FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Ein rutschiger Abhang

0 Kommentare

Russifizierung im weiteren Sinne, inklusive ökonomische, gesellschaftspolitische und andere, stellt eine Bedrohung dar – nicht nur für die betroffenen Gesellschaften sondern auch für jedes ihrer Mitglieder.

Die größte Gefahr kommt direkt von dem Unterbau, auf dem die Konzepte, die Russland seinen Nachbarn aufzwingt, basieren und die direkt auf die Grundinstinkte der menschlichen Psyche abzielen. Dies führt zu einer sowohl individuellen als auch gesellschaftlichen Abwertung. Abgewertete Menschen, ganz zu schweigen von solchen Gesellschaften, sind unfähig, Durchbrüche, Wirtschaftswunder oder Wohlstand zu erreichen.

Erstens ist der “Spezialweg”, den Russland für sich propagiert, nie klar definiert worden. Seine Hauptmerkmale lassen sich darauf reduzieren, dass die “russische Zivilisation” sich von denen Westeuropas unterscheiden und leitet daraus die Idee ab, dass die “russische Welt” alles westliche zu verachten und andererseits alles zu bewundern, was russisch, “alt” und “unseres”. Diese Liebe hat von oben bis unten bedingungslos zu sein – es gibt dabei eine allgemeine Gegenüberstellung, was “unseres” und was “fremd” ist (Anm. d. Übers.: die sprachlichen Kontrapositionen наший (unseres) und чужий (fremd) sind im russischen Sprachraum unabhängig von diesem Kontext ein sehr verbreitetes Denkkonzept). Ein weiteres Merkmal ist eine Kultivierung eines “wir”-Gefühls und die Unterdrückung abweichender Meinungen, was unweigerlich zu Stagnation führt. Darüberhinaus führt Häme gegenüber dem Westen und seine rationale Einstellung zum Leben und der Verantwortung des Einzelnen für seine jeweilige Zukunft zu einer gleichgültigen Faulheit und Konsumorientierung – keine Vision im Leben, nur eine vage Hoffnung auf eine Glückssträhne, gleichzeitig das Ertränken des eigenen Versagens in Alkohol und dabei die Schuld für jedes Problem immer bei Feinden “da draußen” zu suchen, etc. Angesichts dieser in der russischen Massenkultur idealisierten Einstellung, ist es kein Wunder, dass der durchschnittliche Lebensstandard in Russlands Sattellitenstaaten und in der Tat auch in Provinzen Russlands so niedrig ist.

Zweitens sind Ziele, die klar und für die Mehrheit akzeptabel sind, so wie z.B. das Schaffen guter Rahmenbedingungen für Erfüllung on Wohlstand der Menschen, seit den frühesten Tagen des Moskauer Reiches durch künstliche Fetische ersetzt worden – “das dritte Rom”, “weltweite Revolution”, “strahlende kommunistische Zukunft”, “Ein erstarkendes Russland, das von der Welt gefürchtet wird” etc. Diese Fetische werden benutzt, um “vorübergehende Härten” zu rechtfertigen. Im Namen dieser hohen Ziele können Autokraten ihren Völkern Geduld abverlangen – für willkürliche Entscheidungen, eine ineffiziente Wirtschaft, die Bereicherung eines kleinen Kreise derer die “für uns alle denken”. Repressives Vorgehen gegenüber der Opposition wird gerechtfertigt nicht als Bestrafung für den Wunsch, etwas im Land zu ändern, sondern als notwendige Maßnahme, dem Land ein Hindernis auf seinem Weg zu allgemeiner Glückseligkeit aus dem Weg zu räumen. Das wiederum garantiert Stagnation und das Fehlen von Initiative. Darüberhinaus rechtfertigt das “Große Ziel” gefährliche und unpraktikable Projekte, wie “kleine siegreiche Kriege”, die all die Nationen vernichten, die es Russland erlaubt haben, sie näher als es ihnen angenehm war, an sich heranzuziehen.

Drittens führt die traditionelle authoritäre und hierarchische Konstrukton russischer Regierungen zur Ablehnung jeder Initiative “von unten”. Der russische Staatsapparat hat eine Art inhärente “historische Angst” vor Demokratie. Versuche, die verborgene herrschende Klasse wenigstens ins Licht zu ziehen und dem Volk gegenüberzustellen, führte zum Zusammenbruch des Reichs: nach Godunow in der “Zeit der Not”, nach der provisorischen Regierung 1917, nach Gorbatschow und Jelzin 1991. Daher wurde von der Regierung jegliche Initiative vorsorglich erstickt, während ambitionierte Menschen entweder in den Dienst der Regierung gestellt, unterdrückt oder zur Emigration gezwungen wurden. Alle die, die geblieben sind, sind zum absoluten Gehorsam der Regierung gegenüber verpflichtet. Natürlich bringt diese Methode eine Attraktivität mit sich für Leute, die wenig oder überhaupt keine Initiative besitzen: jemand anders denkt und entscheidet für sie und sorgt, so es möglich ist, für ein zumindest erträgliches Leben.

Somit kann man sagen, “rutschen” Länder und Gesellschaften im wörtlichen Sinne in die “russische Welt”, verlieren ihre Möglichkeiten zur Entwicklung und wandeln sich zu ressourcenliefernden Anhängseln der Ambitionen der russischen Führung. Allerdings ist auch ein Entkommen von diesem rutschigen Abhang möglich. Nachdem Georgien Kraft gesammelt und Reformen durchgeführt hatte, ließ es Weißrussland und die Ukraine weit hinter sich. Estland und Lithauen, die konsequent gegen Einmischung russischer Faktoren in ihre internen Angelegenheiten Widerstand geleistet haben, sind jetzt stabiler als Lettland, das vermutlich am schlimmsten unter der wirtschaftlichen Krise gelitten hat und sich nun in einem von mit Russland in Verbindung gebrachten Oligarchen verursachten politischen Chaos befindet.

Um von diesem Abhang abzukommen, muss eine Nation Antworten zu allen Verlockungen der Russifizierung finden, Antworten, die helfen werden, sowohl finanzielle als auch geistige Armut zu überwinden. Fehlen Arbeitsplätze, und es gibt Menschen mit einem Mangel an Initiative, so ist die Antwort, die Bedingungen für das Starten und Enwickeln eigener Unternehmen zu vereinfachen, Qualifizierung anzubieten und Menschen, die sich selbstständig machen wollen, günstige Kredite anzubieten. Wenn die russische Kultur einen Kult macht aus Trunksucht und einer “Verländlichung” (Anm. d. Übers.: das Verdrängen ukrainischer Kultur von der Stadt aufs Land ist einer der häufigsten im Zusammenhang der Russifizierung der Ukraine genannten Aspekte) unserer Geschichte, dann ist die Antwort die Unterstützung nationaler Kulturprodukte und straffere Regelungen bezüglich des Gebrauchs der offiziellen Landessprache. Wenn russische Geschäftsleute mit Hilfe örtlicher Bürokratie Unternehmen übernimmt, ist die Antwort de Einführung transparenter Privatisierungs-Bieteverfahren. Wenn bezahlte “einflussreiche Agenten” in den Medien für Schlagzeilen sorgen, ist die Antwort, die eigenen Sicherheitsdienst dazu zu zwingen, für das eigene statt das Nachbarland zu arbeiten. Wenn die Wirtschaft vollständig in die Hände von Oligarchen gerät, ist die Antwort, deren Imperien aufzuteilen, die Wirtschaft zu demonopolisieren und wirksame Unterstützung für kleine und mittelständische Unternehmen zu bieten.

Diese Rezepte sind nicht neu, aber sie wirken. Wir müssen nur verstehen, dass wenn es uns nicht gelingt, sie anzuwenden, wir in der “russischen Welt” versinken werden. Später wird es schwer und kompliziert sein, uns wieder zu befreien, was die, die diese Entwicklung erlaubt haben, selber nicht mehr erleben werden.

5. Juli 2011 // Rostyslav Pavlenko

Quelle: Ukrayinskij Tyzhden

Übersetzer:    — Wörter: 1006

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 6.0/7 (bei 3 abgegebenen Bewertungen)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)19 °C  Ushhorod17 °C  
Lwiw (Lemberg)13 °C  Iwano-Frankiwsk16 °C  
Rachiw14 °C  Jassinja14 °C  
Ternopil15 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)19 °C  
Luzk14 °C  Riwne14 °C  
Chmelnyzkyj16 °C  Winnyzja19 °C  
Schytomyr15 °C  Tschernihiw (Tschernigow)18 °C  
Tscherkassy22 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)21 °C  
Poltawa21 °C  Sumy21 °C  
Odessa24 °C  Mykolajiw (Nikolajew)23 °C  
Cherson22 °C  Charkiw (Charkow)23 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)23 °C  Saporischschja (Saporoschje)23 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)24 °C  Donezk24 °C  
Luhansk (Lugansk)23 °C  Simferopol20 °C  
Sewastopol21 °C  Jalta22 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“

„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?


„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“

„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?


„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“

„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.


„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“

Der Link zum Anbieter ist ja da.
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.
War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht" :-([smilie=dntknw.gif]

„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“

„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“

„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“

„Kein Zoll. Du musst an sich nur sagen dass das privat ist und du nicht damit handeln willst. So lange das nicht Originalverpackt ist und ersichlich das nicht neu sollte es keine Probleme geben“

„Hallo Leute, ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin mit meiner Anfrage. Ich möchte 4 Umzugskartons mit gebrauchter Straßen Kleidung bei der Einreise in die Ukraine mitnehmen. Es ist gebrauchte Kleidung...“

„Wir sind mit unserem Wohnmobil, wie geplant am Montag 15.6. in Krakovets rüber. Sehr zeitig los gegen 5 Uhr in der Früh. Mit sehr sehr wenig Verkehr, super bis zur Grenze. Nur 8 PKW vor der Schranke....“