Die Förderung von Schiefer- und Grubengas wird in der Ukraine in der letzten Zeit als ernsthafte Möglichkeit präsentiert, die Abhängigkeit von Importenergieträgern zu senken. Die Ukraine hofft auf die Hilfe der USA bei der Bewertung der Vorräte und bei der Suche nach Investoren. Darüber, wie diese ausgewählt werden sollen, berichtete Umweltminister Nikolaj Slotschewskij.
Vor kurzem wurde ein Memorandum über die Zusammenarbeit zwischen der Ukraine und den USA im Bereich der Förderung von Schiefergas unterzeichnet. Warum eben die USA?
Die USA stellen heute den größten Förderer von Schiefergas in der Welt dar. Dabei wird in diesem Land Schiefergas bereits mehr als 25 Jahre gefördert. Eben daher ist für uns die Bewertung von Seiten der Staaten sehr wichtig. In der Europäischen Union wird Schiefergas gerade nicht gefördert, obgleich nordamerikanische Firmen Sucharbeiten in Größenordnungen in vielen europäischen Ländern durchführen. Daher hat es uns interessiert, als die USA der Ukraine vorschlug geologische Informationen im Austausch für deren Auswertung und das Studium auf kostenloser Basis zu geben. Wir hätten 5-7 Jahre für diese Forschungen benötigt. Doch anfänglich war davon die Rede, dass wir die Ergebnisse der Verarbeitung der Informationen nicht erhalten. Das Kabinett sprach sich aber gegen diese Bedingung aus.
Wobei sind Sie stehen geblieben?
Heute haben wir ein Memorandum unterzeichnet, gemäß dem wir den USA die bei uns vorhandenen Daten übergeben, diese werden nach ihren Methoden verarbeitet und man übergibt uns alle Informationen. Das heißt, die Ukraine wird um neue Informationen über ihre Lagerstätten reicher. Neben der Bewertung der Vorräte an Schiefergas werden in den USA Schulungen für ukrainische Spezialisten in diesem Bereich durchgeführt und ebenfalls Vorschläge zur Verbesserung der Regulierungsmechanismen im Bereich der Suche und der Förderung von Schiefergas vorbereitet. Wichtig ist anzumerken, dass Geheimhaltungsabkommen unterzeichnet wurden, welche dabei helfen die Interessen der Ukraine zu schützen.
Halten Sie die Unterzeichnung eines Memorandums, in dessen Ergebnis die USA Informationen über ukrainische Lagerstätten erhält, nicht für gefährlich?
Diese Information lag bei uns Jahrzehnte und wir haben keine Förderung von Schiefergas betrieben. Ja, die Amerikaner werden am Ende wissen, welche Vorräte wir haben. Doch was gibt ihnen das? Das lockt Investoren in unser Land und schafft Aufmerksamkeit für die Lagerstätten. Nachdem wir das Projekt mit den USA angekündigt haben, wandten sich bereits ein Dutzend Unternehmen mit einer Anfrage zu Förderlizenzen für Schiefergas an das Ministerium.
Wie hoch schätzen Sie die Vorräte an Schiefergas?
Eine prinzipielle Frage ist, was man als Schiefergas bezeichnet. Unter diesem Begriff wird in verschiedenen Ländern nicht nur Gas verstanden, welches in Verbindung mit Schiefer steht, sondern auch Methan von Kohleflözen, Methangaskappen und Gas des Zentralbassintyps. Wenn wir die Vorräte im Donbass bewerten – einem Territorium von 60.000 km² – dann unterscheiden sich unsere Schätzungen und die der Kollegen aus den USA sehr. Wenn, nach unseren Daten, die Menge sich auf 11,3 Bio. Kubikmeter beläuft, so sieht man in den USA 25,6 Bio. Kubikmeter Gas an Methan aus Kohleflözen. Zum Vergleich: die Vorräte dieses Gas betragen in den USA 11,7 Bio. Kubikmeter. Fügen Sie das Zentralbassin hinzu, wo, unseren Einschätzungen nach, 8 Bio. Kubikmeter liegen, Wolhynien und ein Teil Podoliens mit mehr als 3 Bio. und das Gas aus Schiefersanden noch weitere 8 Bio. Kubikmeter. Gemeinsam mit dem Grubengas erhalten wir nicht weniger als 30 Bio. Kubikmeter. Doch diese Ziffer könnte sich nach einem genaueren Studium verdoppeln.
Welche Unternehmen fördern bereits Schiefergas in der Ukraine?
Schiefergas wird heute in der Ukraine nicht gefördert. Grubengas wird in den Schächten Sassjadko, Barakow, „Suchodolnaja-Wostotschnaja“, „Nikanor-Nowaja“, „Krasnolimanskaja“ und in der Schachtverwaltung „Pokrowskije“ gefördert. Die Sache ist die, dass ohne die Gasentnahme keine großen Kohlemengen gefördert werden können. In diesen Schachten wird das Gas vornehmlich für eigene Bedürfnisse genutzt, wie als Kesselbrennstoff, für die Erzeugung von Elektroenergie, für die Funktion des Autotransports. Das Grubenmethan wird in den verschiedenen Schachten von „NPK-Kontrakt“gefördert, welche im letzten Jahr in der Lisstschansko-Toschkowskaja Fläche 1,34 Mio. Kubikmeter Gas gefördert.
Wann kann die Schiefergasförderung beginnen?
Vor kurzem wurde auf der Sitzung der Behördenkommission die Frage zur Durchführung einer Ausschreibung zum Abschluss eines Abkommens im Teilgebiet Produktion der beiden Lagerstätten vorgebracht. Das betrifft das Teilstück der Odessaer Lagerstätte (Oblast Lwiw) mit einer Fläche von 6.300 km² und von 8.000 km² der Jusowsker Lagerstätte (an der Grenze zwischen den Oblasten Charkow und Donezk). Die Ausschreibung wird Anfang-Mitte des Sommers durchgeführt. Initiiert wurde diese von den Unternehmen Shell und Chevron, doch haben wir keinerlei Präferenzen. Wir hoffen darauf an diesen Wettbewerben so viel wie möglich Unternehmen einzuladen. Wir werden die angebotenen Entwicklungsprogramme, die Proportionen der Teile Produktion, Erfahrung und Möglichkeiten der Teilnehmer bewerten.
Welche Unternehmen interessieren sich für die Förderung von nicht traditionellem Gas?
Neben Shell und Chevron haben TNK-BP und Exxon/Mobil und ebenfalls einheimische Investoren Interesse gezeigt. Die Erschließung der Methanlagerstätten, die im Donbass vorgenommen wird, wird hauptsächlich von ukrainischen Unternehmen realisiert. Beispielsweise hat der Pächter des Sassjadko-Schachtes die Absicht bekundet, die Gasförderung zu erhöhen und nicht nur Grubenmethan zu fördern.
Inwieweit bedeutend könnte der Anteil des Schiefergases in der Energiebilanz des Landes werden?
Es könnte zu einer spürbaren Ergänzung zu den traditionellen Kohlewasserstoffen werden. Beispielsweise hat in den USA ein Unternehmen, als dort mit der Förderung von Schiefergas begonnen wurde, welches bis dahin ein Terminal für die Dekompression von Gas für den Import ins Land baute, dieses Projekt abgeändert. Es musste das Terminal zur Gaskompression für den Export ändern. In der Ukraine ist es schwer Prognosen zu machen, doch es gibt die Meinung, dass wir bei einem positiven Investitionsklima in zehn Jahren 10 Mrd. Kubikmeter Gas aus Schiefer und dichtem Gestein fördern können. Wenn wir dem hinzufügen, dass wir heute 96 perspektivreiche Strukturen im Schelf des Asowschen und des Schwarzen Meeres haben, dann könnte wir die eigene Förderung bedeutend erhöhen.
Wann werden Lizenzen für die Erschließung der Schiefergaslagerstätten und die Förderung von Grubenmethan verkauft?
Lizenzen und spezielle Genehmigungen für das geologische Studium und die Förderung von Grubenmethan werden seit 1996 zur Nutzung gewährt. Spezielle Genehmigungen für geologische Untersuchungen von Schiefergas mit dessen weiterer Förderung werden zum Ende des Jahres zu verkaufen begonnen.
Sie meinen, dass Schiefergas zur Konkurrenz für den russischen Treibstoff werden könnte?
Natürlich. Doch dafür müssen die Bohrmengen erhöht werden. Die Ukraine bohrt heute etwa 210-230.000 laufende Meter in den Erdöl- und Gaslagerstätten, dabei die Tiefbohrmethode nutzend. Und in den USA wurden in den letzten 4-5 Jahren in den großen Lagerstätten 40.000 Bohrlöcher vorgebracht mit einer Länge von mehr als 100 Mio. laufenden Metern. Das sind unvergleichbare Größen. Die Nutzung der Technologie der horizontalen Bohrung, die es erlaubt Schiefergas zu fördern, ist in den USA auf eine industrielle Basis gebracht worden. Wir haben diese Technologie seinerzeit nicht entwickelt. Damit muss man sich beschäftigen.
Derzeit werden in der Gesetzgebung Lagerstätten mit vorläufigen Vorräten mit bereits erschlossenen gleichgesetzt. Das senkt das Interesse der Investoren an unerschlossenen Lagerstätten …
Ich bin ein Anhänger dessen, diese Situation zu ändern. Denn, wenn der Staat diese Plätze zum Verkauf stellt, wo mehr Ressourcen sind, als eingeplant, dann werden diese zu billig verkauft. Der geologische Dienst sollte die Löcher bohren, die Vorräte sicher feststellen und diese erst danach zur Auktion stellen. Doch jetzt gibt es das Problem der Unterfinanzierung der Geologie.
Welche gesetzlichen Schwierigkeiten gibt es?
Die Beschränkung auf 500 km² für den Platz, wo Suche und Erschließung von Kohlenwasserstoffen aus traditionellen Quellen durchgeführt werden können, in dem Gesetz „Über Erdöl und Erdgas“. Für die Suche nach Schiefergas sind Flächen von einigen tausend Kilometer notwendig. Doch derartige Grundstücke kann man derzeit nur unter der Bedingung eines Vertragsabschlusses über die Aufteilung der Produktion bekommen.
Werden deswegen in der Ukraine 15-20-mal weniger Flächen für die Suche nach Schiefergas als in den USA und Kanada zugeteilt und könnte damit die Förderung des Rohstoffes im Land, Expertenmeinung nach, ineffizient werden …
Der Gasverbrauch in den USA und Kanada ist um einiges höher als in der Ukraine. Daher könnten für uns die Vorräte aus kleineren Stätten vollständig zureichen. Außerdem hängt vieles von der angewendeten Erschließungstechnik ab.
Gegner der Förderung von Schiefergas bekräftigen, dass dies die ökologische Situation verschlechtern könnte.
Die Frage der Ökologie ist tatsächlich wichtig. Es werden vielfach Bohrlöcher vorgebracht, die einen negativen Einfluss auf Grundwasser und die Umwelt haben können. Daher studieren wir die Erfahrung von Kanada und den USA, wo sehr harte Anforderungen an die Förderer gestellt werden. Wir werden die gleichen Anforderungen stellen und gestatten es nicht Schiefergas mit Schäden für die Umwelt zu fördern.
Schiefergas und Grubenmethan unterscheiden sich qualitativ etwas von Erdgas. Wird es notwendig sein, für diese Brennstoffarten spezielle Gasleitungen zu legen?
Nein. Wir können die existierende Infrastruktur vollständig nutzen.
Oleg Gawrisch
Quelle: Kommersant-Ukraine


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