Die Regierung ist zur Idee der Privatisierung der Gebietsenergieversorger (OblEnergo) zurückgekehrt, dafür per Gerichtsurteil die Übergabe der Aktien von 15 Oblenergos an den Fonds für Staatseigentum freigegebend. Derzeit übersteigt der Gesamtwert der Aktiva keine 2 Mrd. Dollar, wobei nach Reformen des Energiemarktes dieser mehr als das Doppelte betragen würde, betonen Experten. Nichtsdestotrotz erklärt man bei der Regierung, dass sie für einen Teil der Unternehmen potentielle Käufer gefunden hat.
Am 4. November erneuerte das Kiewer Berufungsgericht auf Klage der Regierung und des Fonds für Staatseigentum die Geltung der Kabinettsanordnung zur Übergabe des staatlichen Aktienpakets an 15 Energieunternehmen aus dem Bestand der NAK (Nationale Aktiengesellschaft) „Energetitscheskaja Kompanija Ukrainy“ in die Verwaltung des Fonds für Staatseigentum. Diese Anordnung wurde am 2. Juni per Klage der Generalstaatsanwaltschaft vor Gericht angefochten (Ausgabe des „Kommersant-Ukraine“ vom 7. Juni). Doch, wie es in den Materialien der Sache heißt, die gestern im Register für Gerichtsurteile eingetragen wurden, hatte das Verwaltungsgericht das Urteil mit einem Verstoß gegen die Norm des materiellen Rechts gefällt.
Jetzt soll das Energieministerium auf Anordnung des Ministerkabinetts hin dem Fonds für Staatseigentum 60 Prozent + 1 der Aktien der Oblenergos Winnyzja, Wolhynien, Sakarpatja, Chmelnyzkyj, Nikolajew, Tscherniwzi, Donezk, Charkow, von „Krimenergo“ und „Dneproenergo“, sowie 60,25 Prozent von „Saporoshoblenergo“, 60,06 Prozent von „Luganskoblenergo“, 51 Prozent von „Ternopoloblenergo“, 50 Prozent + 1 Aktie von „Kiewenergo“ und 46 Prozent von „Tscherkassyoblenergo“ an den Fonds für Staatseigentum übergeben.
Die Verzögerungen bei der Privatisierung der Unternehmen hat man beim Energieministerium bislang mit der Notwendigkeit von Reformen des Energiemarktes erklärt, bis zu deren Abschluss ein Verkauf der Aktien unvorteilhaft ist. Eine Gruppe zur Reform der Energiewirtschaft, die beim Komitee für Reformen beim Präsidenten geschaffen wurde, bereitet entsprechende Vorschläge vor. In der Ukraine fanden bereits experimentelle Auktionen zum Verkauf von Elektroenergie statt, doch bislang sind nur geringere Mengen verkauft worden. Ein großer Teil der Elektroenergie wird wie gehabt durch das Staatsunternehmen „Energorynok“ verkauft. „Man muss ein paar Jahre warten, die Reform abschließen, die Tarife für die Oblenergo-Dienstleistungen liberalisieren und sie danach verkaufen“, betonte ein hochgestellter Informant des „Kommersant-Ukraine“ beim Energieministerium.
Den Worten des Gesprächspartners des „Kommersant-Ukraine“ beim Ministerium nach plant man die Aktien bereits Anfang März in die Bilanz des Fonds für Staatseigentum zu übertragen und die Auktion zu ihrem Verkauf Ende April – Anfang Mai durchzuführen. „Wir müssen im nächsten Jahr die Aktiva verkaufen, für die man Mittel erlösen kann. Für diese Unternehmen gibt es vier bis fünf potentielle Käufer und daher erwarten wir, dass die Privatisierung erfolgreich vor sich geht“, erklärte der Gesprächspartner des „Kommersant-Ukraine“. Anwärter zu nennen, weigerte man sich beim Ministerium.
Der Gesamtwert der Aktiva, die für die Privatisierung übergeben werden, beträgt nicht mehr als 2 Mrd. Dollar, meint man beim Unternehmen „UkrEnergoconsulting“ (verwaltet die fünf OblEnergos der Unternehmer Grigorij und Igor Surkis). „Wenn der Verkauf nach der Reform des Marktes realisiert worden wäre, läge die Summe 1,5 bis 2 mal höher“, betonte man dort. „Verkaufen hätte man es eindeutig nach dem Abschluss der Reformen des Marktes, wenn die Preise für Elektroenergie vom Markt geregelt werden, das heißt durch das Verhältnis von Angebot zu Nachfrage“, stimmt Dennis Sakwa von der Investmentgesellschaft Dragon Capital zu. Außerdem sind die OblEnergos, die bei der NAK „Energetitscheskaja Kompanija Ukrainy“ geblieben sind, hinreichend neue und sie zu verkaufen, ist nicht zweckmäßig, vermuten Experten. Branchenanalysten nach liegt der Abnutzungsgrad des Kapitalstocks der Unternehmen unter 60 Prozent.
Witalij Schukowskij von der Investmentgesellschaft „Renaissance Capital“ ist überzeugt, dass die Reform des Energiemarktes auf höherer Ebene stattfinden sollte – nicht über Regierungsanordnungen, sondern über die Verabschiedung von Gesetzen. „Nach dem Programm ökonomischer Reformen und den Zeitplänen für deren Realisierung urteilend, kann man erwarten, dass Änderungen bei der Regulierung und der Privatisierung parallel stattfinden werden“, sagt Schukowskij.
Oleg Gawrisch
Quelle: Kommersant-Ukraine


Forumsdiskussionen
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Falls dann da eine Erweiterung der APP kommt oder was neues, werde ich natürlich ausprobieren und dann berichten. Hab mir jetzt mal die APP geholt, derzeit funktionieren ja nur Busse und LKW, im Grunde...“
Obm100 in Recht, Visa und Dokumente • Re: Aufenthaltsgenehmigungen müssen wieder erneuert werden
„Ich vermute Geldmacherei! Immerhin kostet die bescheuerte Karte über 1000 Hrivnas+ Krankenversicherung für 2000 Hrivnas und ungefähr 300 Euro Absicherung beim Ernstfall, die aber kein Arzt der Ukraine...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bekannte (UA) ist gestern gegen 17 Uhr wieder in Korczowa eingereist - ca. 1h“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bin gestern Nachmittag um 15.00 Uhr Kiewzeit am Grenzübergang Zosin / Ustiluh eingereist. 12 PKW in der Schlange nach ca. 20 Minuten war ich im Grenzbereich, da erstmals die EU Spur nur EU Kennzeichen,...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Gestern ist ein Bekannter (Ukrainer) über Krakowez mit dem Auto ausgereist. 1h vor der Grenze und 0,5h im Grenzbereich“
Anuleb in Hilfe und Rat • Re: Mit ukrainischer Frau unter einem Dach
„Sie kann als Untermieterin bei Dir einziehen dadurch bildet Ihr keine Bedarfsgemeinschaft. Womöglich keine gute Idee. Unser Sozialamt z. B. wollte die Nebenkosten in einer ähnlichen Situation detailliert...“
Bernd D-UA in Hilfe und Rat • Re: Mit ukrainischer Frau unter einem Dach
„Weshalb wollt ihr zusammenziehen, wenn Deine Rente nicht reicht? Du kannst diese Frau nicht ernähren? Dann ist sie doch bisher besser dran, hat ihr Bürgergeld und Wohnraum etc., Krankenversicherung hat...“
ukra in Hilfe und Rat • Re: Mit ukrainischer Frau unter einem Dach
„Sie kann als Untermieterin bei Dir einziehen dadurch bildet Ihr keine Bedarfsgemeinschaft. Nur Ihr BG wird gekürzt, wie viel weiß ich nicht. Erkundige Dich mal in diese Richtung.“
Obm100 in Recht, Visa und Dokumente • Re: Ich (Deutscher) und meine Freundin (Ukrainerin) zusammenleben = Welche Möglichkeiten?
„Wenn die Ukrainer/innen schon einen Flüchtlingsstatus haben, ist ein weiterer Status als Flüchtling in Europa nicht mehr möglich. Es zählt das Erstaufnahmeland. In Deutschland wird sie dann nicht mehr...“
Obm100 in Recht, Visa und Dokumente • Re: Aufenthaltsgenehmigungen müssen wieder erneuert werden
„Was soll der Quatsch wieder? Der Krieg noch voll im Gange, aber schon wird wieder an solchem Zeug raumgemacht. Haben die keine anderen Probleme?“
Obm100 in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Mittlerweile sind wieder Blockposten bei Korczowa bzw. Krakovez. Am letzten Dienstag jedenfalls wurde ich angehalten im Wald kurz vor der Grenzkontrolle. Wahrscheinlich brauchen sie wieder Männer an deren...“