Ende August diesen Jahres, als verschiedene Beamte und Abgeordnete unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Regionalen Wohnungsbau mit viel Pathos im Ukrainischen Haus das Zweite Ausstellungsforum zum Thema „erschwinglicher Wohnungsbau“ feierten, bereiteten sich Hunderte enttäuschter Kiewer Familien auf eine Demonstration vor. Ironischerweise war der Grund ihrer Wut ausgerechnet der so genannte „erschwingliche Wohnraum“, an den sie vor einigen Jahren unvorsichtigerweise geglaubt hatten.
Kurz zur Geschichte der Ereignisse. Im Jahr 2010 begann das kommunale Unternehmen „Spezshytlofond“ den Bau von Mietshäusern an der Motornyj pereulok Straße Nr. 3A, 4, 6 und 8 im Kiewer Stadtteil Golosejew/Holosijiw. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts der Mietshäuser wurde für das dritte Quartal 2012 geplant, die des zweiten Abschnitts für 2014. Ein Teil der Wohnungen wurde Investoren zu Marktpreisen geboten, ein anderer Teil gemäß dem Programm „erschwingliches Wohnen“ 70/30, entsprechend dem 70% der Finanzmittel für den Bau von den Kiewer Anwärtern auf billigen Wohnraum selbst und 30% aus der Stadtkasse kommen sollten.
Das wäre zwar nicht ganz billig, aber für Leute, die seit Jahrzehnten auf eine freie neue Wohnung warten und in unzumutbaren Wohnverhältnissen oder gar Wohnheimen lebten, bedeutete das Hoffnung. Vor allem, als sich die Stadtregierung, vertreten durch Aleksandr Popow, immerzu dieses Thema als PR-Strategie nutzte: „Die erste Finanzierungsrate für das Programm ‚Erschwinglicher Wohnraum’ wird von der Stadt Kiew übernommen“, „Angestellte im Finanzbereich erhalten bis zu 20% des Wohnungspreises aus der Stadtkasse“, „Der Kiewer Stadtrat prüft im Rahmen des Programms ‚Erschwingliches Wohnen’ die Möglichkeit einer Bezuschussung von 50% der Selbstkosten der Wohnungen für Bürger der Stadt Kiew“ –erklärte Popow in verschiedenen Pressekonferenzen und Kommentaren in den Medien.
Jedoch schafften es die kommunalen Häuslebauer nicht, den Wohnraum in dem geplanten Zeitraum fertigzustellen. Mehr noch, sie begannen sogar, von den Programmteilnehmern noch weitere 30% der Baukosten zu verlangen, was faktisch die Bezahlung der gesamten Summe der Wohnungen wäre. Diejenigen, die sich weigerten, die neuen Vertragsbedingungen zu akzeptieren, wurden mit der Drohung erpresst, den gesamten Vertrag aufzulösen und von der Warteliste für neuen Wohnraum zu streichen. Für weniger wohlhabende Leute wie einfache Lehrer, Ärzte und Angestellte im sozialen Bereich, stellten diese Aussichten einen wirklichen Schock dar.
„Ich bin zu 100% Investor, aber auf keinen Fall beschuldige ich die Investoren dieses zwielichtigen 70/30 Programms, denn in Wirklichkeit sind sie die Verlierer…“, „An alle 70/30 Investoren, die den zusätzlichen Vertrag nicht unterzeichnet haben: wir treffen uns morgen am Hauptpostamt zur Unterschriftensammlung“, „Ich werde von Investoren angerufen und gebeten, einen Beschwerdebrief an Popow zu schreiben (S.M. Danilovytsch hat bereits einen erhalten und wir wurden aus dem Vertrag ausgeschlossen)“ – Hunderte solcher Nachrichten füllen über 160 Seiten des Forums auf http://realt.ua.
Der Willen der Mehrheit der Wohnungskäufer, das sind ca. 200 Familien, ist bereits gebrochen worden, 70 Kaufinteressenten bestehen bis jetzt auf ihr Recht und führen einen regelrechten Krieg gegen die Beamten. Im Verlauf des vergangenen Jahres haben sie mehrmals vor dem Ministerkabinett der Ukraine und der Kiewer Stadtverwaltung demonstriert. Doch die Regierung hat darauf gar nicht reagiert. Deshalb wird die Vermutung der hinters Licht geführten Teilnehmer des 70/30-Programms gerechtfertigt sein, die von Letzteren in einem offenen Brief an die Medien gerichtet wurde: „Es besteht der Verdacht, dass diese Affäre von Anfang an so geplant wurde, zunächst Investoren mit günstigen Preisen anzulocken und dann das Geld zusätzlich aus der Tasche zu ziehen, zu einem intransparenten Zweck?“
Die weitere Entwicklung der Ereignisse zeigt, dass diese Vermutung der Wahrheit gar nicht so fern liegt, und die städtischen Organisatoren ihre Experimente räumlich erweitern wollen. Darunter leiden nicht nur die Einwohner der Stadt Kiew, sondern auch das Stadtbild wird maßgeblich zerstört.
Und so fasste der Kiewer Stadtrat am 16. Februar 2012 den Beschluss Nr. 169/7506, der dem bereits erwähnten kommunalen Unternehmen „Spezshytlofond“ eine 1,83 ha große Baufläche in der Professor-Podwyysozkyj-Straße im Kiewer Stadtteil Petschersk zuteilte, mit dem vermeintlichen Ziel, dort „erschwinglichen Wohnraum für Angestellte im kommunalen medizinischen Bereich der Stadt Kiew“ zu schaffen.
Dabei interessierten sich weder die Abgeordneten der für den Bürgermeister stimmenden Mehrheit, noch die kommunalen Bauträger für die Tatsache, dass diese Fläche im Grunde der letzte grüne Fleck des alten Swerynezkij-Waldstückes ist, eine der wenigen grünen Oasen des Stadtteils Petschersk, die die Bauten des Krankenhauses Nr. 12 vor den sich von allen Seiten nähernden Stahlbeton-Neubauten schützt. Nun also ist der Bauzaun errichtet und die hundertjährigen Bäume werden gefällt. Und Aleksandr Popow wurde dazu eingeladen, vor Fernsehkameras feierlich eine Zeitkapsel in das Fundament des neuen „erschwinglichen Wohnhauses“ einzumauern.
Die rücksichtslosen Handlungen der Bauleute haben viele Bewohner der umliegenden Häuser derart verärgert, dass diese am Tag des geplanten Besuchs des Bürgermeisters wütend den Bauzaun umrissen, sich auf der Baufläche zum Fundament begaben und den aus Steinen gelegten Ring zerstörten, in den die Kapsel gelegt werden sollte. Nach diesem Ereignis kam Popow natürlich nicht…
Überhaupt kann es einem seltsam erscheinen, warum Spezshytlofond den neuen „erschwinglichen Wohnraum“ ausgerechnet in Petschersk bauen wollte. Wäre ein Bau in Vorstadt-Gegenden nicht einfacher und günstiger gewesen?
Die Antwort auf diese Frage drängt sich auf nach der Analyse der Dokumentationsunterlagen. Daraus ergibt sich, dass gemäß dem Programm „erschwinglicher Wohnraum“ nur die Hälfte der Wohnungen erworben werden kann – die restlichen Wohnungen werden zum Marktpreis angeboten. Es ist zu bezweifeln, dass durchschnittliche Ärzte, Krankenschwestern und Sanitäterinnen gar die Hälfte des Preises für den elitären Wohnraum bezahlen können. Und wenn man zudem an die bittere Erfahrung der Investoren an der Motornyj Pereulok-Straße denkt, werden sich sogar diejenigen, die sich trotzdem zum Kauf entschließen sollten, sich höchstwahrscheinlich mit dem Vorschlag auseinandersetzen müssen, den gesamten Kaufpreis des „erschwinglichen Wohnraums“ zu bezahlen.
Wir erkennen also deutlich das System, nach dem die Legende vom „erschwinglichen Wohnraum“ nichts anderes ist als ein Weg, die Forderungen des Gesetzes zu umgehen, entsprechend dem Grundstücke zur industriellen Bebauung nur durch Auktionen veräußert werden dürfen. Und denjenigen, die bezweifeln, dass das kommunale Unternehmen „Spezshytlofond“ Wohn- und Industriebauobjekte nach Marktpreisen veräußert, empfehlen wir, sich die entsprechenden Internetseiten der Firma anzusehen.
Das Ziel dieses Artikels ist es nicht, konkrete Techniken der „Wäsche“ finanzieller Mittel von Investoren und Staat während des Baus von „erschwinglichem Wohnraum“ aufzuzeigen. Das ist eine Aufgabe der Staatsanwaltschaft, an die bereits entsprechende Briefe gesendet wurden.
Wir als Gesellschaft müssen alles dafür tun, um die tatsächlichen Pläne der korrupten Beamten zu durchkreuzen, die sie als wohltätige Interessen ausgeben. Auf jeden Fall sind bereits tausend Unterschriften von Ansässigen gesammelt worden, die es entsprechend der Verwaltungsordnung der Stadt Kiew erlauben, den Stopp des skandalösen Bauvorhabens und einer weiteren Affäre in der Professor-Podwyysozkyj-Straße 4C zu verlangen.
19. September 2013 // Aleksandr Djadjuk, Andrej Bogdanowitsch
Quelle: LB.ua


Forumsdiskussionen
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Hallo julib77,
Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.
Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)
Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.
Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht"
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Re: Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“
Anuleb in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“
Frank in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Kein Zoll. Du musst an sich nur sagen dass das privat ist und du nicht damit handeln willst. So lange das nicht Originalverpackt ist und ersichlich das nicht neu sollte es keine Probleme geben“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Hallo Leute, ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin mit meiner Anfrage. Ich möchte 4 Umzugskartons mit gebrauchter Straßen Kleidung bei der Einreise in die Ukraine mitnehmen. Es ist gebrauchte Kleidung...“
lev in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Wir sind mit unserem Wohnmobil, wie geplant am Montag 15.6. in Krakovets rüber. Sehr zeitig los gegen 5 Uhr in der Früh. Mit sehr sehr wenig Verkehr, super bis zur Grenze. Nur 8 PKW vor der Schranke....“