FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Ukraine investiert in eigene Urananreicherung

Die Ukraine beabsichtigt die Kapazitäten zur Urananreicherung zu erhöhen, erklärte Präsident Wiktor Janukowitsch am Freitag. Wie dem “Kommersant-Ukraine“ bekannt wurde, plant das Kabinett mehr als 250 Mio. $ in den Bau eines neuen Unternehmens auf der Basis der Nowokonstantinowkaer Lagerstätte zu investieren. Derzeit wird der Bedarf des Landes an Uranerz nur zu einem Drittel gedeckt und zukünftig wird sich der atomare Brennstoff weltweit nur verteuern, sind sich Experten sicher. Daher könnte die Ukraine mit dem Bau der neuen Produktion bedeutend sparen.

Über die Pläne zum Bau des Werks zur Verarbeitung von Uran in der Kirowograder Oblast informierte man beim Pressedienst des Präsidenten Wiktor Janukowitsch, der die Ergebnisse des Präsidenten-Besuchs in der Oblast kommentierte. Bemerkenswert ist, dass das Staatsoberhaupt diese Erklärung während der Zeremonie der Eröffnung des radiologischen Korpus der Krebsklinik der Oblast machte. Zu errichten plant man die neuen Kapazitäten auf der Basis der Nowokonstantinowkaer Lagerstätte – deren Vorräte betragen 3 Mio. t bei insgesamt im Lande vorhandenen 20 Mio. t, erzählte dem “Kommersant-Ukraine“ ein Informant aus dem Energieministerium. Seinen Worten nach ist der Beginn des Baus für das nächste Jahr geplant und abzuschließen plant man ihn innerhalb von zwei bis drei Jahren.

Falls diese Pläne realisiert werden, könnte das Land sich vollständig selbst mit angereichertem Uran versorgen. Den Fördermengen bei Uran nach belegt die Ukraine den sechsten Platz in der Welt. Doch von 2.400 t angereicherten Uranerz im Jahr, die für die ukrainische Energiewirtschaft notwendig sind, werden in der Ukraine lediglich 840t (die Verarbeitung findet im Östlichen Bergbau- und Aufbereitungskombinat statt) angereichert. Danach wird das Uran wiederholt in Russland angereichert, welches als Land, welches Atomwaffen besitzt, das Recht hat die entsprechende Technologie zu nutzen und Brennstoffkassetten herstellt, den Brennstoff für die Atomkraftwerke, wo die Ukraine einer der Käufer ist.

Der Bau der Fabrik für die Anreicherung von Uran ist ein Teil der Strategie der Ukraine zur Schaffung einer Produktion von Atombrennstoff, sagt Alexander Gudyma (Block Julia Timoschenko), Mitglied des Energieausschuss der Werchowna Rada. Er erinnert daran, dass in der Ausschreibung zum Bau des Werks für die Herstellung von Atombrennstoff das russische Unternehmen TWEL gewonnen hat. Der Experte erinnerte ebenfalls daran, dass in Verbindung mit dem Verbrauchsanstieg bei Elektroenergie gemäß den Prognosen die Weltmarktpreise für Atombrennstoff – Uran und Brennstoffkassetten – nach 2015 jährlich um 20-25 Prozent steigen werden. Die letzten fünf Jahre betrug die jährliche Teuerung 16,8 Prozent. Für die Ukraine, wo der Anteil der Atomenergie, den Angaben des Energieministeriums nach, 47-48 Prozent der Gesamtproduktion an Elektronenergie ausmacht, wird diese Erhöhung spürbar sein. „Die Ukraine könnte bedeutend sparen, wenn sie nicht von ausländischen Lieferungen abhängen wird. Erreichen kann man dies über eine Erhöhung der Uranförderung und den Beginn der Produktion des Brennstoffes in einem eigenen Unternehmen“, konstatiert Gudyma.

Übrigens endeten die vorherigen Versuche die Mengen der Anreicherung für Uran ohne Erfolg. 2007 prüfte das Energieministerium 18 Angebote von potentiellen Anwärtern zur gemeinsamen Entwicklung der Uranlagerstätten der Ukraine. Unter ihnen waren die russische „Atomredmetsoloto“, die französische Areva, die australische Uran, Unternehmen aus Kanada und Südkorea (Ausgabe des “Kommersant-Ukraine“ vom 30. November 2007). Doch damals war die Produktion von Atomenergie nicht so einträglich, wie gerade: die Regierung Julia Timoschenko hatte 2009 ein Veto gegen die Erhöhung der Preise für Elektroenergie im Lande eingelegt. Seit dem April 2010 steigt der Preis für Elektroenergie in der Ukraine.

Beim Energieministerium schätzt man die Investitionen für die Eröffnung der neuen Produktion auf 250-300 Mio. $ und rechnet damit, dass sie im Verlauf von zehn Jahren hereingeholt werden. Diese Pläne umzusetzen ist völlig realistisch, meint eine unabhängige Expertin, die ehemalige leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung für atomare Energiesicherheit des Instituts für Probleme der nationalen Sicherheit, Olga Koschmarnaja: „1997 befand sich Kasachstan auf dem gleichen Niveau, wie die Ukraine – stellte nicht mehr als 870t Uran im Jahr her. Doch jetzt belegt es den ersten Platz in der Welt bei der Produktionsmenge von angereichertem Uran – 13.500t im Jahr“.

Oleg Gawrisch

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 658

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 5.0/7 (bei 1 abgegebenen Bewertung)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)14 °C  Ushhorod13 °C  
Lwiw (Lemberg)10 °C  Iwano-Frankiwsk10 °C  
Rachiw8 °C  Jassinja8 °C  
Ternopil8 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)11 °C  
Luzk9 °C  Riwne7 °C  
Chmelnyzkyj8 °C  Winnyzja10 °C  
Schytomyr10 °C  Tschernihiw (Tschernigow)13 °C  
Tscherkassy15 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)14 °C  
Poltawa19 °C  Sumy17 °C  
Odessa14 °C  Mykolajiw (Nikolajew)15 °C  
Cherson17 °C  Charkiw (Charkow)18 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)19 °C  Saporischschja (Saporoschje)20 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)21 °C  Donezk17 °C  
Luhansk (Lugansk)16 °C  Simferopol16 °C  
Sewastopol19 °C  Jalta19 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Haben noch vor der Grenze im Wohnmobil geschlafen. 600 km am Stück mit 90 km/h, da wollten wir nicht noch stundenlang an der Grenze stehen. War am Abend voll 55 PKW, laut Info. Am Montag früh gegen 10...“

„Der Blockposten zwischen Ustyluh und Urgyniw an der Oblastgrenze hat mich, das war jetzt aber nur einmal, auch nach 23 Uhr passieren lassen, lässt für mich den Schluss zu, auch hier ist 24/7 passierbar.“

„Kann nur zum Blockposten vor USTYLUH sagen, der ist geöffnet 24/7 und der Blockposten vor URGYNIW schließt von 23.00 Uhr bis 04:00 Uhr. (Fahrtrichtung Grenze/Ausreise); Wer in Richtung Landesmitte fährt,...“

„Ja, der Grenzübergang in Ustyluh ist echt toll geworden, ich habe letztens den Spaß gemacht und angedeutet, dass wohl jetzt die Polen eifersüchtig sind auf diese Arbeitsplätze. Die Zöllnerin hat zustimmend...“

„Fahre am Sonntag nach Lwiw und will noch am späten Abend einreisen. Hat da jemand Erfahrung wegen der Wartezeiten und ist dann die Weiterfahrt wegen der Sperrstunde nicht möglich ?“

„Montag letzte Woche 11 Uhr, komplett, von Schranke zu Schranke in 21 Minuten, optimal. Ansonsten für diesen Zeitpunkt 30 bis max 40 Minuten einplanen“

„Ich schau immer bei ... ... , finde es nicht schlecht, liegt meiner Meinung nach nie KRASS daneben, DIE gemeldeten Zahlen kann man zumindest für eine seriöse Entscheidungsfindung heranziehen.“

„Hallo Handrij, Bin letzten Freitag am Abend um 22 Uhr ausgereist. In 40 Minuten total, am Freitag! Ich schildere nochmals den Ablauf, damit der optimale Ablauf nachvollziehbar wird. Ankunft vor dem Grenzübergang,...“

„Falls dann da eine Erweiterung der APP kommt oder was neues, werde ich natürlich ausprobieren und dann berichten. Hab mir jetzt mal die APP geholt, derzeit funktionieren ja nur Busse und LKW, im Grunde...“