Nicht gerade viele Journalisten waren da. Und die, die da waren, machten ein Foto und gingen wieder. Hörten nicht weiter zu und interessierten sich auch nicht weiter für das Geschehen. Schade, denn auf der Konferenz „Ukrainische Gesellschaft und Drogen: Errichtung einer neuen Strategie” wurde die Wahrheit gesprochen. Die bittere Wahrheit. Ukrainische Experten und zahlreiche ausländische Spezialisten diskutierten drei Tage lang das, was schon lange und ernsthaft ein drängendes Problem der nationalen Sicherheit der Ukraine darstellt – die Epidemie der Drogenabhängigkeit in der Ukraine.
Merkwürdig, am optimistischsten waren die ausländischen Experten. Sie haben sich aufrichtig für uns, die Ukrainer, gefreut, dass wir es geschafft haben, die sowjetische Tradition des Todschweigens von Problemen in uns zu bewegen. Einer dieser ausländischen Meister, Berater der UNO aus Kanada, lobte mit kindlicher, aufrichtiger Freude unser Gesundheitsministerium für die Vorbereitung eines Projektes zur Konzeption einer Reform des kinderpsychiatrischen Dienstes. Wie immer – konkret und fundiert – war der „Chef” der Konferenz Wladimir Andrejewitsch Timoschenko, Vorsitzender des staatlichen Dienstes zur Kontrolle von Drogen. Im Saal sah man auch die früheren formalen führenden Personen des ukrainischen Drogen-Dienstes, die lange auf ihren Aussagen wie „Alkoholismus bei Kindern und Jugendlichen gibt es nicht” und ähnlichen „wissenschaftlichen Fakten” beharrten.
Wahrscheinlich war dies – hier, bei uns, die erste seriöse interdisziplinäre Konferenz, bei der Ärzte, Polizei und Spezialisten der Sozialpolitik ihre Meinungen über die Situation in der Ukraine austauschten: ganz objektiv, mit wenigen Ausnahmen wurde ehrlich gesprochen, Zahlen wurden aufgeführt, die teilweise erschreckend waren, und das alles in dem vollem Bewusstsein, dass die Ukraine die ersten Schritte zur Schaffung einer eigenen Strategie in diesem ganz und gar speziellen Feld der Sozialpolitik macht. Ein von vielen geschätzter westlicher Spezialist formulierte deutlich die Bewunderung für die in der Ukraine fortgeführte Trennung der Disziplinen Psychiatrie und Suchtbehandlung. Ein anderer, nicht weniger geschätzter Experte, lenkte die Aufmerksamkeit auf das Fehlen eines Systems, das Kindern Hilfen bei Suchtproblemen bietet (ich weiß, dass einige Beamte unseres Gesundheitsministeriums das so nicht sehen…). Man sprach auch darüber, dass Alkoholismus und Drogenabhängigkeit nicht nur zu den Kompetenzen von psychiatrischen Ärzten zählen, sondern ebenso Gegenstand der Aufmerksamkeit von Allgemeinärzten sein sollten.
Ich gestatte mir auch folgende Bemerkung: Wäre in der Ukraine kein Dienst zur Kontrolle von Drogen mit W. A. Timoschenko als Vorsitzendem entstanden, hätte es weder diese Konferenz gegeben, noch wissenschaftlich-angewandte Gespräche. Während der ganzen zwanzig Jahre unserer unerwarteten Unabhängigkeit hat es bei uns keinen koordinieren Dienst gegeben. Daher auch das Anwachsen der Epidemie von Drogenabhängigkeit, die jugendlichen Toten auf den Friedhöfen. Daher, ja insbesondere daher kommt auch der fabulöse Reichtum einiger Auserwählter des Volkes und Beamter, die sich sicher sind, weder im Frauengefängnis Katschanowskaja Kolonija, noch in anderen Gefängnissen und Werkhöfen einsitzen zu müssen.
Schade, wirklich sehr schade, dass an dieser Konferenz keine Journalisten teilnahmen. Ihre Kommentare (und nicht die nur wenige Sekunden dauernden und nichts zeigenden Kameramitschnitte des Fernsehens) hätten geholfen, auch unsere Apathie, sowie unsere feindliche Gesinnung gegenüber den Machthabenden zu verringern. Dennoch geschieht etwas Positives in unserem Land: langsam, zögerlich. Und jetzt ist Schluss… Denn politische Apathie ist bei uns ein Problem, das wir gewohnt sind, es ist normal, sozusagen. Unser berühmter Soziologe Jewgenij Golowach bemerkte weise: „Politische Apathie ist ein Zustand, dessen die Politiker das Volk beschuldigen, wenn es müde wird, ihre Versprechen anzuhören”.
01.06.2012 // Semjon Glusman, Arzt, Kollegiumsmitglied des Staatlichen Gefängnisdienstes der Ukraine
Quelle: Lewyj Bereg




Forumsdiskussionen
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?
“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“
Awarija in Ukrinform • Re: Russland attackiert erneut Grenzübergang zu Moldau in Region Odessa, Verkehr gesperrt
„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Hallo julib77,
Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.
Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)
Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.
Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht"
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Re: Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“
Anuleb in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“