Früher oder später kommt es zu politischen Veränderungen. Und Deutschland und auch die EU haben heute die Möglichkeit, den Zeitrahmen für demokratische Veränderungen in der Ukraine zu beschleunigen und diese mitzubestimmen. Ein trockenes „Nein“ oder ein zögerndes „Später“ für die EU-Bestrebungen der ukrainischen Bürger kann auf lange Zeit oder auch für immer die Tür nach Europa für die Ukraine schließen. Wäre das ein Verlust nur für die Ukraine oder doch auch für die ganze Europäische Union in der Zeit der Globalisierung?


Forumsdiskussionen
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Hallo julib77,
Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.
Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)
Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.
Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht"
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Re: Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“
Anuleb in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“
Frank in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Kein Zoll. Du musst an sich nur sagen dass das privat ist und du nicht damit handeln willst. So lange das nicht Originalverpackt ist und ersichlich das nicht neu sollte es keine Probleme geben“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Hallo Leute, ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin mit meiner Anfrage. Ich möchte 4 Umzugskartons mit gebrauchter Straßen Kleidung bei der Einreise in die Ukraine mitnehmen. Es ist gebrauchte Kleidung...“
lev in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Wir sind mit unserem Wohnmobil, wie geplant am Montag 15.6. in Krakovets rüber. Sehr zeitig los gegen 5 Uhr in der Früh. Mit sehr sehr wenig Verkehr, super bis zur Grenze. Nur 8 PKW vor der Schranke....“