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Gaskrieg: Nachlass für Gasprom und Hilfe für Moldau

7 Kommentare

Serhij Fursa - Gaskrieg: Nachlass für Gasprom und Hilfe für Moldau

Die Ukraine hat im Rahmen der Konfrontation an der Gasfront zwei Schritte unternommen. Und, das muss gesagt werden, zwei äußerst gelungene Schritte.

Der erste: Die Ukraine hat erklärt, dass sie Gasprom einen Nachlass für die Durchleitung zusätzlicher Gasmengen zur Verfügung stellt. Einen Nachlass von 50 Prozent.

Ein Nachlass für Gasprom mag als ein typischer Verrat erscheinen. Ist es aber nicht.

Worum geht es? Putin ist zur direkten und offenen Erpressung Europas übergegangen. Er sagt, dass er Europa keine zusätzlichen Gasmengen zur Verfügung stellt, solange es kein endgültiges grünes Licht für Nord Stream 2 gibt. Er will den Energieschock nutzen, die Krisensituation im Energiesektor in der EU. Ein typischer Putin also.

Dabei schickt Putin kein Gas durch die ukrainische Röhre. Mit der Begründung, dass die ukrainische Röhre nicht zuverlässig sei und überhaupt sei es teuer.

All das ist natürlich Blödsinn. Die Havarie-Anfälligkeit des ukrainischen Systems ist um etliches niedriger als die Havarie-Anfälligkeit der russländischen Pipelines. Und von wirtschaftlich ungünstigen Transitbedingungen zu sprechen, während der Gaspreis über 1.000 Dollar liegt, kann man nur, wenn man alle rundum für Idioten hält. Wieder ein typischer Putin.

Was macht die Ukraine? Die Ukraine sagt, dass sie bereit ist, den Transit billig zu machen. Wir geben einen Nachlass von 50 Prozent. Auf die zusätzlichen Kapazitäten. Und bringt Putin in eine dumme Lage. Was für ihn, den Empfindlichen, nichts Neues ist, aber dennoch. Indem die Ukraine diesen Nachlass anbietet, zeigt sie, dass in den Handlungen Putins und Gasproms keine wirtschaftliche Logik liegt. Nur eine politische. Und dass Putin allein aus politischer Zweckmäßigkeit die Krise in Europa verschlimmert.

Wird Putin das Angebot nutzen? Natürlich nicht. Das erwartet auch niemand. Aber damit lässt Putin klar erkennen, dass er Gas und Nord Stream 2 als Waffe nutzt. Und damit die Chancen für Sanktionen erhöht. Und dabei wieder und wieder die Frage aufwirft, dass Russland, genau Russland ein unzuverlässiger Partner ist. Während die Ukraine gerade ein sehr zuverlässiger ist. Und bereit ist, die EU im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten zu unterstützen.

Unterm Strich trifft die Ukraine Putin schmerzhaft ohne etwas zu machen.

Nun, und zu Moldau. Die Ukraine hat Moldau Gas gegeben. Auf Pump. Das sieht auf den ersten Blick auch wie ein typischer Verrat aus, vor dem Hintergrund der Gespräche über das Loch in unserem Energiehaushalt für diesen Winter.

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Aber nein.

Nein, das Loch gibt es. Potenziell. Aber es gibt keinen Verrat. Und die Unterstützung Moldaus, mit dem Faktor Tschaus [nach Moldau geflohener ukrainischer Richter, der vom ukrainischen Militärgeheimdienst entführt und zurück in die Ukraine gebracht wurde, was die Beziehungen zwischen Kiew und Chisinau belastet. A.d.R.] oder ohne ihn, ist ein richtiger strategischer Schritt.

Moldau ist jetzt unter Druck durch Russland geraten. Wie immer, wenn in einem Nachbarland Russlands, in der Zone, in der Russland sich für den Chef hält, eine pro-europäische Regierung an die Macht kommt, die Reformen anstrebt, kommt es zu Problemen mit Gasprom. Moldau hat aktuell eine solche Regierung. Sowohl eine solche Präsidentin als auch eine solche Regierung. Einst wurde Chile von Chikagoer Jungs aus der Armut herausgezogen – jetzt wird Moldau von Harvard-Mädels angeführt (darin ist kein Tropfen Sexismus, sucht nicht einmal danach. Das ist höchsten Neid auf Moldau.)

Im Ergebnis macht Moskau alles, damit es nicht zu einem Erfolg Moldaus kommt. Und inszeniert Probleme. Gas ist die Hauptwaffe Moskaus. Und einen Konflikt mit Gasprom durchzustehen ist für Moldau äußerst wichtig. Und wichtig für uns. Der Erfolg Moldaus jetzt ist auch ein Erfolg der Ukraine. Ein Erfolg Moldaus ist äußerst wichtig für die Ukraine. Ein pro-europäisches Moldau ist ein natürlicher und verlässlicher Verbündeter der Ukraine. Ein erfolgreiches Moldau ist ein Beispiel für die Ukraine, wie Reformen funktionieren.

Wie Gas zur Verfügung stellen, wenn es für uns selbst nicht reicht? Erstens reicht es derzeit. Probleme können im Januar-Februar beginnen. Und bis dahin ist eine Erstattung durch Moldau vorgesehen. Und zweitens ist diese Gasmenge lächerlich klein und macht keinen großen Unterschied.

Somit können wir mit einer kleinen Hilfe viel gewinnen.

Wir können also, wenn wir wollen.

23. Oktober 2021 // Serhij Fursa

Übersetzung durch Martina Steis.

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Rating: 4.2/7 (bei 6 abgegebenen Bewertungen)

Kommentare

#7 von Frank
Also ich lese das daraus nicht.
Da steht nix von zusätzlichen Mengen.
Und mit einer Zulassung und Betrieb von NS2 von heute auf morgen ist sowieso nicht zu rechnen da sie ja noch gar nicht transportfähig ist.

Eigentlich gibt es ja momentan gar kein Defizit was die Transportkapazitäten angeht, das ist wohl auf die Zukunft gemünzt.
Und eigentlich geht es ja um die Gasprom-Speicher in D welche ziemlich leer sind. Ist dafür nicht die Firma selbst zuständig?

#6 von Handrij
"Er sagt, dass er Europa keine zusätzlichen Gasmengen zur Verfügung stellt, solange es kein endgültiges grünes Licht für Nord Stream 2 gibt. "
WO und WANN soll Putin das gesagt haben?
Ist es nicht eher so das man dies ihm andichtet?
Putin hat das ziemlich direkt bei seiner Soloshow in Sotschi anlässlich dieses Waldai-Treffens gesagt.
...

#5 von mbert
Gegen Putin kann man fast jeden Mist schreiben, gibt anscheinend noch genug Leute, die unreflektiert alles glauben. Was ist an dem Müll ziemlich interessant, ne, ne @mbert
Länder mit proeuropäischen Regierungen werden schlicht und einfach Marktpreise zahlen müssen, nicht mehr und nicht weniger.
Thema verfehlt, @Cronos, gern noch mal versuchen, dann aber zur Sache.

#4 von zwick
Gegen Putin kann man fast jeden Mist schreiben, gibt anscheinend noch genug Leute, die unreflektiert alles glauben. Was ist an dem Müll ziemlich interessant, ne, ne @mbert
Länder mit proeuropäischen Regierungen werden schlicht und einfach Marktpreise zahlen müssen, nicht mehr und nicht weniger.

#3 von Frank
"Er sagt, dass er Europa keine zusätzlichen Gasmengen zur Verfügung stellt, solange es kein endgültiges grünes Licht für Nord Stream 2 gibt. "
WO und WANN soll Putin das gesagt haben?
Ist es nicht eher so das man dies ihm andichtet?

Im übrigen will Russland wohl bald mehr liefern.
...

#2 von mbert
Die deutschen Politiker/innen, kennen die Interessen der russischen Regierung.
Ich finde das jetzt diskriminierend. Die armen Politiker außen bleiben hier unsichtbar.

Aber im Ernst. Hast Du überhaupt den Artikel gelesen? Oder war das jetzt nur Anlass, die Presseerklärung des russischen Pressedienstes herunterzubeten?

Ich fand den Artikel ziemlich interessant, und es dürfte interessant sein zu sehen, ob Moskau wirklich genau so reagiert, wie im Artikel vorhergesagt. Auch der Hinweis darauf, dass alle Länder, in denen sich Moskau als Chef wähnt, eher früher als später Probleme mit Gasprom bekommen, sobald sie es "gewagt" haben, eine proeuropäische Regierung zu wählen, ist schwer von der Hand zu weisen.

#1 von martin meschenmoser
Die deutschen Politiker/innen, kennen die Interessen der russischen Regierung.
Sie wissen aber auch, dass Moskau (Russland), in den vergangenen 100 Jahren, ein zuverlässiger Partner war und ist.
Die Tatsache, dass beide Länder, um ihre jeweiligen Interessen zu waren, zusammenarbeiten müssen, sind europaweit bekannt und akzeptiert.
Ein friedliches Europa, unter Ausschluss von Russland, ist nicht möglich.
Diese Tatsache muss auch die Ukraine akzeptieren. Nur mit Russland, wird Europa friedlich.
Die USA muss- und wird sich auf den Pazifikraum/Asien konzentrieren.
Nach Jahren der Misserfolge, in Süd- und Mittelamerika, Afrika, Mittleren Osten, Korea und Vietnam, bedroht China die Existenz der USA.
Eine US-Weltherrschaft, ist trotz Militärinvestitionen in Billionenhöhe, nicht mehr möglich.
Auch die USA wird erkennen müssen, dass wirtschaftliche-soziale Sicherheit, der einzige Garant einer Regierung ist.
Die Klimaentwicklung und die Naturkatastrophen,...

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