Es wäre ratsam, im Schaufenster unseres Staatswesens folgende Bekanntmachung zu annoncieren: „Wir geben Unterricht.“ Ergänzt um ein Zitat der zerknitterten wie besudelten Ehre russischer Staatlichkeit von Pjotr Tschadajew: „Wir sind ein Ausnahmevolk. Wir gehören zu einer Nation, die einzig existiert, um der Welt einst eine Lehrstunde zu geben.“ Beeilen wir uns, diese Stunde noch heute zu geben. Als Entgelt erbitten wir lediglich Kredite, die man uns auch gewährt.
Unter dem sowjetischen Regime war es strengstens verboten, marktwirtschaftliche Beziehungen zu unterhalten. Ich erinnere mich noch gut an die Samstagsausgabe der Wetschernij Kiew in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die beinahe in jedem Exemplar wütende Beschuldigungen des gerade fälligen und bereits zum Tode verurteilten Genossen abdruckte. Anschuldigungen allein dafür, dass er es gewagt hatte, ohne Erlaubnis der Moskauer Planungsbehörden seine Produktion unerhört effektiv voranzutreiben, beispielsweise aus drei Kaninchenfellen nicht zwei ohnehin zu wenig vorhandene Wintermützen, sondern ihrer drei zu nähen.
Heute haben wir Marktwirtschaft. Freie Marktwirtschaft, wie uns der Premierminister und sein Stab aufklären. Was wir aber sehen, ist folgendes: Diese Marktwirtschaft ist seltsam; jedenfalls ihrer Produktivität nach zu schließen. Eine Marktwirtschaft arbeitet offensichtlich nur dann produktiv, wenn Land wie Staatlichkeit kulturell und psychologisch dazu bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Eine Marktwirtschaft ist nur dann produktiv, wenn Land wie Staatlichkeit zu einem ehrlichen marktwirtschaftlichen Unternehmertum bereit sind. Beide müssen den Willen zeigen, sich den Weberschen „uneigennützigen“ Kapitalismus zu eigen machen zu wollen. Nun, Weber haben wir immerhin schon gelesen. Gorbatschow hat uns erlaubt, sich mit diesem protestantisch-bürgerlichen Aufrührer bekannt zu machen. Aber auch nach dem Studium dieses Klassikers bleiben wir die, die wir waren. Deswegen erscheint uns die Marktwirtschaft seltsam.
Man bedauert uns. Man möchte uns helfen. Sie laden uns in ihr europäisches Haus ein. Ungeachtet dessen, dass unser Verhalten alles andere als passend für den europäischen Stuhl ist. Aber wir fahren fort, Lehrstunden zu geben.
Wie bringt man sein Land dazu, argentinisches Fleisch billiger zu bekommen als das eigene. Auf welche Weise zerstört man den traditionellen Gartenbau, damit die Apfelernte aus Nachbars Garten um einiges teurer wird als tropische Bananen. Wie gelingt es, innerhalb einer Stunde die gesamte üppige Handelsflotte zu zerstören…
Bei uns gibt es viele nützliche und beeindruckende Lehrstunden – stets unter der Devise: Wie man es nicht machen sollte.
Pjotr Tschadajew hat schließlich wehmütig sein Leben gelebt, nachdem das zeitgenössische Russland seine Hoffnungen zerstört und seine Gedanken verschmäht hat. Sehr ähnlich war übrigens auch das Ende Gogols, dessen Vertrauen in die Zukunft sich in der historischen Realität verlor.
Pessimismus, Optimismus, Futurologie, Politologie…das sind seltsame und fremde Worte. Was sind wir im Vergleich zu den europäischen Erwartungen. Wir hoffen von uns schon nichts Gutes mehr. Wir sind selbst an allem schuld durch unseren passiven und faulen Verstand. Nehmen wir Kiew: eine durch Intellekt vorangebrachte und gesättigte Stadt und Europa deutlich näher als Tschop. Und dennoch entscheidet man sich in vollkommen freien Bürgermeisterwahlen zweimal für Tschernowezkij … Eine uns aus dem Leben unseres Parlaments bereits bekannte Person. Und schon damals war mit ihm alles klar.
Und so, fahren wir fort, Stunden zu geben? Bevor wir deren Inhalt selbst verinnerlicht haben.
7. Oktober 2013 // Semjon Glusman
Quelle: Lb.ua


Forumsdiskussionen
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Hallo julib77,
Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.
Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)
Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.
Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht"
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Re: Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“
Anuleb in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“
Frank in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Kein Zoll. Du musst an sich nur sagen dass das privat ist und du nicht damit handeln willst. So lange das nicht Originalverpackt ist und ersichlich das nicht neu sollte es keine Probleme geben“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Hallo Leute, ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin mit meiner Anfrage. Ich möchte 4 Umzugskartons mit gebrauchter Straßen Kleidung bei der Einreise in die Ukraine mitnehmen. Es ist gebrauchte Kleidung...“
lev in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Wir sind mit unserem Wohnmobil, wie geplant am Montag 15.6. in Krakovets rüber. Sehr zeitig los gegen 5 Uhr in der Früh. Mit sehr sehr wenig Verkehr, super bis zur Grenze. Nur 8 PKW vor der Schranke....“