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Der Schatten der Zensur

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Ich habe nicht für die Unabhängigkeit der Ukraine gekämpft. Ich habe nicht versucht, aus der UdSSR auszureisen. Ich wusste von den Häftlingen in den politischen Lagern, habe von der Führung meines Landes aber nicht ihre Entlassung in die Freiheit gefordert. Ja, ich war zutiefst beunruhigt darüber, dass in der UdSSR mein zukünftiger Beruf – der des Psychiaters – für harte Repressalien an psychisch gesunden Menschen benutzt wurde. Trotzdem habe ich das vorbereitete Gegengutachten über den sowjetischen General Grigorenko (Petro Hryhorenko/Pjotr Grigorenko, 1907-1987, sowjetischer Dissident, einer der Gründer der Ukrainischen Helsinki-Gruppe, konnte aufgrund westlichen Drucks nach mehreren Verhaftungen und Zwangseinweisungen 1977 in die USA ausreisen und wurde prompt ausgebürgert. A.d.R.) nicht unterschrieben, der zum wiederholten Male in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen wurde. Ich hatte Angst, ich wollte nicht ins Gefängnis.

In Wirklichkeit wollte ich etwas ganz anderes von meinem Land: die Möglichkeit frei zu lesen. Nicht im Samisdat, nicht verborgen vor fremden Blicken. Ich wollte frei und hörbar meine Zweifel artikulieren können, nichts mehr. Ohne auf mein persönliches Verständnis von Recht und Gerechtigkeit Anspruch zu erheben.

Ja, freie Meinungsäußerung war, was ich wirklich wollte. Aber stattdessen gab es Suslow und es gab Glawlit. Die jungen Ukrainer kennen diese Namen bereits nicht mehr. Suslow [Michail Andrejewitsch Suslow, Anm. d. Übers.] war der Chefideologe jenes Landes – ein völlig weltfremder, langweiliger, sehr konservativer Mensch. Er war kategorisch dagegen, dass das Volk in einer Atmosphäre der Meinungsfreiheit lebt.

Glawlit hingegen [die oberste Zensurbehörde für das Verlagswesen, Anm. d. Übers.] ist alles andere als ein menschlicher Name. Nur wenige wussten überhaupt von ihrer Existenz. Als würdiges Kind des Komitees für Staatssicherheit der UdSSR lebte und arbeitete sie im Stillen. Jegliches Druckerzeugnis wurde von ihr überprüft, verboten oder erlaubt. Nicht nur Bücher und Zeitschriften, einfach alles, inklusive der Etiketten auf Konservenbüchsen und Streichholzschachteln.

Manchmal unterlief Glawlit ein Fehler, egal in welcher Richtung. Sei es, dass sie etwas Verdächtiges zum Druck zuließ, sei es, dass sie völlig harmlose Texte vor der Druckerpresse zurückhielt. Glawlit, anders gesagt, das Zensurkomitee, bestand aus ganz gewöhnlichen sowjetischen Menschen. Aufmerksame und langweilige Männer und Frauen, die Außenstehenden nichts vom Charakter ihrer Arbeit berichten durften. Denn im Land des siegreichen Sozialismus gab es keine Zensur und es durfte sie auch nicht geben.

Glawlit erstellte und erneuerte auch die Listen jener Bücher und Zeitschriften, die einer Aussonderung aus den Bibliotheken unterlagen. Zum Beispiel: ein betagter Kinderbuchautor oder Dichter, der sein gesamtes Leben darum bemüht war, die Gedanken sowjetischer Kinder hin zu den Idealen des Guten zu lenken, emigriert aus der UdSSR. Sein Werk fällt sofort auf die Verbotsliste. Selbst dann, wenn er früher die sowjetischen sozialistischen Werte hochgehalten und nie etwas mit dem Kreis der Dissidenten zu tun hatte. Davon betroffen waren auch die zuvor in der UdSSR veröffentlichten Arbeiten von Mathematikern, Physikern und Chemikern, die sich der schrecklichen Sünde der Emigration schuldig gemacht haben.

Auch im vorrevolutionären zaristischen Russland gab es Zensur. Allerdings arbeitete sie völlig offen. Mitunter konnte man die Entscheidungen der Zensoren anfechten. In jenen längst vergangenen Zeiten wurde über das Phänomen Zensur geschrieben, manchmal öffentlich gespottet, einzelne Zensoren wurden gar zu Helden einer prägnanten Publizistik.

Zeitschrift Kontinent

Aber kehren wir zur UdSSR zurück. In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gaben einige aus dem Land des „siegreichen Sozialismus“ ausgereiste oder verjagte Schriftsteller in der Emigration die überaus angesehene russischsprachige Zeitschrift „Kontinent“ heraus. In jenen unbequemen Zeiten hatte auch ich, ein Lagerbewohner, zweimal die Ehre, in dieser Zeitschrift gedruckt zu werden. Selbstverständlich habe ich die umfangreichen Hefte erst später, bereits in postsowjetischer Zeit, zu Gesicht bekommen und in Händen gehalten. In einer der Ausgaben des „Kontinent“ entdeckte ich einen Artikel über die Geschichte und Struktur der sowjetischen Zensur.

Ich weiß nicht, wann und wie die zu trauriger Berühmtheit gelangte sowjetische Glawlit ihr Ende gefunden hat. Und ob sie überhaupt ein Ende gefunden hat. Als ich meine Prosa und Publizistik in den freien Zeiten Gorbatschows und Jakowlews in den Zeitschriften Moskaus, Rigas und Tallinns veröffentlicht habe, konnte ich mich davon überzeugen, dass die sowjetische Zensur faktisch nicht funktioniert. In Kiew konnte ich damals allerdings nach wie vor nichts drucken…

Vieles hatte sich verändert. In den späten Jahren Kutschmas aber, mit ihren „Themenlisten“ für ukrainische Medien, bat ich einige mit mir bekannte Juristen, einen Artikel über die Einschränkung der Meinungsfreiheit in der Ukraine vorzubereiten. Sehr gerne hätte ich einen solchen Text zusammen mit dem Text aus dem „Kontinent“ in der damals erschienenen „Ukrainischen Zeitschrift für Menschenrechte“ veröffentlicht. Leider hat aber niemand etwas geschrieben. Bald darauf wurde aufgrund fehlender Finanzierung auch unsere Zeitschrift selbst eingestellt.

Die älteren Juristen werden sich erinnern, dass in der sowjetischen Rechtswissenschaft Spezialisten für die Theorie und Praktik des Kolchoserechts wie Pilze aus dem Boden schossen. Einen dieser selbstgefälligen Professoren der Rechtswissenschaft kannte ich persönlich. Natürlich gab es von ihnen weniger, als von den gleichfalls von sich überzeugten Spezialisten für den wissenschaftlichen Kommunismus. Daneben haben lediglich drei Doktoranden und ein Professor zuverlässig ihre akademische Zukunft skizziert, indem sie hochpatriotische wissenschaftliche Untersuchungen zur Geschichte und Entwicklung der Glawlit in den sogenannten geschlossenen akademischen Räten verteidigt haben. Ein neugieriges Publikum wurde dort nicht zugelassen. Geheime Themen, Sie wissen schon.

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Wie ist es heutzutage darum bestellt? Ist es möglich, dass die Zensur in irgendeiner Form bei uns existiert? Leider schreiben die Nachfolger der Spezialisten für Kolchosrecht fleißig zum Thema des Verfassungsprozesses und des Widerstandes gegen Korruption. Für die mich interessierenden Kleinigkeiten die Zensur betreffend haben sie hingegen keine Zeit. Mir ist selbst bewusst: es gibt bei uns keine Zensur, selbst äußerst pikante Texte kann ich schreiben und veröffentlichen. Apropos…

Vor kurzem bin ich auf dem Büchermarkt in der Nähe der Metrostation „Petrowka“ gewesen. Ich wollte einige neue Bücher über die Kulturphilosophie und Geschichte des Mittelalters kaufen, die in Russland herausgegeben wurden. Außer Putin und seiner Dienerschaft leben und arbeiten dort nämlich auch andere Leute, kluge, kompetente, vernunftbegabte, die uns Ukrainern überhaupt nicht feindlich gesinnt sind. Fremdsprachige, qualitativ wertvolle Literatur zu verschiedenen Fachgebieten erscheint dort nicht wenig, ohne das die herrschenden Personen hierfür um Erlaubnis ersucht werden. Ich fragte also nach den von mir gesuchten Büchern an vier Kiosken. An dreien bekam ich trocken als Antwort: haben wir nicht und werden wir auch nicht haben. Am vierten Kiosk schaute mir der Verkäufer ins Gesicht und antwortete sehr leise: „Solche Bücher gibt es bei mir nicht. Bücher aus Russland werden nur selten eingeführt, als Schmuggelware. Sie in den Auslagen auszustellen behagt mir nicht. Ab und zu wird man kontrolliert.“

Wie weit ist es gekommen, liebe Mitbürger. Allen möglichen als Geschichte bezeichneten Unsinn finden wir wie Sand am Meer. Solange es patriotisch gesättigter Unsinn ist. Aber echtes Wissen über die Vergangenheit – das geht nicht! Ich bin mit leeren Händen nach Hause gegangen, bin heimgekehrt in die schwermütige sowjetische Vergangenheit.

07. Mai 2018 // Semjon Glusman

Quelle: Lewyj Bereg

Übersetzer:    — Wörter: 1121

Matthias Kaufmann - Studium der Geschichte und Ethnologie in Leipzig und Kasan. Im Anschluss längere Stationen in Berlin, Ufa, Barnaul und Regensburg. Derzeit als Mitarbeiter im International Office an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

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„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“

„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.


„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“

Der Link zum Anbieter ist ja da.
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.
War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht" :-([smilie=dntknw.gif]

„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“

„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“

„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“

„Kein Zoll. Du musst an sich nur sagen dass das privat ist und du nicht damit handeln willst. So lange das nicht Originalverpackt ist und ersichlich das nicht neu sollte es keine Probleme geben“

„Hallo Leute, ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin mit meiner Anfrage. Ich möchte 4 Umzugskartons mit gebrauchter Straßen Kleidung bei der Einreise in die Ukraine mitnehmen. Es ist gebrauchte Kleidung...“

„Wir sind mit unserem Wohnmobil, wie geplant am Montag 15.6. in Krakovets rüber. Sehr zeitig los gegen 5 Uhr in der Früh. Mit sehr sehr wenig Verkehr, super bis zur Grenze. Nur 8 PKW vor der Schranke....“