FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Tschernobyl-Liquidatoren protestieren weiter

0 Kommentare

In der Ukraine wurden gestern die Protestaktionen der ehemaligen Liquidatoren der Havarie des Atomkraftwerks in Tschernobyl gegen die Kürzung der Rentenzahlungen fortgesetzt. Nach Donezk und Charkow forderten die Lwiwer die Wiederherstellung der Rentenzahlungen in vollständiger Höhe. Die Aktionen sind unkoordiniert und finden auf Eigeninitiative lokaler Aktivisten statt, was es den Machthabern gestattet, die Konfliktherde schnell zu beseitigen.

Gestern gegen 10:00 Uhr kamen etwa 50 Vertreter der wohltätigen Stiftung „Kinder Tschernobyls aus dem Gebiet Lwiw“ zur Oblastverwaltung des Rentenfonds und baten die Wache die Leitung herauszurufen. Wie die Leiterin der Stiftung „Kinder Tschernobyls im Gebiet Lwiw“, Walentina Burenjuk, erläuterte, war das Hauptziel des Besuchs die Renten wieder auf das vorherige Niveau zu heben (das bis zum 1. November dieses Jahres galt) und ebenfalls die Gerichtsurteile zu ihrer Auszahlung zu befolgen. Zu den Protestierenden kam der Erste Stellvertreter des Leiters der Rentenfondsverwaltung, Alexander Safin, heraus und nach einer halben Stunde traf auch der Stellvertreter des Leiters der Lwiwer Oblastverwaltung, Iwan Stefanischin, ein.

Die Staatsbediensteten baten die Tschernobylveteranen darum, ihnen ihre Forderungen in schriftlicher Form zu übermitteln. Auf diese Wendung der Ereignisse war niemand vorbereitet – die Leute hatten kein derartiges Dokument und sie benötigten zwei Stunden dafür, um es zu erstellen. Diese Petition versprachen die Lwiwer Staatsbediensteten, in das Ministerkabinett zu senden. Ungeachtet dieser Zusicherung verblieben die Tschernobylveteranen bis 18 Uhr im Gebäude des Rentenfonds, wonach sie auseinandergingen und versprachen im Falle der Nichterfüllung ihrer Forderungen in den Hungerstreik zu treten.

Zur Erinnerung: In diesem Sommer erhielt das Kabinett das Recht die Höhe der Renten für begünstigte Kategorien von Bürgern, darunter der Liquidatoren der Havarie im Atomkraftwerk von Tschernobyl, selbst zu bestimmen. Dies führte dazu, dass die Höhe der Rentenzahlungen von November an stark gekürzt wurde. Die Rentner fochten das Vorgehen des Kabinetts erfolgreich vor Gericht an, dabei bedeutende Summen herausschlagend, zu deren Zahlung das Kabinett nicht in der Lage war (siehe “Kommersant-Ukraine” vom 3. November). Daneben gingen die Tschernobylveteranen zu Massenprotesten über, die in einem versuchten Sturm der Werchowna Rada endeten, der nur mit Mühe von den Mitarbeitern der Spezialmiliz abgewehrt wurde (siehe “Kommersant-Ukraine” vom 2. November).

Besuche in den Büros des Rentenfonds in den Oblastzentren wurden zu einer weiteren Protestform der Tschernobylveteranen. Die größte Aktion fand am 15. November in Charkow statt, wo etwa 1.000 Menschen zum Gebäude der Rentenfondsverwaltung der Charkower Oblast kamen. Wie auch in Lwiw forderten sie die Umsetzung der Gerichtsurteile zur Auszahlung der Renten. Auf der Straße frierend, gingen die Tschernobylveteranen ungehindert in das Gebäude der Rentenfondsverwaltung und besetzten alle Treppenfluren auf den ersten beiden Etagen. Dabei forderten sie Treffen mit der Leitung des Rentenfonds und der Charkower Oblastverwaltung. Zu den Tschernobylveteranen kam Igor Schurma, der Stellvertreter in sozialen Fragen des Leiters der Oblastverwaltung. Ihm gelang es die Leute davon zu überzeugen, dass die Verwaltungsleitung bereit ist, ihre Forderungen vor der Kabinettsleitung zu vertreten. Danach gingen die Protestierenden auseinander.

Eine ähnliche Protestaktion in Donezk, die bereits am Montag begann, kostete den Leiter der Donezker Oblastverwaltung des Rentenfonds, Georgij Jakimenko, den Posten. Da er die Situation zu klären wünschte, bat Jakimenko die Tschernobylveteranen selbst ins Gebäude, wonach mehr als 40 Menschen im Gebäude blieben und einen Hungerstreik verkündeten. Der Staatsbedienstete, offensichtlich verärgert von den erfolglosen Verhandlungen, schrieb danach seine Rücktrittserklärung. Die Protestierenden, die von Nikolaj Gontscharow, dem Vorsitzenden der Donezker Oblastorganisation der Allukrainischen Organisation der Invaliden der Tschernobylkatastrophe „Tschernobyl-Einheit“ angeführt wurden, verblieben im Gebäude bis zum gestrigen Abend. Danach gingen sie auf die Straße und setzten den Hungerstreik in Zelten fort, wo sich zu diesem Zeitpunkt etwa 50 Demonstranten befanden. Dabei, wie dem “Kommersant-Ukraine” der Vertreter der Initiativgruppe der Hungernden Alexander Putschkow mitteilte, wurde Nikolaj Gontscharow gegen 18:00 Uhr plötzlich schlecht und er wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Bemerkenswert ist, dass die Aktivisten der Donezker Organisation „Tschernobyl-Einheit“ ihre Aktion ohne Abstimmung mit ihrer Führung ablief. Darüber informierte den “Kommersant-Ukraine” der Vorsitzende der Organisation „Tschernobyl-Einheit“, Eduard Sliwinskij. „Das ist eine spontane Manifestation. Der Leiter unserer Oblastorganisation, Nikolaj Gontscharow, trägt selbst die Verantwortung dafür, dass er die Leute nicht von einer Protestform, wie dem Hungerstreik, abgehalten hat“, führte Sliwinskij gegenüber dem “Kommersant-Ukraine”.

Und der Vorsitzende der Allukrainischen Organisation „Tschernobyl-Union der Ukraine“, Jurij Andrejew, meint, dass die Aktionen in Charkow und Donezk von Gaunern organisiert wurden, die sich hinter Tschernobyllosungen verstecken. Seinen Worten nach findet am 19. November ein Treffen mit Vizepremier Sergej Tigipko statt. „Unsere Vorschläge erlauben es allen Beziehern von Vergünstigungen bereits ab dem 1. Januar auf ein würdiges Rentenniveau zu gelangen. Sagen wir es so: Derzeit beträgt das Rentendurchschnittsniveau bei Tschernobylveteranen 1.600 Hrywnja (ca. 145 €) und wir schlagen vor es beispielsweise für Liquidatoren der Havarie der II. Gruppe bereits ab dem neuen Jahr auf 4.000 Hrywnja (ca. 363 €) anzuheben. Wir erwarten, dass die Regierung herausfindet, woher sie die Mittel für die Erhöhung nimmt“, sagte Andrejew dem “Kommersant-Ukraine”.

Panas Sbirnyj, Julia Rjabtschun

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 825

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 5.0/7 (bei 1 abgegebenen Bewertung)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)4 °C  Ushhorod6 °C  
Lwiw (Lemberg)4 °C  Iwano-Frankiwsk4 °C  
Rachiw2 °C  Jassinja2 °C  
Ternopil3 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)4 °C  
Luzk3 °C  Riwne4 °C  
Chmelnyzkyj3 °C  Winnyzja4 °C  
Schytomyr3 °C  Tschernihiw (Tschernigow)5 °C  
Tscherkassy4 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)3 °C  
Poltawa4 °C  Sumy4 °C  
Odessa6 °C  Mykolajiw (Nikolajew)7 °C  
Cherson6 °C  Charkiw (Charkow)5 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)7 °C  Saporischschja (Saporoschje)9 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)7 °C  Donezk8 °C  
Luhansk (Lugansk)9 °C  Simferopol7 °C  
Sewastopol8 °C  Jalta9 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Weshalb wollt ihr zusammenziehen, wenn Deine Rente nicht reicht? Du kannst diese Frau nicht ernähren? Dann ist sie doch bisher besser dran, hat ihr Bürgergeld und Wohnraum etc., Krankenversicherung hat...“

„Sie kann als Untermieterin bei Dir einziehen dadurch bildet Ihr keine Bedarfsgemeinschaft. Nur Ihr BG wird gekürzt, wie viel weiß ich nicht. Erkundige Dich mal in diese Richtung.“

„Wenn die Ukrainer/innen schon einen Flüchtlingsstatus haben, ist ein weiterer Status als Flüchtling in Europa nicht mehr möglich. Es zählt das Erstaufnahmeland. In Deutschland wird sie dann nicht mehr...“

„Was soll der Quatsch wieder? Der Krieg noch voll im Gange, aber schon wird wieder an solchem Zeug raumgemacht. Haben die keine anderen Probleme?“

„Mittlerweile sind wieder Blockposten bei Korczowa bzw. Krakovez. Am letzten Dienstag jedenfalls wurde ich angehalten im Wald kurz vor der Grenzkontrolle. Wahrscheinlich brauchen sie wieder Männer an deren...“

„ Heute 10:30 Einreise in Urgyniw, waren bis Ende 40 Minuten, also sehr stabil, Montag, diese Uhrzeit...das läuft.
Heute wurde ich nach der polnischen "Endkontrolle" zur weiteren Kontrolle in die Garage eingeladen, hat mich mit Wartezeit, andere waren vor mir dran, genau eine 1h gekostet. Seit happens! Zu früh über die 40 Minuten gefreut.

Vielleicht mal noch eine Info, man fährt in d3n Zollbereich ein, es liegen dann 5 bis 6 Spuren vor einem, offensichtlich ist dann die Spur wo "alle" stehen, die ist ca. In der Mitte. Die EU Spur ist links davon, es gibt ein Leuchtzeichen (Leuchtreklame) über der Spur, die ist nur kaputt und man gerade noch das EU Symbol etc. erkennen. Dann passt das. Der PKW ist entscheidend, es dürfen dann auch Ukrainer im PKW sitzen.


„Einreise als Flüchtling, bedeutet......., nicht als Deine zukünftige Frau, bist dann erst einmal ihr Vermieter, mehr Hilfestellung gibt es jetzt aber nicht mehr.“

„Gehe auf das Ausländeramt Deiner Gemeinde und erkundige Dich, kann ja sein ich irre mich, derzeit können Ukrainer als Flüchtlinge einreisen und unterliegen dem Paragraphen 24, aufgtund dessen läuft...“

„Grundsätzlich könnte ich die Sachen mit in die Ukraine nehmen, bis Luzk, ABER Der Zoll und die Einfuhr muss geklärt sein und die Kosten und daran wird es wohl scheitern!“

„Jetzt lief gestern um 23:30 Uhr alles wie geschmiert in Ustyluh/Zosin, Einreise UA in ca. 50 Minuten. Dieses Mal die Polen schnell 3 PKW, bei den Ukrainern länger, 2 Busse und sonst ein paar Fahrzeuge,...“

„Hallo, die Heirat an sich ist nicht sonderlich aufwändig und Bürokratisch, wenn man in der Ukraine heiratet. Bei Anreise Montag oder Dienstag, kann die heirat am Donnerstag oder Freitag derselben Woche...“

„Guten Tag, ich habe Kontakt zu einem Unfallchirurgen aus Sumy, der zur Zeit in einem Fronthospital arbeitet. Durch meinen Beruf habe ich aus Kliniken 10 Kisten (130kg) chirurgische Instrumente und Implantate...“

„Hallo, die Heirat an sich ist nicht sonderlich aufwändig und Bürokratisch, wenn man in der Ukraine heiratet. Bei Anreise Montag oder Dienstag, kann die heirat am Donnerstag oder Freitag derselben Woche...“

„Hallo zusammen, ich (Deutscher und wohne in Süddeutschland) bin seit fast 4 Jahren mit einer Ukrainerin zusammen. Sie ist bei Kriegsbeginn aus der Ukraine in die Schweiz geflüchtet. Sie wohnt aktuell...“

„Gestern Freitagnacht auf Samstag, 2 Uhr Kiewzeit, habe ich bei Zosin/Ustyluh ins Klo gegriffen, ca. 12 bis 15 PKW und pro Einlas nur 5 PKW..., der weitere Ablauf bei den Polen, unerträglich langsam, das...“

„Meine derzeitige Ein- und Ausreisestrategie sieht wie folgt aus, Einreise am Grenzübergang in Ustyluh, zuletzt beide Grenzen in 18 Minuten passiert, Lichtgeschwindigkeit. 1 Uhr in der Nacht (Kiewzeit)...“

Newsletter jeden Morgen

Sie möchten täglich über Neuigkeiten auf der Seite benachrichtigt werden? Dann ist vielleicht ein Kurzüberblick mit den wichtigsten Beiträgen der vergangenen 24 Stunden für Sie interessant. Der Versand erfolgt jeden Tag 6.00 Uhr morgens.




Nach dem Eintrag Ihrer E-Mailadresse erhalten Sie eine E-Mail zum Bestätigen Ihrer Adresse und können dann die Eintragung abschließen (so genanntes "Double Opt-In-Verfahren"). Ihre E-Mailadresse wird dabei nur auf unserem Server in Deutschland gespeichert und nicht an Dritte übermittelt.