In der Ukraine wurden gestern die Protestaktionen der ehemaligen Liquidatoren der Havarie des Atomkraftwerks in Tschernobyl gegen die Kürzung der Rentenzahlungen fortgesetzt. Nach Donezk und Charkow forderten die Lwiwer die Wiederherstellung der Rentenzahlungen in vollständiger Höhe. Die Aktionen sind unkoordiniert und finden auf Eigeninitiative lokaler Aktivisten statt, was es den Machthabern gestattet, die Konfliktherde schnell zu beseitigen.
Gestern gegen 10:00 Uhr kamen etwa 50 Vertreter der wohltätigen Stiftung „Kinder Tschernobyls aus dem Gebiet Lwiw“ zur Oblastverwaltung des Rentenfonds und baten die Wache die Leitung herauszurufen. Wie die Leiterin der Stiftung „Kinder Tschernobyls im Gebiet Lwiw“, Walentina Burenjuk, erläuterte, war das Hauptziel des Besuchs die Renten wieder auf das vorherige Niveau zu heben (das bis zum 1. November dieses Jahres galt) und ebenfalls die Gerichtsurteile zu ihrer Auszahlung zu befolgen. Zu den Protestierenden kam der Erste Stellvertreter des Leiters der Rentenfondsverwaltung, Alexander Safin, heraus und nach einer halben Stunde traf auch der Stellvertreter des Leiters der Lwiwer Oblastverwaltung, Iwan Stefanischin, ein.
Die Staatsbediensteten baten die Tschernobylveteranen darum, ihnen ihre Forderungen in schriftlicher Form zu übermitteln. Auf diese Wendung der Ereignisse war niemand vorbereitet – die Leute hatten kein derartiges Dokument und sie benötigten zwei Stunden dafür, um es zu erstellen. Diese Petition versprachen die Lwiwer Staatsbediensteten, in das Ministerkabinett zu senden. Ungeachtet dieser Zusicherung verblieben die Tschernobylveteranen bis 18 Uhr im Gebäude des Rentenfonds, wonach sie auseinandergingen und versprachen im Falle der Nichterfüllung ihrer Forderungen in den Hungerstreik zu treten.
Zur Erinnerung: In diesem Sommer erhielt das Kabinett das Recht die Höhe der Renten für begünstigte Kategorien von Bürgern, darunter der Liquidatoren der Havarie im Atomkraftwerk von Tschernobyl, selbst zu bestimmen. Dies führte dazu, dass die Höhe der Rentenzahlungen von November an stark gekürzt wurde. Die Rentner fochten das Vorgehen des Kabinetts erfolgreich vor Gericht an, dabei bedeutende Summen herausschlagend, zu deren Zahlung das Kabinett nicht in der Lage war (siehe “Kommersant-Ukraine” vom 3. November). Daneben gingen die Tschernobylveteranen zu Massenprotesten über, die in einem versuchten Sturm der Werchowna Rada endeten, der nur mit Mühe von den Mitarbeitern der Spezialmiliz abgewehrt wurde (siehe “Kommersant-Ukraine” vom 2. November).
Besuche in den Büros des Rentenfonds in den Oblastzentren wurden zu einer weiteren Protestform der Tschernobylveteranen. Die größte Aktion fand am 15. November in Charkow statt, wo etwa 1.000 Menschen zum Gebäude der Rentenfondsverwaltung der Charkower Oblast kamen. Wie auch in Lwiw forderten sie die Umsetzung der Gerichtsurteile zur Auszahlung der Renten. Auf der Straße frierend, gingen die Tschernobylveteranen ungehindert in das Gebäude der Rentenfondsverwaltung und besetzten alle Treppenfluren auf den ersten beiden Etagen. Dabei forderten sie Treffen mit der Leitung des Rentenfonds und der Charkower Oblastverwaltung. Zu den Tschernobylveteranen kam Igor Schurma, der Stellvertreter in sozialen Fragen des Leiters der Oblastverwaltung. Ihm gelang es die Leute davon zu überzeugen, dass die Verwaltungsleitung bereit ist, ihre Forderungen vor der Kabinettsleitung zu vertreten. Danach gingen die Protestierenden auseinander.
Eine ähnliche Protestaktion in Donezk, die bereits am Montag begann, kostete den Leiter der Donezker Oblastverwaltung des Rentenfonds, Georgij Jakimenko, den Posten. Da er die Situation zu klären wünschte, bat Jakimenko die Tschernobylveteranen selbst ins Gebäude, wonach mehr als 40 Menschen im Gebäude blieben und einen Hungerstreik verkündeten. Der Staatsbedienstete, offensichtlich verärgert von den erfolglosen Verhandlungen, schrieb danach seine Rücktrittserklärung. Die Protestierenden, die von Nikolaj Gontscharow, dem Vorsitzenden der Donezker Oblastorganisation der Allukrainischen Organisation der Invaliden der Tschernobylkatastrophe „Tschernobyl-Einheit“ angeführt wurden, verblieben im Gebäude bis zum gestrigen Abend. Danach gingen sie auf die Straße und setzten den Hungerstreik in Zelten fort, wo sich zu diesem Zeitpunkt etwa 50 Demonstranten befanden. Dabei, wie dem “Kommersant-Ukraine” der Vertreter der Initiativgruppe der Hungernden Alexander Putschkow mitteilte, wurde Nikolaj Gontscharow gegen 18:00 Uhr plötzlich schlecht und er wurde in ein Krankenhaus gebracht.
Bemerkenswert ist, dass die Aktivisten der Donezker Organisation „Tschernobyl-Einheit“ ihre Aktion ohne Abstimmung mit ihrer Führung ablief. Darüber informierte den “Kommersant-Ukraine” der Vorsitzende der Organisation „Tschernobyl-Einheit“, Eduard Sliwinskij. „Das ist eine spontane Manifestation. Der Leiter unserer Oblastorganisation, Nikolaj Gontscharow, trägt selbst die Verantwortung dafür, dass er die Leute nicht von einer Protestform, wie dem Hungerstreik, abgehalten hat“, führte Sliwinskij gegenüber dem “Kommersant-Ukraine”.
Und der Vorsitzende der Allukrainischen Organisation „Tschernobyl-Union der Ukraine“, Jurij Andrejew, meint, dass die Aktionen in Charkow und Donezk von Gaunern organisiert wurden, die sich hinter Tschernobyllosungen verstecken. Seinen Worten nach findet am 19. November ein Treffen mit Vizepremier Sergej Tigipko statt. „Unsere Vorschläge erlauben es allen Beziehern von Vergünstigungen bereits ab dem 1. Januar auf ein würdiges Rentenniveau zu gelangen. Sagen wir es so: Derzeit beträgt das Rentendurchschnittsniveau bei Tschernobylveteranen 1.600 Hrywnja (ca. 145 €) und wir schlagen vor es beispielsweise für Liquidatoren der Havarie der II. Gruppe bereits ab dem neuen Jahr auf 4.000 Hrywnja (ca. 363 €) anzuheben. Wir erwarten, dass die Regierung herausfindet, woher sie die Mittel für die Erhöhung nimmt“, sagte Andrejew dem “Kommersant-Ukraine”.
Panas Sbirnyj, Julia Rjabtschun
Quelle: Kommersant-Ukraine


Forumsdiskussionen
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Hallo julib77,
Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.
Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)
Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.
Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht"
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Re: Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“
Anuleb in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“
Frank in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Kein Zoll. Du musst an sich nur sagen dass das privat ist und du nicht damit handeln willst. So lange das nicht Originalverpackt ist und ersichlich das nicht neu sollte es keine Probleme geben“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Hallo Leute, ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin mit meiner Anfrage. Ich möchte 4 Umzugskartons mit gebrauchter Straßen Kleidung bei der Einreise in die Ukraine mitnehmen. Es ist gebrauchte Kleidung...“
lev in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Wir sind mit unserem Wohnmobil, wie geplant am Montag 15.6. in Krakovets rüber. Sehr zeitig los gegen 5 Uhr in der Früh. Mit sehr sehr wenig Verkehr, super bis zur Grenze. Nur 8 PKW vor der Schranke....“