FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Janukowitsch stellte sein ökonomisches Programm bis 2014 vor

0 Kommentare

Präsident Wiktor Janukowitsch stellte gestern sein Programm der ökonomischen Reformen in der Ukraine bis zum Jahr 2014 vor. Das Dokument enthält keine grundlegend neue Initiativen, die nicht bereits von der vorhergehenden Regierung umzusetzen versucht wurden, doch die Mehrzahl der Vorschläge zur Reformierung der Wirtschaft, der Staatsfinanzen und der sozialen Sphäre bleibt trotzdem noch aktuell. Außerdem sind im Programm keine prioritären Ziele und klare Fristen für deren Erreichung bestimmt, was deren Effektivität senkt, meinen ukrainische Experten und internationale Kreditgeber.

Die Präsidialadministration hat gestern das „Programm der ökonomischen Reformen für die Jahre 2010-2014“ veröffentlicht, was insgeheim innerhalb von zwei Monaten vorbereitet wurde. Die Reformen, die auf 85 Seiten beschrieben wurden, sollen vier Schlüsselsphären berühren: die makroökonomische, soziale, das Geschäftsklima und die Infrastruktur. Und deren Umsetzung erlaubt es, den Worten von Präsident Wiktor Janukowitsch nach, der Ukraine innerhalb von zehn Jahren zu den zwanzig entwickeltsten Ländern zu gehören und ein europäisches Lebensniveau zu erreichen. Es ist geplant das Programm in drei Etappen zu realisieren.

In der ersten Etappe – bis Ende 2010 – ist eine Finanzierung praktisch nicht erforderlich, da die Regierung hauptsächlich Gesetze vervollständigt. Unter den Prioritäten sind der Beschluss eines Steuerkodex und Änderungen im Haushaltskodex, die Deregulierung der Wirtschaft, eine Vereinfachung der Insolvenzprozedur und eine Verringerung der Zahl der Lizenzarten um 30%. Die Zentralbank soll unabhängig gemacht und für Banken soll eine Umstrukturierung von Problemkrediten vereinfacht und eine Bank für problematische Aktiva gegründet werden. Notwendig sind neue Gesetze auch für die Gründung der Freihandelszone mit der Europäischen Union und die Einführung der Visafreiheit. „Nach der Bestätigung des Programms bringt der Präsident alle Gesetzesprojekte in die Werchowna Rada ein“, versprach im Verlaufe der zweiten Sitzung des Ausschusses für ökonomische Reformen die Erste Stellvertreterin des Präsidialamtsleiters, Irina Akimowa.

Im Dokument gibt es keine grundlegend neuen Vorschläge, die nicht schon in den Jahren der Unabhängigkeit der Ukraine in Betracht gezogen wurden. Alte, doch noch aktuelle Vorschläge verspricht der Präsident in mittelfristiger Perspektive – bis Ende 2012 – zu realisieren. Im Sozialbereich sind im Einzelnen die Einführung einer kapitalgedeckten Rentenversicherung, die Erhöhung des Rentenalters und der Übergang zu gezielter Hilfe geplant. Innerhalb von zwei Jahren ist ebenfalls eine Restrukturierung der NAK (Nationalen Aktiengesellschaft) „Naftogas Ukrainy“ und der „Ukrsaliznyzja“ (Ukrainische Eisenbahnen) und die Beseitigung der Energiesubventionen geplant. In der dritten Etappe – bis zum Jahre 2014 – ist geplant größere Privatisierungen zu vollenden, den Staatsanteil in der Wirtschaft von 37% auf 20-25% zu senken, eine verpflichtende Krankenversicherung einzuführen und die landwirtschaftliche Infrastruktur zu modernisieren.

Die Umsetzung der Reformen in 21 Bereichen soll es dem Land erlauben innerhalb von vier Jahren ein jährliches Wirtschaftswachstum von nicht weniger als 5% zu erreichen, die Inflation von 13% auf 6% abzusenken, die Energieintensität der Wirtschaft um 20% und das Unterstützungsniveau für die Energiewirtschaft, die Kohle-, Erdöl-/Erdgasbranche und die kommunale Wohnungswirtschaft um 60% zu senken und die mittlere Lebenserwartung von 68 auf 70 Jahre zu erhöhen. Das Haushaltsdefizit des Jahres 2014 soll auf 2% des BIP gesenkt werden und die Höhe der Staatsschulden max. 45% des BIP erreichen.

Die Ressort-Vizepremiers, die auf der Sitzung anwesend waren, redeten von notwendigen Änderungen in der Wirtschaft. In ihren Auftritten gab es nur keine klaren Fristen für die Umsetzung der Reformen, keine Verantwortlichen für die Einführung, keine erwarteten konkreten Resultate und keine Summen für die erforderlichen staatlichen und privaten Investitionen. Vizepremier Sergej Tigipko verkündete zum wiederholten Mal die Notwendigkeit des Übergangs zu einer mittelfristigen Haushaltsplanung und eine Erhöhung der Effektivität der Haushaltsausgaben mithilfe eines progressiven Gesetzes zu staatlichen Einkäufen und der Durchführung eines internen Audits der zentralen Regierungsorgane. Im finanziellen Sektor werden zu Prioritäten die Aufrechterhaltung eines flexiblen Wechselkurses, die garantierte Auszahlung von Einlagen und der Schutz von Kreditnehmern.

Jurij Bojko, Minister für Brennstoffe und Energiewirtschaft, versprach lebensfähige Schächte zu privatisieren und hoffnungslose zu schließen, mit nachfolgender Arbeitssuche für die entlassenen Mitarbeiter. Von der Erhöhung der Tarife für die kommunalen Dienstleistungen in der Wohnungswirtschaft sprach Vizepremier Wiktor Tichonow. Er meint, dass es zweckmäßig wäre bei bis zu 70% des Wohnungsbestandes die Teilbesitzer von Mehrwohnungshäusern zu vereinen und die Reparaturbedürftigkeit der kommunalen Netze bis 2014 von 70% auf 12% zu verringern und den Gasverbrauch um 15% zu senken. Vizepremier Wladimir Seminoshenko plant die Zahl der armen Leute zu halbieren.

Die größten Kreditgeber der Regierung – die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) – unterstützten die Reformbestrebungen der Ukraine, doch kritisierten sie die Beispiele hart. So kann man, der Meinung des Leiters der IWF-Vertretung in der Ukraine, Max Allier, nach, die Senkung des Budgetdefizits lediglich um 1% jährlich und die Senkung der Inflation bis 2014 auf 6% unter Berücksichtigung dessen, dass bereits jetzt der Preisanstieg unter 10% liegt, kaum als „ambitionierte Ziele“ bezeichnen. Alliers Meinung nach, sollte die Regierung die Senkung der Inflation und des Haushaltsdefizits als „Erfolgsindikatoren“ für die durchgeführten Reformen ansehen. Im Gegenteil muss doch der Staat sein Ziel der makroökonomischen Stabilität bestimmen, wonach Mechanismen der Erreichung gesucht werden. Unzufrieden ist der IWF auch mit dem Fehlen von Prioritäten in der großen Zahl von Vorschlägen, einem Algorithmus der nachfolgenden Änderungen, der Fristen für die Umsetzung, Berechnungen des erwarteten wirtschaftlichen Effekts und der Verantwortungen für die anzuwendenden Reformen.

„Es wurde eine große Arbeit durchgeführt und eine Vielzahl von Vorschlägen ausgearbeitet, was davon spricht, dass nicht alles getan werden wird, strategische Reformen werden verschoben und kleinere umgesetzt“, kritisierte Max Allier. „Die Reformen des Systems der Rentenversorgung, der Binnentarife für Energieträge und der gezielten sozialen Hilfe muss man bedeutend schneller einführen, als es im Programm vorgesehen ist“, unterstützte Martin Reiser, Direktor der Weltbank für die Ukraine, Weißrussland und Moldawien, seinen Kollegen.

Der Meinung von Dmitrij Bojartschuk, Direktor des Zentrums „CASE Ukraina“, nach wird die Durchführung effektiver Reformen möglich, wenn die Regierung Richtungsprioritäten festlegt. „Die Regierung muss sich auf die Durchführung der Rentenreform und der Maßnahmen zum Ausgleich des Haushalts konzentrieren“, meinte er. „Wahrscheinlich wird dieses Programm über die Aufnahme von Auslandskrediten beim IWF finanziert. Davon, in welchem Maße die Empfehlungen des Fonds umgesetzt werden, hängt ab, wie erfolgreich diese Kreditaufnahme wird“. Jelena Belan, Analystin bei der Investmentfirma Dragon Capital, vermutet ebenfalls, dass die Regierung nur auf Hilfe des IWF bei der Finanzierung der ökonomischen Reformen zählen kann, wenn sie das Haushaltsdefizit reduziert. „Bislang bleiben die Reforminitiativen der Regierung deklarativ“, sagt sie. ??„Doch falls die Regierung tatsächlich eine Reihe von Maßnahmen verwirklicht, die auf die Lösung der Probleme der Haushaltsbilanz abzielen, wird die Möglichkeit einen Kredit vom IWF zu bekommen realistischer. Die Staatsschulden der Ukraine belaufen sich auf 30% des BIP. Bis Ende des Jahres könnte sich der Wert auf bis zu 40% erhöhen. Gemäß den internationalen Standards hat die Ukraine die Sicherheitsschwelle von 60% bei den Schulden noch nicht überschritten. Wir haben noch Möglichkeiten Auslandskredite aufzunehmen.

Wahrscheinlich muss die Ukraine das Programm verbessern – der Präsident versprach die Sichtweisen des IWF und der Weltbank anzuhören. „Ich habe eben (per Telefon) mit dem geschäftsführenden Direktor des IWF, Dominique Strauss-Kahn gesprochen. Wir haben vereinbart, dass bereits in der nächsten Woche einer der führenden Experten des IWF in die Ukraine kommt und wir gemeinsam die starken und schwachen Seiten der Reformen prüfen, die wir beginnen“, sagte Janukowitsch. „Die Reformen, die wir verwirklichen werden, werden zu einem Schritt in die Richtung der europäischen Integration der Ukraine“.

Den täglichen oder wöchentlichen Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

Natalja Neprjachina, Marija Zaturjan

Quelle: Kommersant-Ukraine

Das Programm lässt sich auf Ukrainisch hier einsehen.

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 1198

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 5.0/7 (bei 1 abgegebenen Bewertung)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)23 °C  Ushhorod25 °C  
Lwiw (Lemberg)21 °C  Iwano-Frankiwsk23 °C  
Rachiw19 °C  Jassinja19 °C  
Ternopil22 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)23 °C  
Luzk21 °C  Riwne21 °C  
Chmelnyzkyj23 °C  Winnyzja23 °C  
Schytomyr20 °C  Tschernihiw (Tschernigow)21 °C  
Tscherkassy24 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)25 °C  
Poltawa25 °C  Sumy22 °C  
Odessa25 °C  Mykolajiw (Nikolajew)28 °C  
Cherson26 °C  Charkiw (Charkow)23 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)26 °C  Saporischschja (Saporoschje)26 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)26 °C  Donezk27 °C  
Luhansk (Lugansk)24 °C  Simferopol22 °C  
Sewastopol25 °C  Jalta23 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“

„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?


„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“

„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?


„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“

„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.


„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“

Der Link zum Anbieter ist ja da.
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.
War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht" :-([smilie=dntknw.gif]

„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“

„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“